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Inhalt
1.0. Einleitung 2
2.0. Einführung in den Konstruktivismus 3
2.1. Grundannahmen des radikalenKonstruktivismus 3
2.2. Die Theorie lebender Systeme von Maturana und Varela 6
2.3. Neurobiologische/Neurophysiologische Belege 8
3.0. Die Theorie psychischer und sozialer Systeme von Niklas Luhmann 9
3.1. Unterscheiden, Bezeichnen, Beobachten 9
3.2. Psychische und soziale Systeme 13
4.0. Schluß 15
Anmerkungen 16
Literaturverzeichnis 16
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1.0. Einleitung
Zu Beginn der 70er Jahre setzten die chilenischen Biologen Humberto Maturana und Francisco Varela mit ihrem Modell autopoietischer Systeme den Startpunkt einer interdisziplinären Theorieentwicklung, die heute unter dem Namen Konstruktivisÿmus oder auch radikaler Konstruktivismu s 1 bekannt ist. Die Theorievorschläge Maturanas und Varelas hatten eine immens breite Wirkung in vielen unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen. Vorallem innerhalb von Philosophie, Neurophysioloÿgie, Biologie, Psychatrie, Psychotherapie und Soziologie wurden sie diskutiert und weiterentwickelt (vgl. Kneer/Nassehi, 1997, S.55).
Dabei ist der Konstruktivismus weit davon entfernt eine einheitliche Theorie zu sein. Er ist vielmehr ein Oberbegriff über eine Vielzahl verschiedener Ansätze, die sich aber alle in der Grundannahme einig sind, daß Erkenntnis als Konstruktionsprozess zu verstehen ist, und die Wirklichkeit das Produkt dieses Prozesses ist. D.h. die Wirklichkeit wird nicht gefunden, sondern sie wird vom Beobachter operativ erÿzeugt. Deutlicher ausgedrückt bedeutet dies: „Die Umwelt, die wir wahrnehmen, ist unsere Erfindung“ (Foerster, 1997, S. 26), ist „Erfahrungswirklichkeit“ (Schmidt, 1987, S. 18).
Damit ist aber nicht gemeint, wie oft fälschlicherweise unterstellt wird, der Konstruktivismus leugne die Existenz einer Außenwelt. Eben gerade nicht solipsiÿstisch, ist für den Konstruktivismus die Außenwelt unverzichtbar; jedoch verneint er die Möglichkeit, eine objektive Erkenntnis über sie erlangen zu können. Wie diese Sichtweise begründet wird, obgleich uns allen das, was uns unsere Sinne liefern so unmittelbar erscheint, soll in kurzer Zusammenfassung Inhalt des zweiten Kapitels dieser Hausarbeit sein.
Im dritten Kapitel möchte ich dann zur Theorie psychischer und sozialer Systeme von Niklas Luhmann übergehen.
Dieser, unter dem Label Systemtheorie bekanntgewordene, soziologische Theoretiker gehörte ebenfalls zu denen, die, die aus der Biologie kommenden konstruktivistiÿschen Thesen begierig aufgriffen und damit ihren Theorien einen neuen, tieferen Geÿhalt gaben.
Bei Luhmann spricht man in Bezug auf diesen Paradigmenwechsel sogar von der sog. „autopoietischen Wende“, die sich zuerst in seinem 1984 erschienen Buch „Soziale Systeme“ manifestierte.
Ziel dieser Arbeit soll schließlich sein, darzustellen, wo und wie Luhmann
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konstruktivistische Sichtweisen vertritt und wo es Weiterentwicklungen und/oder Differenzen zum konstruktivistischen mainstream 2 gibt.
2.0. Einführung in den Konstruktivismus
2.1. Grundannahmen des radikalen Konstruktivismus
Der Begriff des radikalen Konstruktivismus geht auf Ernst von Glasersfeld zurück, und ist als Abgrenzung von anderen Spielarten des Konstruktivismus zu verstehen. Radikal ist er deshalb, weil er eine Erkenntnistheorie etabliert, die ohne Ontologie, also ohne die Annahme einer unmittelbaren Realität, auskommt. Wie oben bereits erÿwähnt, leugnet dies nicht die Existenz einer Außenwelt, sondern verneint nur die Annahme, daß, das, was wir für „real“ halten, also das, was wir sehen, hören, rieÿchen, fühlen usw., der Welt „da draußen“ entspricht. Wissen wird also nicht passiv aufgenommen, sondern aus der eigenen Erfahrung abstrahiert und, ähnlich einer körperlichen Fähigkeit, aktiv von jedem Individuum aufgebaut (vgl. v. Glasersfeld, 1997, S. 147).
Kognition ist eine adaptive Funktion und dient der Erzeugung viabler Verhaltensweiÿsen und nicht der Entdeckung oder Abbildung einer ontologischen Realität . Man kann dies sehr anschaulich machen, wenn man sich das Bild von Schlüssel und Schloß vor Augen hält:
Sagen wir z.B., das Schloß stelle die Realität dar, also das, was jenseits menschliÿcher Wahrnehmung „real“ da ist. Diese „Realität“ ist uns unzugänglich; wir können nicht in das Schloß hineinblicken, um zu sehen, wie es von innen aussieht. Wir werden also verschiedene Formen von Schlüsseln ausprobieren, ähnlich einem Einbrecher, der mit seiner Sammlung von Ditrichen arbeitet, und schließlich das Schloß öffnen. Damit wissen wir dann aber nur, daß dieser Schlüssel „paßt“, nicht, daß er dem Schloß entspricht. Auch anders geformte Schlüssel könnten das selbe Schloß öffnen (vgl. Glasersfeld in: Watzlawick (Hg), 1981, S. 20f.). Genauso verhält es sich mit unseren Annahmen von der Beschaffenheit der Welt und all den Korrelationen und Kausalitäten, die wir in ihr wahrnehmen. Sie legen sozusaÿgen ein Raster, daß uns bis zu einem gewissen Grade erlaubt, in der Welt erfolgreich zu agieren, beweisen aber nicht, daß daß es derartige Strukturen „draußen“ tatsächÿlich gibt.
Damit das Individuum überhaupt ein solches Raster, daß wir auch Erfahrung nennen
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können, erzeugen kann, braucht es ein Gedächnis, und die Fähigkeit zur Reflexion. Damit ist es fähig, Bekanntes mit Neuem zu vergleichen, und so anhand bestimmter Kriterien Übereinstimmungen feststellen zu können. Die Kriterien, die dieser Assimilation zu Grunde liegen, sind aber im konstruktivistischen Sinne nicht objekÿtiv sondern leiten sich aus bestimmten angewöhnten Sichtweisen ab. So kann letztÿlich nur das wahrgenommen werden, was in die bestehenden Strukturen hineinpasst. Es wird praktisch so lange assimliert, wie es geht, und erst wenn das Ergebnis einer Handlung, oder das Handeln anderer nicht den Erwartungen des Individuums entÿspricht, entsteht eine Perturbation, die sich z.B. als Überraschung oder Enttäuschung äußern kann (vgl. Glasersfeld, 1996, S. 113ff.). Daraufhin versucht das Individuum, die Ausgangssituation, wenn sie wieder herstellbar ist, erneut zu überprüfen, und Aspekte zu finden, die bei der Assimilation nicht berücksichtigt wurden. Daraus kann eine geringfügige Änderung der alten, oder aber die Bildung einer ganz neuen Struktur (Akkomodation) folgen. Kann die Umstrukturierung erfolgreich durchgeführt werden, ist das Gleichgewicht wieder hergestellt. Ist dies aus irgendwelchen Gründen nicht der Fall, z.B. weil die Perturbation so massiv war, daß weite Bereiche mentaler Strukturen unbrauchbar wurden, erleidet das Individuum eine Krise, die nur dadurch überwunden werden kann, daß möglicherweise über einen längeren Zeitraum hinweg ein neues Weltbild konstruiert wird, daß erneut ein Gefühl von Sicherheit und Vertrauen der Welt gegenüber möglich macht (vgl. Glasersfeld, 1996, S. 117ff.). Es handelt sich bei dem oben beschriebenen Prozess aber, um es nocheinmal zu betonen, nicht um eine zunehmende Annährung an eine ontologische Wirklichkeit, sondern nur um den Auf- und Abbau von Konstruktionen.
Anschließend an diese Thesen ist auch die konstruktivistische Sichtweise sozialer Kontakte außerordentlich interessant:
Innerhalb seiner individuellen Wissenskonstruktion muß ein Bewußtsein auch Konstrukte von anderen Menschen aufbauen, denn diese Wesen sind ihm in ihrem Handeln und Denken ebensowenig unmittelbar zugänglich wie alles andere auch. Es muß also in sich selbst ein Wesen konstruieren, dessen Verhalten zuverlässige Vorhersagen über das Verhalten der beobachteten Wesen ermöglicht. Grundlage solÿcher Konstruktionen können natürlich nur die Eigenschaften sein, die das Individuÿum an sich selbst beobachtet.
Erweist sich diese „Simulation“ als erfolgreich, führt sie zu der berechtigten Annahÿme, daß die Anderen eine ähnliche Wirklichkeitskonstruktion verwenden wie es selbst, und damit zu einer Verstärkung seiner eigenen Erfahrungswirklichkeit, einer
Arbeit zitieren:
Mark Thumann, 2000, Luhmann und der Konstruktivismus, München, GRIN Verlag GmbH
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