Inhaltsverzeichnis
Einführung 2
I) Biographischer und theoretischer Rahmen 3
1.) Zur komplizierten Verortung der Schriftstellerin Amma Darko 3
2.) Der theoretische Rahmen der Untersuchung: Postkoloniale Theorie 5
a) Das Modell kultureller Hybridität 5
b) Homi Bhabhas Idee eines third space 7
c) Feministische Positionen 8
II) Textanalytischer Teil : Der verkaufte Traum und Spinnweben 10
1.) Der verkaufte Traum 11
a) Inhaltsangabe 11
b) Analyse und Reflexion 12
b1) Kulturverständnis 12
b2) Identitätsmodelle Rollenzuweisungen und
Handlungsmöglichkeiten der Protagonistinnen in
Der verkaufte Traum 17
2.) Spinnweben 20
a) Inhaltsangabe 20
b) Analyse und Reflexion 21
b1) Kulturverständnis 21
b2) Identitätsmodelle Rollenzuweisungen und
Handlungsmöglichkeiten der Protagonistinnen in
Spinnweben 25
3.) Zur Erzählhaltung bei Darko 33
Conclusion 34
Einführung
Warum eine Seminararbeit über Amma Darko im Bereich der interkulturellen Literatur in Deutschland?
Amma Darko fällt, in der neueren deutschen Literaturwissenschaft wie auch in der Komparatistik englischsprachiger post-kolonialer Literaturen, quasi „durch die Raster“ und verdient eben deshalb genauere Betrachtung. Denn ihre Situation steht symptomatisch für viele Autoren und gerade Autorinnen aus der sogenannten „Dritten Welt“, die sich den Schwierigkeiten einer eindeutigen Verortung innerhalb verschiedener Kulturen auf mehreren Ebenen ausgesetzt sehen, ohne letztlich irgendwo „beheimatet“ zu sein: Elisabeth Bronfen bemerkt, dass sich eben diese post-koloniale Identitätskrise von Ver- und Entortung eine für die multikulturelle Literatur Charakteristische ist: „a major feature of postcolonial literatures is the concern with place and displacement. It is here that the special post-colonial crisis of
identity comes into being“. 1 Diese Problematik der Ver- und Entortung betrifft damit auch die Person und Autorin Amma Darko, nicht zuletzt auch in Bezug auf den „literarischen Kanon”. Ihre Texte selbst werfen darüber hinaus die Frage nach der Verortung im Schnittpunkt von postkolonialer und weiblicher Identität auf. Sie führt uns in ihren Texten auf die Ebene der Lebensrealität afrikanischer Migrant/innen unterschiedlicher Bildungs- und Herkunftsniveaus in Deutschland. Da die behandelten Texte stark autobiographisch gefärbt sind, müssen sie entgegen der sonstigen Abneigung der Literaturwissenschaft gegen biographische Rekurse, ausnahmsweise sogar in den biographischen Kontext der Autorin gestellt werden. Daher möchte ich anfangs kurz die Situation der Autorin Amma Darko umreißen, um später die Problematik kultureller Verortung genauer anhand von Analysen zweier ihrer Texte, die beide sowohl in Afrika als auch in Deutschland spielen, genauer zu untersuchen.
Als theoretischer Rahmen bietet sich die momentan in den interkulturellen Literaturwissenschaften sehr in Mode geratene „post-colonial theory“ an, die von Edward Saids Überlegungen zum Orientalismus und Homi Bhabhas Begriff der Hybridität aus seinem Buch „The location of culture“ geprägt und von feministischen Theoretikerinnen weitergedacht wurde. Dieser theoretische Rahmen soll in einem separaten Kapitel vor der Analyse der Texte umrissen werden. Meine Analysen selbst beginne ich zum besseren Verständnis mit einer kurzen Inhaltsangabe der Bücher. Es stellt sich mir die Frage, inwieweit die postkoloniale Theorie anhand der Analyse der in beiden Texten dargestellten Migrantinnenrealität sich für interkulturelle Identitätsentwürfe als brauchbar erweist. Gibt es
1 Ashcroft, Griffiths und Tiffin, zitiert bei Bronfen 1995, S.9
2
in den Texten so etwas, wie einen von Bhabha postulierten „third space“ 2 , einen „dritten Raum“, aus dem ein sich immer wieder neu konstituierendes hybrides „Ich“ sprechen kann? Welche Rolle spielt dabei die Weiblichkeit der Protagonistinnen?
Amma Darkos Protagonistinnen sind sehr unterschiedlicher Herkunft, eine entstammt der ghanaischen Mittelschicht und hat Universitätsabschluss, die andere ist ein ungebildetes Dorfmädchen, das nicht lesen und schreiben kann. Trotz aller Unterschiede kollidiert die Suche nach Identitätskonzepten beider Figuren im Schnittpunkt zwischen Migrationserfahrung und der Erfahrung weiblichen Seins. Daher verdient genauere Betrachtung, inwiefern sich diese spezifisch weibliche Migrationserfahrung auf die Möglichkeiten hybrider Identitätskonstruktion auswirkt. Ein Fazit fasst die Ergebnisse meiner Untersuchung zusammen und positioniert Darko im weiteren Kontext der afrikanischen und afrikanisch-feministischen Migrationsliteratur.
I) Biographischer und theoretischer Rahmen
1.) Zur komplizierten Verortung der Schriftstellerin Amma Darko
Janós Riesz unterteilt im Handbuch „Interkulturelle Literatur in Deutschland“, herausgegeben von Carmine Chiellino, die schwarzafrikanische Literatur Deutschlands in vier Gruppen und zeigt damit die Heterogenität dieser „Gruppe“: Dies sind 1. afrikanische Autor/innen aus den ehemals deutschen Kolonien, 2. die Gruppe der in Deutschland geborenen Afrodeutschen, 3. afrikanische Autor/innen, die schon vor ihrer Ankunft in Deutschland ein substantielles literarisches Werk aufweisen können, das sie während eines dauerhaften oder zeitlich begrenzten Aufenthaltes (...) um aktuelle, auf Deutschland bezogene Komponenten erweitern und 4. Afrikaner/innen, die erst während ihres Aufenthaltes in Deutschland zu schreiben
anfangen, um sich mit den in Deutschland gemachten Erfahrungen auseinander zu setzen. 3 Tatsächlich ist auffällig, dass die Mehrzahl der von Riesz vorgestellten Autoren Deutschland inzwischen wieder verlassen hat, was natürlich Fragen nach dem „warum ?“ aufwirft, die diese Arbeit sicherlich anhand des Beispiels Amma Darko ein Stück mehr erhellen wird. Amma Darko bekommt innerhalb der 4. Gruppe von Autoren von Riesz einen „besonderen
Platz (Hervorheb. der Verfasserin) in der Reihe der afrikanisch-deutschen Autor/innen“ 4 zugewiesen. Bereits in der ersten Zeile des Abschnittes über sie, findet sich schon ein versteckter Hinweis auf die zentrale Frage der Verortung, die hier positiv, im Sinne einer
2 Bhabha 1994, S.37
3 Riesz 2000, S.248
4 Riesz 2000, S.257
3
sogar herausragenden Zugehörigkeit zum „Kanon“ der „deutsch-afrikanischen Migrationsliteratur“, beantwortet wird. Riesz geht sogar noch einen Schritt weiter, indem er betont: „In Deutschland gehört sie inzwischen zu den meistgelesenen (Hervorheb. der Ver.)
afrikanischen Autor/innen“. 5 Amma Darko verbrachte in den 80er Jahren 6 Jahre ihres Lebens in Deutschland und versuchte vergeblich, Asyl zu erhalten. Die Erfahrungen, die sie während dieser Zeit in der „Fremde“ machte, brachten sie zum Schreiben. Mittlerweile ist die studierte, ehemalige Finanzinspektorin wieder nach Afrika zurückgekehrt und eine der wenigen hauptberuflichen Schriftstellerinnen. Sie konnte mittlerweile im Rahmen eines Stipendiums sowie im Rahmen von Lesereisen erneut den deutschsprachigen Raum besuchen, diesmal allerdings unter anderen Vorraussetzungen. Nur die beiden untersuchten Texte spielen teilweise in Deutschland, jedoch sind alle bisher veröffentlichten Romane durch die
Erfahrung einer „been to“ 6 geprägt. Der Großteil ihrer Leserschaft befindet sich in Deutschland, was mit Sicherheit aber auch auf ihre Publikationsgeschichte zurückzuführen ist. In einer der wenigen Arbeiten zu Amma Darko, die bisher unveröffentlicht geblieben ist, untersucht die Amerikanerin Louise Zak ihre Publikationsgeschichte. Obwohl Darko natürlich nicht nur die internationale, sondern eben auch die afrikanische Leserschaft erreichen will, um sie vor zu großem Illusionismus bezüglich des Lebens in Europa zu warnen, und sogar 1999 den Ghana Book Award erhielt, wird sie in Afrika mangels Verlagskapazitäten und Lesehaltung der Afrikaner kaum gelesen: „Difficulties in getting published – lack of publishers, inadequate financial backing, lack of marketing, lack of means for distribution of
books throughout the region“. 7 Zak sieht in einem der hier behandelten und in Deutschland entstandenen Texte: „Der verkaufte Traum“, englisch „Beyond the horizon“ gar ein „deutsches“ Buch: „So in a sense, this work began its life and continues to exist as a ‚german’
book. It was not published in English until 1995”. 8 Das zweite Buch, das diese Arbeit behandelt, heisst „Spinnweben”, englisch “webs” und wurde 1996, bislang nur in Deutschland, publiziert. Tatsächlich erschienen die meisten Werke Amma Darkos in Übersetzung im Stuttgarter Schmetterling Verlag, der sie seit 1990 verlegt und viel
Öffentlichkeitsarbeit für sie betreibt (Lesungen, Teilnahme an Literaturfestivals etc.). 9 „Der verkaufte Traum“ erschien zusätzlich auch bei dtv. In deutscher Sprache wurden bisher 5 Werke und eine Hörbuchfassung veröffentlicht, in englischer Sprache erschienen bislang seit
5 Riesz 2000, S.257 6 ‚been to’ ist der im englischsprachigen Afrika gebräuchliche Begriff für eine/n aus Europa zurückgekehrten Landsmann oder –frau.
7 Zak 2001, S.12 8 Zak 2001, S.87 9 http://www.amma-darko.de
4
1995 demgegenüber nur 3 Werke, das letzte erst 2003 parallel zur deutschen Ausgabe. Mittlerweile erfährt Amma Darko aber auch zunehmend internationale Beachtung. Von „Der verkaufte Traum“ existiert bereits eine französische und seit neuestem auch eine spanische Übersetzung.
Wie diese Ausführungen zeigen, ist Amma Darkos Identität als Schriftstellerin auf der einen Seite durch ihren Aufenthalt, der sie zum Schreiben brachte und ihre Publikationsgeschichte, die ihre Leserschaft hauptsächlich im deutschsprachigen Raum ansiedelt, untrennbar mit Deutschland verbunden. Auf der anderen Seite wird ihr aber die Aufmerksamkeit von Seiten der interkulturellen Germanistik verweigert, weil sie in englisch schreibt und jetzt wieder in Afrika lebt, obwohl sogar das Handbuch zur deutschen, interkulturellen Literatur sie als zugehörig anerkennt. Die Lektüre der Geschichten der Ich-Figuren in ihren Büchern legt jedenfalls den Schluss nahe, dass die Autorin selbst sich in Deutschland alles andere als zugehörig gefühlt haben muss.
2.) Der theoretische Rahmen der Untersuchung: Postkoloniale Theorie
a) Das Modell kultureller Hybridität
10 Goetsch 1997
5
überträgt, um diesen zu beherrschen. Damit wendet sich Said gegen ein dualistisches
11 Diese Idee übernimmt er von Freuds Studie zu E.T.A Hofmanns Erzählung „Der Sandmann“ „Das
Unheimliche“ In: Goetsch 1997, S.40
12 zitiert in Goetsch 1997, S.40 ff.
6
Quote paper:
Petra Leitmeir, 2004, Amma Darko - Interkulturelle Literatur in Deutschland ?, Munich, GRIN Publishing GmbH
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