Inhaltsverzeichnis
INHALTSVERZEICHNIS. I
1 EINLEITUNG 1
2 INTERKULTURELLE PROBLEMATIK. 3
2.1 DEUTSCH-FRANZÖSISCHE KOOPERATIONEN 3
2.1.1 Definition des Begriffs der Kooperation. 3
2.1.2 Wirtschaftliche Bedeutung von deutsch-französischen Kooperationen 4
2.2 KULTUR ALS EINFLUSSFAKTOR. 5
2.2.1 Definition des Begriffs der Kultur. 6
2.2.2 Ansätze zur Messung kultureller Unterschiede. 7
2.2.2.1 Hofstedes Kulturmodell 7
2.2.2.2 Das Modell von Hall 10
2.2.2.3 Kulturstandards nach Thomas. 11
3 HISTORISCHE URSACHEN DER UNTERSCHIEDE IN DEN
NATIONALKULTUREN DEUTSCHLANDS UND FRANKREICHS 12
3.1 DIE AUSWIRKUNGEN DER GESCHICHTE AUF DIE KULTUR 12
3.1.1 Die Geschichte Deutschlands und ihre Auswirkungen auf die nationale
Kultur 12
3.1.2 Die Geschichte Frankreichs und ihre Auswirkungen auf die nationale
Kultur 17
3.2 DIE AUSWIRKUNGEN DER FAMILIÄREN STRUKTUREN AUF DIE KULTUR. 23
3.2.1 Die Familienstruktur in Deutschland 23
3.2.2 Die Familienstruktur in Frankreich. 25
3.3 DIE AUSWIRKUNGEN DER RELIGION AUF DIE KULTUR. 26
3.3.1 Die deutsche Ernsthaftigkeit 26
3.3.2 Ernsthaftigkeit und Unabhängigkeit 28
3.3.3 Herausbildung des intellektuellen Pluralismus 29
3.3.4 Der Gegensatz zwischen Gesellschaft und Gemeinschaft. 30
I
3.4 BILDUNGSSYSTEME ALS EINFLUSSFAKTOR AUF DIE KOOPERATION
ZWISCHEN DEUTSCHEN UND FRANZÖSISCHEN UNTERNEHMEN 32
3.4.1 Vergleich der Bildungskonzeption in Frankreich und Deutschland 32
3.4.2 Vergleich der Bildungssysteme in Deutschland und Frankreich. 34
4 SCHLUSSBETRACHTUNGEN. 37
LITERATURVERZEICHNIS. 38
II
« Vérité en deçà des Pyrénées, erreur au-delà »
1 Einleitung
Im Rahmen dieser Arbeit werden wir uns mit der Problematik deutschfranzösischer Kooperationen befassen. Zur Verdeutlichung der sich ergebenden Probleme erfolgt in diesem einleitenden Teil die Schilderung eines Beispiels aus dem politischen Alltag. Es handelt sich um das Verhalten des deutschen Umweltministers Jürgen Trittin in Zusammenhang mit dem Ausstieg Deutschlands aus der Atomenergie. 1 Er offenbarte den Franzosen bei einem Besuch in der französischen Hauptstadt, dass mit dem Ausstieg der Deutschen aus der Atomenergie auch die Wiederaufarbeitung deutschen Atommülls, welche vertraglich festgesetzt ist, in Frankreich damit beendet sei. Diese Verkündung des deutschen Umweltministers verursachte bei den Franzosen harsche Kritik. Ihrerseits wurde nicht bemängelt, dass Trittin die legitimen Interessen der deutschen Regierung vertrat. Jedoch hinterließ die „typisch deutsche“ Art der Verkündung bei französischen Politikern und Wirtschaftsunternehmern einen schlechten Nachgeschmack. Durch die ihrer Meinung nach „arrogante, belehrende“ Haltung des deutschen Umweltministers und der Behandlung „von oben herab“ verschloß sich jegliche Möglichkeit für die Franzosen, ihr Gesicht zu wahren.
Anhand dieses Beispiels wird bereits sehr deutlich, dass trotz jahrzehntelanger freundschaftlicher Kooperationen auf den unterschiedlichsten Ebenen zwischen Deutschen und Franzosen letztlich immer noch eine gegenseitige Befremdung vorherrscht. So erscheint es einem deutschen Manager immer noch als geradezu exotisch, wenn er ins Nachbarland Frankreich reist, um dort Geschäfte abzuschließen. Fakt ist, dass die Unterschiede in den Kulturen der beiden Ländern im Rahmen deutsch-französischer Kooperationen in drei von vier dieser
1 Vgl. Bläske, G.: So nah und doch so fern, 1999, S. 17
1
Unternehmen zu Spannungen führt und somit zu erheblichen Reibungsverlusten führt. 2
Auf die Untersuchung der Frage nach der Ursache dieser Unterschiede zwischen Deutschen und Franzosen haben wir in dieser Arbeit den Schwerpunkt gelegt. Zunächst erfolgt im 2. Kapitel eine Einführung in die interkulturelle Problematik. Daran anschließend wird der Begriff der Kooperation definiert. Ein kurzer Einstieg in die bestehenden deutsch-französischen Kooperationen und sich ergebende Probleme im Rahmen dieser Zusammenarbeit schließt sich an. Danach daran wird eine Auseinandersetzung mit dem Begriff der Kultur und einigen in der Literatur diskutierten Ansätzen zur Erklärung und Messung von kulturellen Unterschieden erfolgen. Das 3. Kapitel geht auf die verschiedenen Ursachen der Unterschiede in der französischen und der deutschen Kultur ein. Es werden die durch die geschichtliche Entwicklung, die Familienstruktur und die durch die religiöse Entwicklung begründeten Ursachen näher ausgeführt. Auch eine Darstellung der Unterschiede zwischen den Bildungssystemen Deutschlands und Frankreichs erfolgt im Anschluss daran.
2 Vgl. Winkler, U.: Lascher Händedruck, 1990, S. 98ff.
2
2 Interkulturelle Problematik
Seit Beginn der 90er Jahre hat sich, beeinflusst durch verschiedene Faktoren, die Situation auf den Märkten grundlegend verändert 3 . Die zunehmende Globalisierung führt zu einem immer stärker werdenden Wettbewerbsdruck auf die einzelnen Unternehmen. Infolge dieser Entwicklung kommt es zwangsweise zu einer erhöhten Zahl von Unternehmenszusammenschlüssen, welche im Rahmen strategischer Entscheidungen der Unternehmen dem enormen Druck auf die Wettbewerbsfähigkeit entgegenwirken. Es verhält sich so, dass ein Unternehmen nicht nur mehr dann erfolgreich sein kann, wenn es sich auf innere Stärken beruft, sondern durch das Eingehen von nationalen sowie internationalen Beziehungen mit anderen Unternehmen insbesondere profitieren kann. In dem folgenden Abschnitt wird zunächst der Begriff der Kooperation näher erläutert.
2.1 Deutsch-französische Kooperationen
2.1.1 Definition des Begriffs der Kooperation
Zunächst eine allgemeine Definition nach Duden, welche eine Kooperation charakterisiert als die „Zusammenarbeit verschiedener Wirtschaftspartner, von denen jeder einen bestimmten Aufgabenbereich übernimmt.“ 4 Gemäß Balling liegt dem Begriff der Kooperation keine einheitliche Definition zu Grunde. 5 Er erfährt eine große Anzahl von sehr unterschiedlichen Interpretationen und wird zugleich häufig an Stelle von anderen Begriffen wie beispielsweise Koalition als auch Strategische Allianz verwendet. Da es keine einheitliche verbindliche Eingrenzung des Begriffes gibt, werden wir im Folgenden mit einer Kooperation die „[...] freiwillige Form der Zusammenarbeit zwischen zwei oder mehr rechtlich und wirtschaftlich weitgehend selbständigen
3 Vgl. Balling, R.:Kooperation, 1997, S. 7.
4 DUDEN : Fremdwörterbuch, 1990, S. 430.
5 Vgl. Balling, R.: Kooperation, 1997, S. 8f.
3
Unternehmen […]“ verwenden, wobei zu „[...] einer besseren Zielerreichung der Beteiligten bestimmte Funktionen gemeinsam realisiert werden.“ 6 Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf der Untersuchung der Unterschiede in den Landeskulturen von Deutschen und Franzosen. Bevor wir näher auf die einzelnen Unterschiede eingehen, wird sich zunächst eine Darstellung der bestehenden Kooperationen zwischen deutschen und französischen Unternehmen anschließen.
2.1.2 Wirtschaftliche Bedeutung von deutsch-französischen Kooperationen
Lichtenberger/Naulleau beschäftigten sich mit der Thematik deutschfranzösischer Kooperationen im Rahmen einer Untersuchung von Kulturkonflikten und Synergien im Management deutsch-französischer Joint-Ventures. 7 Im Verlauf dieser empirischen Untersuchung stellte sich heraus, dass eine sehr geringe Anzahl dieser Art von Wirtschaftskooperation zwischen den beiden Ländern zu konstatieren ist. Die Zahl liegt gemäß Boehmer im Jahre 1991 bei etwa 100. 8 Im Gegensatz dazu steht die hohe Anzahl von deutschen Tochterunternehmen in Frankreich mit etwa 3.000 und umgekehrt das Vorhandensein von etwa 2.000 französischen Tochterunternehmen in Deutschland. Zu der sehr geringen Quote deutsch-französischer Kooperationen kommt es gemäß Lichtenberger/Naulleau dadurch, dass im Führungsstil der beiden Ländern doch sehr große Unterschiede vorhanden sind, welche den Aufbau möglicher Kooperation häufig verhindern. So betrachten einige Autoren den Unterschied zwischen den Managementkulturen in Frankreich und Deutschland als derart unterschiedlich, dass nirgendwo sonst in Europa eine solch stark hervortretende Abweichung auftritt als es in den beiden untersuchten Ländern der Fall ist.
6 Balling, R.: Kooperation, 1997, S. 8.
7 Vgl. Lichtenberger, B; Naulleau, G.: Cultural conflicts and synergies, 1995, S. 48.
8 Vgl. Boehmer, H. von: Deutsche Unternehmen in Frankreich, 1991, S. 153ff.
4
Gerade deutsch-französische Wirtschaftskooperationen stellen an die beteiligten Menschen der einzelnen Unternehmen sehr hohe Anforderungen. So muss gemäß Stein/Barmeyer geradezu in „[...] gegensätzlichen Denk- und Handlungsansätzen [...]“ gearbeitet werden 9 . Im Rahmen der Zusammenarbeit von deutschen und französischen Unternehmen treten sich wiederholende und eindeutig charakterisierbare Konflikte immer wieder auf, obwohl die sich ergebenden Probleme aus den unterschiedlichsten Bereichen, Regionen und Branchen resultieren. 10 Die bereits angesprochenen Probleme für deutsch-französische Kooperationen ergeben sich aus Unterschieden in Bezug auf Wertvorstellungen, verschiedenen Denk- und Arbeitsverständnissen und der voneinander abweichenden Wahrnehmung. Angesichts der bestehenden Problematik sind die Unternehmen immer stärker bemüht, die Kenntnis über die jeweils andere Kultur auszubauen und dieses Wissen auch zu verbreiten bzw. versuchen, interkulturelle Kompetenz zu vermitteln, um den ansonsten sich ergebenden Einbußen bei der Produktivität und anderen schwerwiegenden Fehlern entgegen zu wirken.
2.2 Kultur als Einflussfaktor
Die Kultur eines jeden Landes ist der zentrale Faktor, der Auswirkungen auf internationale Kooperationen hat. Deshalb erfolgt in diesem Kapitel eine Auseinandersetzung mit dem Begriff der Kultur und einigen in der Literatur diskutierten Ansätzen zur Erklärung und Messung von kulturellen Unterschieden.
9 Stein, V.; Barmeyer, C.: Flexible Gestaltung der Personalarbeit in Frankreich und Deutschland, 1996, S. 864-868.
10 Vgl. Breuer, J.P.; Barmeyer, C.: Von der interkulturellen Kompetenz zur
Kooperationskompetenz, 1998, S. 179f.
5
2.2.1 Definition des Begriffs der Kultur
Begriffe wie Kultur oder Interkulturelles Management sind aus der modernen Managementliteratur nicht mehr wegzudenken und werden sehr häufig benutzt. Oft wird allerdings nicht untersucht was eigentlich Kultur ist. Der Begriff der Kultur wurde und wird in den Sozialwissenschaften viel diskutiert. Jenks 11 ist daher der Ansicht, dass „Kultur“ zu den komplexesten Begriffen überhaupt zählt. 12
Herbrand versteht unter Kultur ein System kollektiver Werte und Normen. Dieses System wird von den Generationen immer wieder aufs neue erlernt und internalisiert. 13 Werte bilden die Grundlage für Werturteile, sind aber nur schwer fassbar. Sie beeinflussen das menschliche Handeln, Denken und Urteilen in jeder Situation. Lichtenberger verwendet zur Verdeutlichung die Metapher eines Eisberges: Die wahrnehmbaren Elemente einer Kultur wie z.B. Kleidung, Sprache oder Statussymbole (sog. Artefakte) bilden den sichtbaren Teil, die Werte und auch Normen bleiben aber unter der Meeresoberfläche verborgen. 14 Normen stellen dagegen generalisierte Verhaltensweisen für bestimmte Situationen dar, die in ihrer Mehrzahl auf den Werten beruhen. 15
Kultur stellt für Herbrand somit ein Orientierungssystem dar. Dieses sichert die Interaktion, Kooperation, Kommunikation und Antizipation in der Gruppe. Dabei werden Spielräume eröffnet aber auch gleichzeitig Grenzen gesetzt. Neben der Orientierungs- und Identifikationsfunktion findet gleichzeitig eine Abgrenzung zu anderen Gruppen statt. 16
11 Vgl. Jenks, C.: Culture, 1993, S. 1.
12 Vgl. dazu auch die Aufstellung über 170 Definitionen von Kultur in Kroeber, A. L./ Kluckhohn, C.: Culture, 1952.
13 Vgl. Herbrand, F.: Interkulturelle Kompetenz, 2000, S. 19.
14 Vgl. Lichtenberger, B.: Interkulturelle Mitarbeiterführung, 1992, S. 18; vgl. auch Brislin, R. W./Yoshida, T.: Improving Intrcultural Interactions, 1994, S. 41.
15 Vgl. Lichtenberger, B.: Interkulturelle Mitarbeiterführung, 1992, S. 20.
16 Vgl. Herbrand, F.: Interkulturelle Kompetenz, 2000, S. 19.
6
Arbeit zitieren:
Marco Rudloff, Tanja Dübbel, 2002, Ein deutsch-französischer Vergleich - Ursachen für das unterschiedliche Verhalten von Deutschen und Franzosen in Wirtschaftskooperationen, München, GRIN Verlag GmbH
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