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Das Verhältnis von genetischer Fixierung und sozialer Bedingtheit aggressiven Verhaltens

Title: Das Verhältnis von genetischer Fixierung und sozialer Bedingtheit aggressiven Verhaltens

Term Paper , 2002 , 22 Pages , Grade: -bestanden-

Autor:in: Anja Rosner (Author)

Psychology - Social Psychology
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[...] Die wissenschaftliche Diskussion um den Ursprung menschlicher Aggression wird durchaus kontrovers geführt. Ethologisch und psychoanalytisch orientierte Forscher sehen aggressives Verhalten wegen der grundlegenden Natur des Menschen endogen verursacht (Vgl. Lorenz, 1984; Freud 1985). Andere beziehen die Rolle des Lernens und der Erfahrung menschlicher Umwelten bei der Entfaltung aggressiven Verhaltens in ihre Überlegungen mit ein (Vgl. Bandura, 1965; Dollard, Doob, Miller, Mowrer & Sears, 1970, Berkowitz 1993) Im Rahmen dieser Arbeit werde ich zunächst drei wissenschaftliche Hauptpositionen zu diesem Thema darstellen. Den Auftakt bildet dabei das Triebmodell von Lorenz (1984). Er kam nach zahlreichen Beobachtungen am Tier zu der Erkenntnis, dass aggressives Verhalten genetisch vorprogrammiert ist. Untermauert werden seine Untersuchungsergebnisse durch humanethologische Entsprechungen, die Eibl- Eibesfeldt (1985, 1986) u.a. in kulturvergleichenden Studien fand. Dollard, Doob, Miller, Mowrer & Sears (1970) betrachten die Aggression hingegen als Folge von Frustrationen. Das von ihnen ausgearbeitete Frustrations-Aggressions-Modell werde ich anschließend schildern. Den Abschluss meiner Darstellung wissenschaftlicher Befunde aus dem Bereich der Aggressionsforschung bilden die lerntheoretischen Ansätze. Bandura betont in diesem Zusammenhang besonders die Wirkung des Modell- Lernens. Beschrieben wird aber auch der Prozess des operanten Konditionierens aggressiver Verhaltenstendenzen. Dabei nehme ich Bezug auf die lerntheoretischen Erkenntnisse von Thorndike (1970). Im dann folgenden Diskussionsteil vertrete ich die Ansicht, dass das Potential aggressiv zu handeln und der Ausdruck aggressiven Verhaltens angeboren sind, während die qualitative und quantitative Intensität, in der Aggressionen letztlich gelebt werden, erworben sind und nicht losgelöst vom sozialen Kontext, in dem sie auftreten, betrachtet werden können. Es erscheint mir daher sinnvoll, zu einer integrativen Betrachtung aggressiven Verhaltens zu finden, die allen Ansätzen gleichermaßen gerecht wird.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Aggression als biologischer Instinkt

2.1 Die Art erhaltende Funktionen des Aggressionstriebes

2.2 Die angeborene Tötungshemmung

2.3 Das energetische Triebmodell

3. Die Aggression als Folge von Frustrationen

3.1 Die Grundannahmen der Frustrations-Aggressions-Hypothese

3.2 Die Zusatzannahmen der Frustrations-Aggressions-Hypothese

4. Die Aggression als Ergebnis von Lernprozessen

4.1 Das Modell des instrumentellen Lernens

4.2 Das Lernen aggressiven Verhaltens am Modell

5. Diskussion

6. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen genetischer Fixierung und sozialer Bedingtheit bei der Entstehung von aggressivem Verhalten. Das primäre Ziel ist es, die wissenschaftliche Debatte zu beleuchten, inwieweit Aggression als biologisch angeborener Trieb verstanden werden kann oder primär als Reaktion auf Frustrationen sowie durch Lernprozesse und soziale Umwelteinflüsse erworben wird.

  • Biologische Fundamente und das energetische Triebmodell von Aggression.
  • Analyse der Frustrations-Aggressions-Hypothese als reaktives Erklärungsmodell.
  • Bedeutung von Lernprozessen, insbesondere instrumentelles Lernen und Modell-Lernen.
  • Kritische Diskussion und Integration der verschiedenen theoretischen Perspektiven.

Auszug aus dem Buch

2.3 Das energetische Triebmodell

Eine Auflistung beobachtbarer Phänomene mag ausreichen, um die These vom arterhaltenden Charakter der Aggression zu untermauern. Um den Ursprung und die Gesetzmäßigkeiten aggressiven Verhaltens verstehen zu können, bedarf es jedoch eines theoretischen Erklärungsmodells:

Tiere handeln in erster Linie instinktiv, also nach bestimmten festgelegten Verhaltensmustern, deren genauer Ablauf in ihrem Erbgut festgelegt ist. Für die Auslösung einer Instinkthandlung bedarf es immer sowohl innerer, als auch äußerer Faktoren. Zu den äußeren Faktoren zählen die verschiedenen Umweltstimuli, denen ein Organismus stets ausgesetzt ist. Damit aber nicht ständig infolge der von den Sinnesorganen wahrgenommenen Umgebungsreize irgendwelche sinnlosen Handlungsabläufe produziert werden, wird erst bei einer bestimmten Kombination gleichzeitig wahrgenommener Reize ein angeborener Auslösemechanismus aktiviert, der das zur Reizkombination passende genetisch festgelegte Bewegungsmuster in Gang setzt oder hemmt (Tinbergen, 1979).

Dazu bedarf es jedoch auch eines inneren Impulses, der das Handeln dynamisiert. Das heißt, selbst eine passende Reizkombination kann den angeborenen Auslösemechanismus nur dann tatsächlich aktivieren, wenn der innere Antrieb für die entsprechende Instinkthandlung ausreichend hoch ist. Umgekehrt gilt aber auch, dass ein Individuum bei entsprechend hohem inneren Antrieb nach passenden Schlüsselreizen und damit nach Möglichkeiten der Triebbefriedigung sucht. Einen solchen inneren Antrieb charakterisieren Leyhausen & Lorenz als eine Art Energiequelle, als „einen „Akkumulator“ (...), der durch den Ablauf der zugeordneten Triebhandlung jedes Mal erschöpft und in den Ruhepausen wieder aufgeladen wird“ (1972, S. 56).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Allgegenwart menschlicher Aggression dar und führt in die wissenschaftliche Kontroverse zwischen endogenen Triebtheorien und umweltbedingten Lerntheorien ein.

2. Die Aggression als biologischer Instinkt: Dieses Kapitel erläutert den ethologischen Ansatz, der Aggression als arterhaltendes, genetisch vorprogrammiertes Verhalten betrachtet und Mechanismen wie die Tötungshemmung diskutiert.

3. Die Aggression als Folge von Frustrationen: Der Fokus liegt hier auf der Frustrations-Aggressions-Hypothese, die Aggression als soziale Reaktion auf die Unterbrechung zielgerichteter Handlungen beschreibt.

4. Die Aggression als Ergebnis von Lernprozessen: Hier wird Aggression als erlerntes Verhalten behandelt, wobei das instrumentelle Lernen und die Bedeutung aggressiver Vorbilder beim Modell-Lernen im Zentrum stehen.

5. Diskussion: Das Kapitel führt die verschiedenen Ansätze zusammen und plädiert für eine integrative Betrachtungsweise der Aggressionsgenese.

6. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass Aggression sowohl genetische Voraussetzungen als auch situative Auslöser umfasst und eine theorienübergreifende Erklärung erforderlich ist.

Schlüsselwörter

Aggression, Aggressionsgenese, Triebtheorie, Frustrations-Aggressions-Hypothese, Instrumentelles Lernen, Modell-Lernen, Ethologie, Humanethologie, Tötungshemmung, Angeborenes Verhalten, Sozialisation, Integrative Sichtweise, Verhaltensbiologie, Aggressionstrieb, Prädisposition.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Ursachen menschlicher Aggression und diskutiert, inwieweit diese auf angeborene Triebe, Frustration oder Lernprozesse zurückzuführen ist.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die ethologische Triebtheorie, die Frustrations-Aggressions-Hypothese sowie lerntheoretische Konzepte wie operante Konditionierung und das Lernen am Modell.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist eine fundierte Darstellung wissenschaftlicher Hauptpositionen und deren integrative Zusammenführung zu einem besseren Verständnis der Entstehung aggressiven Verhaltens.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse und Literaturrecherche, die verschiedene psychologische und ethologische Forschungsansätze vergleichend gegenüberstellt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die drei Hauptansätze: die Aggression als biologischer Instinkt, als Reaktion auf Frustrationen und als Ergebnis von Lernprozessen, ergänzt durch eine kritische Diskussion.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Aggressionsgenese, der angeborene Aggressionstrieb, Frustration, instrumentelles Lernen sowie die integrative Betrachtungsweise.

Wie bewertet die Autorin die Theorie von Lorenz?

Die Autorin sieht in der Theorie von Lorenz trotz berechtigter Kritik an der unreflektierten Übertragung tierischer Befunde auf den Menschen wertvolle Ansätze für eine genetische Basis von Aggression.

Warum ist eine "theorienübergreifende" Erklärung notwendig?

Da sich die verschiedenen Theorien laut Autorin ergänzen und in der Praxis Aggression sowohl reaktiv als auch instrumental auftritt, ist eine isolierte Betrachtung nicht hinreichend.

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Details

Title
Das Verhältnis von genetischer Fixierung und sozialer Bedingtheit aggressiven Verhaltens
College
University of Hagen
Grade
-bestanden-
Author
Anja Rosner (Author)
Publication Year
2002
Pages
22
Catalog Number
V24610
ISBN (eBook)
9783638274432
Language
German
Tags
Verhältnis Fixierung Bedingtheit Verhaltens
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anja Rosner (Author), 2002, Das Verhältnis von genetischer Fixierung und sozialer Bedingtheit aggressiven Verhaltens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24610
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