Heuristiken am Kapitalmarkt
Hausarbeit zum Bank- und Börsenwesen
Hauptseminar
im WS 2001/2002
über
,,Behavioral Finance"
Autor: Mark Bauer
1. Einleitung S.1
2. Heuristiken S.1
2.1. Bewusste Heuristiken S.3
2.2. unbewusste Heuristiken S.4
2.2.1. Vereinfachungsheuristik S.4
2.2.1.1. Theorie S.4
2.2.1.2. Beispiele S.5
2.2.1.3. Experiment S.5
2.2.1.4. Auswirkungen der Heuristik S.5
2.2.1.4.1. individuelle Auswirkungen S.6
2.2.1.4.2. Auswirkungen auf die Preisbildung S.6
2.2.2. Verfügbarkeitsheuristik S.7
2.2.2.1. Theorie S.7
2.2.2.2. Beispiele S.8
2.2.2.3. Auswirkungen der Heuristik S.9
2.2.2.3.1. individuelle Auswirkungen S.9
2.2.2.3.2. Auswirkungen auf die Preisbildung S.9
2.2.3. Mental Accounting S.9
2.2.3.1. Theorie S.9
2.2.3.2. Beispiele S.10
2.2.3.3. Experiment S.11
2.2.3.4. Auswirkungen der Heuristik S.11
2.2.3.4.1. individuelle Auswirkungen S.11
2.2.3.4.2. Auswirkungen auf die Preisbildung S.11
2.2.4. Verankerung und Anpassung S.12
2.2.4.1. Theorie S.12
2.2.4.2. Beispiele S.12
2.2.4.3. Experiment S.12
2.2.4.4. Auswirkungen der Heuristik S.13
2.2.4.4.1. individuelle Auswirkungen S.13
2.2.4.4.2. Auswirkungen auf die Preisbildung S.13
2.2.5. Repräsentativitätsheuristik S.13
2.2.5.1. Theorie S.13
2.2.5.2. Beispiele S.14
2.2.5.3. Experiment S.15
2.2.5.4. Auswirkungen der Heuristik S.15
2.2.5.4.1. individuelle Auswirkungen S.15
2.2.5.4.2. Auswirkungen auf die Preisbildung S.15
2.3. Ausscheiden, Arbitrage und Lerneffekte S.15
3. Fazit S.16
Literaturverzeichnis
1. Einleitung
Bis zu den fünfziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts rühmte sich die neoklassische Wirtschaftstheorie, den Alleinvertretungsanspruch für die Erklärung des Geschehens an den Börsen zu haben. Dann begannen die ersten zaghaften Bemühungen der Wirtschaftspsychologie, die sich bislang auf Themen wie Arbeitspsychologie, Mitarbeiterführung sowie Marketingpsychologie beschränkt hatte, das Verhalten von Börsenakteuren zu erkunden. Doch erst in den siebziger Jahren wurde die schon seit Längerem untersuchte Psychologie der Spieltheorie mit weiteren verhaltenswissenschaftlichen Erkenntnissen zum neuen Forschungsgebiet Behavioral Finance entwickelt. Sie bot neue Erklärungsansätze für Phänomene wie die Milchmädchenhausse oder Börsencrashs, mit deren Erklärung die neoklassische Theorie bisher große Mühe hatte. Leider gehört die Behavioral Finance noch nicht zum Handwerkszeug der Börsenakteure, deren Kenntnis ist jedoch eine Bereicherung für jeden Anleger. Daher thematisiert diese Arbeit einen ausgewählten Aspekt der Behavioral Finance, nämlich Heuristiken am Kapitalmarkt.
2. Heuristiken
Ein Akteur mit dem Anspruch der Rationalität hat bei der Aufnahme und Verarbeitung von Informationen, die seine Anlageentscheidungen betreffen, bestimmten Anforderungen zu genügen1. Er hat die entsprechenden Informationen neutral und vollständig aufzunehmen, zu verarbeiten und dann eine nachprüfbar optimale Entscheidung zu treffen. Hierbei bedient er sich insbesondere wissenschaftlicher Modelle, etwa der Kombinatorik und Wahrscheinlichkeitsrechnung2. Betrachtet man hier den realen Anleger und nicht einen ,,homo oeconomicus"3, so wird klar, dass auch unter optimalen Bedingungen (z.B. ausreichend Zeit, Methoden- und Fachwissen, Erfassung der Komplexität etc.) die optimale Entscheidung nicht einfach und ohne Anstrengung erzielbar ist. Von Nitzsch behauptet, dass auch unter optimalen Bedingungen die meisten Entscheidungen suboptimal seien4.
Bei der Betrachtung von tagtäglichen Entscheidungen an den Finanzmärkten wird klar, dass hier alles andere als optimale Rahmenbedingungen vorliegen. Entscheidungen müssen unter Zeitdruck gefällt werden (denn die optimale Entscheidung ist wertlos, wenn sie auf Grund eines ,,time lag" auf bereits veralteten Situationen basiert)5. Aufnahmefähigkeit und Verarbeitungskapazität des menschlichen Gehirns sind limitiert. Kahneman, Slovic und Tversky sowie Hammond, Keeney und Raiffa zeigten experimentell, dass Menschen im strikt logischen Sinn langsame und schlechte Rechner sind6. Eine Erklärung liefert die Erkenntnis der Hirnforschung: Der Mensch ist kaum in der Lage, in einer Situation mehr als sieben Informationen gleichzeitig zu erfassen7. Die Beschränktheit der geistigen Verarbeitungskapazität wird auch beim Versuch der Lösung von Aufgaben zu Wahrscheinlichkeitsrechnung und Kombinatorik schnell bewusst. Bei steigender Schwierigkeit gelangt man ohne Stift und Papier, Taschenrechner oder Computer bald an seine Grenzen. Der Mensch als ,,kognitiver Geizhals" muss also effizient mit seinen geistigen Ressourcen umgehen8. Zusätzlich herrscht in Entscheidungssituationen meist eine nicht beherrschbare Komplexität der Sachlage vor, zudem hat der Akteur oft unzureichendes Methoden- und Fachwissen.
Um Lösung auf die Fragestellungen an den Finanzmärkten (unter Vorhandensein obiger Probleme) zu finden, behelfen sich die Individuen oft Heuristiken zur Vereinfachung und Beschleunigung der Urteilsfindung. Kirchler definiert: ,,Heuristiken sind Faustregeln, die den Vorteil haben, Urteilsprozesse zu erleichtern, aber unter bestimmten Bedingungen zu systematischen Fehleinschätzungen führen9." Von Nitzsch konkretisiert diese Aussage wie folgt: ,,Heuristiken sind hierbei Mechanismen der Informationsverarbeitung, die mit geringem Aufwand zu einem schnellen, aber nicht garantiert optimalen Ergebnis kommen10." Der Einsatz von Heuristiken ist also analog zu obigen Ausführungen vor allem dann anzutreffen, wenn die Rahmenbedingungen für Entscheidungen widrig sind: bei zeitlicher Knappheit11, unvollständiger Information und hoher Komplexität12. Aronson entdeckte, dass die Wahrscheinlichkeit für den Einsatz einer Heuristik steigt, je weniger wichtig das Ergebnis für das Individuum ist13. Die Verwendung von Heuristiken kann, wenn man explizit von dem Vorhandensein von Informationskosten ausgeht, sogar rational sein. Dies ist der Fall, wenn man das Verhältnis zwischen aufgewandten Informationskosten und dadurch erzieltem Zusatzgewinn (durch optimalere Urteilsmöglichkeit) optimiert14.
Grundsätzlich lassen sich bewusste sowie im Normalfall unbewusste Heuristiken unterscheiden. Unbewusste Heuristiken kann sich das Individuum bewusst machen, wenn es sich intensiv mit dieser Thematik beschäftigt15. Die meisten Börsenakteure wissen jedoch gar nicht, dass sie diesen Phänomenen unterliegen, geschweige denn, dass sie sich mit ihrer Urteilsbildung auseinandersetzen. Daher wird im Folgenden davon ausgegangen, dass sich die Börsenakteure ihrer im Normalfall unbewussten Heuristiken nicht bewusst sind.
[...]
1 Ein rationaler Entscheider, also ein sog. ,,homo oeconomicus" unterliegt keinen geistigen Restriktionen, hat keine Gefühle und orientiert sich bei Entscheidungen nur en der Maximierung des Erwartungsnutzens.
2 Vgl. Strack (1985), S. 241.
3 Vgl. Wiswede (1996), S. 13 f.
4 Vgl. von Nitzsch/Friedrich (1999), S. 13.
5 Vgl. Goldberg (2000), S.50.
6 Vgl. Kirchler (1999), S. 27.
7 Vgl. Goldberg (2000), S. 50.
8 Vgl. von Nitzsch/Friedrich (1999), S. 13.
9 Vgl. Kirchler (1999), S.29.
10 Vgl. von Nitzsch/Friedrich (1999), S.13.
11 Vgl. Strack (1985), S.241.
12 Vg. Maas/Weibler (1990), S.82.
13 Vgl. von Nitzsch/Friedrich (1999), S. 13.
14 Gerke, mündliche Äußerung.
15 Vgl. Goldberg (2000), S.51.
Arbeit zitieren:
Mark Bauer, 2002, Heuristiken am Kapitalmarkt, München, GRIN Verlag GmbH
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