Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit beschäftigt sich mit Beobachtungen und Erfahrungen zu dem Thema: „Errungenschaften der psychosozialen Betreuung (PSB) in der illegalen Suchthilfe, veranschaulicht am Beispiel von substituierten Opiatabhängigen beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Bonn-Rhein-Sieg e.V.“, die im Praxisfeld des Bereichs Suchthilfe gemacht wurden.
Das Grundkonzept der PSB beinhaltet neben einer intensiven sozialpädagogischen Einzelfallbetreuung eine medizinisch begleitete Substitutionsbehandlung (Entwöhnung durch einen Ersatzstoff), welche auf der Annahme basiert, dass durch die pharmakologische Wirkung des Opiatersatzstoffes eine Entzugssymptomatik bei den Drogengebrauchern gar nicht erst auftreten kann.
Dies ermöglicht den Klienten eine dauerhafte Distanzierung von der Drogenszene mit dem Ziel einer langfristigen Devianzprävention; somit können Angebote zur gesundheitlichen und psychosozialen Stabilisierung wahrgenommen werden. Die nicht-medizinische Substitutionsbegleitung wird im Rahmen einer PSB ausschließlich von anerkannten Drogenberatungsstellen und Drogenhilfeträgern geleistet.
Die PSB sollte die persönliche Suchtgeschichte und -entwicklung des einzelnen Klienten, individuelle Begleitumstände unter Berücksichtigung der Lebensweltorientierung, das Prinzip "Hilfe zur Selbsthilfe" sowie die Konsequenzen einer möglichen oder schon bestehenden Abhängigkeit miteinbeziehen.
Diese Arbeit soll die Errungenschaften der PSB in der Suchtkrankenhilfe als sozialpädagogische Interventionsmethode in ihren Grundzügen vorgestellen und anhand der Praxisfelduntersuchung einer ausgewählten sozialen Einrichtung exemplarisch skizzieren.
Zentrale Problem- und Fragestellungen der PSB sollen analysiert, diskutiert, kritisch hinterfragt und anhand der im Praxisfeld beobachteten Erfahrungen wissenschaftlich rekonstruiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Begriffsdefinitionen zur Einführung
1.1) Kurze einleitende Worte:
1.2) Was bedeutet „Psychosoziale Betreuung“ (PSB) in der illegalen Suchthilfe?
1.3) Institutionelle und sonstige Voraussetzungen PSB
1.4) Was beinhaltet der Begriff „illegale Suchthilfe“?
1.5) Was ist ein „Substitut“?
1.6) Kurzdarstellung Heroin
1.7) Konsumformen
1.8) Kontextbezogene Erläuterung des Begriffs „Abhängigkeit“
1.9) Substitutionsbehandlung bei Opiatabhängigen
2.) Psychosoziale Betreuung in der illegalen Suchthilfe
2.1) Inhalte der PSB
2.2) Betreuungsformen
2.3) Betreuungsschwerpunkte
2.4) Betreuungsdauer
3.) Bausteine der illegalen Suchthilfe:„PSB beim ASB“
3.1) Baustein A: Orientierungsphase
3.2) Baustein B: Stabilisierungsphase
3.3) Baustein C: Umsetzung
3.4) Nachsorge
4.) Über das „Projekt Suchthilfe“ beim ASB in Meckenheim
4.1) Kurzportrait ASB Meckenheim
4.2) Projektbeschreibung
4.3) Grundkonzept
4.4) Angebot und Zielgruppe
4.5) Kostenträger
5.) (Fall-)Beispiel aus dem Praxisfeld
5.1) Aufgabenbereiche im Praktikum
5.2) Fallbeispiel: Herr Dr. R. schildert den Fall des Herrn S.
5.2.1) (Ketten-) Reaktion im Kollegium
5.2.2) Aufarbeitung in der Supervision
6.) Evaluation und Fazit
6.1) Evaluation Uni: Vorbereitung des Praktikums
6.2) Evaluation Einrichtung: Betreuung im Praktikum
6.3) Fazit PSB: Errungenschaften PSB in der illegalen Suchthilfe
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Bedeutung und den Nutzen der psychosozialen Betreuung (PSB) als begleitende Maßnahme zur medizinischen Substitution bei Opiatabhängigen, illustriert durch die praktische Arbeit beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB). Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie durch ein strukturiertes, ressourcenorientiertes Betreuungskonzept eine gesundheitliche und soziale Stabilisierung von Drogenabhängigen erreicht werden kann.
- Grundlagen und Definitionen der psychosozialen Betreuung in der Suchthilfe.
- Strukturierung der Suchthilfe in Baukastensystemen (Orientierung, Stabilisierung, Umsetzung, Nachsorge).
- Praxisnahe Analyse eines Fallbeispiels unter Berücksichtigung von Krisenintervention und Supervision.
- Evaluation der Verzahnung von theoretischer Ausbildung und praktischer Anwendung in der Suchthilfe.
Auszug aus dem Buch
5.2.1) (Ketten-) Reaktion im Kollegium
Die Schilderung des Arztes sorgte für einige Unruhe im Suchthilfeteam. Herr S. sei in letzter Zeit auffällig aggressiv in Erscheinung getreten und man war der Meinung, dass das vom Arzt beschriebene Verhalten von Herrn S. in einem Zusammenhang zu seinem Auftreten in der PSB stehen müsse.
Einige Tage später meldete sich Herr S. telefonisch in der offenen Sprechstunde und wollte seine Betreuerin Frau N. sprechen. Diese war abwesend, da sie einen Hausbesuch bei einer Klientin hatte. Als Herr S. realisierte, dass Frau N. nicht zu sprechen sei und nach mehrmaligem nachfragen an eine Kollegin verwiesen wurde, reagierte er sehr verunsichert. Er schien aus dem Konzept gerissen zu sein, stammelte nervös und legte dann auf, noch bevor die Kollegin Frau G. das Telefonat entgegen nehmen konnte.
Frau G. war sehr beunruhigt bezüglich des Anrufes und erzählte der Kollegin Frau N. bei Eintreffen von den Vorkommnissen. Die Kolleginnen unterhielten sich ausgiebig über die Situation und das Gespräch bewegte sich zunehmend auf nicht mehr sachlicher bzw. fachlicher Ebene. Die beiden Sozialarbeiterinnen redeten sich so sehr in Rage, dass sie es mit der Angst zu tun bekamen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Begriffsdefinitionen zur Einführung: Definiert grundlegende Begriffe wie PSB, Substitut, Heroin und Abhängigkeit, um das notwendige Vorverständnis für die Thematik zu schaffen.
2.) Psychosoziale Betreuung in der illegalen Suchthilfe: Erläutert die inhaltlichen Ziele, Betreuungsformen und Schwerpunkte der PSB, insbesondere im Hinblick auf die Unterstützung bei Behördengängen und sozialer Reintegration.
3.) Bausteine der illegalen Suchthilfe:„PSB beim ASB“: Beschreibt das phasengerechte Baukastensystem des ASB zur schrittweisen Stabilisierung der Klienten von der Orientierung bis zur Nachsorge.
4.) Über das „Projekt Suchthilfe“ beim ASB in Meckenheim: Porträtiert die Einrichtung, das spezifische Projekt zur Substitutionsbegleitung sowie dessen Zielsetzungen und Rahmenbedingungen.
5.) (Fall-)Beispiel aus dem Praxisfeld: Detaillierte Fallstudie über den Klienten Herrn S., die Dynamiken bei einer drohenden Krise und die Bedeutung der internen Supervision beleuchtet.
6.) Evaluation und Fazit: Kritische Reflexion der universitären Ausbildungsvorbereitung und der praktischen Anleitung, gefolgt von einer Bilanz zur Bedeutung der PSB.
Schlüsselwörter
Psychosoziale Betreuung, PSB, Suchthilfe, Substitution, Opiatabhängigkeit, Methadon, Drogenberatung, Sozialarbeit, Krisenintervention, Supervision, Beikonsum, Soziale Integration, BUB-Richtlinien, Schadensminimierung, Rehabilitation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet die Rolle der psychosozialen Betreuung (PSB) als unverzichtbaren Bestandteil der medizinisch gestützten Substitutionstherapie für Opiatabhängige.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Themenfelder umfassen die theoretischen Grundlagen der Sucht, das operative Vorgehen in Betreuungsbausteinen und die Reflexion praktischer Erfahrungen in einer Suchthilfeeinrichtung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch eine begleitende psychosoziale Unterstützung die Lebensqualität von Suchtkranken verbessert und eine soziale Reintegration ermöglicht wird.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit gewählt?
Es handelt sich um eine praxisorientierte wissenschaftliche Hausarbeit, die auf Beobachtungen, der Analyse institutioneller Rahmenbedingungen sowie einer Fallstudie basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Definition suchtspezifischer Fachbegriffe, die Darstellung der ASB-Projektstruktur und die Dokumentation eines konkreten Fallbeispiels.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Psychosoziale Betreuung, Substitution, Drogenhilfe, Krisenmanagement und soziale Reintegration.
Warum ist die PSB als Bindeglied in der Suchthilfe so wichtig?
Da die medizinische Substitution allein oft nicht ausreicht, um die sozialen und psychischen Ursachen und Folgen der Sucht zu bearbeiten, fungiert die PSB als notwendige, ergänzende Stütze.
Welche Erkenntnisse lieferte die Aufarbeitung des Falls „Herr S.“?
Der Fall verdeutlichte, wie wichtig professionelle Distanz, sachliche Kommunikation im Team und Supervision sind, um subjektive Ängste und vorschnelle Urteile gegenüber Klienten zu vermeiden.
- Quote paper
- Sabine Leon (Author), 2003, Psychosoziale Betreuung in der Suchthilfe, veranschaulicht am Beispiel von substituierten Opiatabhängigen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25748