INHALTSVERZEICHNIS
1. Beleuchtung der Problemstellung 4
2. Sachanalyse 4
2.1. Biblische Quellen zum Thema 4
2.2. Theologiegeschichtliche Bezüge zur Fragestellung 5
2.3. Stellung der Eucharistie im orthodoxen Glauben 6
2.4. Der Ablauf der Eucharistiefeier. 7
2.5. Systematisch-theologische Aspekte der Göttlichen Liturgie 9
3. Schlussbetrachtung 10
Literaturverzeichnis 11
Erklärung 12
3
1. Beleuchtung der Problemstellung
In Deutschland steigt die Zahl der orthodoxen Christen durch die hohe Zuwanderungsrate aus Osteuropa und dem Mittleren Osten beständig an. 1 Diese Tatsache sollte das Interesse der anderen christlichen Konfessionen wecken. Problematisch erscheint mir bei der Integration der orth. Migranten unter anderem, dass es keine Kirchengemeinschaft der orth. und der evangelischen Kirche gibt und die orth. Kirche auf einer geschlossenen Kommunion besteht. Während die ev. Kirche getauften Angehörigen anderer christlichen Konfessionen Gastfreundschaft gewährt ohne sie damit zur Konversion zu drängen 2 , ist eine solche Haltung im Gegenzug für die orth. Kirche undenkbar.
Wie kommt das? Wenn sich beide Konfessionen auf die Heilige Schrift berufen - was kann dann so trennend im Abendmahlsverständnis sein? Wie versteht der orth. Christ die Eucharistie?
2. Sachanalyse
2.1. Biblische Quellen zum Thema
Die Einsetzungsworte Jesus (Mk 14, 22-24; Mt 26,26-28; Lk 22,19-20; 1 Kor 11,23-25) besagen, dass er bereit war, die Schrift (vgl. Jes 53) zu erfüllen und als Opfer für Viele zu sterben. Aus diesem Wissen heraus gab er seinen Jüngern bei ihrem letzten gemeinsamen Mahl bereits im Voraus Anteil an der erlösenden Wirkung seines Todes. 3 Dabei setzte Jesus Brot und Wein mit seinem Leib und Blut gleich und gab seinen Jüngern davon „... als Gabe des Heils und Unterpfand für die Sündenvergebung.“ 4 Diese Deutung der Lebensmittel auf das Heilsgeschehen hat ihr Vorbild im Passa - Ritus, bei dem die Elemente des Mahls auf die Erfahrungen des Volkes Israel im Zusammenhang mit dem Exodus und der Passa - Nacht bezogen werden und das Mahl Erinnerungs- u. Wiederholungscharakter hat. 5
Bereits in der urchristlichen Jerusalemer Gemeinde wurden gemeinsame Mahle nach der Art, wie sie Jesus mit seinen Jüngern hielt, gefeiert (vgl. Apg 2,42.46; 20,7). Diese gemeinschaftlichen Mahlzeiten am Abend oder am Herrentag beinhalteten ein Sättigungsmahl und das heilige Abendmahl. Man erwartete das baldige Wiederkommen
1 Vgl. Thöle, 8.
2 Vgl. EKD, 56.
3 Vgl. Betz, 2/3.
4 Betz, 3.
5 Vgl. Betz, 3.
4
des Messias. Der Gemeinschaftscharakter des Mahls wird z. B. auch im 1. Kor 10, 16 f betont. Paulus spricht vom ‚Passalamm’(1Kor 5,7), ‚Herrenmahl’(1Kor 11,20-43) und ‚Tisch des Herrn’(1Kor 11,20). „Der Herr des Mahls ist der erhöhte Gottessohn und endzeitliche Adam; die Christen feiern das Mahl mit ihm als die Glieder an seinem Leib.“ 6 Durch das Blut des Messias erfolgt die Sündenvergebung und bildet somit den Grund für den Neuen Bund (Vgl.2Mo 24,8 und Jer 31,34).
Im Johannes - Evangelium wird Jesus als das echte Passalamm bezeichnet und stirbt genau zu dem Zeitpunkt, an dem im Tempel die Passalämmer geschlachtet werden. Demzufolge kann das Abendmahl kein Passa- Mahl gewesen sein, es sei denn ein vorgezogenes. Fleisch und Blut Jesu werden im Jh. - Ev. als die wahre, ewiges Leben schenkende Speise beschrieben.
Im Hebräerbrief (Hebr 13,10-13) drückt Paulus aus, dass der Altar der Schrift zugleich auch Altar des Neuen Bundes ist - von dem aber die Diener desselben - also die Priesternicht essen dürfen. Das Herrenmahl ist also laut Paulus nicht an den Priesterstand gebunden, wie es dagegen der Kult des Alten Bundes verlangte und den auch die Alte Kirche zu feiern pflegte. 7
2.2. Theologiegeschichtliche Bezüge zur Fragestellung
Die eigenständigen orthodoxen Kirchen, die sich gemeinsam als orthodoxe morgenländische rechtgläubige katholische Kirche bezeichnen, haben die gemeinsame theologiegeschichtliche Grundlage, dass sie sich auf die Beschlüsse der sieben Ökumenischen Konzilien der ungetrennten Alten Kirche berufen, welche als ihre Dogmen zu betrachten sind. 8 Als die von der orthodoxen Kirche anerkannten Konzilien sind die folgenden zu nennen: Das Konzil von Nicaea (325), welches die Wesensgleichheit von Vater und Sohn feststellte; das 1.Konzil von Konstantinopel (381), welches zum Ergebnis kam, dass der Heilige Geist göttlich sei; „das K. von Ephesus (431), das (...)die Niedrigkeitsaussagen der Heiligen Schrift auf den Logos selbst bezog und Maria ausdrücklich als ‚Gottesgebärerin’ bezeichnete“ 9 ; das K. von Chalkedon (451), welches entschied, Christus sei sowohl wahrer Gott als auch wahrer Mensch; das 2. K. von Konstantinopel (553), bei dem viele Theologen, auch Origenes, posthum als Häretiker ausgesondert wurden; das 3. K. von Konstantinopel (681), welches sich dagegen
6 Betz, 3.
7 Vgl. Betz, 3/4.
8 Vgl. Meinhold, 127, 143/144.
9 Sieben, 1161.
5
Arbeit zitieren:
Ulrike Tschirner, 2003, Das Abendmahlsverständnis in der orthodoxen Kirche, München, GRIN Verlag GmbH
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