Thema dieser Arbeit sind die Kriegsziele Adolf Hitlers unter besonderer Berücksichtigung der Frage, inwieweit Hitler die Errichtung einer globalen Machtstellung des Deutschen Reiches anvisierte, mit welchen Mitteln er eine solche zu erreichen hoffte und vor allem, wie das Endresultat dieses Kampfes aussehen sollte: Das deutsche Reich als Beherrscher Europas nach der Niederringung der Sowjetunion und Frankreichs; als Weltmacht in Konkurrenz zu den bereits etablierten oder als Beherrscher der Welt?
Es wird dabei von der These ausgegangen, daß die Erlangung der Kontinentalhegemonie das Minimalziel Hitlers darstellte (Kap. 2). Nach der von Trevor-Roper begründeten Theorie des „Programms“ oder „Stufenplans“ behandeln die folgenden Kapitel die weitergehenden Pläne bis hin zum Gedanken des „Endkampfes“ um die Weltherrschaft (Kap. 3 und 4). Während hierbei hauptsächlich Hitlers Aussagen in seinen Schriften und Reden herangezogen werden, soll in Kap. 5 der Versuch unternommen werden, das Festhalten Hitlers an diesem Programm während der Kriegsjahre nachzuzeichnen und ein Fazit aus dem gesammelten Material zu ziehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Fragestellung
1.2. Quellenlage
1.3. Forschungsstand
2. Die „kontinentale Stufe“
2.1. Die „Neuordnung Europas“ in „Mein Kampf“ und in der Praxis
2.1.1. Die Revision des Versailler Vertrages
2.1.1.1. Rüstungsbeschränkungen
2.1.1.2. Territorialfragen
2.1.2. Die Wiederherstellung der Großmacht Deutschland
2.2. Die europäischen Großmächte
2.2.1. Der Lebensraum im Osten
2.2.2. Todfeind Frankreich
2.2.3. Die Verbündeten: England und Italien
2.3. Zusammenfassung: Europas neue Ordnung
3. Die „Übersee – Stufe“
3.1. Weltmachtstatus
3.1.1. Der vorübergehende Verzicht
3.1.2. Weltmacht Deutschland
3.2. Kolonialpolitik
3.2.1. Die Kolonialfrage in „Mein Kampf“
3.2.2. Die Kolonialfrage in der Tagespolitik
3.2.2.1. Kolonien als Lockmittel: 1933 – 1937
3.2.2.2. Kolonien als Druckmittel: 1937 – 1939
3.2.3. Die Kolonialfrage im Krieg
3.2.3.1. Hitlers Position
3.2.3.2. Der „Kontinentalblock“ – Gedanke
3.3. Zusammenfassung: Weltmacht Deutschland
4. Die "Weltherrschaft"
4.1. Der „Wanderpokal“ und die „jüdische Weltverschwörung"
4.2. Architektur als Ausdruck von Weltherrschaftsambitionen
4.3. Der Endkampf um die Weltherrschaft
5. Zusammenfassung
5.1. Stufe I: Europa
5.2. Stufe II: Übersee
5.3. Stufe III: Die Welt
5.4. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Kriegsziele Adolf Hitlers, insbesondere die Frage nach der beabsichtigten globalen Machtstellung des Deutschen Reiches und der Kontinuität zwischen den frühen ideologischen Programmen und der späteren Kriegführung.
- Analyse des "Stufenplans" zur Erlangung der Kontinentalhegemonie.
- Untersuchung der Kolonialpolitik als taktisches Instrument.
- Deutung der NS-Architektur als Ausdruck eines absoluten Weltherrschaftsanspruchs.
- Bewertung der Rolle von Ideologie versus pragmatischer Situationspolitik.
- Kontinuität der Endziele trotz wechselnder militärischer Rahmenbedingungen.
Auszug aus dem Buch
Architektur als Ausdruck von Weltherrschaftsambitionen
Ein sehr wichtiges, gleichwohl bis zum Erscheinen der Forschungen Thies´ wohl unterschätztes Indiz für die Endziele Hitlers stellen die Architekturplanungen des Dritten Reiches dar, die im wesentlichen auf Hitler selbst zurückzuführen sind. Mit der Planung öffentlicher, administrativer und auch militärischer Einrichtungen artikulierte Hitler den Anspruch Deutschlands auf die führende Rolle in der Welt; mit ihrer Ausführung sollte dieser Anspruch zementiert und für jedermann sichtbar sein. Die architektonischen Vorhaben lassen sich nach ihrer Funktion differenzieren:
Architektur als Statussymbol. Die Verwirklichung bestimmter Bauprojekte zielte auf die Wirkung ab, die Überlegenheit des deutschen Volkes der restlichen Welt vor Augen zu führen. Hitler plante in diesem Zusammenhang, nahezu jedes Bauwerk, das als größtes oder imposantestes seiner Art weltberühmt war, durch ein deutsches Bauwerk zu übertreffen. So sollte etwa das größte Stadion der Welt in Nürnberg entstehen; die breiteste Straße in Berlin, der höchste Wolkenkratzer in Berlin usw. Wenig bis gar keinen Wert legte Hitler hierbei auf die Zweckmäßigkeit dieser Bauten: im Falle des Nürnberger Stadions, welches 400.000 (!) Zuschauer fassen sollte, hätte wahrscheinlich nur ein Viertel der Zuschauer überhaupt sehen können, was auf der Spielfläche eigentlich vor sich geht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Forschungsfrage bezüglich Hitlers Stufenplan und der globalen Machtambitionen des Deutschen Reiches.
2. Die „kontinentale Stufe“: Untersuchung der Revision des Versailler Vertrages und der Zielsetzung einer Kontinentalhegemonie durch den Lebensraum im Osten.
3. Die „Übersee – Stufe“: Analyse der kolonialpolitischen Ambitionen Hitlers, die primär als Druckmittel und Vorbereitung für eine spätere Weltmachtphase fungierten.
4. Die "Weltherrschaft": Deutung von NS-Architektur und rassenideologischen Thesen als Ausdruck eines angestrebten Endziels der globalen Vorherrschaft.
5. Zusammenfassung: Synthese der Forschungsergebnisse, die den Stufenplan als konsequentes, wenngleich situativ angepasstes Programm bestätigt.
Schlüsselwörter
Hitler, Kriegsziele, Kontinentalhegemonie, Weltherrschaft, Stufenplan, Nationalsozialismus, Lebensraum im Osten, Kolonialpolitik, NS-Architektur, Zweites Buch, Mein Kampf, Außenpolitik, Weltmacht, Großmacht Deutschland
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Kriegsziele Adolf Hitlers und prüft, ob diesen ein langfristiges, ideologisch begründetes Programm – ein "Stufenplan" – zugrunde lag, oder ob Hitlers Handeln lediglich situativ bestimmt war.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Kontinentalhegemonie, die Kolonialpolitik sowie die symbolische Bedeutung von Architektur als Ausdruck von Weltherrschaftsambitionen im NS-Regime.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Frage, inwieweit Hitler eine globale Machtstellung anvisierte und wie die theoretischen Ansätze aus den 1920er Jahren mit der praktischen Kriegführung in den Jahren 1933–1945 korrespondierten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Untersuchung stützt sich auf eine quellenkritische Analyse von Hitlers Schriften („Mein Kampf“, „Zweites Buch“), Reden, Befehlen und auf architekturgeschichtliche Forschungen, ergänzt durch relevante Sekundärliteratur zur NS-Außenpolitik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei Stufen: Die kontinentale Neuordnung Europas, die strategische Rolle der Kolonialpolitik und die übergreifende Ideologie der „Weltherrschaft“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Inhalt der Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem: Kontinentalhegemonie, Stufenplan, Lebensraum, Weltherrschaft und NS-Architektur.
In welchem Zusammenhang steht die NS-Architektur mit dem Weltherrschaftsgedanken?
Die NS-Architektur diente als sichtbares Statussymbol und Machtausdruck. Monumentalbauten sollten die deutsche Überlegenheit gegenüber anderen Völkern zementieren und die „Größe“ des NS-Regimes für kommende Generationen manifestieren.
Wie bewertet der Autor den „Kontinentalblock“-Gedanken in der späteren Phase des Krieges?
Der Autor ordnet den Kontinentalblock-Gedanken als eine taktische Variante ein, die lediglich dazu diente, die britische Bedrohung kurzfristig auszuschalten, um die militärischen Ressourcen stärker für das eigentliche Ziel, den Ostfeldzug, zu bündeln.
- Quote paper
- Maik Nolte (Author), 2001, Hitlers Kriegsziele - Kontinentalhegemonie oder Weltherrschaft?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26164