Das vorrangige Ziel dieser Arbeit ist es, einem interessierten Existenzgründer, der eine „(Nachhilfe-)Schule“ eröffnen möchte, einen ersten Einblick in die grundlegenden Fragen der Unternehmensgründung zu vermitteln. Es wird im Besonderen darauf hingewiesen, dass sich diese Diplomarbeit in erster Linie mit der Neugründung einer solchen Unternehmung beschäftigt. Diese Arbeit ist in drei Abschnitte unterteilt, wobei der erste, einen allgemeinen Überblick über die Betätigung als selbständiger Lehrer, mit Schwerpunkt „Schülernachhilfe“, geben soll und Informationen zum Nachhilfemarkt bereitstellt. Da die Eröffnung einer „Nachhilfeschule“ gewerblich wie auch freiberuflich erfolgen kann, wird hier auch eine Einführung in die jeweils zu beachtenden gewerblichen als auch freiberuflichen „Standesregeln“ gegeben. Zusätzlich erfolgt eine kurze Einführung ins Schulrecht. Im zweiten, dem größten Teil, werden allgemeine Informationen zur selbständigen Tätigkeit gegeben. Im dritten Abschnitt wird ein Beispielbusinessplan vorgestellt, der die relativ abstrakten Ausführungen der ersten Abschnitte näher bringen soll und als Hilfsmittel für betriebswirtschaftliche Berechnungen sowie als Unternehmenskonzept, z.B. für ein Bankgespräch, dienen kann. Um möglichst tief in die Materie einzudringen, sind mehrer Interviews durchgeführt worden. Rede und Antwort standen Mitarbeiter des Existenzgründerbüros in München, Angestellte des Kultusministeriums Bayern, Beamte der Regierung Oberbayern, Nachhilfe-gebende Studenten, Eltern von Nachhilfeschülern, die Nachhilfeschüler selbst sowie Inhaber und Mitarbeiter von bereits existierenden Nachhilfeschulen, usw.
Inhaltsverzeichnis
I. Betrachtungen zur Existenzgründung im Bereich “Schülernachhilfe“
1. Einführung
1.1 Ziel und Gang der Arbeit
1.2 Momentane Situation der Nachhilfe
1.3 Zukunftsprognosen
1.3.1 Pisa und ihre Folgen
1.3.2 Prognosen und Vermutungen
1.4 Zahlen und Fakten
1.4.1 Allgemeine Fragen zur Nachhilfe
1.4.2 Schülerumfrage
1.4.3 Studie
2. Geschäftsidee
2.1 Rahmenbedingungen
2.1.1 Besondere stattliche Auflagen
2.1.2 Freiwillige Auflagen / INA
2.2 Vorraussetzungen/Berufsbild/Ausbildung
3. Freier Beruf oder Gewerbe?
3.1 Die ähnlichen Berufe
3.2 Die Tätigkeitsberufe
3.2.1 Wissenschaftliche Tätigkeit
3.2.2 Unterrichtende Tätigkeit
3.3 Abgrenzung zum Gewerbe
3.4 Gemischte und untrennbar gemischte Tätigkeiten
3.5 Beispiele aus der Rechtsprechung
3.5.1 Fahrschule
3.5.2 Sportschule
3.5.3 Fazit
3.6 Standesrechtliche Besonderheiten
3.6.1 Berufsrechtliche Unterschiede
3.6.2 Steuerrechtliche Unterschiede
4. Schulrecht
4.1 Schule
4.2 Ersatzschule
4.3 Verfahren
4.4 Ergänzungsschule
4.5 Freie Unterrichtseinteilung
II. Allgemeine Betrachtungen zur Existenzgründung
5. Art der Gründung
5.1 Neugründung
5.2 Kleingründung
5.3 Teamgründung
5.4 Franchise
5.5 Standortwahl
5.6 Betriebsräume
6. Unternehmenskonzept
6.1 Äußere Einflussfaktoren
6.2 Gewinnplanung
6.3 Umsatz
6.4 Liquiditätsplan
7. Unternehmen und Recht
7.1 Steuerrecht
7.1.1 Umsatzsteuer
7.1.2 Einkommenssteuer
7.1.3 Gewerbesteuer
7.1.4 Aufzeichnungs- und Buchführungspflichten
7.2 Gewerberecht
7.2.1 Anmelden
7.2.2 Anzeigen
7.2.3 Gewerbeschein
7.2.4 Finanzamtanmeldung
7.2.5 Steuernummer
7.3 Gesellschaftsrecht
7.3.1 Rechtsformen
7.3.2 Eintragung ins Handelsregister
7.3.3 Kleingewerbe
7.3.4 Einzel-Unternehmer
7.3.5 BGB-Gesellschaft / GbR
7.3.6 eingetragener Kaufmann / eingetragenen Kauffrau (e. Kfm. / e. Kfr.)
7.3.7 Kommanditgesellschaft
7.3.8 Gesellschaft mit beschränkter Haftung
7.3.9 Partnerschaftsgesellschaft
7.4 Versicherungsrecht
7.4.1 Sachversicherungen
7.4.2 Vermögensversicherungen
7.4.3 Rechtsschutzversicherung
7.5 Arbeitsrecht
7.5.1 Einstellung von Mitarbeitern
7.5.2 Lohnsteuer
7.5.3 Betriebsnummer
7.5.4 Sozialversicherungsausweis
7.5.5 Meldepflicht und Meldefrist
7.5.6 Sozialabgaben
7.5.7 Freie Mitarbeiter
8. Finanzierung
8.1 Leasing
8.2 Bonitätsprüfung
8.3 Staatliche Fördermaßnahmen
8.4 Formen öffentlicher Finanzierung
8.4.1 ERP – Existenz
8.4.2 ERP – Eigenkapitalhilfe
8.4.3 DtA – Existenz
8.4.4 DtA – Startgeld
8.4.5 DtA – Mikrodarlehen
8.4.6 Bayerische Mittelstandsprogramm
8.5 Bürgschaften
8.6 Kapitalbeteiligungen
9. Soziale Sicherung des Unternehmers
9.1 Eigenverantwortung
9.2 Krankenversicherung
9.2.1 Gesetzliche Krankenversicherung
9.2.2 Krankentagegeld
9.2.3 Familienversicherung
9.2.4 Private Krankenversicherung
9.2.5 Selbständige Nebentätigkeit von Studenten
9.3 Pflegeversicherung
9.4 Rentenversicherung
9.4.1 Pflichtversicherung für Selbständige
9.4.2 Pflichtversicherung auf Antrag
9.4.3 Befreiung von der Pflichtversicherung
9.4.4 Mehrfachversicherung
9.4.5 Selbständige Nebentätigkeit
9.4.6 Studenten
9.4.7 Anschriften der LVA/BfA
9.4.8 Staatlich geförderte Altersversicherung
9.5 Gesetzliche Unfallversicherung
9.5.1 Berufsgenossenschaft und Unternehmensgründung
9.5.2 Versicherungsfälle
9.5.3 Versicherter Personenkreis
9.5.4 Meldung von Versicherungsfällen
9.5.5 Unternehmerversicherung
9.5.6 Beitragszahlung
9.6 Arbeitslosenversicherung
9.7 Berufsunfähigkeitsversicherung
III. Beispielbusinessplan
Erläuterungen zum Plan
1. Beschreibung des Gründungvorhabens
2. Persönliche Angaben
3. Angaben zur Qualifikation und Berufserfahrung
4. Rechtliche Vorraussetzungen
5. Rechtsform
6. Marktbeschreibung
6.1 Kunden
6.2 Wettbewerb
7. Organisation
8. Rechnungswesen
9. Dienstleistungsprogramm
10. Geplante Anfangswerbung
11. Standortwahl
12. Investitionen zur Gründung
13. Finanzierungsplan
14. Kapitaldienst (Zins- und Tilgungsbelastung)
15. Personalplan
16. Laufende Kosten
17. Privatentnahmen
18. Umsatzplanung
19. Ertragsvorschau
20. Liquiditätsplan
21. Anhang zum Businessplan
21.a Beispielvertrag zwischen einer Schülernachhilfe und ihrem Kunden
21.b Dienstleistungsangebot und Preisliste
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Diplomarbeit ist es, Existenzgründern, die eine Nachhilfeschule eröffnen möchten, einen umfassenden Einblick in die relevanten Fragestellungen der Unternehmensgründung zu geben. Dabei werden sowohl freiberufliche als auch gewerbliche Aspekte sowie schulrechtliche Rahmenbedingungen und ein beispielhafter Businessplan detailliert behandelt.
- Analyse des Nachhilfemarktes und künftige Erfolgsaussichten
- Unterscheidung zwischen freiberuflicher Tätigkeit und Gewerbe
- Rechtliche und steuerliche Aspekte der Existenzgründung
- Strukturierung eines Businessplans mit Finanzierungs- und Liquiditätsplan
- Versicherungsrechtliche Absicherung des Unternehmers
Auszug aus dem Buch
1.2 Momentane Situation der Nachhilfe
Längst wird in Deutschland wieder Schulgeld bezahlt. Bereits 1995 hatte eine Studie ergeben, dass Eltern in Deutschland jede Woche 30 Millionen Mark für Nachhilfe ausgeben. Inzwischen sollen es europaweit bereits 18 Milliarden Euro pro Jahr sein, mit denen Eltern versuchen, ihren Kindern im Kampf um eine berufliche Zukunft bessere Startchancen zu verschaffen. Ließ sich vor vier Jahren erst jeder fünfte Schüler nachmittags helfen, so gaben Eltern jetzt an, dass jeder dritte Schüler an allgemein bildenden Schulen Nachhilfe bekommt, in der Pubertät sogar fast jeder zweite. "Nachhilfe stellt inzwischen einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar", bilanziert das IW durch eine eigene Studie.
Bundesweit fallen jährlich Millionen von Unterrichtsstunden in den Schulen aus. Laut Deutschem Lehrerverband (DL) haben die Länder insgesamt, unter dem Druck leerer Kassen und wachsender Schülerzahlen, den Unterricht um rund ein Zehntel gekürzt - bei einem im internationalen Vergleich ohnehin niedrigen Stundenkonto. Kein Wunder, dass bei solch massivem Unterrichtsausfall Eltern auf die Idee kommen, ihrem Kind Zusatzunterricht zu organisieren. Dabei werden Schulnoten immer entscheidender für Berufs- und Lebenschancen. Durchschnitt reicht auch im Gymnasium längst nicht mehr. Arbeitgeber kritisieren die geringe Leistungsstärke der Schulabgänger.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Stellt das Ziel der Arbeit vor und analysiert die aktuelle Marktsituation sowie Zukunftsprognosen für den Nachhilfeunterricht.
2. Geschäftsidee: Erläutert die Rahmenbedingungen einer Gründung, staatliche Auflagen und das Anforderungsprofil für Nachhilfelehrer.
3. Freier Beruf oder Gewerbe?: Detaillierte juristische Abgrenzung zwischen freiberuflicher Lehrtätigkeit und Gewerbebetrieb anhand von Beispielen aus der Rechtsprechung.
4. Schulrecht: Vermittelt die rechtlichen Voraussetzungen für die Gründung von Ersatz- und Ergänzungsschulen.
5. Art der Gründung: Beschreibt verschiedene Gründungsformen, von der Neugründung über Kleingründung bis hin zu Franchise-Systemen.
6. Unternehmenskonzept: Behandelt strategische Faktoren, Gewinnplanung und realistische Umsatzprognosen für Gründer.
7. Unternehmen und Recht: Übersicht über Steuerrecht, Gewerberecht, Gesellschaftsrecht, Versicherungsrecht und Arbeitsrecht für den Unternehmensinhaber.
8. Finanzierung: Detaillierte Darstellung von Kredit-Alternativen, Leasing, Bonitätsprüfung und staatlichen Förderprogrammen.
9. Soziale Sicherung des Unternehmers: Umfassender Ratgeber zu Kranken-, Pflege-, Renten- und Unfallversicherungen für Selbständige.
III. Beispielbusinessplan: Konkretes Modell eines Businessplans inklusive Finanzierungsdaten, Personalplan und Umsatzplanung für eine Nachhilfeschule.
Schlüsselwörter
Nachhilfe, Existenzgründung, Schülernachhilfe, Gewerberecht, Freiberufler, Businessplan, Bildungsmarkt, Finanzierung, Steuerrecht, Schulrecht, Personalplanung, Unternehmensgründung, Umsatzprognose, Sozialversicherung, Versicherungsrecht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Diese Diplomarbeit bietet einen fundierten Leitfaden für Existenzgründer, die eine Nachhilfeschule eröffnen möchten, unter Berücksichtigung aller notwendigen rechtlichen, steuerlichen und betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen die Marktanalyse, die Abgrenzung zwischen freiberuflicher Tätigkeit und Gewerbe, die Gestaltung eines Businessplans sowie die notwendige soziale Absicherung des Unternehmers.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, dem Gründer einen umfassenden Überblick zu verschaffen, wie man eine Nachhilfeschule plant, rechtlich einstuft und betriebswirtschaftlich erfolgreich führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Studienanalyse sowie Experteninterviews mit Vertretern von Existenzgründerbüros, Ministerien und bereits existierenden Nachhilfeinstituten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den Themen Steuer- und Gewerberecht, den verschiedenen Unternehmensrechtsformen, Finanzierungsmöglichkeiten und der sozialen Absicherung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Nachhilfe, Existenzgründung, Businessplan, Freiberufler, Gewerberecht, Finanzierung und soziale Absicherung.
Ist der Betrieb einer Nachhilfeschule zwingend ein Gewerbe?
Nicht zwingend. Es kommt auf die individuelle Ausgestaltung der Tätigkeit an. Unter bestimmten Voraussetzungen (eigenverantwortliche Lehrtätigkeit) kann eine solche Schule als freiberufliche Tätigkeit eingestuft werden, was steuerliche Vorteile bietet.
Was bedeutet der "Geprägetheorie" für Nachhilfeschulen?
Die Geprägetheorie entscheidet bei gemischten Tätigkeiten (freiberuflich/gewerblich) darüber, welche Tätigkeit für das Erscheinungsbild des Unternehmens prägend ist und damit die steuerliche Einordnung bestimmt.
- Arbeit zitieren
- Christian Theiss (Autor:in), 2003, Existenzgründung im Bereich "Schülernachhilfe", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23843