Gliederung
1. Einführung
2. Definition
2.1 Das Abhängigkeits- und Entzugssyndrom
3. Vorstellen einiger Medikamentenfamilien mit Abhängigkeitspotenzial
3.1 Sedativa/Hypnotika
3.1.1 Barbiturate
3.1.2 Benzodiazepine (z B. Valium)
3.1.2.1 Anwendungsbereiche
3.1.2.2 Toleranz und Abhängigkeit
3.1.2.3 Nichtmedizinischer Gebrauch/Missbrauch
3.2 Opioide
3.3 Stimulantien
3.4 Halluzinogene
4. Bedingungen und Erscheinungsbild der Medikamentenabhängigkeit
4.1 Entstehungsfaktoren einer Medikamentenabhängigkeit
4.1.1 psychosoziale und individuelle Faktoren
4.1.2 pharmakologische Faktoren und Bindekraft der Medikamenten
4.2 Erkennungsmerkmale einer Medikamentenabhängigkeit für Angehörige oder Betreuer
5. Absetzen und Entzug psychotroper Medikamente
5.1 Entzugssymptome von Benzodiazepinen
6. Epidemiologische Daten (Elsesser/Sartory 2001)
7. Schlusswort
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1. Einführung
Medkikamentenabhängigkeit ist weiter verbreitet als angenommen wird. Es wurde geschätzt, dass in westeuropäischen Ländern 10-30 % der Bevölkerung bereits Tranquilizer genommen haben und 2 % davon abhängig sind (vgl. Elsesser/Sartory 2001). Medikamentenabhängigkeit als Begriff selber ist eher als Oberbegriff zu verstehen, welcher die Form der Abhängigkeit zu anderen Suchtstörungen wie Drogen oder Alkohol verdeutlichen soll. In der Mehrzahl handelt es sich hier um Schlaf- und Beruhigungsmittel aus der Familie der Benzodiazepine. Medikamentensucht wird häufig auch als Altersucht, heimliche Sucht, Frauensucht oder iatrogene Abhängigkeit bezeichnet. Damit werden bereits einige ätiologische Merkmale dieser Störung hervorgehoben. So sind zum einen Frauen häufiger betroffen als Männer und die Tendenz der Abhängigen mit dem zunehmenden Alter her steigend. Ebenso sind die Betroffenen im Vergleich zu Drogen- oder Alkoholabhängigen unauffälliger und in der Regel sozial integriert. Das Schlagwort der iatrogenen Abhängigkeit hingegen verdeutlicht, dass eine Abhängigkeit in hohem Maße durch die ärztliche Verordnungspraxis hervorgerufen wird(vgl. Elsesser/Sartory 2001).
2. Definition
2.1 Das Abhängigkeits- und Entzugssyndrom
Das Abhängigkeitssyndrom wird im ICD-10 definiert als eine Gruppe körperlicher, Verhaltens- und kognitiver Phänomene, bei denen der Konsum einer Substanz Vorrang hat vor, von ihr fr üher höher bewerteten, Verhaltensweisen. Als entscheidenstes Merkmal gilt der starke Drang, Medikamente zu konsumieren, das sog. “craving“. Nicht selten wird so ein zwanghafter Konsumwunsch erst dann wirklich bewusst wahrgenommen, wenn der Betroffene versucht den Konsum zu kontrollieren bzw. zu reduzieren und dann in der Regel daran scheitert.
Craving und Kontrollverlust kennzeichnen also die Abhängigkeit.
Wird nun der Versuch von dem Konsumenten unternommen, die medikamentöse Zufuhr zu reduzieren oder ganz einzustellen, kommt es oftmals zu einem körperlichen Entzugssyndrom, welches in aller Regel durch erneute Einnahme der Substanz oder ähnlicher unterbunden wird. Dieses Entzugssyndrom
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entwickelt sich nach einer deutlichen Herabsetzung der Dosis bis hin zur Beendigung der Einnnahme, sofern es in einem Zeitraum von einigen Wochen oder länger konsumiert wurde. Zeichen für ein solches Entzugssyndrom sind Hyperaktivität des zentralen Nervensystems, wie z.B. Anstieg der Herzfrequenz, Beschleunigung der Atmung oder auch des Blutdrucks, ferner ein unkontrollierbares Zittern in den Händen und den besagten Symptomen, gegen die das Medikament ursprünglich eingesetzt wurde, Schlaflosigkeit und Ängste. Wichtig ist im Falle eines Entzugs immer die qualifizierte ärztliche Begleitung, da bereits schwere Fälle von Delirien und Grand-Mal-Anfällen (ganzkörpererfassende, epileptische Anfälle) beobachtet wurden, welche jedoch in ihrer Intensität abhängig von den pharmakologischen Eigenschaften des jeweils konsumierten Medikamentes abhängig sind und variieren (Gastpar, Mann, Rommelspacher 1999).
Als weiteres Indiz einer körperlichen Abhängigkeit gilt neben dem Entzugssyndrom auch die Entwicklung einer Toleranz. Dies bedeutet, dass einzelne bis hin zu allen Wirkqualitäten des Stoffes abnehmen und schwächer werden. Hier wird, oftmals mit dem Mitspiel des jeweiligen behandelnden Arztes, eine Erhöhung der Indikation seitens des Abhängigen eingegangen, wobei es nicht selten zu einer Dosissteigerung weit über den therapeutischen Bereich hinaus kommt. Nicht selten wechseln die Medikamentenabhängigen jedoch auch einfach den Arzt, wenn dieser auf die vorhandene Abhängigkeit hinweist und die weitere Medikation verweigert.
Toleranz- und Entzugssymptome sind also die Zeichen einer körperlichen Abhängigkeit (Elsesser/Sartory 2001).
3. Vorstellung einiger Medikamente mit Abhängigkeitspotenzial
3.1 Sedativa/Hypnotika
Die Bezeichnung Sedativum (Beruhigungsmittel), Tranquilizer (angstmildernde Stoffe) und Hypnotikum (Schlafmittel), lassen sich p rinzipiell auf jede zentralnervös dämpfende Substanz anwenden. Sie alle setzen die Wahrnehmungsfähigkeit, die Spontaneität und körperliche Aktivität herab. Sie unterscheiden
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sich jedoch untereinander in ihrer jeweiligen Potenz, so dass man sagen kann, dass ihre Wirkungsweise im Körper jeweils anders verläuft.
In den vergangenen Jahren wurden niedrige Dosen zentral dämpfender Stoffe therapeutisch zur Beruhigung ängstlicher Patienten eingesetzt. Heute werden dazu hauptsächlich nur noch Benzodiazepine eingesetzt, da sie mit ihren pharmakologischen Eigenschaften im Vergleich eher akzeptabel erscheinen. Die Anwendung von Barbituraten und anderen Sedativa ist dagegen im therapeutischen sowie im narkotischen Bereich und dem Bereich der Antiepileptika stark zurückgegangen. Folgend werden somit die Barbiturate lediglich am Rande erwähnt (Julien 1997).
3.1.1 Barbiturate
Dies sind schwere Dämpfungsmittel. Sie haben eine generell hemmende Wirkung auf das Gehirn, indem sie den Neurotransmissionsprozess verlangsamen. Bei erhöhter Dosis, haben Barbiturate jedoch auch eine hemmende Funktion auf lebenswichtige Körperfunktionen wie die Atmung. Barbiturate sind heutzutage, wie bereits erwähnt, zum grössten Teil von den Benzodiazepinen verdrängt worden, aufgrund besserer Verträglichkeit dieser Stoffe (Elsesser/Sartory 2001).
3.1.2 Benzodiazepine (z.B. Valium)
Sie sind heutzutage der Problemstoff Nr. 1 in der Medikamentenabhängigkeit, deren Betroffenen auf ca. 1,5 Mio geschätzt wird, von denen 1,1 Mio in den Bereich der Benzodiazepinabhängigkeit fällt. Daher sollen diese, im Gegensatz zu den anderen hier nur kurz angesprochenen Mitteln, eingängiger vorgestellt werden. Benzodiazepine galten noch bis Anfang der 80 ziger als nicht abhängig machend und waren als eine sehr gute Alternative zu den, bis zu den 60 zigern genutzten Barbituraten, welche als nicht sicher galten und auch tödliche Wirkungen besassen, bei einer übermässigen Indikation, angesehen. Heute sind sie die häufigste Ursache der Medikamentenabhängigkeit mit 75% aller Konsumenten von psychotropen Medikamenten. Hauptkonsumentengruppe dieser Medikamente sind Frauen mittleren und höheren Alters (Angaben Deutsche Gesellschaft für Drogen- und Suchtmedizin eV).
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Christian Riemarzik, 2003, Abhängigkeit und Missbrauch psychotroper Medikamente im Hinblick auf Sedativa/Hypnotika unter besonderer Berücksichtigung der Familie der Benzodiazepine, Munich, GRIN Publishing GmbH
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