Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 1
2. Die Flexibilisierung des Erwerbslebens
2.1. Inhaltliche Bedeutung von Flexibilität/Flexibilisierung und
Verwendungszusammenhang 2
2.2. Die Bedeutung der Erwerbsarbeit für den Menschen 3
2.3. Kurze Darstellung allgemeiner Veränderungen in den
Erwerbsbiografien 4
2.4. Die Erwerbstätigkeit der Frau 5
3. Die Flexibilisierung von Arbeitszeit und Arbeitsort
3.1. Ursachen 7
3.2. Ausgewählte Formen der Arbeitszeitflexibilisierung 8
3.3. Formen der Arbeitsplatzflexibilisierung 10
3.4. Verbreitung verschiedener Flexibilitätsmodelle bzw. Verteilung auf
Wirtschaftssektoren und Geschlecht
3.4.1. Wochenend-/Schicht-/Nachtarbeit 11
3.4.2. Teilzeitarbeit 12
3.4.3. Überstunden und Verlängerung der Wochenarbeitszeit 13
3.4.4. Gleitzeit 14
3.4.5. Arbeitszeitkonten 15
3.4.6. Tele(heim)arbeit 15
4. Mögliche problematische Auswirkungen der
Flexibilisierung
4.1. Die grundsätzliche Einstellung zu Flexibilität und Flexibilisierung 16
4.2. Die Bewertung verschiedener flexibler Arbeitsmodelle und ihre
spezifischen Vor- und Nachteile
4.2.1. Wochenend-/Schicht-/Nachtarbeit 17
II
4.2.2. Teilzeitarbeit 18
4.2.3. Gleitzeit 19
4.2.4. Arbeitszeitkonten 20
4.2.5. Job-Sharing 20
4.2.6. KAPOVAZ 21
4.2.7. Vertrauensarbeitszeit 21
4.2.8. Tele(heim)arbeit 21
4.2.9. Zusammenfassung 22
4.3. Konsequenzen bei und durch eine Flexibilisierung auf individueller
Ebene
4.3.1. Einseitige Anpassung an betriebliche und unternehmerische
Erfordernisse 23
4.3.2. Verlust von Sicherheit 24
4.3.3. Erhöhter Leistungsdruck und Ausdehnung der Kompetenz-
anforderungen 25
4.3.4. Auflösung bzw. Einschränkung sozialer Beziehungen 26
4.3.5. Leitbilder des ´neuen´ Arbeitnehmers - von Jobnomaden,
Zeitpionieren und Arbeitskraftunternehmern 28
4.4. Auswirkungen der Flexibilisierung auf familiärer Ebene
4.4.1. Erosion der strukturellen Trennlinie zwischen ´Arbeit´ und
´Leben´ 30
4.4.2. Umkehrung der Bedeutungsinhalte von Arbeit und Familie 32
4.5. Anforderungen durch Flexibilisierung hinsichtlich der Vereinbarkeit
von Familie und Beruf
4.5.1. Erhöhung des Synchronisationsaufwandes 33
4.5.2. Gestaltung der Hausarbeit 35
4.5.3. Die innerfamiliale Kinderbetreuung 38
4.5.4. Darstellung von Zeitbudgets und Zeitverwendung 40
4.6. Doppelorientierung und Doppelbelastung der Frau 44
5. Theoretische Grundlagen
III
5.1. Kurzdarstellung zweier Theorien zur familialen Arbeitsteilung und
Faktoren , die diese beeinflussen 47
5.2. Das Konzept der alltäglichen Lebensführung
5.2.1. Grundlegende Merkmale und Aufgaben der alltäglichen
Lebensf ührung 49
5.2.2. Die Herstellung von Stabilität und Flexibilität als Aufgabe einer
gelungenen Lebensführung 51
5.2.3. Typen der Lebensführung 52
5.2.4. Fazit 53
6. Unterstützungsmöglichkeiten und Lösungsvorschläge
zur Vermeidung negativer Wirkungserscheinungen bei
Nutzung des Flexibilisierungspotentials
6.1. Entlastungen für den Einzelnen
6.1.1. Sicherheit, Planbarkeit und Zeitsouveränität 54
6.1.2. Einflussnahme auf den Arbeitsumfang 55
6.1.3. Gewährleistung der Kompetenzentwicklung 56
6.1.4. Arbeitszeitwünsche 56
6.1.5. Schutzfunktionen des Normalarbeitszeitstandards 56
6.2. Entlastungen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf
6.2.1. Abkehr von tradierten Rollenkonzepten 57
6.2.2. Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen 58
6.2.3. Arbeitszeitwünsche: Flexibilität und Verkürzung 59
6.2.4. Anerkennung und Gleichwertigkeit von Familien- und
Berufsarbeit 61
6.2.5. Keine ´Mogelpackungen´ 62
6.2.6. Betriebliche Nutzung externer Leistungen 62
7. Praktische Illustration
7.1. Einführung in Ablauf und Gestaltung der Befragung
63
7.2. Zusammenfassende Auswertung
63
IV
8. Resümee 63
9. Literaturverzeichnis 68
10. Anhang
74
Frageb ögen A-D
V
1. Einführung
Im Privat- und auch im Erwerbsleben sind Schlagwörter wie Individualisierung, Pluralisierung, Flexibilisierung ständig präsent. Die hiermit beschriebenen gesellschaftlichen Tendenzen sind u.a. die Entwicklung bzw. Zunahme vielfältiger Lebensformen (z.B.
Lebensabschnittspartnerschaften, Patchwork-Familien, Zunahme der Singlehaushalte, steigende Scheidungsraten 1 ), und die Veränderungen in den Erwerbsbiografien. In der vorliegenden Arbeit wird ein Teilaspekt gesellschaftlicher Veränderungen - die Flexibilisierung - besonders herausgegriffen, der auf zwei wichtige Lebensumwelten des Menschen Einfluss nimmt, und zwar auf die Familie und das Erwerbsleben. Ausgehend von der Flexibilisierung der Erwerbsarbeit, insbesondere hinsichtlich Arbeitszeit und Arbeitsort, wird beschrieben, welche Bedeutung dies auf die Gestaltung des Privat- und Familienlebens hat und welche individuellen und sozialen Konsequenzen sich aus der Flexibilisierung der Arbeit ergeben (können). Die Thematik wird folglich hauptsächlich aus der Perspektive der Betroffenen resp. Erwerbstätigen behandelt. 2
In Kapitel 2 wird zunächst die Bedeutung von Flexibilität und Flexibilisierung geklärt und es werden allgemeine Veränderungen der Erwerbsbiografie aufgezeigt. Die zunehmende Erwerbstätigkeit der Frau, deren Ursachen und die sich dadurch ergebenden Aufgaben bezüglich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf werden dabei besonders herausgestellt. Kapitel 3 stellt die verschiedenen Ursachen der Arbeitszeit-/ Arbeitsortflexibilisierung vor, ebenso die Verbreitung einzelner ausgewählter Flexibilisierungsmodelle und besonders betroffene Berufsgruppen bzw. Wirtschaftssektoren.
Die Bewertung der hier ausgewählten Modelle in Kapitel 4 erfolgt ausschließlich aus Sicht der Beschäftigten, ebenso die Auswertung der möglichen Konsequenzen und Anforderungen hinsichtlich individueller und familialer Lebensführung.
Abschnitt 5 stellt relevante theoretische Grundlagen hinsichtlich familialer Arbeitsteilung und Lebensführung vor.
1 Genauere Darstellung dieser Entwicklungen in Bien/Marbach, 2003
2 Die Begriffe Arbeitszeit und Arbeit meinen Erwerbstätigkeit und beziehen sich auf finanziell entlohnte
abhängige oder unabhängige Tätigkeiten; Haus-/Familienarbeit werden explizit genannt und zählen zu den nicht
entlohnten Tätigkeiten
1
In Abschnitt 6 schließen sich Vorschläge an, die eine optimale Nutzung des Flexibilisierungspotentials durch die Beschäftigten ermöglichen bzw. bei der Bewältigung der sich daraus ergebenden Anforderungen unterstützend wirken.
Vor dem kritischen Resümee erfolgt in Kapitel 7 eine Zusammenfassung vier standardisierter Interviews, die der Illustration dienen und die in der Arbeit dargelegten Sachverhalte und Thesen praktisch beleuchten sollen.
2. Die Flexibilisierung des Erwerbslebens
2.1. INHALTLICHE BEDEUTUNG VON FLEXIBILITÄT/FLEXIBILISIERUNG UND VERWENDUNGSZUSAMMENHANG
Der Duden beschreibt ´Flexibilität´ mit „Biegsamkeit.. Fähigkeit des Menschen, sich im Verhalten und Erleben wechselnden Situationen rasch anzupassen“ [Drosdowski et al. 1982, 255]. Das heißt, etwas - ein Gegenstand oder eine Person - ist flexibel, wenn es beweglich, veränderbar und anpassungsfähig ist. ´Flexibilisierung´ bezeichnet den Prozess der Anpassung und Veränderung, der in einen Zustand übergeht, in dem immer wieder neu die Chance eines Wandels besteht.
Im hier behandelten Zusammenhang wird Flexibilität in Bezug auf die Erwerbstätigkeit betrachtet und meint insbesondere die Möglichkeit der Abstimmung von Arbeitszeit und Arbeitsort auf sich immer wieder verändernde Gegebenheiten und Bedürfnisse. Dazu zählen z.B. Wünsche nach beruflicher und persönlicher Selbstverwirklichung und Selbstbestimmung, aber auch Entwicklungen neuer Informations- und Kommunikationstechnologien, weltweite Vernetzung der Märkte, stärkerer Druck zur effizienten und ökonomischen Nutzung des Arbeitskraftpotentials, teilweise starker Überhang des Arbeitskraftangebotes u.ä., die Arbeitsbedingungen und Arbeitsausführung beeinflussen. Somit wird ein Aspekt eines umfassenden Wandlungsprozesses innerhalb des Erwerbslebens herausgegriffen. Eine Einschränkung findet insoweit statt, als dass flexibilisierte Erwerbsverhältnisse (geringfügige und kurzfristige Beschäftigungen, befristete Beschäftigungsverhältnisse) nicht
2
betrachtet werden, sondern speziell die Formen der Flexibilisierung, die eine Abweichung der Arbeitszeit vom Normalarbeitszeitstandard mit sich bringen. Die Flexibilisierung des Arbeitsortes bezieht sich ausschließlich auf Formen der Telearbeit und nicht auf räumliche Mobilität 3 .
2.2. DIE BEDEUTUNG DER ERWERBSARBEIT FÜR DEN MENSCHEN
Nicht nur zeitlich sondern auch individuell betrachtet hat die Erwerbsarbeit einen sehr hohen gesellschaftlichen und individuellen Stellenwert. Neben dem wahrscheinlich fundamentalstem Faktor, der Existenzsicherung, ermöglicht sie sozialen Kontakt und die Anerkennung geleisteter Arbeit sowie der persönlichen Kompetenzen.
Für Männer steht dabei die finanzielle Unabhängigkeit an erster Stelle: 82% stimmen der Aussage ´Erwerbsarbeit macht finanziell unabhängig´ (stark) zu. Frauen dagegen erhoffen sich vor allem sozialen Kontakt (83%) und die Stärkung ihres Selbstvertrauens (82%). [Gliedner-Simon 1995, 55]
Weitere wichtige Faktoren sind die persönliche Entfaltung, die Entwicklung und Erweiterung von Handlungskompetenzen und der Beitrag der Arbeit zur Identitätsbildung [Ulich 1998, 438]. Die Erwerbstätigkeit gibt Aufschluss über den sozialen Status und bestimmt den Grad der sich aus Bildungsstand und Berufsposition herleitenden Macht und des Ansehens. Des Weiteren beschreiben einige Studien - darunter die bekannte Marienthalstudie - die immanenten Auswirkungen von Arbeitslosigkeit und stellen dadurch die Bedeutung der Erwerbstätigkeit für die Gestaltung des Alltagslebens und des persönlichen Wohlbefindens heraus 4 . (Langzeit)Arbeitslosigkeit bedeutet den Verlust einer Tagesstruktur, durch finanzielle Einbußen hervorgerufene Verminderung sozialer Kontakte und Aktivitäten bis hin zu sozialer Isolation und sie führt häufig zu Selbstzweifeln und höherer Anfälligkeit für psychosomatische Erkrankungen.
3 Ausführliche Informationen zu Formen, Ursachen und Folgen von räumlicher berufsbedingter Mobilität bietet
die Studie von Schneider/Limmer/Ruckdeschel: „Berufsmobilität und Lebensform“, Band 208 der Schriftenreihe
des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Stuttgart 2002
4 Weitere Informationen im Familienbericht 5, Teil 4, Drucksache 12/7560, S. 165 und in Zimbardo „Psychologie“
ab S. 738 (Kurzdarstellung der Marienthalstudie)
3
Wenngleich 70% der Beschäftigten lieber den Arbeitslohn senken würden als gekündigt zu werden [Opaschowski 2003, 31], nimmt die Erwerbstätigkeit in der Wichtigkeit verschiedener Lebensbereiche jedoch ´nur´ eine Mittelstellung ein: laut dem Datenreport 2002 ist sie für 47% der Befragten sehr wichtig, vorrangig sind jedoch Gesundheit (80%) und Familie (75%) [Statistisches Bundesamt 2002, 454].
2.3. KURZE DARSTELLUNG DER ALLGEMEINEN VERÄNDERUNGEN IN DEN ERWERBSBIOGRAFIEN
Traditionelle, verlässliche Laufbahnen, die einen Lebensweg von Schulabschluss, Ausbildung oder Studium, Arbeitsstelle und Ruhestand i.d.R. ohne größere, häufigere ´Umbrüche´ wie Wohnorts- oder Arbeitsplatzwechsel zeichnen, sind verstärkt in der Auflösung begriffen. Der Arbeitnehmer von heute muss damit rechnen, in einem prekären Beschäftigungsverhältnis zu stehen: Er wird wiederholte Phasen von beruflichem Auf- und Abstieg hinnehmen müssen, die mit Zeiten der Arbeitslosigkeit durchsetzt sowie mit erheblichen existentiellen Risiken verbunden sind [Jurczyk 2002, 6]. Laut WSI ist sowohl eine kontinuierlich anwachsende Dauer der Phasen von Arbeitslosigkeit festzuhalten als auch eine Zunahme der von Arbeitslosigkeit Betroffenen: in der Geburtskohorte der 1936 - 40 Geborenen waren 9% vor Erreichen des 30. Lebensjahres mindestens ein Mal von Arbeitslosigkeit betroffen, die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit betrug rund 90 Tage. Von den zwischen 1941 - 45 Geborenen waren nur 6% mindestens ein Mal arbeitslos, allerdings verlängerte sich die Dauer dieser Phase auf 107 Tage. Bei den Jahrgängen 1961 - 65 waren schon 53% von Arbeitslosigkeit betroffen, im Durchschnitt 146 Tage [Klammer 2001, 24-26].
Auch die konkreten Arbeitsbedingungen verändern sich, hervorgerufen durch die ständige Weiterentwicklung der Technik und den globalen Wettbewerb. Arbeit kann mittels Laptop, Handy, Internet, Konferenzschaltung etc. überall und jederzeit erledigt werden: „Immer mehr Menschen müssen sich heute daran gewöhnen, über räumliche und zeitliche Grenzen hinweg zu arbeiten.“ [Englisch 2001, 79]. Begriffe für Erwerbstätige in dieser neuen, von Flexibilität und
4
Mobilität geprägten Form des Erwerbslebens, sind ´Arbeitskraftunternehmer´ oder ´Jobnomade´. Weitere Ausführungen dazu folgen in Abschnitt 4.3.4. Festzuhalten ist auch, dass sich sowohl im privaten als auch im beruflichen Bereich die Gestaltungsmöglichkeiten und der Wunsch nach individueller Lebensplanung mehren. Erwerbstätigkeit dient nicht mehr nur vorrangig der Existenzsicherung, sondern vielmehr der Selbstverwirklichung, Selbstbestimmung und der Suche nach persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten [Welsch 1997, 42; Stoessel 2001, 45; Opaschowski 2003; Renner 2002, 2].
88,6% meinen, im Beruf sollte man möglichst viel selbständig und frei entscheiden können [Föste 2001, 196], und nach Gliedner-Simon stimmen insgesamt 61% der Befragten der Aussage ´Erwerbstätigkeit dient der persönlichen Entfaltung´ (stark) zu [1995, 55].
Inwieweit diese Wünsche und Anforderungen an den Beruf vor allem in Zeiten des Arbeitsplatzmangels jedoch verwirklicht werden können, ist fraglich. Opaschowski verweist in diesem Zusammenhang auf eine Umfrage im Jahr 2003, wonach 61% der Befragten sich in der Arbeit nicht selbst verwirklichen können. Dies sind immerhin 11% weniger als noch 1999. [ebd. 2003, 18]
2.4. DIE ERWERBSTÄTIGKEIT DER FRAU
Die zunehmende Frauen- und Müttererwerbstätigkeit verändert ebenfalls die Form der Erwerbsarbeit und ihre Flexibilisierung und beeinflusst ganz entscheidend die Frage nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Die Tatsache, dass der Anteil an weiblichen Erwerbstätigen in Deutschland stetig steigt - von 41,9% (1995) über 43,5% (2000) auf 57,7% (2002) [Engstler/Menning 2003, 34/35] hat vielfältige Ursachen: Zum einen hat die Frau eine um rund 6 Jahre höher liegende wahrscheinliche Lebenserwartung als der Mann, womit ihr mehr Lebenszeit verbleibt, die nicht mit Reproduktionsarbeit, d.h. der Versorgung von Haushalt und Kindern, verbracht werden muss [Bertram 1997, 84]. Der im Vergleich zu früher vereinfachte Zugang zum Bildungssystem und das höhere Bildungsniveau der Frau bestärken die Vorstellung, ein
5
Leben ´jenseits´ oder ´neben´ der Familie zu führen und sich so einen eigenständigen Lebensraum zu eröffnen [Gliedner-Simon 1995, 20/21 und Bien 1996, 12]. Ferner sind vor allem alleinerziehende Mütter aus existentiellen Erwägungen heraus häufig gezwungen, am Erwerbsleben teilzunehmen (1994 sind annähernd ¾ der Alleinerziehenden vollzeitbeschäftigt [Bien 1996, 162]), aber auch die unsicher werdende Altersversorgung führt zur selbstständigen Vorsorge der Frau durch Erwerbsarbeit. Zudem erhofft sich, wie unter Pt. 2.2. bereits erwähnt, ein Großteil der Frauen von ihrer Arbeit Selbstvertrauen, Sozialkontakte und Anerkennung.
Für die Erwerbstätigkeit von Müttern ist im Besonderen folgendes zu sagen: Im Jahr 2000 waren 63,1% aller Frauen mit Kindern im Haushalt erwerbstätig, 1975 lag die Quote noch bei 42,3% [BmFSFJ 2003a, 106]. Somit ist der Anteil erwerbstätiger Mütterebenfalls aus den verschiedenen bereits genannten Gründen - stark gestiegen. Der vorrübergehende Ausstieg aus dem Erwerbsleben in der Familiengründungsphase wird inzwischen häufig verkürzt, gar nicht getätigt 5 [Jurczyk/Rerrich 1993b, 266] oder frau verzichtet auf den Kinderwunsch, da die Wiedereingliederung in das Berufsleben häufig schwierig ist. „Die zustehende maximale Dauer der Elternzeit wird immer seltener voll in Anspruch genommen“ (BmFSFJ 2003a, 107). 6
Erste Schritte zur Flexibilisierung der Arbeitszeit - in Form von einer Verringerung des Arbeitsumfangs und Einführung von Teilzeit - haben ihren Ursprung v.a. in der zunehmenden Müttererwerbstätigkeit. Der Frau sollte eine Berufstätigkeit ermöglicht aber gleichzeitig die Versorgung von Familie und Haushalt gewährleistet werden, welche wie selbstverständlich ihr zugedacht wurde [Gliedner-Simon 1995, 6]. Beck-Gernsheim spricht in diesem Zusammenhang von der 1 ½ -Personen-Karriere, die der Mann im Berufsleben tätigen kann, weil er durch seine Frau von privaten Alltagaufgaben entlastet wird [ebd. 1980, 126].
5 Genaue Daten dazu in Klammer 2001, 16-18
6 Zu den Unterschieden der Frauen-/Müttererwerbstätigkeit in Ost- und Westdeutschland vgl. BmFSFJ 2003a,
105-113
6
3. Die Flexibilisierung von Arbeitszeit und Arbeitsort
3.1. URSACHEN
Flexibilisierung wird von Arbeitnehmern und Arbeitgebern aus unterschiedlichen Gründen befürwortet. Die Vorteile, die als Antrieb der Flexibilisierung wirken, werden an dieser Stelle zunächst aufgeführt und später diskutiert.
Arbeitgeber und Unternehmer erhoffen sich durch die Auflösung tayloristischer Prinzipien in Unternehmen und Organisationen - klare Strukturen und Hierarchien, Aufgabenteilung, direkte Kontrolle, feste Zuständigkeiten, genau vorgegebene Arbeitsausführung - eine Stärkung ihrer Wettbewerbsfähigkeit. Dem Unternehmen wird ermöglicht, durch einen zeitlich und arbeitsplatzbezogenen flexiblen Personaleinsatz schneller auf den Markt und individueller auf den Kunden zu reagieren. Dies ist aufgrund der starken, weltweiten Konkurrenz und der Kurzlebigkeit vieler Produkte wichtig. [Jurczyk/Lange 2002, 11] Durch die Auslagerung von Arbeitsplätzen z.B. an den Wohnort des Arbeitnehmers oder die Einrichtung von Satelliten- oder Nachbarschaftsbüros verringern sich die Betriebs- und Raumkosten und auch die Verlängerung der Maschinenlaufzeit bzw. die Entkopplung von Arbeits- und Betriebszeiten z.B. durch Schichtarbeit wirkt kostensenkend. Zudem erhoffen sich sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer durch die Verkürzung und Flexibilisierung der Arbeitszeit eine Sicherung der Arbeitsplätze. Durch den vergrößerten Handlungsspielraum und den Zugewinn an Freizeit, der den Beschäftigten zudem entsteht, wird ein größeres Wohlbefinden sowie die Steigerung des Leistungspotentials und Engagements erwartet [Hörning et al. 1990, 37; Holzamer 2003, V1/15].
Für Arbeitnehmer hat eine Flexibilisierung generell den Vorteil, dass sich Privatleben, Familie und Beruf besser aufeinander abstimmen lassen können. Heimarbeit z.B. ermöglicht die selbständige Kinderbetreuung und durch flexible, selbstbestimmte Arbeitszeiten kann der Arbeitnehmer eher auf familiäre Bedürfnisse oder unvorhergesehene Ereignisse eingehen und private Angelegenheiten (Ämtergänge, Arztbesuche u.a.) günstiger organisieren. Flexible Arbeitszeiten und -orte bieten dem Beschäftigten mehr Organisations- und Handlungsfreiraum. Er kann selbstständiger agieren und verfügt über mehr Zeitsouveränität,
7
was Selbstbewusstsein und (Arbeits)Zufriedenheit erhöht und die Bindung an den Arbeitgeber fördert.
In 2.3. ist das veränderte Anspruchsverhalten des Arbeitnehmers als eine weitere Ursache der Flexibilisierung bereits angedeutet worden: Der Wunsch nach individueller Lebensplanung greift auf den Arbeitsplatz über. Es entsteht eine Wechselwirkung zwischen verschiedenen Lebensbereichen: Eine Flexibilisierung z.B. i.S.v. Verkürzung der Arbeitszeit oder Schichtarbeit führt zu einer Verlängerung der Freizeit sowie zu einer Verschiebung der Nachfrage nach Freizeitangeboten außerhalb des bisher kollektiven Feierabends und Wochenendes [Garhammer 1994, 55]. Somit entstehen im ´Domino-Effekt´ im Freizeit- oder auch Einkaufs- und Verwaltungsbereich ebenfalls Bedürfnisse nach zeitlich flexiblen Angeboten und der Einrichtung flexibler Arbeitszeitmodelle. „Generell wächst die Zahl der Menschen, die ihre Arbeits-, Frei- und Familienzeiten nach eigenen Lebensplänen über den Tag, über die Woche, über das Jahr und ihr Leben allozieren wollen. Abhängig vom Lebensentwurf und der biografischen Phase ergeben sich verschiedene Arbeitszeitwünsche und -präferenzen. Sie werden auch aufgrund der gegenwärtigen Pluralisierung von Lebensentwürfen und Familienformen undphasen vielfältiger“ [Garhammer 1994, 52].
Diese Ausbreitung gibt denn auch den Anlass zur Diskussion und Bearbeitung des Themas, denn einige Bereiche sind schon seit langem von flexiblen Arbeitszeiten geprägt. Dazu gehören insbesondere Dienstleitungsbetriebe wie Verkehrsunternehmen, Krankenhäuser oder Gaststätten, die aufgrund der Nachfrage und des zeitlichen Zusammenfalls von Leistungsangebot und -konsum flexibel gestaltet werden müssen.
3.2. AUSGEWÄHLTE FORMEN DER ARBEITSZEITFLEXIBILISIERUNG
Arbeitszeiten gelten im hier behandelten Sinn bereits als flexibel, wenn sie vom Normalarbeitszeitstandard abweichen. Der Standard definiert eine Beschäftigung, die an 5 Tagen in der Woche, i.d.R. von Montag bis Freitag stattfindet, zwischen 35 und 40 Stunden umfasst und in der Lage nicht variiert [Bauer et al. 1997a, 93].
Somit wird Arbeitszeit bestimmt durch ihre zeitliche Lage bzw. Verteilung (chronologischer Faktor) und Dauer (chronometrischer Faktor) [Linnenkohl et al. 1992, 17]. Können Arbeitgeber
8
und/oder Arbeitnehmer einen oder beide Faktoren verändern, besteht
Flexibilisierungspotential, welches unterschiedlich weit ausgebaut werden kann. „Die beiden Gestaltungsdimensionen Chronologie u. Chronometrie spannen ein unendlich großes Spektrum theoretisch denkbarer Arbeitszeit-Regelungen auf“ [Renner, 2002, 80]. Wenn eine einmalige Option zur Veränderung des chronologischen oder chronometrischen Faktors besteht, spricht man von beschränkt flexiblen Arbeitszeiten. Dies ist z.B. bei Schichtarbeit oder Überstunden der Fall [Linnenkohl et al. 1992, 19]. Umfragen zufolge standen 1995 in Westdeutschland nur 17% der Erwerbstätigen in normalen, dem Normalarbeitszeitstandard entsprechenden, die übrigen 83% hingegen in flexiblen Beschäftigungsverhältnissen [Bauer et al. 1997a, 93]. Der Standard stellt somit eine theoretisch definierte Größe oder Richtlinie dar, die in der Realität kaum noch verwirklicht wird.
Eine systematische Darstellung der möglichen flexiblen Arbeitszeitmodelle ist aufgrund ihrer Vielfalt schwierig. In Anlehnung an die Grundmuster bei Linnenkohl [ebd. 1992, 19ff] werden die gängigsten Modelle folgendermaßen klassifiziert, wobei diese kombiniert oder unterschiedlich ausgestaltet werden können. A. Starre Arbeitszeit - Normalarbeitszeitstandard
Teilzeit (Verkürzung der Normalarbeitszeit um den Faktor X) B. Beschränkt flexible Arbeitszeit - Schichtarbeit - Überstunden
C1. Flexible Arbeitzeit bezüglich des chronologischen Faktors - einfache Gleitzeit (Beginn und Ende der Arbeitzeit sind frei wählbar, die Dauer ist festgelegt; i.d.R. gibt es eine Kernarbeitszeit, d.h. der Arbeitnehmer muss innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens anwesend sein) C2. Flexible Arbeitszeit bezüglich des chronometrischen Faktors - flexible Altersgrenze (schrittweise Verkürzung der Arbeitszeit und gleitender Übergang in den Ruhestand)
9
C3. Flexible Arbeitszeit bezüglich Lage und Dauer
- qualifizierte Gleitzeit (Arbeitnehmer entscheidet selbst über Lage und Dauer der täglichen Arbeitszeit, auf Arbeitszeitkonten werden Zeitguthaben und -schulden festgehalten)
- Kapazitätsorientierte variable Arbeitszeit (KAPOVAZ; Anpassung der Arbeitszeit an den Arbeitsanfall)
- Job-Sharing (zwei oder mehrere Arbeitnehmer teilen sich einen Arbeitsplatz und vereinbaren selbständig untereinander Lage und Dauer der persönlichen Arbeitszeit) Gleitzeit und flexible Altersgrenze sind häufig verbunden mit der Einrichtung von Arbeitszeitkonten, auf denen sich durch die Soll-Arbeitszeit ergebenden Zeitguthaben oderschulden festgehalten werden. 37% der Gleitzeitbetriebe nutzen diese Form der Flexibilisierung [Bauer et al. 2002, 179]. Die Guthaben oder Schulden werden unter festgelegten Bedingungen (z.B. innerhalb eines bestimmten Zeitraumes oder bei einer bestimmten Auftragslage) verwendet bzw. ausgeglichen [Renner 2002, 82]. Werden die über die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit hinausgehenden oder darunter liegenden Stunden langfristig festgehalten, d.h. über mindestens ein Jahr, spricht man von Langzeitkonten [Renner 2002, 85].
3.3. FORMEN DER ARBEITSPLATZFLEXIBILISIERUNG
Die in diesem Zusammenhang als Arbeitsplatzflexibilisierung bezeichnete Trennung von Arbeits- und Betriebsstätte hat die Einrichtung von Heimarbeits- oder Telearbeitsplätzen zur Folge. Diese ermöglichen dem Arbeitnehmer eine Ausdehnung seiner Zeitsouveränität, weil das Arbeitsergebnis im Vordergrund steht, Lage und Dauer der Arbeitszeit aber frei einteilbar sind.
Telearbeit kann mobil, von unterschiedlichen Orten bzw. unterwegs aus, stattfinden, oder es werden Nachbarschafts-/Satellitenbüros an zentralen Orten außerhalb der Arbeitsstätte bzw. Heimarbeitsplätze in der Wohnung des Arbeitnehmers eingerichtet. Die Berufstätigkeit wird
10
folglich teilweise oder überwiegend unter Zuhilfenahme moderner
Kommunikationstechnologien unabhängig vom Standort des Unternehmens ausgeübt. 7
3.4. VERBREITUNG VERSCHIEDENER FLEXIBILITÄTSMODELLE BZW. VERTEILUNG AUF WIRTSCHAFTSSEKTOREN UND GESCHLECHT
Im Allgemeinen ist festzustellen, dass unter den flexibel Arbeitenden Freiberufler und Selbständige überproportional häufig vertreten sind, ebenso Beamte im mittleren Dienst bei Bahn, Post und Polizei [Garhammer 1994, 79].
Inwiefern spezielle Arbeitszeitmodelle verbreitet sind und in welchen Sektoren sie praktiziert werden, wird im Folgenden dargestellt.
3.4.1. WOCHENEND-/SCHICHT-/NACHTARBEIT
Nach dem Mikrozensus 2002 hat sich die Zahl derjenigen, die Wochenend-/Schicht- und/oder Nachtarbeit nachgehen, von 42% (1991) auf 46,8% (2002) erhöht [Breiholz et al. 2003, Tabellenanhang Nr. 26].
Wie sich diese Formen der flexiblen Arbeitszeit genau aufteilen und im Vergleich zu 1991 verändert haben, ist aus folgender Tabelle abzulesen (Angaben in Prozent).
7 Konkretere Ausführungen zum rechtlichen Rahmen, detaillierte Praxisbeispiele und weitere
Systematisierungsversuche flexibilisierter Erwerbsarbeit finden sich u.a. in Linnenkohl 1992 und Renner 2002
11
Auffällig ist, dass vor allem die Zahl derer, die gelegentlich samstags bzw. sonn- und/oder feiertags arbeiten, vergleichsweise stark angestiegen ist. Ständige oder regelmäßige Schicht-und Nachtarbeit ist rückläufig.
Nach einer 2001 von Bauer/Groß durchgeführten Befragung nutzen 45% aller Betriebe und Dienststellen regelmäßig Samstags- und 18% Sonntagsarbeit. Jeweils 18 bzw. 11% der Erwerbstätigen sind davon betroffen. Der Bereich mit dem höchsten Anteil an Wochenendarbeit ist der Dienstleistungssektor [Bauer et al. 2002, 24]. Schichtarbeit wird vornehmlich von Großbetrieben geleistet, speziell vom verarbeitendem Gewerbe, von personenbezogenen Diensten sowie im Bereich Verkehr und Nachrichtenübermittlung [Breiholz 2002, 57 und Bauer et al. 2002, 24/25)
3.4.2. TEILZEITARBEIT 8
Teilzeitarbeit in Form einer wöchentlichen Arbeitszeit unter 38h haben 2002 rund 21% aller abhängig Beschäftigten geleistet. Ihr Anteil ist seit 1991 um sieben Prozentpunkte gewachsen. Der überwiegende Teil der Teilzeitbeschäftigten sind Frauen (im April 2002 86%), und dies besonders im Bereich der privaten und öffentlichen Dienste (ohne öffentliche Verwaltung) sowie im Handel/Gastgewerbe (Mikrozensus 02, 56). 78% aller Betriebe und Dienststellen hatten 2001 Teilzeitarbeitsplätze. [Bauer et al. 2002, 25] Je nach Geburtsjahrgang haben zwischen 50 und 87% der Frauen Phasen, in denen sie teilzeitbeschäftigt sind. Somit ist diese Beschäftigungsform eindeutig ein ´Frauenphänomen´, denn - je nach Kohorte - weisen nur bis zu 1,7% der Männer Teilzeitphasen in ihrer Erwerbsbiografie auf [Klammer 2001, 14]. 2000 standen 4,8% der männlichen aber 38,3% der weiblichen abhängig Beschäftigten in Teilzeitarbeit [BmFSFJ 2002b, 79].
8 Der Normalarbeitszeitstandard beschreibt als normale, ´volle´ Arbeitszeit einen Umfang von 35-40 Stunden pro
Woche. Teilzeit bedeutet i.d.S. eine Arbeitszeit mit weniger als 35 Stunden, wobei diese Grenze geläufig auf 38
Stunden heraufgesetzt wird. Eine einheitliche Definition von Teilzeit ist also schwierig. Nach dem
Kündigungsschutzgesetzt §23 z.B. gilt für die Anwendungskraft des Gesetzes der als teilzeitbeschäftigt, der bis
zu 30 Stunden wöchentlich arbeitet.
12
Teilzeitarbeit kann in ihrem Gesamtumfang beliebig ausgestaltet werden und umfasst daher auch die geringfügig Beschäftigten, da diese max. 15h/Woche einer Erwerbstätigkeit nachgehen und folglich nur einen Teil der vollen Arbeitszeit leisten. Der Mikrozensus wählt unten abgebildete wöchentliche Zeiteinteilung. Bezugsgröße ist jeweils die Zahl der gesamten männlichen (17.615.000) bzw. weiblichen (14.854.000) abhängig Beschäftigten. Hier wird nochmals deutlich, dass mehrheitlich Frauen teilzeitbeschäftigt sind, und zwar vergleichsweise überwiegend im untersten (weniger als 20 Wochenstunden) und mittleren (21-31 Wochenstunden) Stundenbereich, wenn man eine wöchentliche Arbeitszeit von 36 Stunden und mehr als Vollzeittätigkeit betrachtet.
3.4.3. ÜBERSTUNDEN & VERLÄNGERUNG DER WOCHENARBEITSZEIT
Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit der Vollzeitbeschäftigten liegt - nach kontinuierlichem Absinken - bei rund 37 Stunden im Jahr 2000 [Statistisches Bundesamt 2001, 10] bzw. bei 37,4 Stunden im Jahr 2001 [Bauer et al. 2002, 93]. Allerdings praktizieren 56% aller Betriebe und Dienststellen Überstundenarbeit, vor allem im verarbeitendem Gewerbe und bei den sozialen Diensten [Bauer et al. 2002, 110]. 60% der abhängig Beschäftigten geben an Überstunden zu leisten, und zwar im Schnitt 6,4 Stunden pro Woche [Garhammer 1994, S. 80]. Die tatsächliche wöchentliche Arbeitszeit von Vollzeitbeschäftigten liegt also bei rund 43h [vgl. auch Bielenski et al. 2002, 58]. Der
13
Ausgleich hierfür findet weniger über finanzielle Zuwendung statt, sondern zunehmend über ein Mehr an Freizeit [Bauer et al. 2002, 110].
Der Studie von Bielenski zufolge steigt die in der Woche geleistete Arbeitszeit an. Immerhin haben 1997 7,5% der Vollzeitbeschäftigten mehr als 45h pro Woche gearbeitet [2002, 154]. 18% der abhängig Beschäftigten arbeiten 43h und mehr, darunter hauptsächlich Männer [Bielenski et al. 2002, 152].
Da aktuell von einigen Unternehmen und Teilen der Politik neben einer Arbeitszeitverkürzung auch eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit auf mindestens über 40 Stunden in die Diskussion gebracht wird [u.a. ARD-Morgenmagazin vom 30.10.03, ca. 8.00 Uhr und Hammer 2003, 40], werden einige Studienergebnisse aus den USA in die Darstellung mit einbezogen: Dort findet eine Flexibilisierung der Arbeit vor allem i.S. einer Verlängerung der Arbeitszeit statt. 99% der Beschäftigten sind im Durchschnitt 47 Stunden pro Woche erwerbstätig [Hochschild 2002, 32/33]. Über 50% der Mitarbeiter arbeiten regelmäßig am Wochenende und 72% leisten regelmäßig Überstunden [ebd. 32].
Obwohl die Möglichkeit einer Verkürzung besteht oder Modelle angeboten werden, die andere Formen der Flexibilisierung bieten, werden diese - auch von Erwerbstätigen mit Kindernkaum genutzt. Man befürchtet Einkommens- und Positionsverluste, Karriereknick und die mangelnde Akzeptanz der Kollegen und Vorgesetzten [ebd. 34/36]. Dennoch sagen in einer Umfrage über 50% der Beschäftigten, sie hätten zu wenig Zeit für ihre Kinder und litten deswegen an Schuldgefühlen [ebd. 14]. Weitere Folgen sind Zeitstress, Effizienzmanagement der Zeit, die man zu Hause verbringt, Familienstress und Umkehrung der Bedeutungsinhalte von Arbeit und Familie.
3.4.4. GLEITZEIT
In 26% aller Betriebe und Dienststellen Deutschlands wird Gleitzeit praktiziert und 30% der Beschäftigten nutzen diese Form der Arbeitszeitflexibilisierung [Bauer et al. 2002, 175]. Damit ist die Verbreitung der Gleitzeit angestiegen. Gleitzeit wird besonders in der öffentlichen Verwaltung eingesetzt [ebd. 178]. Differenzierungen in einfache und variable Gleitzeit wurden nicht getroffen.
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Mirjam Gottsmann, 2004, Die Flexibilisierung der Erwerbsarbeit und ihre Auswirkungen auf das Privatleben, München, GRIN Verlag GmbH
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