Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung S.1
2. Anzeichen und Ursachen des beginnenden Wandels der Kindheit S.2
3. Kindheit heute: Veränderungen und Umbrüche S.11
4. Aspekte veränderter Kindheit heute S.17
4.1. Veränderung der familialen Lebenswelt (und der Erziehungsnormen) S.17
4.1.1. Reduktion der Geburtenrate S.17
4.1.2. Müttererwerbstätigkeit S.18
4.1.3. Vielfalt an Familienformen/-konstellationen S.18
4.1.4. Eineltern-Familien S.19
4.2. Verändertes Spiel- und Freizeitverhalten, sowie Raum - und Zeiterleben S.19
4.3. Veränderung der Kindheit durch Medien S.21
4.4. Pluralisierung derErziehungsnormen S.22
4.5. Kinder in einer Vielfalt der Kulturen /multikulturelle Gesellschaft S.23
5. Veränderte Schulkinder heute S.24
5.1. Lern- und Arbeitsverhalten S.24
5.1.1. Konzentration, Ausdauer, Unruhe S.24
5.1.2. Lern- und Leistungsorientierung S.25
5.1.3. Vorbereitung auf die Schule S.26
5.2. Soziales Verhalten und Selbständigkeit S.26
5.3. Sprachentwicklung S.27
6. Verändertes Schulleben und veränderter Unterricht S.27
6.1. Verändertes Unterrichtsverhalten seitens der Lehrpersonen S.27
6.1.1. Differenzierung und Individualisierung S.27
6.1.2. Zeit- und Unterrichtsplanung, sowie Unterrichtsstil S.28
6.1.3. Spielerische Angebote und Verschnaufpausen S.29
6.2. Elternarbeit S.29
7. Persönliche Stellungnahme S.30
7.1. Anschauungsunterricht (Realbegegnung) S.30
7.2. Ganzheitliches Lernen S.30
7.3. Handlungsorientiertes (handelndes) Lernen S.31
7.4. Soziales Lernen S.32
7.5. Schülerorientiertes Lernen S.33
II
8. Schlussfolgerung S.33
9. Literaturverzeichnis S.35
III
1. Einleitung
In den letzten Jahrzehnten hat ein schneller und tiefgreifender Wandel in fast allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens stattgefunden. Der rasante
gesellschaftliche Wandel hat einschneidende Veränderungen für das Aufwachsen der Kinder mit sich gebracht und damit auch für die Schule; man spricht auch von einem sozialen Wandel der Kindheit. Als Hauptmerkmal heutiger Kindheit wird häufig die Entsinnlichung der Lebenswirklichkeit genannt. Kinder wachsen überwiegend in einer mediatisierten und verinselten Welt auf, die von Leistungskonkurrenz geprägt ist und sinnlichen Erfahrungen nur wenig Raum lässt. Gesellschaftlich-ökonomische Veränderungen haben die Erfahrungsmöglichkeiten heutiger Kinder stark eingeschränkt, bzw. verschoben, so dass es für sie immer schwieriger wird, sich ihre Lebenswelt zu erschließen und soziale Kompetenz zu erweben. Beispiele sind die dicht besiedelten Wohngebiete und die Verhäuslichung, die sogenannten Erfahrungen aus zweiter Hand und ein veränderter Umgang mit der Zeit.
Die heutigen „Multimedia - Kids“ sind nicht mehr mit Kindern früherer Jahrgänge zu vergleichen. Sie wachsen in einer ganz anderen Welt auf, die geprägt ist durch Fernsehprogrammvielfalt, Videoclips und aufwändige Computerspiele. Die Fähigkeit zur Abstraktion und zur Konzentration ist bei vielen Schülern stark zurück gegangen.
Die Konsequenzen dieses Wandels, dessen Anfänge bereits in der Nachkriegszeit liegen, und deren Bedeutung für das Schulwesen wurden allerdings erst in den letzten Jahren wahrgenommen. Dieser Entwicklung kann die Schule entgegenwirken, indem sie den Unterricht darauf einstellt und es sich zur Aufgabe macht, zur Rückgewinnung von Erfahrungsräumen für Kinder beizutragen. Im folgenden werden wir versuchen, den Beginn, sowie den historischen Ablauf dieses Wandels darzulegen. Dabei beschreiben wir, was sich an Lebenszusammenhängen von Kindern geändert hat; denn nur durch den Blick auf verschiedene Generationserfahrungen in Kindheit und Jugend, ist es möglich diverse Phänomene des heutigen Wandels von Kindheit zu erfassen.
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2. Anzeichen und Ursachen des beginnenden Wandels der Kindheit
Seit dem Zweiten Weltkrieg hat sich ein Wandel der Sozialisationsbedingungen vollzogen. Preuss-Lausitz 1 bestätigt, dass historisch einmalige gesellschaftliche Bedingungen zu spezifischen Kindheitserfahrungen führen, welche sich dann später auch in unterschiedlichen Einstellungen gegenüber allgemeinen Entwicklungen und Ereignissen äußern. Diese Gesamterfahrungen charakterisieren die
Sozialisationsgeschichte einer Generation.
Um diese These zu belegen, hat er in seinem Buch „Kriegskinder, Konsumkinder, Krisenkinder“ verschiedene Artikel unterschiedlicher Autoren zusammengeführt, die alle jeweils das Ziel verfolgen, diese Kindheitserfahrungen und ihre Auswirkungen zu schildern. Die Berichte sind das Resultat von Diskussionen, in denen die Autoren untereinander sowie mit anderen Personen verschiedener Generationen in Kontakt traten.
Im folgenden werden wir die Anfänge, den Verlauf und die Folgen dieses Wandels aufzeigen, indem wir zuerst versuchen eine jeweils zusammenfassende Beschreibung der verschiedenen Artikel, die sich in „Kriegskinder, Konsumkinder, Krisenkinder“ befinden, zu geben. Anschließend nehmen wir den Versuch vor, eine Schlussfolgerung dieser Dokumentationen hinsichtlich der Relation zwischen Sozialisationsgeschichte und Kindheit im Wandel zu formulieren.
Die „Nachkriegskinder“ und die „Konsumkinder“- Kindheitsverläufe zweier Generationen (Yvonne Schütze/Dieter Geulen)
Die Autoren vergleichen hier die Generation der 40er mit der der 60er Jahre, um die unterschiedlichen Folgen, sowie Auswirkungen, der jeweiligen Kindheitserfahrungen und erlebten Erziehung aufzuzeigen.
• Charakteristiken typischer Kindheit der 40er Generation:
Mangel an allem, vaterloses Aufwachsen in den frühen Kindheitsjahren, Versorgung durch die Mutter die auch den Mittelpunkt der Familie darstellt, Selbstständigkeit der Mutter, Rückkehr des Vaters⇒Verschärfung familiärer Konflikte, Geringe Autoritätsanerkennung der Kinder in Bezug auf ihren Vater, Kinderarbeit im Haushalt,
1 Ulf Preuss-Lausitz (Hrsg.) u.a., Kriegskinder, Konsumkinder, Krisenkinder , Weinheim 1995
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ständige Suche nach etwas Essbarem, Spielen draußen in Umgebung und in Trümmern zerfallener Gebäude, während Freizeit waren Kinder der elterlichen Kontrolle entzogen, räumliche Enge, keine kindgerechte- zentrierte Erziehung, körperliche Strafe durch Prügel, Tabuisierung von Politik und Sex. Im Jugendalter werden viele dieser Kinder zu Rebellen, teilweise auch zu Vandalen, was zahlreiche Jugendbewegungen in den 60er Jahren verdeutlichen. Diese Generation hat den persönlichen Wunsch andere Erziehungsstile (meistens antiautoritäre Erziehung) für ihre Kinder anzuwenden als sie selbst erleben mussten.
• Charakteristiken typischer Kindheit der 60er Generation
Leben in einer geordneten Welt, stabile Familienverhältnisse (bürgerliche Kleinfamilie), gute materielle Versorgung, Liberalisierung im Erziehungsstil, Eltern kümmern sich um ihre Kinder, vorgefertigtes Spielzeug, vermehrtes Spielen zu Hause, Erziehungs- und Bildungsreform, Verbreitung des Fernsehens, Kinder werden zu Trägern des Massenkonsums.
Als Jugendliche entwickelt diese Generation eine eigene „alternative“ Kultur mit einer eigener Infrastruktur und politischen Motiven, an Stelle des herrschenden Systems. Bei dieser Generation kommt es im späteren Jugendalter ebenfalls zu einer Rebellion, die im Gegensatz zu jener der 40er Generation allerdings gewaltfreier ist und auf einer eher verbalen Ebene erfolgt. Ziel dieser Rebellion ist ein Entziehen der Bevormundung und Kontrolle sowohl durch den Staat, als auch durch das Elternhaus.
Halbstarke 1958, Studenten 1968: Eine Generation und zwei Rebellionen (Marina Fischer-Kowalski)
Die Autorin fasst die Kinder, die zwischen 1938 und 1948 geboren sind, unter einer Generation zusammen. Diese Generation hat die Träger zweier weltweiter Jugendbewegungen hervorgebracht: Die Halbstarkenbewegung (Höhepunkt 1958) und die Studentenbewegung (1968). Diese Generation stellt etwas wie einen Wendepunkt in der Geschichte dar.
Diese Jugendlichen haben eine ganz andere Beziehung zu sich selbst und zur Umwelt erfahren und entwickelt, die in Untersuchungen unter der Trennung von Körper und Geist, der Trennung von männlich und weiblich und der Trennung nach Klassen gegliedert wurde. Die Gesellschaft hat Widersprüche in den
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Lebensgeschichten dieser Menschen hervorgebracht, die diese in die Lage versetzt haben, sich zu wehren.
Wie kennzeichnen sich die Bewegungen?
• Halbstarken
Die Bewegung erstreckt sich über den Zeitraum zwischen 1955 und 1960 und wird hauptsächlich von Jugendlichen der Arbeiterklasse, eines Alters von etwa 12 bis 18 Jahren, getragen. Sie verfolgen die Ziele freiere Handlungsräume und Zugang zu bestimmten Kulturelementen zu erhalten, sowie die Bevormundung der Erwachsenen zurückzudrängen. Sie schließen sich oft in Straßenbanden zusammen. Das Erscheinungsbild der Jungen ist durch Motorräder, Jeans, Lederjacken und langes fettiges Haar geprägt, das der Mädchen meist durch schwingende Röcke und breite Gürtel, toupiertem Haar und aufreizender, durch Jeans unterstrichene, Kurven. Das Hören von Rock ‘n Roll Musik gehört zu ihrer Rebellion. Das Provozieren von Autoritäten und eine hohe Gewaltbereitschaft charakterisieren das Agieren der Halbstarken, die wenig Verständnis von der Gesellschaft erhielt. Die Jugendlichen wurden eher kriminalisiert und viele fanden den Tod in Eskalationen von Gewalt und Selbstzerstörung.
• Studentenbewegung
Sie fand zwischen 1965 und 1970 statt und wurde hauptsächlich von der neuen Mittelklasse und den Intellektuellen getragen, die zwischen 17 und 27 waren. Ziele sind die Verbesserung der Studierbedingungen und die Destruktion des bürgerlichen Subjekts. Das Erscheinungsbild dieser Jugendlichen ist meist das allseitig bekannte Hippieaussehen. Auch wenn es bei dieser Bewegung noch oft zu Auseinandersetzungen kam, verlief das Agieren der Studenten auf einer eher verbalen und theoretischen Ebene.
Es gibt eine gewisse Überlappung der Geburtsjahre der Träger der Halbstarkenbewegung und jener der Studentenrevolte, wegen unterschiedlichen Charakters und Klassenunterschieds ist es jedoch kaum wahrscheinlich, dass Jugendliche an beiden Bewegungen teilnahmen. Es können viele gemeinsame Merkmale beider Bewegungen lokalisiert werden:
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• Beide Bewegungen sind durch einen beträchtlichen Anteil Jugendlicher gekennzeichnet
• Sie entstanden als Massenerscheinungen fast gleichzeitig in den meisten industriellen Ländern
• Männliche Abkömmlinge ganz bestimmter sozialer Klassen dominierten jeweils die Bewegungen
• Beide umfassten im Gegenteil zu früheren Bewegungen auch weibliche Jugendliche
• Die Träger befanden sich jeweils in der Lebensphase nachlassender elterlicher Kontrolle
• Beide Bewegungen werden durch Berichterstattungen, die von den aufkommenden Massenmedien erstellt werden, unterstützt
• Musik stellte jedes Mal einen wichtigen Faktor dar
Was macht diese Generation, geboren während des Krieges oder in den unmittelbaren Nachkriegsjahren, so rebellisch?
Ihre Kindheit ist hauptsächlich durch soziale Desorganisierung geprägt. Die Eltern waren mit dem täglichen Überleben beschäftigt und hatten somit keine Zeit ihre Kinder zu erziehen und zu kontrollieren. Letztere konnten in ihrer Freizeit relativ tun und lassen was sie wollten. Zu Hause mussten sie jedoch bei den Aufgaben des täglichen Überlebens mithelfen, so dass ein Widerspruch zwischen Freiheit und Gehorsam entstand.
Im Kontrast hierzu steht wiederum die politische und familiale Rekonstruktion, welche diese Kinder wenig später im Alter zwischen Schuleintritt und Pubertät traf. Nach Meinung der Autoren haben die Jugendbewegungen drei konstitutive Elemente des „bürgerlichen Subjekts“ aufgebrochen. Die Einstellungsänderungen vollziehen sich auf den bereits oben erwähnten drei grundlegenden Trennungen: In der bisherigen Gesellschaft war der Körper stets dem Geist unterworfen; es wurde nur Kopfarbeit geleistet. Außerdem herrschte eine latente Feindseligkeit gegenüber dem eigenen Körper vor. Die Jugendlichen haben allerdings versucht Körper und Geist wiederzuvereinigen und auf gleichberechtigte Weise zu gebrauchen und zu befriedigen. Auch galt die Frau in der Gesellschaft bis dato als untergeordnet. In beiden Bewegungen treten Elemente von „Frauenbefreiung“ auf, so dass der zuvor
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Arbeit zitieren:
Géraldine Haller, Antonia Kirsch, 2002, Kindheit im Wandel - Veränderte Bedingungen des Aufwachsens in jüngerer Zeit, München, GRIN Verlag GmbH
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