Inhaltsangabe
1 Einleitung 3
2 Entstehungskontexte des Trainings 5
2.1 Interkulturelle Trainings im Allgemeinen 5
2.1.1 Zur Anwendung des Begriffs Training für interkulturelle
Bildungsprogramme 5
2.1.2 Zum Ursprung und zur Entwicklung von interkulturellen Trainings 7
2.1.3 Zu Kategorisierungen von interkulturellen (Management ) Trainings 9
2.1.3.1 Eine Differenzierung nach den Inhalten 10
2.1.3.2 Eine Differenzierung nach der Methode 12
2.1.3.3 Eine Differenzierung nach den Zielen 13
2.1.3.4 Eine Differenzierung nach dem interkulturellen Bildungsansatz 14
2.2 Die Entstehung des Eine Welt der Vielfalt - Konzepts 15
2.2.1 Die amerikanische ADL und A World of Difference 15
2.2.2 Das deutschen Eine Welt der Vielfalt - Konzept 17
3 Durchführungsmodi und ihre Kontexte 18
3.1 Die strukturelle Organisation (Makrodidaktik) 18
3.1.1 Die Koordination 19
3.1.2 Das Trainer- und Ausbildungssystem 20
3.1.3 Die Finanzierung und Kooperationen 22
3.1.4 Die Qualitätssicherung 23
3.2 Die Seminar-Organisation (Mikrodidaktik) 25
3.2.1 Der/ die ModeratorIn 25
3.2.2 Die Adressaten 27
3.2.3 Eine Welt der Vielfalt - Materialien 28
3.2.4 Der Seminarablauf 30
3.2.5 Der zeitliche Umfang 33
3.2.6 Veranstaltungsorte 34
4 Betrachtung des Trainings als didaktisches Konzept 34
4.1 Die Ziele des Programms 34
4.1.1 Die Ziele von EWdV nach der didaktischen Grundeinteilung 36
4.1.1.1 Richtziele 36
4.1.1.2 Grobziele 37
4.1.1.3 Feinziele 39
4.1.2 EWdV und die Forderungen an Ziele von interkulturellen Trainings 40
4.2 Die Inhalte des Programms 42
4.2.1 Die Inhalte von EWdV bzw. die Themen der Handbücher 42
4.2.2 EWdV und die Forderungen an die Inhalte von interkulturellen Trainings 43
4.3 Auf der Suche nach der theoretischen Fundierung der Inhalte und Ziele von
EWdV 45
4.3.1 Exkurs: Sozialpsychologische Vorurteilsforschung 47
4.3.2 Die sozialpsychologische Vorurteilsforschung und die Ziele und Inhalte
von EWdV 52
4.3.3 EWdV und die Forderungen an die theoretischen Grundlagen von
interkulturellen Trainings 55
4.4 Die Methodik des Programms 58
4.4.1 Die Methoden von EWdV 58
4.4.2 Die Methodik von EWdV in den Übungen der Handbücher 59
4.4.3 EWdV und die Forderungen an eine Methodik und Didaktik von
interkulturellen Trainings 61
4.5 Eigene Reflexionen zum didaktischen Konzept von EWdV 68
5 Persönlicher Zugang Resümee 70
LITERATURLISTE 75
Anhang 80
2
Einleitung 1
In meiner Diplomarbeit setze ich mich mit dem interkulturellen Trainingsprogramm „Eine Welt der Vielfalt“ 1 auseinander. Dieses Programm wurde entwickelt, um für Vorurteile überwiegend in interkulturellen Situationen zu sensibilisieren. Es versucht, Differenzen in unserer Gesellschaft aufzugreifen und als etwas Selbstverständliches, Bereicherndes überall und schon immer Gegenwärtiges erfahren und erleben zu lassen. Differenzen gibt es in den Lebensweisen zwischen allen Individuen, zwischen den verschiedenen Kulturen, in der Hautfarbe, in den Sprachen, Dialekten, Akzenten ...
Mit diesem EWdV-Trainingsprogramm arbeitet das Bremer „Landesinstitut für Schule“. Auf deren Homepage heißt es: „Wir leben in einer Welt des Wandels und der Konflikte, die aus der Konfrontation verschiedener Erfahrungen, Kulturen, Lebensweisen und politischer Ziele erwachsen. Diese Vielfalt, die stets ein Ferment gesellschaftlicher Entwicklung ist“, löst als Kehrseite Ausländerfeindlichkeit, Extremismus und Intoleranz aus und impliziert deshalb die Forderung „Vielfalt als Bereicherung, nicht als Bedrohung zu erfahren.“ (schule.bremen.de)
Meine Wahl des Themas hat mit eigenen Erfahrungen zu tun: Während mehrerer Aufenthalte in Spanien musste ich mich mit anderen Lebensvorstellungen und -gestaltungen auseinandersetzen. Die Situation, unter mir fremden Menschen in einer anderen Kultur zu leben, die Schwierigkeit, mich über eine mir noch wenig vertraute Sprache verständlich zu machen, veranlasste mich dazu, auch über meine eigenen Werte und Vorstellungen nachzudenken. Ich kam mit Erstaunen zur Erkenntnis, dass ich häufig als Repräsentantin der deutschen Kultur betrachtet wurde. Das brachte mich dazu, darüber zu reflektieren, was es für mich überhaupt bedeutet, „eine Deutsche zu sein“. Stereotype und Vorurteile von Spaniern „am eigenen Leibe zu erfahren“, bedeutete für mich - als sehr jungen Menschen damals - eine heftige Konfrontation.
1 Im Folgenden werde ich es mit „EWdV“ abkürzen.
3
Das Trainingsprogramm EWdV weckte vor meinem eigenen Erfahrungshintergrund mein besonderes Interesse, da es in diesem Programm schwerpunktmäßig um eine Auseinandersetzung mit Vorurteilen und Stereotypen geht. Auf Berührungspunkte und Unterschiedlichkeiten werde ich zum Abschluss meiner Arbeit noch einmal zu sprechen kommen (Kapitel 5).
Im Folgenden werde ich zuerst einmal Aspekte beschreiben, die mit der Entstehung des EWdV-Trainings zusammenhängen. Dafür beginne ich mit der Verortung des Programms in dem weiten Feld der interkulturellen Trainings. Ich nähere mich dem Begriff des „interkulturellen Trainings“ und beschreibe kurz seine Ursprünge. Dann greife ich bestehende Kategorisierungsversuche für interkulturelle Trainings auf und versuche, EWdV entsprechend einzuordnen. Im Anschluss daran werde ich die Entstehungsgeschichte von EWdV vorstellen.
Da mein Studienschwerpunkt die Erwachsenenbildung ist, liegt es nahe, dass ich das Training EWdV auch nach erwachsenenpädagogischen Gesichtspunkten untersuche. Unter den Gesichtspunkten, die bei der Organisation einer erwachsenenbildnerischen Praxis von Wichtigkeit sind, möchte ich das Trainingsprogramm EWdV im dritten Teil meiner Arbeit beleuchten. Ich werde in diesem Teil vorstellen, wie die Konzeptidee, die aus den USA kommt, hier in Deutschland umgesetzt wird. Vor allem komme ich auf zwei Ebenen auf das didaktische Handeln im Rahmen des Programms zu sprechen; zuerst einmal auf die Ebene der Makrodidaktik, in welcher ich auf die Ausbildungsstruktur, die Koordinierung, Finanzierung und die Qualitätssicherung eingehe, und des weiteren komme ich auf die Ebene der Mikrodidaktik zu sprechen. Hier betrachte ich die konkrete Lehr-Lern-Organisation, unter Einbeziehung des Moderators, der Adressaten, der Materialien, des Seminarablaufs, des zeitlichen Umfangs des Trainings und der Veranstaltungsorte.
Im vierten Kapitel werde ich mich dem Konzept des Programms zuwenden. Ich habe vor, die Konzeptidee bzw. die ursprünglichen Intentionen von EWdV herausstellen. Dafür werde ich das EWdV-Programm nach seinen Zielen, seinen Inhalten und seiner Idee der Methodik analysieren. Dafür möchte ich Kriterien der interkulturellen Pädagogik und sich daraus ableitende Forderungen an eine interkulturelle Didaktik heranziehen und dem Programm gegenüberstellen.
Ich möchte darauf hinweisen, dass meine Aufzeichnungen auf Gesprächen mit Roland Bühs, dem EWdV-Koordinator Bremens, auf das EWdV Praxis-Handbuch für Lehrer und auf verschiedene Einführungen und Präsentationen des Programms
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beruhen. Da das Handbuch für Trainer und das Original-Konzept aus New York urheberrechtlich geschützt sind, ist mir ein Zugriff auf diese Quellen nicht erlaubt. Roland Bühs gab mir jedoch die Möglichkeit, einen Blick in das Trainer-Handbuch zu werfen, unter dem Vorbehalt, dass ich keine Inhalte übernehme. Um trotzdem die Struktur des Programms erfassen zu können, was mit Hilfe der mir zur Verfügung stehenden Materialien nicht vollständig möglich war, stützte ich mich auf die freundlichen Auskünfte und Informationen von Roland Bühs (Koordinator von EWdV in Bremen) und Naomi Mazin (Direktorin der Erziehungsabteilung des ADL
- Anti-Defamation League®, New York, zuständig für das A WORLD OF DIFFERENCE®-Programm). Ihnen vielen herzlichen Dank!
2 Entstehungskontexte des Trainings
2.1 Interkulturelle Trainings im Allgemeinen
Im Folgenden befasse ich mich mit interkulturellen Trainings im Allgemeinen. Für eine spätere Auseinandersetzung mit dem EWdV-Training halte ich es für wichtig, zunächst einmal die Verortung von interkulturellen Trainings zu betrachten; auch schon, weil EWdV als ein interkulturelles Training „vermarktet“ wird.
Ich werde Fragen nachgehen wie: Wo kommt der Begriff `Training´ her, und was wird darunter verstanden? Was gibt es für unterschiedliche „interkulturelle Trainings“ und wie lassen sie sich kategorisieren?
2.1.1 Zur Anwendung des Begriffs Training für interkulturelle Bildungsprogramme
Meine folgenden Ausführungen lehnen sich schwerpunktmäßig an einen Aufsatz von Wolf Rainer Leenen, in welchem er sich um eine Standortbestimmung von Interkulturellen Trainings bemüht 2 .
Der Begriff des Interkulturellen Trainings findet zum ersten Mal Anwendung im Personal-Management in den USA. (vgl. Mar Castro Varela 2002,30) Dort wurden interkulturelle Bildungsprogramme unter diesem Namen durchgeführt. Mit der Übernahme dieser methodisch ausgeklügelten und in den USA bereits praktisch erprobten
2 Es handelt sich um den Aufsatz: „Interkulturelles Training - Anmerkungen zur Entstehung, Typologie und Methodik“ (Leenen, Wolf Rainer). In: LzZ NRW: Interkulturelle und antirassistische Trainings - aber wie? Solingen. Januar 2002. S.9 - 24
5
Programme in den 80er Jahren in deutsche wirtschaftliche Institutionen, blieb auch der Name. (vgl. Leenen 2002,9)
In den letzten Jahren ist der Trainingsbegriff für interkulturelle Bildungsangebote regelrecht zu einem Modebegriff geworden. Leenen merkt überspitzt an: „Inzwischen scheint jegliches interkulturelle Angebot mit dem Label Training operieren zu müssen.“ (2002,9) Er nennt für die „inflationäre Verwendung“ des Trainingsbegriffs im interkulturellem Lernfeld folgende Gründe (vgl. ebd.): Um auf dem Fortbildungsmarkt bestehen zu können, bietet sich das Trainingsformat geradezu an, da in Berufsfeldern, in denen Weiterbildungen generell im Trainingsformat organisiert sind, der Bedarf an interkulturellen Fortbildungen gestiegen ist. Zum anderen organisieren TrainerInnen interkulturelle Fortbildungen in Form von Trainings, in Anlehnung an betriebliche Weiterbildungsformate. Damit versuchen sie den Eindruck pragmatischer Effizienz zu erwecken. (vgl. Leenen 2002,9) Leenen äußert sogar, dass Trainer dadurch bezwecken, Anschluss an die in diesem Bereich gezahlten Honorare zu finden. (vgl. ebd.)
Leenen zeigt auf, dass in Deutschland der Begriff des interkulturellen Trainings für interkulturelle Bildungsprogramme zunächst einmal mit Zurückhaltung verwendet wurde. In den damalig aktuellen pädagogischen Diskursen ging es tendenziell um eine ganzheitliche Bildung. Mit dieser konnten viele Pädagogen den Trainingsbegriff nicht vereinbaren. Laut Leenen wurde von Pädagogen unter einem Training ein „auf Verhaltensanpassung zielendes Arrangement“ verstanden. (vgl. ebd.) Auch in den USA schien der Begriff des Trainings zu irritieren:
„The activities and approaches which are implied by `training´ are not immediately understood by everyone who hears the word. To many people, training is something done to dogs, or something athletes are `in´, or something which is associated with the toilet habits of small children.” (Zitat entnommen aus: Leenen 2002, 22 3 )
Der Begriff musste sich dort folglich genauso wie in Deutschland erst durchsetzen. (vgl. Leenen 2002) Diese Assoziationen werden klar, wenn man sich der herkömmlichen Begriffsbedeutung zuwendet. So wird z.B. in einem älteren Fremdwörterbuch der Begriff Training mit „geschulte Anpassung an höhere Leistungen“ umschrieben. (vgl. Mackensen, 1971,432; Hervorhebung meinerseits, MB) Hier wird angesprochen, dass es bei einem Training neben Anpassung auch um Leistung geht, bzw.
6
um eine Vorbereitung auf einen Wettbewerb 4 . Entsprechend zieht der Erwachsenenpädagoge Wiedemann (1990) einen Vergleich zwischen einem Training in der Erwachsenenbildung und einem Fußballtraining. Für ihn verfolgen Trainings der Erwachsenenbildung immer ein konkretes Ziel, welches die Erlangung zusätzlicher Qualifikationen oder auch die Erhöhung individueller Handlungskompetenz darstellen kann. (ebd.) Siebert spricht von „skills“, die eingeübt werden. Wobei er Skills als „instrumentelle, operationalisierbare Fähigkeiten und (motorische) Fertigkeiten“ beschreibt. (vgl. 2000,6) Allerdings weist Siebert darauf hin, dass „Bildung ohne Skills nicht denkbar (ist), aber nicht alle Skills Bestandteil von Bildung“ sind. (ebd.) Mar Castro Varela sieht darin die Eingliederung von Trainings in die „kapitalistische Marktlogik“. (2002,30)
Leenen widerspricht diesem Bild der Reduktion auf Verhaltensanpassung bei interkulturellen Trainings. Er hebt hervor, dass es interkulturellen Trainings gerade „um eine „hochgradige Reflexivität und Sensibilität auf verschiedenen Persönlichkeitsbzw. Lernebenen“ geht. (9) Damit verweist er meines Erachtens gerade auf einen ganzheitlichen Ansatz von interkulturellen Trainingsprogrammen. Ich denke, er möchte klarstellen, dass interkulturelle Trainings eben nicht nur geradlinig Informationen über die andere Kultur und klar definierte Verhaltensvorschläge vermitteln wollen, sondern dass interkulturelles Lernen - auch in Form eines Trainingsprozesshaft und mehrdimensional ablaufen sollte.
Ich meine jedoch, dass die Forderung nach Leistung bzw. Profilierung, die der Begriff Training mit sich bringt, zu kritisieren bleibt.
2.1.2 Zum Ursprung und zur Entwicklung von interkulturellen Trainings
In der von mir herangezogenen Literatur zu interkulturellen Trainings wird kurz auf die Ursprünge interkultureller Trainings eingegangen. Es wird darin deutlich, dass „die überwiegende Zahl der heute verwendeten Trainingstypen in den 60er und 70er Jahren im Kontext der US-amerikanischen Multikulturalismus-Problematik ent-standen sind.“ (Bolten 1999,61)
Impulse für die Entwicklung antirassistischer und interkultureller Strategien gaben das Nebeneinanderleben vieler Subkulturen in den USA und die daraus entstehenden
3 Leenen gibt folgende Quellenangabe an: Kohls, R.L. (1985): Training as a Twenthieth Century Discipline. In: Kohls, R.L.: Training Know-how for cross-cultural Trainers. Washington International Center of Meridian House International: 1 ⇒ Die Quelle war für mich leider nicht nachprüfbar.
4 `trainieren´ = „sich zum Wettkampf vorbereiten“ (Mackensen 1971,432)
7
Konflikte. (vgl. Sacher 1976,9) Insbesondere trugen dazu die Einwanderung von Menschen aus Mexiko und der Kampf um kulturelle Identität in der schwarzen Bevölkerung bei. (vgl. Flechsig 1999,211) Im Vordergrund der ersten Trainings stand also ein antirassistischer Ansatz. Dies macht für Bolten verständlich, warum interkulturelle Trainingsprogramme in deutschen und europäischen internationalen Unternehmen nur bedingt auf Akzeptanz stoßen. (vgl. Bolten 1999,61) Auf der anderen Seite forderten gesellschaftspolitische und ökonomische Entwicklungen in vielen Bereichen der USA zu Beginn der 50er Jahre verstärkt interkulturelle Interaktionssituationen. (vgl. Wille 2000/01) „Dementsprechend rückte das Interesse für Dynamik und die Implikatoren interkultureller Situationen in zunehmenden Maße (auch) ins Interesse von Wissenschaft und Praxis“ (Wille 2000/01) und es entwickelten sich vielfältige Ansätze interkultureller Trainings. Erste interkulturelle Trainings wurden in den USA nach dem zweiten Weltkrieg durchgeführt. Sie galten der Vorbereitung von Diplomaten, technischen Entwicklungshelfern, militärischen Beratern, Geschäftsleuten usw. für einen Übersee-Aufenthalt, um die internationalen Verbindungen wieder aufzubauen. (Leenen 2002,10) Aus Mangel an Konzepten beschränkte sich das gängige Fortbildungsmodell zunächst auf die Vermittlung länderspezifischer Informationen, ergänzt mit Sprachlernprogrammen, und entsprach damit einer Ausbildung an Universitäten. (vgl. Dadder 1987) Schon bald wurde Unzufriedenheit mit dieser Form der Vorbereitung laut, so dass in den USA eine große Zahl von interkulturellen Programmen mit unterschiedlichsten Zielen, Inhalten und/ oder Methoden entstand. (vgl. Dadder 1987) Zum Ende der 60er Jahre lässt sich in der Vielzahl von Trainings ein Paradigmenwechsel erkennen: Leenen spricht davon, dass sich interkulturelle Trainings „an den erfahrungsorientierten partizipativen Lernmodellen der Human Relation Sensitivity School 5 “ orientieren. (vgl. 2002,11) Diese Ansätze erzeugten jedoch bei den Teilnehmenden 6 über die direkte Konfrontation mit eigenen und fremden Einstellungen und Wertvorstellungen Stress und Lernwiderstände in einem solchen Ausmaß, dass viele TrainerInnen nicht damit umgehen konnten. (vgl. ebd.) Daraus wird die Hinwendung zu stärker theoretisch unterfütterten und mit kognitiven Elementen angereicherten Trainings in den 80er Jahren ersichtlich. „Der Trainingstyp, der seitdem dominiert, versucht, erfahrungsorientierte und kognitiv orientierte
5 Diese werden nicht näher erläutert. Und ich konnte auch im Internet keine Informationen darüber finden.
6 Im folgenden werde ich die „Teilnehmenden“ mit dem Kürzel „TN“ ersetzen.
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Ansätze zu integrieren.“ (ebd.)
Interkulturelle Trainingskonzepte, die in den USA im Laufe der Jahre ausgearbeitet wurden, sind beispielsweise empowerment-Trainings, cross-cultural orientation programs, cross-cultural sensitivity trainings, multicultural trainings, intercultural communication trainings, cultural diversity trainings, diversity and difference trainings, race awareness trainings, race relation trainings, anti-racism-trainings, u.v.m. (vgl. Leenen 2002,9)
In Deutschland befasst man sich erst seit den achtziger Jahren intensiver mit der Konzeption interkultureller Lernprogramme. Das Zusammenfließen verschiedener Faktoren trug dazu bei: Gastarbeiter, die sich nach ihrem Ankommen in den 60er Jahren mit ihren Familien in Deutschland niederließen, die Globalisierung großer Industrieunternehmen (Auslandsentsendungen von Managern, internationale Ver-handlungen), eine Zunahme der Migration aus Ländern des Südens und Ostens nach Mitteleuropa, und die Entwicklung der neuen Medien, die weltweite interkulturelle Kommunikation ermöglicht. (vgl. Flechsig 1999,209) In Deutschland ist die Zahl der ausgebildeten TrainerInnen, im Vergleich zu den USA, noch relativ gering. (vgl. LzT) Jedoch steigt die Nachfrage nach interkulturellen Trainings und kompetenten ModeratorInnen stark, insbesondere im Wirtschaftsbereich. (vgl. Flechsig 1999)
2.1.3 Zu Kategorisierungen von interkulturellen (Management-) Trainings
Die Kategorisierungen für interkulturelle Trainings, die ich vorfand, kommen aus dem Bereich der Wirtschaft bzw. entstanden im Rahmen des interkulturellen Managements und der internationalen Unternehmenstätigkeit (vgl. Thomas 1999). Interkulturelle Trainings werden heutzutage gerade in Wirtschaftsunternehmen häufig eingesetzt, mit dem Ziel, MitarbeiterInnen in Organisationen für den vermehrten Kontakt mit dem Ausland zu qualifizieren.
„Technische Innovationen und Wertewandel, die die Neuausrichtung im
Arbeits- und Wirtschaftsleben vorantreiben und grenzüberschreitende
Unternehmenstätigkeit und Arbeitsteilung ermöglichen, verändern auch
den Qualifikationsbedarf von Arbeitskräften.“ (Götz/Bleher 1999,11) Einerseits sollen interkulturelle Trainings MitarbeiterInnen in Betrieben auf einen erfolgreichen Auslandseinsatz vorbereiten, und andererseits sollen MitarbeiterInnen eine interkulturelle Kompetenz bzw. eine „interkulturelle Handlungskompetenz“ erlangen, um mit MitarbeiterInnen und Kunden/innen im Ausland erfolgreich kommunizieren und kooperieren zu können. (vgl. Thomas 1999,99) Diese geforderte
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Schlüsselqualifikation der interkulturellen Handlungskompetenz umfasst die Fähigkeit, „kulturelle Bedingungen und Einflussfaktoren im Wahrnehmen, Denken, Urteilen, Empfinden und Handeln, einmal bei sich selbst und zum anderen bei kulturell fremden Personen, zu erfassen, zu würdigen, zu respektieren und produktiv nutzen“ zu können. (ebd.) Personalverantwortliche stehen vor der Aufgabe, das passende interkulturelle Training für ihren Betrieb bzw. für Führungskräfte 7 , die ins Ausland entsandt werden sollen, zu finden. (vgl. Götz/Bleher 1999) Verschiedene Ansätze stehen ihnen zur Auswahl.
Übereinstimmend lassen sich in der Literatur folgende grundsätzliche Kategorisierungen interkultureller Trainings ausmachen: Es kann differenziert werden nach den Inhalten, nach der Methode und nach den Zielen.
Ich möchte kurz anmerken, dass mich bei meinen Literaturstudien die unterschiedlichen Bezeichnungen der verschiedenen Autoren für ein ausgearbeitetes interkulturelles Training verwirrten. Uneinheitlich sprechen sie von einem Trainings`ansatz´, -`konzept´, -`programm´ oder -`modell´. (vgl. a. Dadder 1987) So bezeichnet z.B. Konradt (2002) den „Culture-Assimilator“ mal als Programm (199), an anderer Stelle als Konzept (202) und wiederum an anderem Orte als Methode (205).
2.1.3.1 Eine Differenzierung nach den Inhalten
Interkulturelle Trainings lassen sich nach ihren Inhalten klassifizieren. Trainingsinhalte können kulturallgemein oder kulturspezifisch sein. Kulturallgemeine Inhalte beziehen sich auf Kenntnisse und Fähigkeiten, die mit den Begriffen `Self-awareness´ und `cultural-awareness´ umschrieben werden. (vgl. Konradt 2002,198) TeilnehmerInnen sollen für Besonderheiten in der Kultur sensibilisiert werden und es wird in den Trainings „die Kulturgebundenheit von menschlichem Verhalten behandelt“. (Götz/Bleher 1999,36) Wille weist bei einer kulturallgemeinen Ausrichtung der Inhalte auf die Problematik des Abstraktheitsgrades hin: „Als nachteilig erweisen sich bei diesen Trainings einerseits die relativ abstrakten Themen (Stereotype, Selbst- und Fremdwahrnehmung etc.) und die oftmals praktizierten Simulationen von fiktiven Kontexten, was ggf. beim/ bei der
7 Führungskräfte, die ins Ausland entsandt werden, heißen im Fachjargon die „Entsandten“ oder auch „Expatriates“. [Eine starke Ausdrucksweise, wie ich finde, wenn der Begriff mit „die Ausgebürgerten“ oder sogar „die aus der Heimat Ausgewiesenen“ bzw. „die Verbannten“ übersetzt wird. Denn `expatriieren´ wird von Mackensen (1971) als `aus der Heimat ausweisen; verbannen´ definiert und das „Grosses Wörterbuch Fremdwörter“ (München: Compact Verlag, 2002) beschreibt `Expatriation´ mit `Entbürgerung´.]
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TeilnehmerIn das Interesse und die positive Einstellung zum Training mindern kann.“ (Wille 2001/ 02)
In kulturspezifischen Trainings werden dagegen konkrete Informationen über eine spezifische Kultur vermittelt und Leitlinien für eine Interaktion mit Mitgliedern dieser Kultur gegeben. Im Mittelpunkt stehen dabei die Sprache des Ziellandes, nonverbale Formen der Kommunikation, soziale Verhaltensregeln, Kulturstandards, aber auch landeskundliche Informationen. (vgl. Konradt 2002,198) Hier sieht Wille eine Gefahr in der Überbetonung von kulturellen Prägungen, die zu einer Verfestigung von Stereotypen führen könne. (vgl. Wille 2001/ 02)
Betrachte ich das Trainingsprogramm EWdV vor diesen zwei Klassen, würde ich es nach seinen Inhalten den kulturallgemeinen Trainings zuordnen, denn es vermittelt keine speziellen Informationen über eine bestimmte Kultur und ist daher auf kein bestimmtes Zielland ausgerichtet (also nicht kulturspezifisch). Plausibler wird dies noch in dem zweiten Teil meiner Arbeit (bzw. im 3. Kapitel). Bei dieser von mir vorgenommenen Zuordnung verunsichert mich jedoch die Typologisierung interkultureller Trainings nach Bolten. (vgl. 1999,72) Bei ihm stieß ich auf die Trainingsbezeichnung „Sensitivity-Training“ als eine Trainingsart. Zu dieser Trainingsart zähle ich EWdV, da sein Schwerpunkt in der Sensibilisierung für Vorurteile liegt (wie ich später auch noch ausführlicher beschreiben werde). Aus der Boltens Typologisierung kann ich dagegen entnehmen, dass Sensitivity-Trainings in der Wirtschaft gerade bei kulturspezifischen Inhalten angewendet werden:
„Kulturspezifisch-interaktionsorientierte Trainings setzen Teilnehmergruppen voraus, in denen Personen sowohl aus dem Ziel- als auch aus dem Entsendungsland vertreten sind. Sie werden [...] in Form von `Sensitivity-Trainings´ [...] durchgeführt. Das primäre Ziel besteht in der gegenseitigen Auseinandersetzung mit Vorurteilen, Stereotypen und Verhaltenskonventionen.“ (Bolten 1999,73)
Jedoch wird EWdV, soweit ich weiß, nicht mit kulturspezifischen Inhalten durchgeführt. Es ist ein kulturgenerelles Training und greift in diesem Sinne. allgemeine Vorurteile auf, die sich nicht auf ein bestimmtes Zielland beziehen. Wie wir später noch sehen werden, wendet sich das Programm vielmehr an die einzelnen Individuen mit ihrer individuellen Persönlichkeit.
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2.1.3.2 Eine Differenzierung nach der Methode
Interkulturelle Trainings lassen sich auch nach ihrer Trainingsmethode einteilen; und zwar in informatorische und erfahrungsorientierte Methoden 8 . Mit informatorischen Methoden ist die faktenorientierte Vermittlung von Wissen über das „fremdkulturelle Orientierungssystem“ gemeint. (vgl. Konradt 2002,199) Das methodische Repertoire von interkulturellen Trainings, die unter diese Kategorie fallen, reicht von Fremdsprachenunterricht, Vorträgen, Diskussionen, Visualisierungen, z.B. mittels Video, Bearbeitungen von Fallstudien, bis hin zu schriftlichem Material zum Selbststudium. (vgl. dazu Götz/Bleher; Konradt; Bolten) Erfahrungsbasierte Methoden versprechen ein Lernen durch persönliches Erleben. Charakteristische Instrumente dieser Lernmethode sind Simulationen und Rollenspiele, in denen TeilnehmerInnen aktiv erfahren können, wie sich die eigene oder fremde Kultur auf Einstellungen und Handlungsparadigmen auswirkt. Auch Selbsterfahrungs-Übungen gehören hierzu. (vgl. Götz/Bleher 1999)
Versuche ich nun, das Trainingsprogramm EWdV einer dieser beiden Kategorien zuzuteilen, erscheint mir dieses äußerst schwierig. Ich möchte bereits jetzt meinen anschließenden Erörterungen vorweg nehmen, dass EWdV mit Lehrmethoden aus beiden dieser Kategorien arbeitet. Der erfahrungsorientierte Ansatz des EWdV-Trainings wird mit informativen Elementen ergänzt. Zu den informativen Elementen gehören zwar keine landesspezifischen Informationen, allerdings wird generelles Wissen über „Kultur“ und deren Wirkungsmechanismen vermittelt. Darauf werde ich in der Auseinandersetzung mit dem EWdV-Programm im zweiten Teil meiner Arbeit (bzw. 3.Kapitel) noch einmal zurückkommen.
Ich denke, diese Zweigleisigkeit ist aber auch ein Merkmal von einem „Training“. Flechsig bestätigt dies, indem er sagt, dass interkulturelle Trainings das Merkmal haben, dass sie immer erfahrungsbildend sind: Lernende eignen sich primär Handlungswissen an, d.h. interkulturelle und kulturelle Kompetenzen. TN lernen, mit eigenen und fremden Verhaltensweisen und Einstellungen umzugehen und zwar mit Hilfe von Begegnungen, Interaktionen und Übungen, die mit Interpretationen unmittelbarer oder simulierter Realität sowie mit Handlungs- und Kommunikations-
8 Dieverschiedenen Autoren verwenden hier unterschiedliche Termini; sie nehmen aber dieselben Unterscheidungen vor. Ich habe mir die Begriffe herausgesucht, welche ich, bezogen auf ihre Aussage, für am Schlüssigsten halte. Götz und Bleher sprechen von didaktischen und erfahrungsbasierten Lernmethoden, Bolten von informatorischen (bzw. trainerorientierten) und interaktionsorientierten Lehrmethoden, Wille von kontrastiven und interaktiven und Konradt von didaktischen und prozessorientierten Methoden.
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versuchen verbunden sind. (vgl. 1999,213) Und auch Leenen siedelt das „Bildungsformat“ `Training´ zwischen einem themen- und sachorientierten Bildungsformat, dem es um Wissensvermittlung geht, und einem teilnehmer-orientierten „Begegnungs- und Austauschformat“ an. Laut Leenen übernimmt das Trainingsformat aus beiden Lernformaten Elemente, und „versucht, die Vorteile beider Extreme miteinander zu verbinden“. (Leenen 2002,10)
2.1.3.3 Eine Differenzierung nach den Zielen
Interkulturelle Trainings lassen sich ebenfalls nach ihren Trainingszielen systematisieren. Trainingsziele können schwerpunktmäßig kognitiver, affektiver oder verhaltensorientierter Art sein.
Ziel des kognitiven Trainings ist es, sowohl spezielle Kenntnisse über die jeweils relevante Kultur zu vermitteln, als auch sich generell mit der Bedeutung von Kulturen auseinanderzusetzen. Innerhalb dieser Dimension ist „ein gleichwertiges Verhältnis des Wissens um eigen-, fremd- und interkulturelle Prozesse“ von Bedeutung. (Bolten 1999,68)
Affektive Ziele umschließen u.a. „eine Ambiguitätstoleranz, Selbstvertrauen, Empathie Rollendistanz, Ethnorelativismus, bewusster Umgang mit Stereotypen“. (vgl. Bolten 1999,68) Wille unterstreicht auf der affektiven Ebene den Aspekt der Steigerung kultureller Bewusstheit und hebt die „generelle Sensibilisierung für Eigenes und Fremdes und die damit verbundene Modifikation von Einstellungen und Bewertungsweisen“ hervor. (vgl. Wille 2000/01)
Ziele auf der Verhaltensebene fasst Wille folgendermaßen zusammen: „Die Verhaltensebene ist als Erweiterung der affektiven Ebene zu betrachten. Denn hier werden Strategien vermittelt, die es ermöglichen, Einstellungen und Wissen adäquat in Verhalten und Handlungen umzusetzen.“ (ebd.)
Da diese Ziele den Lernebenen der TeilnehmerInnen entsprechen, ist es durchaus sinnvoll, wenn ein Training in seiner Methodik alle drei Ebenen anspricht. Bolten sagt sogar, dass interkulturelle Trainings „der Komplexität ihres Lernziels dann nicht gerecht werden, wenn sie nicht in der Lage sind, (a) affektive, kognitive und verhaltensbezogene Aspekte interkultureller Kompetenz miteinander zu verknüpfen und sie (b) in einen Handlungszusammenhang zu integrieren.“ (71)
Das EWdV-Programm und seine Ziele werde ich noch eingehender betrachten. Jedoch möchte ich in Bezug auf diese Kategorisierungen schon einmal anmerken, dass ich denke, dass EWdV als entferntes übergeordnetes Ziel, das Verhaltensziel
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vor Augen hat, aber in seinem Ansatz vielmehr die affektive Dimension aufgreift. Wille spricht ja auch in Anlehnung an Bolten, von der Verhaltensebene als Erweiterung der affektiven Ebene: „...es wird der Tatsache Rechnung getragen, dass die der affektiven Dimension zugeordneten Eigenschaften und Einstellungen auch adäquat in Verhalten und Handlungen umgesetzt werden müssen ...“ (Bolten 1999,68)
2.1.3.4 Eine Differenzierung nach dem interkulturellen Bildungsansatz Ich möchte zum Abschluss noch kurz auf Leenens grobe Aufteilung von
interkulturellen Bildungskonzepten eingehen. Leenen greift aus der Vielzahl interkultureller Trainingsansätze vier Bildungsansätze heraus. Er unterscheidet zwischen (vgl. Leenen 2002,12)
• Anti-Rassismus-Ansätzen
• Interkulturellen Kompetenzansätzen
• Diversity-Ansätzen und
• Verständigungs-Ansätzen
Diese Unterteilung von Leenen ist als idealtypisch zu verstehen, denn interkulturelle Trainings sind auf ihr Bildungskonzept hin schwer klassifizierbar. Ansätze interkultureller Trainings- so Leenen weiter im Text - sind untereinander kaum vergleichbar, da sie (a) aus verschiedenen Wissenschaftskulturen stammen, (b) in Reaktion auf sehr unterschiedliche soziale Problemkonstellationen entwickelt wurden, (c) in kaum vergleichbaren Verwendungskontexten erprobt wurden, (d) jeder Ansatz mit einem anderen begrifflichen und theoretischen Apparat arbeitet, (e) mit spezifischen Vorannahmen operiert und (f) indirekt auch Auswahl- und Wertentscheidungen hinsichtlich der Dringlichkeit und Lösbarkeit bestimmter Probleme trifft. (vgl. Leenen 2002, 12)
Wilpert nennt das EWdV-Programm ein interaktiv angelegtes Diversity- und Anti-Diskriminierungs-Training (vgl. Wilpert 2002,65); während die ADL 9 von einem „anti-bias and diversity awareness program“ spricht (World of Difference® Institute 1998,33). Schon diese unterschiedlichen Begrifflichkeiten für ein gleiches Programm deuten auf die von Leenen angesprochene Problematik der Bezeichnungsvielfalt hin. (vgl. Leenen 2002,9)
Zurückblickend auf die verschiedenen Kategorisierungsansätze und die Versuche, EWdV darin einzuordnen, erkenne ich, dass dieses nicht immer eindeutig möglich
9 Anti-Defamation League - im anschließenden Kapitel 2.2.1 komme ich auf sie zu sprechen.
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ist. Deshalb möchte ich, gemäß Leenen, der dazu auffordert, interkulturelle Trainings in ihren jeweiligen Kontexten zu betrachten, dieses in meiner weiteren Arbeit angehen.
2.2 Die Entstehung des Eine Welt der Vielfalt - Konzepts
An dieser Stelle werde ich die Entstehung des EWdV-Konzepts darlegen. Dafür greife ich auf verschiedene deutsche Vorstellungen des EWdV-Programms zurück. Ebenfalls werde ich den geschichtlichen Hintergrund aus der Perspektive der USamerikanischen Menschenrechtsorganisation ADL (Anti-Defamation League) miteinfließen lassen, welche der Initiator dieses Konzepts ist.
Es ist für mich sehr interessant, im Vergleich zu den relativ nüchternen und kurz gehaltenen Hintergrundinformationen, die in der deutschen Literatur über den Ursprung des Programms gegeben werden, die lebhaften Ausführungen der USamerikanischen Seite zu lesen 10 . Ich hoffe, dass in meiner folgenden Darlegung des Ursprungs von EWdV die Unterschiedlichkeit beider Darstellungsweisen zu erkennen bleibt. In den deutschen Unterlagen wird schwerpunktmäßig die Gründung der ADL und die Entstehung des Programms in den USA beschrieben. Die Frage, wie es nach Deutschland kam, wird kaum angesprochen. Im Gegensatz dazu, wird in dem Bericht der ADL die „Vermittlung“ des Programms ausführlich dargelegt.
2.2.1 Die amerikanische ADL und A World of Difference
Das EWdV-Programm ist die deutsche Adaption des amerikanischen „A World of Difference“-Programm (AWOD). Das AWOD-Programm wurde 1985 vom regionalen Büro der ADL in Boston ins Leben gerufen, als Reaktion auf dort vorherrschende religiöse und ethnische Spannungen.
Die ADL gehört zu den ältesten und größten Menschenrechtsorganisationen in den Vereinigten Staaten. (vgl. Bertelsmann Forschungsgruppe Politik 2001,11) Wilpert fasst die Motive der Gründung der ADL folgendermaßen zusammen: „(Sie) wurde 1913 in Chicago von Mitgliedern der jüdischen Organisation B´nai B´rith 11 gegründet. Anlass war ein Strafprozess gegen einen Juden. Er wurde eines Verbrechens angeklagt, das er nicht begangen hatte. Bevor er freigesprochen werden konnte,
10 Selbstverständlich ist der geschichtliche Abriss aus den USA in englisch, so dass ich auch auf englisch zitieren werde.
11 Wilpert merkt an, dass B´nai B´rith hebräisch ist und „Söhne des Bundes“ bedeutet. (vgl. Wilpert
2002, 67)
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wurde er noch während des Verfahrens von der Menge gelyncht.“ (Wilpert 2002,67) Das ursprüngliche Ziel der ADL sollte von daher die Bekämpfung des Antisemitismus sein. Jedoch realisierten die Gründer bald, dass sie sich für die Rechte aller Menschen einsetzen müssen, um die Rechte der Juden zu schützen. Der Kampf gegen Antisemitismus stellt immer noch eine Priorität der Organisation dar. Darüber hinaus engagiert sich die ADL gegen jede Form von Vorurteilen, Diskriminierung und Bigotterie 12 . (vgl. Wilpert; schule.bremen.de) Seit ihrer Gründung ist die ADL stark gewachsen. 13 Sie konzentriert sich, wie es auf der Homepage des CAP heißt, auf die Gestaltung modellhafter Gesetze und auf das Aufspüren und Überwachen von extremistischen Gruppen in den USA. (vgl. C·A·P)
Das AWOD-Projekt der ADL wurde in seinen Anfängen nur in Schulen von Massachusetts eingesetzt - genauer in der Lehrerausbildung und in der Curriculum-Entwicklung. Über öffentliche Veranstaltungen und Medien machte es sich auch außerschulisch präsent. Es setzte sich zum Ziel, eine breite Öffentlichkeit aufzuklären und für die Auswirkungen von Vorurteilen, Diskriminierung und Rassismus zu sensibilisieren, außerdem viele Menschen zu bewegen, in ihren Schulen und in ihren Gemeinden etwas zu unternehmen. Binnen kurzer Zeit wurde das Modell aus Boston in den 29 weiteren regionalen Büros der ADL eingeführt. Das Programm wurde bald ausgeweitet, so dass schließlich 1989 die Programme „A Workplace of Difference“ und „A Campus of Difference“ nach demselben Konzept entstanden, um Themen der kulturellen Vielfalt und Differenz auch in Universitäten und Unternehmen anzusprechen. Das „A Community of Difference“-Programm wendet sich an Vertretungen der Kommunen und an die Polizei. (alles vgl. Wilpert; schule. bremen.de) Roland Bühs erzählte mir, dass AWOD in den Staaten fester Bestandteil jeder FBI-Ausbildung ist.
Im Jahr 1992 wurde in New York das World of Difference® Institute gegründet. Hier konnten nun die Bemühungen aller Initiativen zusammengeführt und gefestigt werden und neue Aspekte entwickelt werden. (vgl. Wilpert; schule.bremen.de)
12 Bigotterie = „bigottes Verhalten, Wesen“; wobei `bigott´ als „frömmelnd; scheinheilig“ bezeichnet wird (vgl. Grosses Wörterbuch Fremdwörter. München: Compact Verlag, 2002) Ich denke, dass der Begriff einfach aus dem amerikanischen übernommen wurde, da er in der amerikanischen Literatur häufig auftaucht. Das englische Wörterbuch gibt mir von daher, wie ich finde, eine passendere Übersetzung: „bigotry“ = „Intoleranz“ (vgl. Langenscheidts Taschenwörterbuch. Englisch. Berlin/ München, 1990)
13 Es gibt 29 Bürostellen in den USA, sowie Nebenstellen in Jerusalem, Rom, als auch in Kanada und Lateinamerika. Der Hauptsitz ist in New York. (Adresse: ADL, 823 United Nations Plaza, New York, NY 10017-3560)
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M. Berlitz, 2003, Analyse der Didaktik des interkulturellen Trainingprogramms 'Eine Welt der Vielfalt' unter erwachsenenpädagogischen Gesichtspunkten, Munich, GRIN Publishing GmbH
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