II
Inhalt
Seite
Abk ürzungsverzeichnis. IV
Abbildungsverzeichnis. VI
Anlagenverzeichnis. VII
1 Einleitung. 1
1.1 Die Rechnungslegung im Umbruch. 1
1.2 Aufgabenstellung und Ziele. 5
2 Rahmenbedingungen. 8
2.1 Das International Accounting Standards
Committee. 8
2.2 Aufbau der IAS - Rechnungslegung. 12
2.2.1 Entwicklung eines Standards. 12
2.2.2 Die rechtlichen Grundlagen. 14
2.2.3 Grundgedanken der internationalen
Rechnungslegung. 16
2.2.3.1 Übergeordnete Grundsätze. 16
2.2.3.2 Qualitative Anforderungen. 17
2.2.3.3 Einschränkungen und Prinzipien. 19
2.3 Allgemeine Unterschiede zwischen
HGB und IAS. 21
2.4 Ziele der internationalen Rechnungslegung. 23
3 Aufbau des Abschlusses. 25
3.1 IAS - Aktiva. 25
3.2 IAS - Passiva. 26
3.3 Income Statement 28
III
3.4 Zusammensetzung des Jahresabschlusses. 31
3.4.1 Bestandteile und Eigenkapitalentwicklung 31
3.4.2 Kapitalflussrechnung und Segmentbericht. 32
3.4.3 Lagebericht. 35
3.5 Einordnung der Analyseobjekte. 36
3.5.1 Vermögenswerte. 36
3.5.2 Eigenkapital nach IAS - Anforderungen. 38
4 Bilanzierungsgrundsätze immaterieller
Vermögensgegenstände nach IAS. 40
4.1 Definition und Anforderungen. 40
4.2 Aktivierungspflicht nach IAS 38. 43
4.3 Ansatz und Bewertung. 45
4.4 Die Bilanzierung ausgewählter immaterieller
Anlagegegenst ände. 47
4.4.1 Software. 47
4.4.2 Erstellungsaufwand für Internetseiten. 52
4.4.3 Forschungs- und Entwicklungskosten. 54
4.4.4 Entgeltlich erworbene immaterielle
Vermögenswerte............................................................ 56
4.4.5 Geschäfts- oder Firmenwert. 57
4.4.6 Selbsterstellte immaterielle Vermögensgegenstände. 60
5 Fazit und Ausblick. 62
Anlagen. VIII
Literaturverzeichnis XXV
Abb. Abbildung ABWL Allgemeine Betriebswirtschaftslehre AE Automotive Electronics AG Aktiengesellschaft AktG Aktiengesetz Anm. Anmerkung BE Body Electronics bzw. beziehungsweise CM Car Multimedia CS Chassis Systems DAX Deutscher Aktienindex d.h. das heißt DS Diesel Systems DB Der Betrieb DSOP Draft of Statement Principles ED Exposure Draft EG Europäische Gemeinschaften EG - RL Richtlinie der Europäischen Gemeinschaft EK Eigenkapital ES Energie Systems EU Europäische Union FRC Financial Reporting Committee GCPAS Certified Public Accountants in Deutschland ggf. gegebenenfalls GoB Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung GoF Geschäfts- oder Firmenwert GS Gasoline Systems GuV Gewinn- und Verlustrechnung HGB Handelsgesetzbuch IAS International Accounting Standards IASAC International Accounting Standards Advisory Council
V
IASB International Accounting Standards Board IASC International Accounting Standards Committee IDW Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V. IFRIC International Financial Reporting Interpretations Committee IFRS International Financial Reporting Standards LuL Lieferungen und Leistungen Mrd. Milliarden Nr. Nummer NYSE New York Stock Exchange o.V. ohne Verfasser S. Seite(n) SAP Software Anwender Produkte SFAC Statement of Financial Accounting Committee SIC Standard Interpretations Committee US United States USA United States of America US - GAAP United States - Generally Accepted Accounting Principles vgl. vergleiche WE Werteinheit WPg Die Wirtschaftsprüfung WPK Wirtschaftsprüferkammer
VI
Abbildungsverzeichnis
Seite
Abb. 1: Aktuelle Bilanzierungspraxis in Deutschland.
Abb. 2: Organisationsstruktur des IASC.
Abb. 3: Entwicklung eines Standards.
Abb. 4: Der steigende Verpflichtungsgrad.
Abb. 5: IAS - Prinzipienpyramide.
Abb. 6: Gegenüberstellung von IAS und HGB.
Abb. 7: Ziele einer internationalen Rechnungslegung
Abb. 8: GuV - Mindestanforderungen nach IAS
Abb. 9: Bestandteile des IAS - Abschlusses.
Abb. 10: Segmentberichterstattung der Bosch - Gruppe.
Abb. 11: Der Abschluss nach HGB.
Abb. 12: Anforderungen an immaterielle Güter nach IAS
Abb. 13: Übersicht der Einschränkungsvoraussetzungen.
Abb. 14: Softwarekategorien
Abb 15: Positiver Geschäfts- oder Firmenwert
Anlage 1 (Blatt 1 - 4) Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften Anlage 2 International Accounting Standards Anlage 3 Framework Anlage 4 SIC Interpretationen - Überblick Anlage 5 (Blatt 1 - 7) SIC - Interpretationen detailliert Anlage 6 Aufbau einer IAS - Bilanz Anlage 7 Beispiel einer Kapitalflussrechnung Anlage 8 Lagebericht
1
1 Einleitung
1.1 Die Rechnungslegung im Umbruch
Schneller, höher, weiter: Täglich liest man auf den Sportseiten von neuen Rekorden, die kurz danach schon wieder überboten werden. Sportler sind permanent damit beschäftigt, sich und ihre Leistung zu vergleichen, und schöpfen daraus einen Teil ihrer Motivation und Kraft, noch intensiver zu trainieren und neue Spitzenleistungen zu erzielen. Im gegenwärtig immer härter werdenden Wettbewerbsumfeld gilt dies auch für Unternehmen. Spitzenleistungen können nur erbracht werden, wenn hohe Transparenz und Vergleichbarkeit gegeben sind.
Eine weltweite Öffnung der Kapitalmärkte und stark zunehmende Globalisierung des Handels und der Produktion sowie die Privatisierung staatlicher Unternehmen lassen derzeit einen Trend zur Bildung international agierender Unternehmen unaufhaltsam erscheinen. Der steigende Kapitalbedarf dieser Konzerne kann hä ufig nicht mehr durch die nationalen Märkte abgedeckt werden und zwingt die Unternehmen dazu, weltweit auf den Kapitalmärkten tätig zu werden. Hinzu kommen Probleme bei der Zulassung dieser Firmen zu den internationalen Kapitalmärkten, wie die Börseneinführung der Daimler - Benz AG an der New York Stock Exchange (NYSE) vor einigen Jahren deutlich gemacht hat. Die Zulassung erforderte eine Anpassung an die Bilanzierungsrichtlinien der Vereinigten Staaten und die Veröffentlichung von bila nziellen Zusatzinformationen. 1 Für das Unterne hmen bedeutete diese Tatsache ein Leben in unterschiedlichen Bilanzwelten. Mittlerweile ist Daimler Chrysler bei weitem nicht das einzige Unternehmen, das durch die unterschiedlichen nationalen Rech-nungslegungsvorschriften zunehmend vor Schwierigkeiten gestellt wird.
Grundsätzlich konnte global gesehen bisher zwischen zwei großen Rechnungsl egungssystemen unterschieden werden, dem kontinental - europäischen und dem angloamerikanischen. Gesetzliche Vorschriften spielen bei den Jahresabschlüssen im europäischen Raum eine bedeutende Rolle. Im nordamerikanischen Raum richtet
1 Vgl. Financial Times Deutschland, http://www.ftd.de/ub/fi/1270995.html?nv=rs 05.01.2004 [Online].
2
man sich nach den United States - Generally Accepted Accounting Principles (US -GAAP), welche allerdings kein satzungsmäßiges Recht darstellen, sondern fallweise Regelungen treffen, die sich innerhalb eines Rechtsrahmens bewegen. Die Philosophie der US - Rechnungslegung beinhaltet primär die Informationsfunktion des Jahresabschlusses bzw. der gesamten externen Berichterstattung (financial reporting). Seit 1973 entwickelt das International Accounting Standards Committee (IASC) ein drittes Referenzsystem mit dem Namen International Accounting Standards (IAS). Mittlerweile hat sich dieses Rechnungslegungssystem weltweit etabliert und firmiert in Zukunft unter dem Namen International Financial Reporting Standards (IFRS). Die vorliegende Arbeit wird jedoch weiterhin den gebräuchlicheren Namen IAS verwe nden.
In der Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16.06.2002 wird vorgeschlagen, “... dass alle kapitalmarktorientierten Gesellschaften in der Gemeinschaft ihre konsolidierten Abschlüsse spätestens ab dem Jahr 2005 nach einheitlichen Rechnungslegungsstandards, den „International Accounting Standards“ (IAS), aufstellen.“ 2 Für die derzeit nach US - GAAP bilanzierenden, börsennotierten Unternehmen gilt eine Übergangsfrist bis 2007. Bereits in der Berichtsperiode 2002 erstellten zwei Drittel der DAX - Unternehmen ihren Konzernabschluss nach der neuen IAS - Rechnungslegung und alle im DAX gelisteten Unternehmen veröffentlichen zusätzlich zum HGB mindestens einen weiteren Jahresabschluss. 3
Dabei bedienen sich die Unternehmen unterschiedlicher Möglichkeiten. Beim so genannten dualen Abschluss werden die Wahlrechte des HGB so ausgelegt, dass gleichzeitig die Vorschriften des IASC erfüllt werden. Eine andere Vorgehensweise ist der parallele Abschluss, wobei zwei separate Bilanzen, eine nach HGB und eine nach IAS oder US - GAAP, erstellt werden. Um diesem Mehraufwand vorzubeugen, hat das Bundesjustizministerium bereits 1998 seine Bereitschaft erklärt, eine Gesetzesänderung zum Thema „Befreiende Konzernabschlüsse“ auf den Weg zu bringen, um damit deutschen Konzernen die doppelte Rechnungslegung nach HGB und IAS
2 Siehe hierzu Anlage 1 Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften: Verordnung (EG) Nr.1606/2002 des Europäischen Parlaments und des Rates.
3 Der Deutsche Aktienindex repräsentiert die 30 größten und umsatzstärksten deutschen Unterneh- men.
3
oder US - GAAP zu ersparen. 4 Dadurch wäre es in Deutschland rechtlich gesehen möglich, einen befreienden Abschluss nach nur einem der drei großen Standards zu erstellen. 5 In Anbetracht der unterschiedlichen Rechnungslegungsrichtlinien, der ve rschiedenen nationalen Vorschriften und der derzeitigen Entwicklungen auf den inte rnationalen Kapitalmärkten wird deutlich, dass sich die Rechnungslegung weltweit im Umbruch befindet. Die nachstehende Übersicht verdeutlicht die aktuelle Bilanzierungspraxis der größten deutschen Unternehmen.
Nicht nur Unternehmen sind an einer Vereinheitlichung der Rechnungslegung interessiert. Für die gesamte Exportbranche spielt die Harmonisierung der Rechnungs-legungsvorschriften eine wichtige Rolle, da sich jeder Exporteur detaillierte Informationen über seinen jeweiligen Handelspartner wünscht. Auch sind weltweit operie-
4 Vgl.Veröffentlichungen der Turnaround Management Consult GmbH, http://www.turnaround.de/veroeffentlichungen/1999-02-kontrag1.pdf 15.01.2004, [Online].
5 Vgl. Stahl, A. B.: Wechsel vom HGB auf IAS oder US -GAAP. in: Kostenrechnungspraxis (46) 2002, 1. 35.
Vgl. hierzu auch Spanheimer, J.; Koch, C.: Internationale Bilanzierungspraxis in Deutschland - Ergebnisse einer empirischen Untersuchung der Unternehmen des DAX und MDAX sowie des Neuen Marktes. in WPg (53) 2000, S. 303-308.
6 eigene Darstellung
4
rende Anleger und global agierende Investoren an internationalen Jahresabschlüssen interessiert. Sie alle wünschen sich bestmögliche Vergleichbarkeit der Jahresabschlüsse, um die unterschiedlichen Vertragsbedingungen, Anlagemöglichkeiten und Investitionsentscheidungen besser beurteilen zu können. Daneben gibt es eine Vielzahl weiterer Interessengruppen mit jeweils eigenen Anliegen und Motive n, wie beispielsweise Gläubigerbanken von international tätigen Großkonzernen, die ihre Kreditrahmen auf der Basis von weltweiten Finanzdaten abstecken. Arbeitnehmer und Kunden interessieren sich ebenso für die Finanzlage Ihres Arbeitgebers oder Geschäftspartners wie Regierungen und andere wirtschaftliche Institutionen. 7
In jüngerer Zeit scheint sich bei all diesen Parteien eine höhere Bereitschaft zur Akzeptanz von Harmonisierungsrichtlinien anzudeuten. Eine Vereinheitlichung der Rechnungslegungsvorschriften zählt deshalb heutzutage zu den übergeordneten Zielen staatlicher und privater Organe und Institutionen. 8
7 Vgl. Nowotny, C.: Rechnungslegung, Prüfung und Beratung, 1996, S. 70 f.
8 Vgl. Glaum, M.; Mandler, U.: Rechnungslegung auf globalen Kapitalmärkten, 1997, S.2 f.
5
1.2 Aufgabenstellung und Ziele
Die Einigung auf eine einheitliche Rechnungslegung nach neuen internationalen Rahmenbedingungen scheint aufgrund neu verabschiedeter gesetzlicher Richtlinien und verschiedener Vorteile für unterschiedliche Interessengruppen unaufhal tsam. Derzeit treffen deshalb viele Unternehmen die Vorbereitungen für die Umste llung ihres externen Rechnungswesens auf neue Standards oder erstellen bereits die ersten Abschlüsse nach internationalen Normvorschriften. Um eine erfolgreiche Umsetzung zu garantieren, müssen Unternehmen die wesentlichen Kernprozesse des ne uen Bilanzierungsstandards innerbetrieblich darstellen und allen beteiligten Mitarbeitern zugänglich machen.
Diese Diplomarbeit wird die wichtigsten Merkmale des neuen Rechnungslegungssystems erörtern. Der Aufbau eines Jahresabschlusses auf Grundlage der IAS sowie der zugehörigen Interpretationen durch das Standard Interpretation Committee (SIC) wird untersucht. Umsetzung und Ausgestaltung der neuen Richtlinien werden am Beispiel des immateriellen Anlagevermögens aufgezeigt. Durch die Festlegung auf diesen Bilanzteil werden die spezifischen Anforderungen des IASC an diese besondere Form der Vermögenswerte dargestellt. Standards oder SIC - Interpretationen, die derzeit gar nicht oder nur in Sonderfällen angewendet werden können, sind von der Arbeit ausgenommen. Ziel dieser Arbeit ist es, für einen möglichst großen Empfängerkreis eine Dokumentation des Bilanza nsatzes von immateriellen Vermögenswerten zur Verfügung zu stellen. Hierbei sollen aktuelle Entwicklungen und Vorgaben des IASC und des Europäischen Parlaments einbezogen werden.
Unter Berücksichtigung dieser Ausgangslage werden zunächst die Rahmenbedingungen aufgezeigt. Dafür wird das IASC in seiner heutigen Organisationsstruktur beschrieben und zentrale historische Merkmale erörtert. Anschließend erfolgt ein Überblick über den Aufbau der IAS - Rechnungslegung. Es wird erläutert, wie sich Standards entwickeln und welche Institutionen daran beteiligt sind. Eine wichtige Rolle spielen dabei die den Standards zu Grunde liegenden Gesetze. Deshalb wird ein kurzer Rückblick auf die bisherige historische Entwicklung der dazu gehörigen Rechtssysteme gegeben. Die Zusammensetzung des Gremiums der IASC Grün-
6
dungsmitglieder war ausschlaggebend für den rechtlichen Aufbau der IAS. Zu diesem Zweck werden im darauf folgenden Punkt juristische Voraussetzungen e r-forscht, auf denen die Vorschriften der Gründer und damit auch die Vorschriften des Rechnungslegungssystems basieren. Darüber hinaus gehören verschiedene vom IASC entworfene Prinzipien zu den Rahmenbedingungen der Bilanzierung. Dazu zählen sowohl der Rechnungslegungszweck mit seinen übergeordneten Grundsätzen, als auch die qualitativen Anforderungen und Einschränkungen der Informationsfunktion. In einer Gegenüberstellung von IAS- und HGB - Regelungen werden die gravierendsten Unterschiede der beiden Bilanzierungsnormen f estgehalten. Weiterhin beschäftigt sich diese Studie mit den Zielen eines internationalen Rechnungsl egungssystems. Die Ziele werden aufgeführt, Bestandteile und Aufbau des IAS - Abschlusses werden erläutert. Aufgezeigt wird nicht nur die Gliederung von Aktiva und Passiva, sondern auch die Ausgestaltung des Income Statements. Beschrieben we rden neben den Vorschriften zur Eigenkapitalentwicklung auch die IAS - Regelungen zu Kapitalflussrechnung und Segmentberichten sowie die Besonderheiten des Lageberichts. Die Begriffsdefinitionen von Anlagegegenständen nach IAS sollen danach die Einordnung von immateriellen Vermögenswerten inne rhalb der IAS - Bilanz ve rdeutlichen. Ein weiterer Abschnitt beschäftigt sich mit der Schilderung der Besonderheiten des Eigenkapitals nach IAS.
Rechnungslegungsgrundsätze, die eine Rolle bei der Betrachtung immaterieller Vermögensgegenstände nach IAS spielen, werden erläutert und Begriffe definiert. IAS - Anforderungen an immaterielle Vermögensgegenstände werden geschildert. Unter Punkt 4.2 werden allgemeine einschränkende Voraussetzungen beschrieben, die das IASC unter dem Standard IAS 38 für eine generelle Aktivierungspflicht fo rdert. Zusätzlich werden weitere einschränkende Bedingungen erläutert, die unter anderem bei der Aktivierung von immateriellen Vermögenswerten erforderlich sind, sofern sie sich in einer von der Forschungsphase abzugrenzenden Entwicklungsphase befinden. Bevor eine spezifische Beschreibung von ausgewählten immateriellen Anlagegegenständen erfolgt, wird es zunächst einen allgemeinen Überblick über den Ansatz und die Bewertung von immateriellem Anlagevermögen geben.
Zum Ende der Studie werden dann die spezifischen Anforderungen aufgezeigt, die an einzelne ausgewählte Bilanzpositionen gestellt werden, angeführt vo n der Positi-
7
on Software, die in der heutigen Zeit einen nicht unerheblichen Anteil am immateriellen Anlagevermögen von großen Unternehmen darstellt. Eine Besonderheit des immateriellen Anlagevermögens ist der Erstellungsaufwand für Internetseiten, der in Zukunft eine deutlichere Rolle auf der unternehmerischen Aufwandsseite spielen wird. Weiterhin erfolgt die Auseinandersetzung mit den Forschungs- und Entwicklungskosten nach IAS. Es wird dargelegt, welche Eigenheiten das IASC für die Forschungs- und Entwicklungsphase konzipiert hat. Die Vorschriften zur Bilanzierung des Geschäfts- oder Firmenwerts werden untersucht und die IAS - Regelungen zu selbsterstellten immateriellen Vermögensgegenständen dargestellt.
Im Fazit erfolgen eine Zusammenfassung der Ergebnisse und ein Ausblick auf die mögliche zukünftige Entwicklung des neuen internationalen Rechnungslegungssta ndards. Die Arbeit endet mit der Bewertung und Eingliederung des Bilanzpostens immaterieller Vermögensgegenstände unter kritischer Beurteilung der derzeitigen IAS - Anspruchsgrundlagen.
8
2 Rahmenbedingungen
2.1 Das International Accounting
Standards Committee
Die Unzufriedenheit über die vielen unterschiedlichen nationalen Vorschriften und Gestaltungsmöglichkeiten von Jahresabschlüssen bewogen das „Institute of Accountant“ in Großbritannien bereits vor über 30 Jahren dazu, das IASC zu gründen. Vertreter des Instituts trafen sich 1972 mit Kollegen aus Kanada und den USA zu einem ersten Gespräch in Sydney. Die Wirtschaftsprüfer aus Großbrita nnien stellten mit Lord Henry Benson den ersten Chairman des am 29. Juni 1973 in London gegründeten IASC. 9 In den letzten 30 Jahren hat das IASC enorm an Bedeutung und internationaler Anerkennung gewonnen und mehrfach seine interne Organisationsstruktur geändert. Mittlerweile ist das IASC die einzige weltweit anerkannte Organisation für die Erarbeitung und Durchsetzung einheitlicher Rechnungsl egungsstandards. Das IASC besteht heute aus über 150 Mitgliedern, die mehr als 100 verschiedenen Nationen entstammen.
Wichtige Details der Organisation können neben unzähligen Internetseiten von Hochschulen, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und anderen wirtschaftlichen Organisationen der organisationseigenen Homepage entnommen werden. 10 Da es mittlerweile wöchentlich zu Änderungen kommt, ist man dazu übergegangen, neue Sachverhalte direkt im Eingangsportal darzustellen. Daneben werden alle derzeit verfügbaren Standards und aktuelle Organisationsstrukturen dargestellt. 11
Neben Engländern, US - Amerikanern und Kanadiern gab es Anfang der siebziger Jahre auch in Deutschland ein Interesse an einer Vereinheitlichung der Rechnungs-
9 Vgl.Ballwieser, W.: US - amerikanische Rechnungslegung, 2000, S.470.
10 Alle Informationen bezüglich Organisation, Standards, Rechnungslegungsfragen und aktuellen Planungen können der offiziellen Homepage des International Accounting Standards Committee http://www.iasc.org.uk abgefragt werden.
11 Vgl. Deutsche Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer, http://www.hfv- speyer.de/Lueder/Publikationen/120-dbl-mueller.pdf 14.10.2003, [Online].
9
legung. Unter den Gründungsmitgliedern befinden sich mit dem Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V. (IDW) und der Wirtschaftsprüferkammer (WPK) auch zwei deutsche Vertreter.
Das IASC agiert auch heute noch auf privatrechtlicher Basis und ist seit seiner Gründung verantwortlich für die Formulierung und Verbreitung von IAS. 12 Zu Beginn des Jahres 2001 fand eine gravierende Änderung der Organisationsstruktur des IASC statt. Aspekte dieser Reorganisation waren die Umbenennung von einzelnen Institutionen des IASC und der bereits in der Einleitung erwähnte neue Name International Financial Reporting Sta ndard. 13
Vereinfacht dargestellt besteht das IASC seitdem aus sieben Abteilungen. Das oberste Organ ist ein Überwachungsausschuss (Trustees), der aus 19 Mitgliedern besteht. Seine Aufgabe besteht darin, das International Accounting Standards Board (IASB), das International Accounting Sta ndards Advisory Council (IASAC) und das Standard Interpretations Committee (SIC) zu bestellen und zu überwachen. 14
Das IASB wiederum besteht aus vierzehn Mitgliedern und ist dafür verantwortlich, einzelne Standards zu beschließen und zu verabschieden, sowie Entwürfe des SIC abzusegnen. Darüber hinaus ist es die Hauptaufgabe des Boards, das IASC zu leiten und speziell für inhaltliche und organisatorische Fragestellungen zur Verfügung zu stehen. Mitglieder des Boards setzen sich satzungsgemäß aus unterschiedlichen Nationen zusammen und erhalten die Unterstützung von bis zu vier weiteren Vertretern interessierter Organisationen, so genannten Nonprofessionals. Es wird konsequent darauf geachtet, dass nicht mehr als zwei Vertreter einer Nation zugleich in den Vorstand gewählt werden. Boardmitglieder sind auf eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt. Von Angehörigen des Boards wird erwartet, dass sie nationale Wünsche dem öffentlichen, internationalen Interesse unterordnen. 15
12 Vgl. Born, K.: Rechnungslegung nach IAS, US - GAAP und HGB im Vergleich, 2001, S. 2 - 8.
13 Vgl. Stahl A. B.: Wechsel vom HGB auf IAS oder US - GAAP in: in: Kostenrechnungspraxis (46) 2002, 1. S. 33 - 36.
14 eine aufschlussreiche Beschreibung gibt es auf der Internetseite der Standardsetter: http://www.standardsetter.de/drsc/docs/iasb_about.html, 03.02.2004, [Online].
15 Vgl. Uni Siegen, http://www.uni-siegen.de/dept/fb05/untrech/Down/Handout%20- %20Kapitel%201.pdf 12.01.2003 [Online].
10
Das SIC, ein weitere Abteilung des IASC, wurde nach der Umstrukturierung offiziell von Standard Interpretations Committee (SIC) in International Financial Reporting Interpretations Committee (IFRIC) umbenannt. Seine zwölf Mitarbeiter sind haup tsächlich damit beschäftigt, die einzelnen Standards zu interpretieren und für deren ordnungsgemäße Anwendung zu sorgen. Interpretationen beinhalten den größten Verpflichtungsgrad des IAS - Rechtsrahmens, wie sich später noch zeigen wird. Augenblicklich gibt es 35 offizielle Interpretationen, die unter den jeweiligen Kürzeln SIC 1 - 35 in den Anlagen 4 und 5 dargestellt sind. 16
Das Steering- oder Advisory Committee ist mittlerweile eine dauerhafte I nstitution des IASC, die das Board bei der Erarbeitung einzelner Standards unterstützt. Für die Erarbeitung der Standards wird ein als „Setting Prozess“ bezeichnetes Verfahren durchgeführt. Aktuell gibt es 41 Standards, die in Anlage 2 dargestellt werden. Ein Steering Committee ist insbesondere auf Fachfragen spezialisiert und arbeitet permanent an der Umsetzung von Fachfragen und Standards. Vor der Restrukturierung handelte es sich bei Steering Committees nicht um eine permanente Einrichtung, sondern um separate Arbeitskreise, die auf Initiative des Boards gebildet wurden. Sie sind daher in älteren Abbildungen noch nicht erfasst. 17 Früher waren bis zu sieben Arbeitsgruppen gleichzeitig mit der Erarbeitung von Standards beschäftigt. 18
Eine weitere Einrichtung übt eine beratende Tätigkeit für Überwachungsausschuss und Board aus, das bereits erwähnte IASAC. Ihm gehören circa 30 Mitarbeiter an. Das Gremium ergab sich aus der ehemaligen Consultative Group, und seine Mita rbeiter entstammen auch heute noch Fachverbänden und Organisationen der internationalen Wirtschaft. Zweimal jährlich hält dieses Gremium seine Sitzungen unter Einbeziehung des Boards ab, wobei Stellung zu aktuellen Projekten des IASC geno mmen wird.
Dem IASC steht ein Commercial Director zur Seite, der dem Überwachungsausschuss zuarbeitet und sich um finanzielle Angelegenheiten, Veröffentlichungen und Verwaltungsaufgaben kümmert. Er hat die Funktion des im April 1994 eingerichteten
16 Vgl. Standardsetter, http://www.standardsetter.de/drsc/docs/iasb_about.html, 03.02.2004, [Online].
17 Vgl. Bolin, M.: Das International Accounting Standards Committee, 1990, S. 482 ff. Vgl. hierzu auch Haller, A.: Die Rolle des International Accounting Standards Committee bei der weltweiten Harmonisierung der externen Rechnungslegung. in: DB (46) 1993, 26/27. S. 1297 -1305.
18 Vgl. Dörner, D; Wollmert, P.: IASC - Rechnungslegung, 1995, S. 99 ff.
11
Financial Reporting Committees (FRC) übernommen. Letzteres wurde damals gegründet, um die Finanzierung, die sich überwiegend aus Mitgliederbeiträgen zusammensetzt, zu s ichern. Auch die aktuelle Funktion des Commercial Directors beschränkt sich überwiegend auf die Mittelbeschaffung. 19 Eine zusammenfassende Übersicht der einzelnen Institutionen und Tätigkeitsfelder kann der nachfolgenden Abbildung entnommen werden.
Abb. 2: Organisationsstruktur des IASC 20
Das IASC ist eine Interessenvertretung sämtlicher Mitgliedsländer. Jede Mitgliedsnation ist seit 1994 mit mindestens einem Repräsentanten einer Wirtschaftsorganisation vertreten, um an der Gestaltung und Umsetzung der jeweiligen Interessen mitzuwirken. 21 Die Erarbeitung von Rechnungslegungsstandards wird im IASC als wirksamer politischer Meinungsbildungsprozess nach demokratischen Grundprinzipien behandelt, bei dem sämtlichen Mitgliedern Stimmrechtsausübung gewä hrt wird. 22
19 Insbesondere hatte die Absage einer in Südafrika angesetzten Konferenz aus finanziellen Gründen zur Bildung des damaligen FRC geführt.
20 eigene Darstellung, einen Bericht über die Zusammensetzung und Organisation des IASC erhält man auf der Internetseite der Ruhr Universität Bochum, http://www.iur.ruhr-uni-bochum.de/publikationen/kir/kategorie_meldungen.php3?13+0 19.12.2003, [Online].
21 Vgl. IASC: International Accounting Standards, 1998, S.1.
22 Vgl. Schaffer, A.: Die Übernahme internationaler Normen in die deutsche Rechnungslegung, 2000, S. 18.
12
2.2 Aufbau der IAS Rechnungslegung
2.2.1 Entwicklung eines Standards
Um den Aufbau der IAS Rechnungslegung genauer zu untersuchen, muss zunächst der Prozess analysiert werden, in dem die jeweiligen Regelungen entstehen. Mittle rweile gibt es 41 Standards; einen Überblick über den aktuellen Stand enthält Anlage 2.
Im deutschen HGB werden Bilanzierungsvorschriften ähnlich wie im gesamten europäischen Raum per Gesetzbeschluss festgelegt. Anders stellt sich der Sachverhalt bei der Erschaffung eines Standards nach internationalen Richtlinien dar. Hier erfolgt die Entwicklung in einem siebenstufigen Projekt, dem Standard Setting Prozess, der in der nachfolgenden Abbildung dargestellt wird. Häufig wird dieses Verfa hren als Policy Making Process bezeichnet, wodurch die Möglichkeiten der Einflussnahme aller Interessenten verdeutlicht werden sollen. Oft wird auch vom „Due Process“ gesprochen, was wörtlich übersetzt nichts anderes bedeutet als Ausbringungsprozess. 23 Die folgende Abbildung stellt die sieben Stufen des Standard Setting Prozesses dar.
23 Exakt beschreibt das IASC dazu: „This process involves experts in accounting from the accountancy profession, the users of financial statements, the business community and, increasingly, national standard setting bodies.“, was zum Ausdruck bringt, dass alle wesentlichen Interessengruppen am Projekt beteiligt sind. IASC: IASC Insight, December 1993, S.1.
Konkret besteht bei diesem Prozess die Gelegenheit zur Intervention in drei der sieben Projektphasen. Bereits im ersten Schritt können Interessenten der Mitgliedslä nder Vorschläge zur Bearbeitung eines Bereichs einreichen. In der dritten Phase we rden unterschiedliche Standpunkte zu den einzelnen Vorschlägen dargestellt, die im Draft of Statement Principles (DSOP) festgehalten werden. 25 Die einzelnen Standpunkte werden in Projektschritt fünf in eine n Vorentwurf aufgenommen, dem Exposure Draft (ED). 26 Durch die aktive Mitarbeit möglichst unterschiedlicher Interessengruppen wird gewährleistet, dass alle relevanten Themen angesprochen werden und die verabschiedeten Standards dem Conceptual Framework entsprechen. 27 Die Ausbringung eines neuen Standards ist eine Art Gratwanderung, da einerseits eine weltweite Akzeptanz gefördert werden soll, aber dennoch nationale Interessen in den Hintergrund gerückt werden.
24 eigene Abbildung
25 Vgl. Schaffer, A.: Die Übernahme internationaler Normen in die deutsche Rechnungslegung, 2000, S. 26.
26 Vgl. IASC: International Accounting Standards, 1998, S. 9 ff.
27 Anm.: Das Framework behandelt die Zielsetzung von Abschlüssen, die qualitativen Anforderungen an die im Abschluss vermittelten Informationen, die Definition, den Ansatz und die Bewertung der Abschlussposten sowie Kapital- und Kapitalerhaltungskonzepte. Einen Gesamtüberblick über das Framework enthält Anlage 3 im Anhang.
Arbeit zitieren:
Jens Niessner, 2004, Rechnungslegung im Umbruch - Bilanzansatz und Bewertung immaterieller Vermögensgegenstände nach IAS, München, GRIN Verlag GmbH
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