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Josefine Mutzenbacher - Subversion in der Horizontalen. Der erotische Diskurs im pornographischen Roman der Wiener Moderne als Ausblick auf eine sexualpolitische Utopie.

Title: Josefine Mutzenbacher - Subversion in der Horizontalen. Der erotische Diskurs im pornographischen Roman der Wiener Moderne als Ausblick auf eine sexualpolitische Utopie.

Seminar Paper , 1999 , 32 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Stephan Schmauder (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Freilegung einer bestimmten Bedeutungsebene im anonym erschienenen Roman "Josefine Mutzenbacher - Die Lebensgeschichte einer wienerischen Dirne, von ihr selbst erzählt", die eine dezidiert subversive Lesart des pornographischen Textes nahelegt.
Die Arbeit postuliert das Vorhandensein intertextueller Bezüge zwischen Siegmund freuds "Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie" und dem Mutzenbacher-Roman, da die Texte u. a. beide in Wien mit nur einem Jahr zeitlichem Abstand erscheinen und das gleiche Sujet behandeln - die Sexualität des Kindes - , wenn auch mit gänzlich unterschiedlicher Zielsetzung aufgrund der Verschiedenheit der Textgattungen.
Da die "Abhandlungen" freuds die Vertreter der gesellschaftlichen Ordnung und v. a. die zeitgenössische _rtzteschaft durch die vorgetragenen Thesen zur dezidierten Sexualität des Kleinkindes auf das Tiefste verstörten, liegt der Schluß nahe, dass der anonyme Verfasser der "Mutzenbacher" die ...ffentlichkeit auf ähnlich subversive Weise zu provozieren (und gleichzeitig zu erregen) sich anschickte, indem er mit großer Selbstverständlichkeit die damalig allgemein abgeleugnete KinderSexualität in naturalistisch angelegten Szenen mit den drastischen Darstellungsmitteln der Pornographie portraitierte. Durch das Ineinanderverschränken aller handelnden Figuren mit allen und der frei flukurierenden Sexualität, die sich zwischen diesen Figuren Bahn bricht, ereignen sich karnevalistische Mésalliancen und vollziehen sich Familialisierungen (Begriffe aus der Literaturtheorie bachtins), die eine Deutung des Textes als sexualpolitische Utopie zulassen.
Die Arbeit versucht diesen Thesen mit der interpretierenden Auswertung einiger Textbeispiele auf den Grund zu gehen und diese im folgenden zu belegen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkungen

Einleitung

I. Hermeneutische Vorleistung: Übereinstimmungen zwischen freuds Sexualtheorie und der Mutzenbacher

I.1. Rekurs auf die literarischen Besonderheiten der Mutzenbacber

I.2. Freuds theoretische Perspektive auf die KinderSexualität

II. Die intertextuellen Bezüge zwischen freuds Sexualtheorie und der 'polymorph per versen' Pepi

III. Die Subversion des erotischen Diskurses der Mutzenbacher

IV. Subversion im Superlativ. Die urchristliche Utopie des sexuellen Glücks aller mit allen Gesellschaftsgliedern: der Priester und das Mädchen

Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Primärliteratur (oder: literarische Quellen der Seminararbeit)

Sekundärliteratur

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den anonym veröffentlichten Roman "Josefine Mutzenbacher" hinsichtlich seiner subversiven Bedeutungsebenen, insbesondere durch die Analyse intertextueller Bezüge zu Siegmund Freuds "Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie". Ziel ist es, den Roman nicht bloß als triviale Pornographie zu klassifizieren, sondern dessen Funktion als sexualpolitische Utopie und Gesellschaftskritik an der prüden Moral der Wiener Moderne freizulegen.

  • Intertextualität zwischen Freuds Sexualtheorie und dem Roman
  • Die Darstellung kindlicher Sexualität als gesellschaftliches Tabu
  • Das Konzept der "Subversion" im pornographischen Diskurs
  • Karnevalistische Stilmittel und die Aufhebung moralischer Rollenbilder

Auszug aus dem Buch

Die Subversion des erotischen Diskurses der Mutzenbacher

Was freud mit Perversionen pejorativ benennt, ist de facto ein an Nuancen, vielerlei Arten von sexuellem Vor- und Nachspiel, verschiedenen Koitus-Praktiken mit unterschiedlichen Partnern und vielerlei Stellungen reiches Geschlechtsleben, das sich nicht auf die christlich kanonisierte sexuelle Klaviatur der minimalistischen Missionarsstellung, in der repressiv eingeforderten Monogamie praktiziert, beschränkt. Eine solch vitale Sexualität beschreibt die bejahrte Ich-Erzählerin Mutzenbacher im Prolog:

Ich bin frühzeitig zur Hure geworden, ich habe alles erlebt, was ein Weib, im Bett, auf Tischen, Stühlen, Bänken, an kahle Mauerecken gelehnt, im Grase liegend, im Winkel dunkler Haustore, in chambres separées, im Eisenbahnzug, in der Kaserne, im Bordell und im Gefängnis Überhaupt nur erleben kann [...]. Aus Armut und Elend, wie ich entstammt bin, habe ich alles meinem Körper zu verdanken. Ohne diesen gierigen, zu jeder Sinnenlust frühzeitig entzündeten, in jedem Laster von Kindheit auf geübten Körper wäre ich verkommen wie meine Gespielinnen, die im Findelhaus starben oder als abgerackerte Proletarierfrauen zugrunde gingen. (Zitat mutzenbacher, S. 7)

Neben der sozialpolitisch bewußten Anklage gegen die Verelendung des wienerischen Proletariats der Jahrhundertwende, hierbei vor allem die entwürdigende Rolle der Frau betonend, die aus diesen Zeilen spricht, macht die Ich-Erzählerin deutlich, dass die literarische Hauptfigur des Romans ihre hochentwickelte, lustvoll ausgelebte Sexualität nutzt, um sich in ihrem Leben ein Stück existentielle Lebensqualität und persönliches Glück zu sichern. Dazu muß die initiative Pepi nicht sonderlich verführt werden, eine erste Anleitung von gleichaltrigen Gespielinnen und Gespielen reicht als Anstoß vollauf, ihre Lustmöglichkeiten aggresiv selbst zu entwickeln (siehe mutzenbacher, S. 9-21).

Zusammenfassung der Kapitel

Vorbemerkungen: Erläutert die literaturwissenschaftliche Ignoranz gegenüber dem Werk und begründet die Notwendigkeit einer tiefergehenden Analyse.

Einleitung: Stellt die Forschungsfrage auf und definiert den Begriff der Subversion im Kontext der erotischen Literatur.

I. Hermeneutische Vorleistung: Übereinstimmungen zwischen freuds Sexualtheorie und der Mutzenbacher: Untersucht die Grundlagen des Romans und die Bedeutung der frühkindlichen Sexualität im sozio-historischen Kontext.

II. Die intertextuellen Bezüge zwischen freuds Sexualtheorie und der 'polymorph per versen' Pepi: Analysiert den direkten Bezug zwischen Freuds Theorien und der Charakterzeichnung der Protagonistin Pepi.

III. Die Subversion des erotischen Diskurses der Mutzenbacher: Dekonstruiert den vermeintlich trivialen Gehalt des Romans und weist dessen subversive Qualität nach.

IV. Subversion im Superlativ. Die urchristliche Utopie des sexuellen Glücks aller mit allen Gesellschaftsgliedern: der Priester und das Mädchen: Untersucht anhand der Beicht-Episode, wie der Roman religiöse Tabus durchbricht und in utopische Bereiche vordringt.

Zusammenfassung: Bündelt die Thesen der Arbeit und plädiert für eine Neubewertung des Romans in der Literaturgeschichte.

Literaturverzeichnis: Listet die herangezogene Primär- und Sekundärliteratur auf.

Schlüsselwörter

Josefine Mutzenbacher, Wiener Moderne, Siegmund Freud, Kindersexualität, Subversion, Erotik, Pornographie, Tabubruch, Intertextualität, Sozialkritik, Sexualpolitik, Utopie, Literaturgeschichte, Moralvorstellungen, Karnevalisierung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den pornographischen Roman "Josefine Mutzenbacher" aus literaturwissenschaftlicher Sicht, um seine tieferen, subversiven Bedeutungsebenen gegenüber der zeitgenössischen bürgerlichen Sexualmoral offenzulegen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die intertextuellen Verbindungen zu Siegmund Freuds Sexualtheorie, die Thematisierung kindlicher Sexualität sowie die Kritik an den sozialen und religiösen Normen der Wiener Moderne.

Was ist das primäre Ziel der Forschung?

Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass der Roman als eine sexualpolitische Utopie verstanden werden kann, die durch spielerische Tabubrüche die repressiven Strukturen der damaligen Gesellschaft unterwandert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt einen interdisziplinären Ansatz, der textimmanente hermeneutische Analyse mit Erkenntnissen der politischen Psychologie, der Anthropologie und der Literaturgeschichte verknüpft.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Aufdeckung der "Subversion" im Text, vergleicht Freuds Konzepte mit den Erfahrungen der Romanfigur Pepi und untersucht provokante Szenen wie die Beicht-Episode als Momente klerikaler und gesellschaftlicher Entlarvung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Subversion", "Wiener Moderne", "Kindersexualität", "Freudianische Sexualtheorie" und "sexualpolitische Utopie" maßgeblich bestimmt.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Protagonistin Pepi?

Pepi wird nicht als passives Opfer dargestellt, sondern als eine aktive, selbstbestimmte Figur, die ihre Sexualität als Mittel zur Erlangung persönlicher Freiheit und existentieller Lebensqualität nutzt.

Warum ist die Beicht-Episode im Roman für die Argumentation so wichtig?

Die Beicht-Episode stellt den Höhepunkt der Subversion dar, da sie den Priester – die höchste moralische Instanz – in einen Akt der Übertretung einbezieht und so die Gegensätze von Sakralem und Profanem kunstvoll auflöst.

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Details

Title
Josefine Mutzenbacher - Subversion in der Horizontalen. Der erotische Diskurs im pornographischen Roman der Wiener Moderne als Ausblick auf eine sexualpolitische Utopie.
College
Free University of Berlin  (Neuere Deutsche Literaturwissenschaft)
Course
Proseminar: Die Literatur und das Obszöne
Grade
1,0
Author
Stephan Schmauder (Author)
Publication Year
1999
Pages
32
Catalog Number
V2487
ISBN (eBook)
9783638115179
Language
German
Tags
Josefine Mutzenbacher Subversion Horizontalen Diskurs Roman Wiener Moderne Ausblick Utopie Proseminar Literatur Obszöne
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stephan Schmauder (Author), 1999, Josefine Mutzenbacher - Subversion in der Horizontalen. Der erotische Diskurs im pornographischen Roman der Wiener Moderne als Ausblick auf eine sexualpolitische Utopie., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2487
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