Inhaltsverzeichnis
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PROLOG 7
EINLEITUNG 8
I. LESSING UND DIE IDEE DER RINGPARABEL 10
1. WER WAR GOTTHOLD EPHRAIM LESSING? 10
1.1 EIN SCHRIFTSTELLER DES 18. JAHRHUNDERTS 10
1.1.1 Epoche der Aufklärung 10
1.1.2 Die Toleranzdebatte 11
1.1.3 Religionen im Deutschland des 18. Jahrhunderts 12
1.1.3.1 Die Lebenssituation der Juden 12
1.1.3.2 Das Islambild im 18. Jahrhundert 14
1.2 EINBLICKE IN LESSINGS LEBEN 15
1.2.1 Seine Kindheit und Jugend 15
1.2.2 Lessing - der junge Schriftsteller 16
1.2.3 Sein Theaterstück "Die Juden" 17
1.2.4 Berlin und Hamburg 18
1.2.5 Sein letztes Lebensjahrzehnt in Wolfenbüttel 18
1.3 SEIN KAMPF UM TOLERANZ ODER DER FRAGMENTENSTREIT 19
1.3.1 Die Fragmente Reimarus 19
1.3.2 Die Auseinandersetzung mit Pastor Goeze 21
1.3.3 "Nathan der Weise" als Lessings Antwort 21
2. NATHAN DER WEISE 23
2.1 DAS THEATERSTÜCK "NATHAN DER WEISE" 23
2.1.1 Nathan wird geboren 23
2.1.2 Kurzer Abriss der Handlung 23
2.1.3 Der Mittelpunkt des Stückes - die Ringparabel 25
2.1.4 Die Ringparabel - eine Erfindung Lessings? 29
2.2 VOM STREIT ZUM WETTSTREIT DER RELIGIONEN 31
2.2.1 Die Pointe der Lessingschen Ringparabel 31
2.2.2 Der Wettstreit ist eröffnet 32
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Inhaltsverzeichnis
2.2.3 Die Einbettung der Ringparabel in Lessings Drama "Nathan der Weise" 33
2.2.4 Das gute Ende der Geschichte - eine Menschheitsfamilie 34
3. LESSINGS ANSATZ 35
II. ZUR EINORDNUNG DER PLURALISTISCHEN RELIGIONSTHEOLOGIE: DIE
RICHTUNGEN EXKLUSIVISMUS UND INKLUSIVISMUS 36
1. DER EXKLUSIVISMUS 36
1.1 DER EXKLUSIVISMUS ALS ALLEINIGE LEHRMEINUNG BIS IN DIE MODERNE 36
1.1.1 Das Heil nur für getaufte Christen - Christus gegen die Religionen 36
1.1.2 Außerhalb der Kirche kein Heil oder das Konzil von Florenz 37
1.1.3 Der Wahrheitsexklusivismus rückt in den Vordergrund 37
1.2 KRITISCHE AUSEINANDERSETZUNG MIT DEM EXKLUSIVISMUS IM 20. JAHRHUNDERT 38
1.2.1 Exklusivismus und Moderne prallen aufeinander 38
1.2.2 Kritik durch Ernst Troeltsch (1865-1923) 39
1.2.3 Die Gegenkonzeption Karl Barths (1886-1968) 40
1.3 DER EXKLUSIVISMUS HEUTE 42
1.3.1 Die Überwindung des Exklusivismus 42
1.3.2 Argumente gegen den Exklusivismus 42
2. DER INKLUSIVISMUS - CHRISTUS ÜBER DEN RELIGIONEN 43
2.1 DIE GRUNDLEGUNG DES INKLUSIVISMUS DURCH KARL RAHNER 43
2.1.1 Der Ansatz Karl Rahners (1904-1984) 43
2.1.2 Anonyme Christen 44
2.2 THEOLOGIEGESCHICHTLICHE BAUSTEINE FÜR DEN INKLUSIVISMUS 45
2.2.1 Die Lehre vom Logos Spermatikos 45
2.2.2 Einheit und Vielfalt (Nikolaus von Kues 1401-1464) 46
2.3 DER UMBRUCH - DAS II. VATIKANUM 46
2.3.1 Die Rezeption des Inklusivismus auf dem II. Vatikanum 46
2.3.2 Der universale Heilswille Gottes 47
2.3.3 Das katholische Zwiebelschalenmodell 48
2.3.4 "Nostra Aetate" 49
2.4 LEHRAMTLICHE AUSSAGEN NACH DEM II. VATIKANUM 50
2.4.1 Redemptoris Missio (1990) 51
2.4.2 Das Christentum und die Religionen (1996) 52
2.4.3 Gottes Geist ist in den anderen Religionen am Werk 52
2.5 KRITIK AM INKLUSIVISMUS HEUTE 53
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3. EINE GEGENPOSITION ENTSTEHT 54
III. DIE PLURALISTISCHE RELIGIONSTHEOLOGIE 55
1. DER PLURALISTISCHE ANSATZ - CHRISTUS UND DIE RELIGIONEN 55
1.1 DIE KOPERNIKANISCHE REVOLUTION IM CHRISTENTUM 55
1.2 JOHN HICK - GOTT UND SEINE VIELEN NAMEN 55
1.2.1 Zur Person John Hick 55
1.2.2 Hicks Glaubensbegriff in "Faith and Knowledge" 56
1.2.3 Einwände gegen die Rationalität des Glaubens 57
1.2.4 Die Pluralistische Hypothese als Beantwortung der drei Anfragen 57
1.2.5 Verschiedene religiöse Erfahrungen einer einzigen Wirklichkeit 58
1.2.6 Von der Christozentrik zur Soteriozentrik 59
1.2.7 Das soteriologische Kriterium 60
1.2.8 Der Wert der Vielfalt 61
1.2.9 Das veränderte Inkarnationsverständnis 62
1.2.10 Dialogfähigkeit 63
2. KRITIK AN DER PLURALISTISCHEN RELIGIONSTHEOLOGIE 64
2.1 KRITIKPUNKTE AN DER PLURALISTISCHEN RELIGIONSTHEOLOGIE 64
2.1.1 Der methodologische Status der pluralistischen Hypothese 64
2.1.2 Erkenntnistheoretische Grundlage 65
2.1.3 Offenbarungsverständnis 66
2.1.4 Das Problem der Christologie 67
2.1.5 Verhältnis von Christologie und Superiorität 67
2.1.6 Absolutheitsansprüche anderer Religionen 68
2.2 LEHRAMTLICHE KRITIK - DOMINUS JESUS (2000) 69
3. GIBT ES EINE ALTERNATIVE? 72
EXKURS: DER INTERIORISMUS 73
1. DER INTERIORISMUS - EINE NEUE RICHTUNG? 73
1.1 DER ANSATZ GERHARD GÄDES 73
1.2 KRITIK AM INTERIORISMUS 75
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IV. NATHAN UND DIE PLURALISTISCHE RELIGIONSTHEOLOGIE 76
1. GEMEINSAME ANSÄTZE - DAS ARGUMENT DER NÜTZLICHKEIT 76
2. NOTWENDIGE ABGRENZUNGEN 77
2.1 PRAXIS UND THEORIE 77
2.2 ABSOLUTHEITSANSPRÜCHE 77
3. SCHLUSSFOLGERUNG 78
4. EXKURS: "DAS PROJEKT WELTETHOS" VON HANS KÜNG 78
4.1 KEINE NEUE WELTORDNUNG OHNE EIN WELTETHOS 78
4.2 FÜNF GROßE GEBOTE DER MENSCHLICHKEIT 79
CONCLUSIO: PERSPEKTIVEN FÜR DAS 21. JAHRHUNDERT 81
1. THESEN DIESER ARBEIT 81
2. EPILOG 82
DANKSAGUNG 84
LITERATURVERZEICHNIS 85
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"Mama, kommen alle Menschen in den Himmel?"
Als kleines Mädchen stellte ich diese Frage meiner Mutter. Was der Auslöser dieser Frage war, weiß ich leider nicht mehr, aber sie beschäftigte mich immer wieder. Ich fragte mich: Was passiert nach dem Tod mit Menschen, die Jesus nicht kennen lernen konnten, Menschen, die vor Jesus gelebt hatten oder auf einem fernen Kontinent so wie die Indianer? Was geschieht mit dem Dalai Lama oder meinem türkischen Nachbarmädchen, wenn sie sterben? Sind sie für ewig verdammt, obwohl sie ein Leben lang versucht hatten, gut zu leben? Die Vorstellung, dass Ureinwohner Australiens oder Chinesen nicht in den Himmel kommen sollten, nur weil sie Jesus nicht kannten, erschreckte mich zutiefst. Das wollte und konnte ich nicht akzeptieren und das passte auch überhaupt nicht in meine kindliche Vorstellung vom "Lieben Gott". Die diplomatische Antwort meiner Mutter damals, auf Gott zu vertrauen, weil er einen liebevollen Plan für alle Menschen hat, beruhigte mich - vorläufig.
Die weltpolitischen Entwicklungen seit dem 11. September 2001 zeigen, dass die Frage des Zusammenlebens der Religionen immer mehr zu einer Überlebensfrage der Menschheit wird. Extremistische religiöse Kleingruppen schüren ein Klima der Intoleranz und schrecken auch nicht davor zurück, im Namen der Religion Gewalttaten zu verüben.
Aber auch in der europäischen Politik werden religiöse Fragen immer drängender: Soll Gott in der Verfassung stehen? Dürfen Schülerinnen Kopftücher tragen? Soll es islamischen Religionsunterricht geben?
Diese Fragen und Problematiken, die ich kurz angeschnitten habe, sollen aufzeigen, dass ein konstruktiver Dialog mit den anderen Weltreligionen nötiger ist als je zuvor. Doch wie kann ein solcher Dialog aussehen, wenn wir Christen einen absoluten Wahrheitsanspruch vertreten? Artet dann der Dialog nicht in Mission aus? Oder bedeutet tolerant sein, nicht nur den eigenen Standpunkt zu hinterfragen, sondern auch ihn nicht mehr zu vertreten?
Die gesellschaftlichen Ereignisse weisen uns darauf hin, wie dringend wir uns der Frage stellen müssen, inwieweit Toleranz und Identität in einer multikulturellen Gesellschaft zu vereinbaren sind.
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In diesem aktuellen Zusammenhang stellt sich mir erneut die Frage: Wie kann ein Miteinander der Religionen gelingen? Wie passen die anderen Weltreligionen in den einen Plan Gottes? Ist es recht, das Heil allein für die Christen zu beanspruchen?
Einleitung
Um diesen Fragen nachzugehen, habe ich mir als Startpunkt meiner Überlegungen ein Theaterstück aus dem 18. Jahrhundert ausgewählt: "Nathan der Weise" von Gotthold Ephraim Lessing. Sicherlich muss man sich fragen, warum ich ein literarisches Stück an den Anfang meiner theologischen Diplomarbeit stelle. Dies hat den einfachen Grund, dass Lessing im Bezug auf den Toleranzgedanken gegenüber anderen Religionen ein Vordenker seiner Zeit war. Es ist äußerst aufschlussreich, wie ein an der Theologie interessierter Schriftsteller das Zusammenleben der Religionen Judentum, Christentum und Islam vor ca. 250 Jahren gesehen hat. Die Sichtweise Lessings fasziniert seitdem viele Menschen bis in das jetzige Jahrhundert hinein. Die Ringparabel, die Lessing berühmt gemacht hat, gehört wohl mit zu den bekanntesten literarischen Werken der Neuzeit und fordert Theologen immer wieder heraus, sich mit ihrem Anspruch auseinanderzusetzen. In der neuen Auflage des Lexikons für Theologie und Kirche findet man unter dem Begriff "Fragmentenstreit", den ich im Kapitel über die Biographie Lessings 2 noch näher erläutern werde, einige Aussagen zu Lessing:
"Hier erinnerte der Dichter, z.T. aus solider Kenntnis der früheren Kirchenväter, die evangelische Theologie seiner Zeit an vergessene Wahrheiten und Prinzipien: […] Entgegen der damaligen Überbetonung äußerlich-historischer Argumente zur Legitimation des Christentums setzte er auf dessen innere, der Vernunft einleuchtende und der Humanität förderliche Wahrheit. […] Die wegweisende Bedeutung von Lessings Anregungen findet in der gegenwärtigen Theologie neues Interesse." 3 Im ersten Teil meiner Arbeit möchte ich kurz auf die Lebenssituation im 18. Jahrhundert eingehen, die Epoche, in der Gotthold Ephraim Lessing lebte. Dabei gilt es zuerst die Thematik dieser Zeit, die Anfänge der Aufklärung, herauszuarbeiten. Welche Strömungen waren vorhanden? Welche Grundthematik beschäftigte die Menschen? Inwieweit war Lessing ein Kind seiner Zeit oder muss man seine Ideen
2 Siehe Kap. I.1.3 Lessing und die Idee der Ringparabel.
3 SCHILSON: Art. Fragmentenstreit: in LThK 3 Band III, 1378.
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eher einem Außenseitertum zuschreiben? In einem zweiten Schritt werde ich mich dann mit der Biographie Lessings befassen und vor allem sein Werk "Nathan der Weise" und die damit verbundene "Ringparabel" beleuchten. Wie kann ein Miteinander der Religionen Lessings Auffassung nach aussehen?
Im zweiten und dritten Teil der Arbeit geht es mir um die aktuelle theologische Diskussion im Hinblick auf die Weltreligionen. Da das Anliegen dieser Arbeit darin besteht, einen Überblick über die Thematik zu verschaffen, können viele Themen leider nur oberflächlich angerissen werden. Die so genannte "Theologie der Religionen" beschäftigt sich mit den Fragen, wie man sich ein Miteinander der Religionen vorstellen kann und inwieweit die anderen Religionen Menschen heilsfähig machen. Vor allem die "pluralistische Religionstheologie" mit ihrem Hauptvertreter John Hick machte in diesem Zusammenhang in den letzten Jahren von sich reden. Die offizielle Verurteilung dieser theologischen Richtung durch die Enzyklika "Dominus Jesus" im Jahr 2000 regte viele kontroverse Debatten an.
Die Frage, inwiefern Gedankengut von Lessing in die pluralistische Religionstheologie eingeflossen ist, gilt es dann im vierten Teil zu untersuchen. Decken sich die Beurteilungskriterien der pluralistischen Religionstheologie mit denen Lessings? Ist Nathan am Ende des 20. Jahrhunderts durch diese theologische Richtung wiederauferstanden?
In Zukunft wird es immer wichtiger werden, theologische Richtlinien zu erarbeiten, die dazu beitragen, die Vision Lessings - das geschwisterliche Miteinander aller Religionen - im 3. Jahrtausend zu verwirklichen. Mit dieser Arbeit hoffe ich einen kleinen Beitrag auf diesem Weg leisten zu können.
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I. LESSING
UND DIE IDEE DER RINGPARABEL
1. Wer war Gotthold Ephraim Lessing?
1.1 Ein Schriftsteller des 18. Jahrhunderts
Gotthold Ephraim Lessing lebte von 1729 bis 1781. Um seine Lebenssituation und gesellschaftliche Prägung besser zu verstehen, möchte ich im Folgenden kurz auf die Verhältnisse des 18. Jahrhunderts eingehen.
1.1.1 Epoche der Aufklärung
Das 18. Jahrhundert wird als " Epoche der Aufklärung" bezeichnet. Treffend formuliert wurde der Begriff "Aufklärung" von Immanuel KANT 1784: "Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen." 4
"Aufklärung" kann somit als eine Zeit der Befreiung und des Erwachsenwerdens der Gesellschaft verstanden werden. Diverse gesellschaftliche Strömungen versuchten, den Menschen zur Mündigkeit zu erziehen. Alte Autoritätskonzepte wurden hinterfragt und die Menschen arbeiteten an einem neuen Selbst- und Weltbild. Die Vernunft wurde zum kritischen Maßstab aller Beurteilung, man begann sich seines Verstandes zu bedienen. Auch der Staat und die Religion mussten sich an diesem Kriterium messen. Wer beispielsweise standesgemäße Vorrechte für sich beanspruchte, dem wurde vorgeworfen, in Vorurteilen verhaftet zu sein. 5 Die Aufklärung bewirkte eine enthusiastische Aufbruchsstimmung. Das Bewusstsein der Menschen war geprägt von Zukunftsoptimismus, man erhoffte positive Veränderungen für diese Welt. Auch als im Jahr 1755 die Erdbeben von Lissabon und
4 KANT: Was ist Aufklärung?, 20.
5 Vgl. ARENDT: Grundlagen und Gedanken, 13.
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Lima diesen Optimismus zunächst wieder erschütterten, blieb dennoch die Gewissheit, dass die Vernunft den Menschen in eine bessere Welt führen würde. Aufgrund des in dieser Zeit vorherrschenden Absolutismus konnten die Bürger ihre Ideen und Ideale nicht in der Politik verwirklichen und suchten andere Möglichkeiten. Ein Zeichen dafür sind die vielen neu gegründeten Zeitschriften und Zeitungen, die zahlreichen Akademien sowie Salons und Lesegesellschaften dieser Zeit, die zu Zentren öffentlicher Diskussion wurden. Die Kunst wurde zu einer wichtigen Ausdrucksform der Gesellschaft. Sie wurde der Gegenpol zum Absolutismus, in der Gewissheit, dass kein König sie beugen kann. 6
Eine der Leitideen der Aufklärung wurde das neue Modewort "Toleranz". In zahlreichen Debatten setzte man sich mit dem Toleranzgedanken auseinander. Die Frage war, inwieweit man andere Konfessionen und Religionen auf dem eigenen Staatsgebiet tolerieren sollte. Auch befürchtete man - durch die Tolerierung anderer - den eigenen Wahrheitsanspruch der Religion aufzugeben.
Es ist wichtig zu beachten, dass durch den Toleranzgedanken in Deutschland (im Gegensatz zu den französischen Aufklärern 7 ) nicht oder nur in Maßen der Atheismus Einzug hielt. Man forderte nicht die Aufhebung der Religion, sondern kritisierte ihre praktizierte Intoleranz gegenüber anderen Religionen. Den Kirchen wurden die Inquisition und die Brutalität der Glaubenskriege vorgeworfen, dennoch wurde die Heilsbedeutung des christlichen Glaubens nicht in Frage gestellt. 8 ARENDT folgert: "Toleranz ist also nicht zu verwechseln mit Indifferenz; Duldung des Fremden ist nicht Gleichgültigkeit, sondern vernünftiges und das heißt opferbereites Handeln im Rahmen der großen Völker- oder Menschheitsfamilie." 9 Toleranz hatte demnach im Deutschland des 18. Jahrhunderts nicht die Facette der religiösen Gleichgültigkeit, die ihr heute oft vorgeworfen wird. Es ging darum, im eigenen Glauben verwurzelt zu bleiben, auch wenn man den anderen Religionsgemeinschaften volles Existenz- und Lebensrecht zugestand.
1.1.2 Die Toleranzdebatte
In der Toleranzdebatte der Aufklärer wurde die Frage wichtig, inwieweit ein Gespräch mit Mitgliedern anderer Religionen überhaupt möglich sei. Um in einen Dialog zu
6 Vgl. ARENDT: Grundlagen und Gedanken, 11f.
7 Vgl. CASSIRER: Die Philosophie der Aufklärung, 178.
8 Vgl. ARENDT: Grundlagen und Gedanken, 12.
9 Ebd. 13.
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treten, muss zunächst eine Gesprächsbasis gefunden werden, die von allen Teilnehmern akzeptiert werden kann.
Welche Grundwahrheiten des christlichen Glaubens, die evident zur Erlangung der Seligkeit sind, kommen dafür in Frage? Um eine gemeinsame Basis mit Nichtchristen zu schaffen, müssen diese Grundaxiome auch durch die Vernunft von jedem Menschen erkannt werden können. Die Idee einer "natürlichen Religion" 10 entstand. Einer Religion, die ohne Offenbarungen existiert und von jedem Menschen unabhängig seiner Herkunft und Kultur akzeptiert werden kann.
Die gemeinsame Grundlage, die ein friedliches, gleichberechtigtes Zusammenleben der Völker ermöglicht, wurde in dem Leitwort "Sittlichkeit" gefunden. Unabhängig vom Wahrheitsanspruch einer Religion war es möglich, sich auf den Grundwert der Sittlichkeit zu verständigen. Wenn die Grundsätze sittlichen Handelns für jeden Menschen klar einsehbar sind, dann können auch mehrere Konfessionen und Religionen auf einem Staatsgebiet harmonisch zusammenleben. Der Bürger wird dann nicht nach seinem Glauben gefragt, sondern nach seinem Gemeinschaftsverhalten. 11 Wie sah das Zusammenleben der Religionen aber in der Praxis aus?
1.1.3 Religionen im Deutschland des 18. Jahrhunderts
Die staatliche und kirchliche Ordnung beruhte im 18. Jahrhundert auf den Grundpfeilern des 16. und 17. Jahrhunderts. So waren beispielsweise die Staatsgrenzen mit den Konfessionsgrenzen identisch. Diese Gesellschaftsstruktur erschwerte die Reformgedanken der Aufklärer ungemein.
Die „neuen“ Ideen erlangten vor allem durch die Erfindung der Druckpresse rasche Verbreitung. Doch die Publizistik musste sich immer wieder staatlichen Zensuren unterwerfen. Theologische Einsichten, die an Universitäten schon gelehrt wurden, durften im Rahmen der Predigt nicht verkündigt werden. Besonders die Volksgruppe der Juden musste mit vielen Einschränkungen leben. 12
1.1.3.1 Die Lebenssituation der Juden
Den Judenhass der Dummheit des unaufgeklärten Volkes zuzuschieben, wäre wohl etwas zu einfach, denn er ging quer durch alle Bevölkerungsschichten und wurde zudem durch die Lehre der katholischen Kirche untermauert. Die Geschichte der
10 Als "positive Religionen“ bezeichnet man alle Religionen, die durch Offenbarungen entstanden sind:
Z.B. Christentum, Judentum, Islam. Demgegenüber bezeichnet man eine Religion, die rein durch die
Vernunft erkannt werden kann als "natürliche Religion“.
11 Vgl. SCHULTZE: Lessings Toleranzbegriff, 15ff.
12 Vgl. Ebd. 12.
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Pogrome begann schon mit dem ersten Kreuzzug 1096, als auf dem Weg ins Heilige Land in Mainz, Köln, Würzburg und Worms Juden getötet wurden, um das Blut Christi zu rächen. Einen negativen Höhepunkt erreichte diese Hetzjagd in den Pestjahren 1346 bis 1349, als den Juden vorgeworfen wurde, die Brunnen vergiftet zu haben. 13 Auch im 18. Jahrhundert lebten die Juden mit Vorurteilen behaftet unter andauernder Anfeindung.
Dem absolutistischen Staat waren die Juden nur genehm, wenn sie über ausreichend finanzielle Mittel verfügten. Für viel Geld konnte man einen Schutzbrief erwerben, die restlichen Juden mussten sich als wandernde Betteljuden durchschlagen. Die Schutzgelder wurden von Herrscher zu Herrscher erhöht, dazu kamen noch Hochzeits-Kinder- und Kalendergelder. Unter Friedrich I. wurde sogar der Leibzoll wieder eingeführt und unter Friedrich II. (1740 bis 1786) beibehalten. 14 KUSCHEL: "Juden waren im Deutschland des 18. Jahrhunderts eine schon rein rechtlich schnöde diskriminierte Minderheit, geduldete Bürger zweiter Klasse, zwanghaft reduziert auf den Status von Hofjuden, Gettojuden oder streunenden Hehlern und Krämern." 15
In den Köpfen der Deutschen waren viele Vorurteile gegenüber dem jüdischen Volk verankert: Märchen, die von der Grausamkeit der Juden gegen Christenkinder erzählten, zogen ihre Kreise. Den Juden wurde vorgeworfen, den Handel der Christen zu schädigen, indem sie sich verbünden und dunkle Finanzgeschäfte treiben würden. 16 Man unterstellte den Juden, verschlagen und betrügerisch zu sein. Dieses Vorurteil entstand vor allem durch ihre kaufmännischen Berufe, in die sie durch die Jahrhunderte lange Unterdrückung abgedrängt worden waren. 17 Selbst Friedrich der Große, der als der aufgeklärte Monarch des 18. Jahrhunderts gilt und Toleranz gegenüber den christlichen Konfessionen vorlebte (jeder solle nach seiner Façon selig werden), war "von Abneigung und Vorurteilen gegen die Juden nicht frei". 18 Er bezeichnete die Juden als die gefährlichste aller Sekten. Daraus erklärt sich auch sein Anliegen, die Zahl der Juden in Preußen möglichst einzuschränken. Im
13 Vgl. BERGHAHN: Grenzen der Toleranz, 12f.
14 Vgl. Ebd. 23-27.
15 KUSCHEL: Vom Streit zum Wettstreit der Religionen, 39.
16 Vgl. CARMELY: Wie "aufgeklärt“ waren die Aufklärer in Bezug auf die Juden?, 177f.
17 Vgl. SCHULTZE: Lessings Toleranzbegriff, 43.
18 CARMELY: Wie "aufgeklärt“ waren die Aufklärer in Bezug auf die Juden?, 177.
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Jahr 1750 erließ er ein Judenreglement, welches eine lange Liste von zusätzlichen Verboten und Beschränkungen enthielt. 19
Unter den die Juden diskriminierenden absolutistischen Herrschern bildete einer eine Ausnahme. Joseph II. erließ im Jahr 1782 ein Toleranzpatent, das einige Erleichterungen für das jüdische Leben in Österreich bringen sollte. Hinter diesem Erlass stand aber nicht die christliche Nächstenliebe, sondern der Hintergedanke, die Juden als Konsumenten dem Staate nützlich zu machen. Im Endeffekt spielten also auch hier wirtschaftliche Interessen eine Rolle.
Die Forderung, Juden als gleichberechtigte Bürger zu akzeptieren, findet man bei den wenigsten Aufklärern. Stattdessen wurde ihr religiöses wie auch soziales Leben sehr eingeschränkt, wenn nicht gar verboten. Der öffentliche Gottesdienst wurde ihnen weiterhin verweigert. 20 Moses Mendelsohn, einer der bekanntesten jüdischen Philosophen und guter Freund Lessings, durfte zwar einen Preis der Berliner Akademie annehmen, von einer Universitätsprofessur wurde er aber zeitlebens ausgeschlossen. 21
Einige Adelige und Intellektuelle Deutschlands diskutierten zwar über das Thema Toleranz gegenüber dem Judentum, doch sie erreichten damit kaum die breite Bevölkerung. Die wenigsten konnten den geistigen Überlegungen folgen, und Aberglaube und Vorurteile verhinderten eine Änderung der Verhältnisse. Die aufklärerischen Leitideen scheiterten an der Praxis. 22
1.1.3.2 Das Islambild im 18. Jahrhundert
Auch der Islam hatte in Europa ein sehr schlechtes Image. Für die meisten war er keine eigenständige Religion, sondern eine christliche Häresie. 23 Nur die wenigsten Menschen kamen mit dem Islam in Berührung, kaum jemand kannte persönlich Muslime. Wer sich zu den Intellektuellen zählte, las Bücher über den Islam, deren Islamkenntnisse aber nur sehr bruchstückhaft und zudem oft falsch waren. Dies führte dazu, dass viele Vorurteile geschürt wurden. 24 Über den Orient hatte man sich ein eigenes Bild zurechtgelegt. Mit Scherzreimen machte man sich über die Vielehe, das Alkoholverbot und den Propheten lustig. Solche europäischen Orient-Phantasien wurden gebraucht, um die westliche Überlegenheit zu
19 Vgl. CARMELY: Wie "aufgeklärt“ waren die Aufklärer in Bezug auf die Juden?, 178.
20 Vgl. Ebd. 179f.
21 Vgl. SCHULTZE: Lessings Toleranzbegriff, 12.
22 Vgl. BERGHAHN: Grenzen der Toleranz, 48.
23 Vgl. KUSCHEL: Vom Streit zum Wettstreit der Religionen, 56.
24 Vgl. Ebd. 101.
Seite 14
beweisen. 25 Wenn von einem Moslem geredet wurde, dann meist in einer abfälligen Haltung. Der Gedanke, Muslime als gleichwertige Partner zu akzeptieren, entsprach nicht den Einsichten der Mehrheit der Bevölkerung.
Insgesamt hatten nicht-christliche Religionen in Deutschland mit sehr vielen Vorurteilen zu kämpfen. In der Toleranzdebatte tauchte zwar die Fragestellung auf, inwieweit man den anderen Religionen volles Existenzrecht zubilligen sollte, aber nur sehr wenige Aufklärer forderten tatsächlich Toleranz gegenüber Andersgläubigen, die allgemein als Heiden angesehen wurden.
1.2 Einblicke in Lessings Leben
Nachdem der Hintergrund von Lessings Leben beleuchtet wurde, möchte ich mich nun seiner Biographie zuwenden. Was für ein Mensch war Lessing?
1.2.1 Seine Kindheit und Jugend
Am 22. Januar 1729 wurde Gotthold Ephraim Lessing in Kamenz geboren. Dieser kleine Ort in der Oberlausitz liegt zwar einsam, aber dennoch im Einflussbereich der Residenzstadt Dresden sowie der beiden Universitätsstädte Halle und Leipzig.
26
Lessings Vater war Pastor in der Kamenzer Marienkirche, seine Mutter eine Pfarrerstochter. Er wuchs in einer traditionellen lutherischen Familie auf. Gotthold kam als drittes von zwölf Kindern zur Welt, fünf seiner
Geschwister starben jedoch bereits im Kleinkindalter.
Nachdem Lessing die dortige Lateinschule besucht hatte, bekam er ein Stipendium für die Fürstenschule St. Afra in Meißen. 27 Nach Willi JASPER 28 bezeichnete er im Nachhinein diese fünf Jahre (1741 bis 1746) in dem strengen Lehr- und Erziehungsbetrieb als eine glückliche Zeit in seinem Leben. Zwar stand die christliche Erziehung im Vordergrund, doch die Schule bot ein erstaunlich weites Fächerangebot. Dort lernte Lessing nicht nur die alten Sprachen wie Latein, Griechisch, Hebräisch, sondern auch Französisch. Außerdem bekam er sogar Zeichen-, Musik-, und
25 Vgl. KUSCHEL: Vom Streit zum Wettstreit der Religionen, 35f.
26 Vgl. BRENNER: Gotthold Ephraim Lessing, 9.
27 Vgl. KRÖGER: Literaturwissen für Schule und Studium, 5.
28 Vgl. JASPER: Lessing, 32f.
Seite 15
Tanzunterricht. Im Fach Deutsch lernte man allerdings nur die Kunst des Briefeschreibens, was bereits der junge Lessing bemängelte. Schon früh zeigte sich, dass er ihn die Fragen nach Religion und Toleranz beschäftigten. Einer Lateinübersetzung fügte er hinzu: "Deshalb wollen wir die Juden nicht verurteilen, obwohl sie Christus verurteilt haben, denn Gott selbst sagt: Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. Wir wollen nicht die Mohammedaner verurteilen; auch unter Mohammedanern gibt es anständige Menschen. Schließlich ist niemand ein Barbar, außer der inhuman und grausam ist."
29
Im Zeugnis wurde er als ein "lebhafter
dem der Stall früh zu eng und der geistige Hafer - dem viel Latein und Luther beigemischt war - zu mager geworden war". 31
1.2.2 Lessing - der junge Schriftsteller
In den Jahren 1746 bis 1748 studierte Lessing in Leipzig Theologie, doch früh wandte er sich anderen humanistischen Fächern zu. An Leipzig interessierte ihn bald vor allem das gesellschaftliche und literarische Leben, was sein Studium schnell überschattete. Er knüpfte Kontakte zu Theaterkreisen und konnte im Januar 1748 sein erstes Theaterstück "Der junge Gelehrte" aufführen. Nach einem ernsten Gespräch mit seinem Vater fing Lessing ein Medizinstudium in Leipzig an, doch bald musste er vor Gläubigern fliehen und ging 1749 nach Berlin. Dort arbeitete er als freier Schriftsteller und finanzierte sich mit Theaterarbeiten, Etüden und rezensierenden Artikeln. 32 "Lessing war in seiner Zeit der erste Autor, dem es über einen längeren Zeitraum gelungen ist, als freier Schriftsteller zu leben. Erst die aus der geplanten
29 Zitiert nach KUSCHEL: Vom Streit zum Wettstreit der Religionen, 32-33.
30 Vgl. JASPER: Lessing, 33.
31 HARTH: Gotthold Ephraim Lessing, 12.
32 Vgl. KRÖGER: Literaturwissen für Schule und Studium, 5-7.
Seite 16
Familiengründung sich ergebenden Konsequenzen haben ihn veranlaßt, die Bibliothekarsstelle in einem höfischen Milieu anzunehmen."
33
Die Berliner Jahre wurden für ihn vor allem durch seine dort beginnende Freundschaft mit dem Juden Moses Mendelsohn und dem Verleger Friedrich Nicolai wichtig.
34
Mit ihnen traf er sich regelmäßig und führte
Gartenhausdiskussionen in der geistigen Tradition Epikurs. 35
1.2.3 Sein Theaterstück "Die Juden"
Im Jahr 1749 veröffentlichte Lessing sein Theaterstück "Die Juden", dessen Grundgedanken er in seinem Spätwerk "Nathan der Weise" wieder aufgreift. Das Publikum erwartete aufgrund des Titels ein Lustspiel, das sich über Juden lustig macht. Doch in diesem Punkt hatte der 20-jährige Lessing die Zuschauer enttäuscht. "In seinem Lustspiel 'Die Juden' brachte Lessing ganz entgegen der Tradition des Rollenfaches keinen lasterhaften Juden auf die Bühne. Vielmehr gab er dem Publikum einen edlen Juden zum Vorbild, um in der Reaktion auf diesen das antisemitische Vorurteil bloßstellen zu können". 36 Er verwirrte das Publikum, indem er als erster einen Juden auf die Bühne stellte, der nicht den typischen Vorurteilen dieser Zeit entsprach. Durch die negativ gezeichneten christlichen Rollen hielt er dem Publikum einen Spiegel vor, indem sie ihren Antisemitismus und ihre Vorurteile erkennen sollten. 37 JASPER bemerkt in seiner Biographie treffend: "Bei Lessing saß das christliche Publikum im Theater und auf der Anklagebank. Gemeinsam mit dem Freund Moses Mendelsohn betrieb er eine deutsch-jüdische Aufklärungskampagne gegen den Widerstand verbohrter christlicher Theologen und eifernder Rabbiner". 38 Im Unterschied zu den meisten deutschen Aufklärern setzte sich Lessing für das staatsbürgerliche Recht für Juden ein. Es ging ihm um eine wechselseitige Toleranz zwischen Juden und Christen, die mit einschloss, die jeweiligen religiösen und nationalen Besonderheiten zu akzeptieren. Er hoffte, diese Botschaft mit Hilfe seines Theaterstückes verbreiten zu können und damit einen großen Adressatenkreis auch in den unteren Schichten zu gewinnen. 39
33 KRÖGER: Literaturwissen für Schule und Studium, 17.
34 Vgl. Ebd. 5ff.
35 Vgl. JASPER: Lessing, 106.
36 KRÖGER: Literaturwissen für Schule und Studium, 28.
37 Vgl. Ebd. 24.
38 JASPER: Lessing, 25.
39 Vgl. ALBRECHT: Gotthold Ephraim Lessing, 10.
Seite 17
1.2.4 Berlin und Hamburg
Seine nächsten 10 Lebensjahre waren äußerlich unruhig. Er ging für kurze Zeit nach Wittenberg zurück, um sein Studium der Medizin zu vollenden; er besuchte Frankfurt an der Oder, Potsdam und Dresden und machte als Reisebegleiter eine klassische Bildungsreise.
Zur Überraschung seiner engen Freunde verließ er 1760 Berlin und begab sich in eine feste Anstellung als Gouvernementssekretär nach Breslau. Allerdings konnte er sich an das Beamtenleben nicht gewöhnen. Daraufhin ging er 1762 für zwei Jahre nach Berlin zurück, um danach den Posten des Dramaturgen an der Hamburger Nationalbühne anzutreten. In dieser Zeit lernte er die Familie Reimarus, seine spätere Frau Eva König und den Pastor Goeze kennen, der einer seiner berühmtesten Gegner werden sollte.
1.2.5 Sein letztes Lebensjahrzehnt in Wolfenbüttel
In seiner letzten Lebensphase (1770 bis 1781) trat er die Bibliothekarsstelle in Wolfenbüttel an. Diese Arbeit hat ihm zwar ein geregeltes Einkommen ins Haus gebracht, aufgrund seiner Spielleidenschaft klagte er jedoch oft über Geldmangel. 40
Lessing 1776 seine langjährige Verlobte Eva König. Am Weihnachtstag des Jahres 1777 wurde sein Sohn geboren, der einen Tag später starb, am 10. Januar 1778 starb seine Frau an den Folgen der Geburt. Lessing reagierte sehr zurückhaltend und stoisch auf diesen Schicksalsschlag und flüchtete in seine Arbeit. Vor allem der Fragmentenstreit 42 , auf den ich noch ausführlicher zurückkommen werde, intensivierte sich in den folgenden Monaten. 43
40 Vgl. BRENNER: Literaturstudium, 14-20.
41 Vgl. Ebd. 22f.
42 Siehe Kap. I.1.3 Lessing und die Idee der Ringparabel.
43 Vgl. BRENNER: Literaturstudium, 29f.
Seite 18
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Stefanie Meier, 2004, Nathan reloaded? Die Idee der Ringparabel in der pluralistischen Religionstheologie, München, GRIN Verlag GmbH
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