Kath.-Theol. Fakultät
der Universität Würzburg, Institut für Biblische Theologie
Lehrstuhl für Altes Testament und biblisch-orientalische Sprachen
7./3. Semester
Der Moseberg (Gabal Musa)
von: Andreas Schraut
Gliederung
A. Der Mosesberg - Ort der Gesetzgebung Jahwes? 3
B. Das Verhältnis der beiden Weltreligionen Judentum und Christentum zum Sinai 4
1. Das Judentum 4
2. Das Christentum 5
C. Der Sinai als „Heiliger Berg“ des Islam 6
D. Die Diskussion um die Lage des Gottesberges in der neuzeitlichen Forschung 9
1. Die Sirbal - Theorie 9
2. Die Vulkanhypothese 11
E. Zusammenfassung: Die Kriterien für die endgültige Identifizierung des Ğabal Mūsā 13
1. Das Phänomen der Dendriten 13
2. Der Ğabal Mūsā - ein heiliger Berg für die Nabatäer 15
3. Die Lokalisierung des biblischen Geschehens anhand des ‚Brennenden Dornbuschs’ 16
F. Fazit: Ist der Ğabal Mūsā tatsächlich der Sinai des AT? 18
1. Die außerchristlichen Hinweise auf die Sinaihalbinsel als Ort des Gottesberges 18
2. Die ewige Suche nach dem Gottesberg - Gibt es ihn überhaupt? 20
G. ANHANG I 22
ANHANG II 23
H. Literaturverzeichnis 24
A. Der Mosesberg - Ort der Gesetzgebung Jahwes?
Der Auszug aus Ägypten bedeutete für das Volk Israel einen gewaltigen Einschnitt in ihrer Geschichte. Nicht nur die jahrelange Knechtschaft fand ein Ende, zugleich wurde mit dem Dekalog das Fundament für ein eigenständiges Israel und sein Rechtssystem gegeben. Das Alte Testament berichtet ausführlich von dieser Begebenheit auf dem Berg Sinai: „Im dritten Monat nach dem Auszug der Söhne Israel aus dem Land Ägypten, an eben diesem Tag kamen sie in die Wüste Sinai. Sie brachen auf von Refidim und kamen in die Wüste Sinai und lagerten sich in der Wüste; und Israel lagerte sich dort dem Berg gegenüber. Mose aber stieg hinauf zu Gott. Und der HERR rief ihm vom Berg aus zu: So sollst du zum Haus Jakob sagen und den Söhnen Israel mitteilen: Ihr habt gesehen, was ich den Ägyptern angetan und
Doch ist es ja gerade die Doppelbenennung des Gottesberges, die einen dann angesichts der festen Identifizierung des Ğabal Mūsā stutzig werden lässt. Horst Heinemann hat für diese Doppelbenennung folgende Erklärung herausgearbeitet: „Aber im Nordreich heißt der Gottesberg »Horeb«. Noch der Prophet Elia weiß, wo dieser Berg zu finden ist und flüchtet sich zu ihm, als er der Rache der Königin Isebel zu entkommen trachtet (Vergl. I. Könige 19). Doch mit dem Untergang Israels geht dieses Wissen verloren. Das Südreich hat aus politischen Gründen kein Interesse am traditionellen Gottesberg. Zur Politik der Könige in Jerusalem gehört es seit David, Religion und Kult in der neuen Hauptstadt zu zentralisieren, um sie dort besser kontrollieren zu können. An die Stelle des Gottesberges tritt der kleine Bergrücken, der Zion, auf dem die von David eroberte Stadt liegt. Und tatsächlich gelingt es den königlichen Hoftheologen in weniger als einem Jahrhundert den Zion zum ‚Berg des Heils’ für alle Völker emporzujubeln und den Gottesberg aus der Erinnerung zu verdrängen.“2 Unweigerlich stellt sich dann die Frage, wer dann für diese Identifizierung verantwortlich ist, wenn eine feste Bezeichnung aus der Zeit des Auszuges nicht bekannt ist. Um dies zu klären, soll zunächst ein Blick auf die beiden Religionen geworfen werden, für die die Offenbarung vom Sinai eine primäre Rolle spielt: Judentum und Christentum.
B. Das Verhältnis der beiden Weltreligionen Judentum und Christentum zum Sinai
1. Das Judentum
Für das Judentum spielt die Identifikation des Sinai keine Rolle. Heinemann hat ja aufgezeigt, dass der Gottesberg wegen der Kultzentralisation vernachlässigt wurde. Auch wenn JHWH „ynys hz - der vom Sinai“3 ist, ist es die zweifellos die Überlieferung vom Sinai, die entscheidend für einen orthodoxen Juden ist. „Juden haben sich nicht sehr damit beschäftigt den Berg zu identifizieren, weil dies nichts zur Offenbarung beiträgt, die dort geschah (ma camad har Sinai) und nach der sie zu leben haben.“4 Burton Bernstein schreibt sogar: „In short, Mount Sinai is to Jews not so much a place as an intangible symbol, in a sense as meaningful as the Holy Ghost is to Christians.“5
Für das Judentum ist also weder eine Verehrung des Sinai bekannt, noch wurde sie ausgeübt. Man wusste - zumindest im Südreich - vom Sinai als Gottesberg, wollte aber aus politischen Gründen keine Verehrung. Somit kann nur das Christentum mit der Identifikation und der heutigen Verehrung des Moseberg in Verbindung gebracht werden, auch wenn die Juden ihn wohl inzwischen auch als Berg der Gesetzgebung akzeptieren.6
2. Das Christentum
[...]
1 Ex 19, 1-4.10 f.
2 Heinemann, S. 2f.
3 Ri 5,5; Ps 68,9.
4 Oxford-Lexikon der Weltreligionen, S. 927 (Art. Sinai)
5 Bernstein, S. 129.
6 Bernstein schreibt: Strangely enough, the Jews have never set an exact location for the mountain, although most now accept Gebel Musa ast he probable place (S. 128).
Quote paper:
Andreas Schraut, 2004, Der Moseberg (Gabal Musa), Munich, GRIN Publishing GmbH
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DOI
Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
Scholary Paper (Seminar), 25 Pages
Exegese von Mk 10, 46-52: Die Heilung des blinden Barthimäus
Scholary Paper (Seminar), 20 Pages
Exegese zu Gen 12,10-13,1 Abram und Sarai in Ägypten
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 18 Pages
Globalisierung - Begriff, Vor- und Nachteile und Zukunftsprognosen
Politics - International Politics - Topic: Globalization, Political Economics
Scholary Paper (Seminar), 12 Pages
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