Gliederung
1. Einleitung
2. Ansatz der Gruppendiskussion
3. Anwendung der Gruppendiskussion
3.1. Gruppenprozesse
3.2. Gruppenmeinung
3.3. Meinungsspektrum
3.4. Unterstützung von standardisierten
Forschungsmethoden
4. Durchführung der Gruppendiskussion
4.1. Ablauf der Gruppendiskussion
4.2. Haupt-Variablen der Gruppendiskussion
5. Nachteile und Vorteile der Gruppendiskussion
5.1. Nachteile
5.2. Vorteile
5.3. Fazit
Literaturverzeichnis
2
1. Einleitung
In der Gruppendiskussion diskutieren in der Regel 6 -12 Gruppenteilnehmer ein bis vier Stunden unter der Leitung eines Gruppenleiters über ein vorgegebenes Thema. 1 Die Gruppendiskussion ist eine nicht-standardisierte, mündliche Forschungsmethode. 2 Sie kann als Befragung, Beobachtung oder Experiment eingesetzt werden und ist damit bei den Methoden immer im Bereich der Inhaltsanalyse zu sehen. 3 Lamnek schlägt dabei vor: „ ... die Gruppendiskussionen nicht der Methode der Befragung zuzuschlagen, sondern sie – in Abhängigkeit von den jeweiligen Erkenntnisinteressen ... zu betrachten.“ 4 Er begreift sie als eigenständige Technik oder als Sonderform der Befragung. 5 Die Gruppendiskussion wird nach ihm vorwiegend als ermittelnde Technik eingesetzt und kann auch eine vermittelnde Funktion haben. Bei der vermittelnden Funktion, ist der Zweck der Gruppendiskussion die Erkenntnisvermittlung an die Teilnehmer und deren Verhaltensänderung. Zum Beispiel für therapeutische Zwecke. 6 Weil die Gruppendiskussion vorwiegend als ermittelnde Technik eingesetzt wird, werde ich im weiteren die Gruppendiskussion nur als ermittelnde Technik verstehen. Die Ergebnisse der Gruppendiskussion sind vor allem qualitative Forschungsergebnisse 7 und nur selten quantita tiv. 8 Mit ihrem ersten Einsatz 1936 und ihrer größeren Verbreitung in den 70’er und 80’er Jahren, ist die Gruppendiskussion eine junge Forschungsmethode und es bedarf noch an Forschung an der Methode selber, um ihr Potential voll ausschöpfen zu können. 9 Die Gruppendiskussion kann in vielen Forschungsbereichen eingesetzt werden: Soziologie, Psychologie, Pädagogik, Politikwissenschaft, Medizin etc. 10 Zur Veranschaulichung werde ich die vier Hauptgebiete der
1 Siehe Friedrichs 1978, S. 246, 248, 249.
2 Siehe Lamnek 1998, S. 32.
3 Siehe Lamnek 1998, S. 22 f.
4 Siehe Lamnek 1998, S. 22.
5 Siehe Lamnek 1998, S. 25.
6 Siehe Lamnek 1998, S. 27 f.
7 Siehe Lamnek 1998, S.11.
8 Siehe Lamnek 1998, S. 25.
9 Siehe Lamnek 1998, S. 17 und Kitzinger 1994, S. 104.
10 Siehe Lamnek 1998, S. 73.
3
Anwendung von Gruppendiskussion unter Punkt drei vorstellen. Im einzelnen sind das:
- Gruppenprozesse
- Gruppenmeinung
- Meinungsspektrum
- Unterstützung von standardisierten Forschungsmethoden
2. Ansatz der Gruppendiskussion
Der Ansatz der Gruppendiskussion ist, dass die individuelle Meinung immer abhängig von der Situation, dem Kontext ist und die einzelnen Meinungen in diesem Rahmen betrachtet und gedeutet werden müssen. 11 Weitergedacht: Wenn Situationen und Kontexte variieren, variiert auch die Meinung vom Individuum. 12 Wenn beispielsweise alle, bis auf einen in der Gruppe dieselbe Meinung haben und sich bereits zu ihr bekannten, ist es für den letzten schwieriger eine entgegengesetzte Meinung zu vertreten. Man muss sich ständig fragen, ob jemand das, was er sagt aus Überzeugung sagt oder es nur sagt, weil er sich nicht von der Gruppe isolieren möchte. Eine Studie ergab zum Beispiel, dass Männer sich chauvinistischer in einer Gruppe äußern, als bei einem Zweiergespräch. 13 Welche Tendenz entspricht nun der Wahrheit – die in der Gruppe oder die in dem Zweiergespräch? Die Herausforderung der Meinungsforschung ist, die wahren und authentischen Meinungen ihrer „Untersuchungsobjekte“ heraus zu finden. Doch sollte man es akzeptieren, dass es die wahre Ansicht nicht gibt und die Meinung des einzelnen variiert? Vielleicht sollte man sich mit einer relativen Wahrheit begnügen anstatt nach der absoluten Wahrheit zu suchen? Wight schlägt vor dass, „selbst dann, wenn zwei unterschiedliche Techniken (hier Gruppendiskussion versus Einzelinterview) unterschiedliche Ergebnisse zum gleichen Problem liefern, nicht zwingend davon ausgegangen werden kann, dass ein Ergebnis falsch wäre.“ 14 Auf jeden Fall hat die
11 Siehe Morgan 1997.
12 Siehe Lamnek 1998, S. 33.
13 Siehe Wight 1994.
14 Wight zitiert nach Lamnek 1998, S. 33.
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Gruppendiskussion die Möglichkeit das gesellschaftliche Umfeld und den Kontext zu berücksichtigen oder vorzugeben in der sich ein Individuum oder eine Gruppe eine Meinung verschafft. Die Gruppendiskussion lehnt sich am alltäglichen, informellen Gespräch an und besitzt durch seine Natürlichkeit ein Basiskriterium qualitativer Forschung. 15
3. Anwendung der Gruppendiskussion
Mit Hilfe der Gruppendiskussion können hauptsächlich Gruppenprozesse, Gruppenmeinungen, ein Meinungsspektrum festgestellt und standardisierte Forschungsmethoden unterstützt werden. Kurz aufgelistet sind hier besonders geeignete Themenfelder für die Gruppendiskussion: 16
- Motivanalyse in der Markt- und Meinungsforschung
- Einstellung der Bevölkerung zum Nationalsozialismus
- Reaktionen auf Massenmedien
- Auswirkungen von politischen Maßnahmen
- Arbeitermitbestimmung
- Minoritätsprobleme
3.1. Gruppenprozesse
Die Gruppendiskussion wurde als Forschungsmethode das erste Mal zur Analyse von Gruppenprozessen angewandt und entdeckt. 17 Die Erforschung von Prozessen in der Gruppe wird vornehmlich von Sozialpsychologen, Psychologen und Pädagogen durchgeführt. Der Gruppenprozess oder die Gruppendynamik umfasst Meinungsbildungsprozesse, Gruppenbildungsprozesse, Herausbildung von Funktionsstrukturen, Kommunikationsprozesse, sowie Kooperation und Interaktion der Gruppenmitglieder. Weil es um die Prozesse in der Gruppe geht und nicht um spezielle Meinungen, ist das der Gruppendiskussion gesetzte Thema eher nachrangig. 18
15 Siehe Lamnek 1998, S. 34.
16 Siehe Friedrichs 1978, S.248 und Lamnek 1998, S. 69, 72.
17 Siehe Lamnek 1998, S. 17.
18 Siehe Lamnek 1998, S.59.
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Arbeit zitieren:
Tobias Düring, 2000, Gruppendiskussion, München, GRIN Verlag GmbH
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