Inhalt
1. Das Thema dieser Hausarbeit Seite 1
2. Das Vorkommen von Farben in „Wilhelm Meisters“ Seite 1
Lehrjahre
Seite 2
3. Farblose Farbbezeichnungen Seite 2
a. Farbig und bunt Seite 2
b. Farblos Seite 3
c. Regenbogensymbolik
Seite 4
4. Die Metallfarben Seite 4
a. Silber Seite 4
b. Gold
Seite 5
5. Die nichtbunten Farben Seite 5
a. Braun Seite 6
b. Grau Seite 6
c. Schwarz Seite 8
d. Weiß
Seite 10
6. Die bunten Farben Seite 10
a. Purpur, Orange und Schwarzgrünbraun Seite 10
b. Grün Seite 11
c. Gelb und blond Seite 12
d. Blau Seite 14
e. Rot
Seite 15
7. Schlussfolgerung
Seite 16
8. Anhang 1: Belege der Farbvorkommnisse
Seite 19
9. Anhang 2: Tabellen
Seite 20
10. Literaturverzeichnis
II
Ein Leser Goethes weiß, worauf er sich einlässt: Symbole und versteckte Bedeutungen kann und soll er auf jeder Seite finden. Doch über die Bedeutung der Farben denkt man oft nicht weiter nach, da Farben sich überall so selbstverständlich ins Gesamtbild einfügen. Beim Lesen von „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ fiel mir auf, dass Goethe Farben nur sehr spärlich eingesetzt hat und es bis zu 36 Seiten lang keine Farbbezeichnungen gibt (von Seite 390 bis Seite 426 2 ), diese dafür aber an manchen Stellen geballt auftreten. Mir war klar, dass dies eine wichtige Bedeutung haben musste und Goethe, der immerhin selbst ein Buch über die Farbenlehre geschrieben hatte, die Farbbezeichnungen nicht ohne Grund auf diese Weise in seinem Werk verteilt hat, deswegen habe ich mich ausführlicher damit beschäftigt.
In dieser Hausarbeit möchte ich zeigen, welche Bedeutungen hinter den Farben in „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ steht.
Vor dem Schreiben dieser Hausarbeit stand ein konzentriertes Durcharbeiten des Buches, um alle Textstellen 3 zu finden, in denen Farben erwähnt werden, wobei ich besonderes Gewicht, auf das direkte Nennen von Farben gelegt habe und Bezeichnungen wie bunt, farbig und farblos nur kurz in dieser Hausarbeit bearbeiten werde.
1 Schmidt, Peter. Goethes Farbensymbolik. Untersuchungen zur Verwendung und Bedeutung der Farben in den Dichtungen und Schriften Goethes. Berlin: Erich Schmidt Verlag, 1965. S. 129 2 Die Seitenzahlen beziehen sich auf folgende Ausgabe: Goethe, Johann Wolfgang von. Wilhelm Meisters Lehrjahre. 9. Auflage. München: dtv, 1999.
3 Siehe Anhang 1: Das Vorkommen der Farbbezeichnungen in Goethes „Wilhelm Meister“
1
Die Begriffe bunt und farbig
Die Begriffe bunt und farbig vermitteln einen Eindruck von Farbigkeit, ohne direkt eine Farbe zu nennen und werden von vielen Menschen als Synonyme angesehen. Es gibt jedoch einen Unterschied zwischen farbig und bunt: Farbig ist einerseits eine Zusammenstellung miteinander harmonisierender Farben, eine „einheitliche Färbung“ 4 , oder bedeutet sogar, dass etwas einfach nur eine Farbe hat, also nicht schwarz oder weiß ist, wogegen bunt eine Zusammenstellung der verschiedensten Farben sein kann, die nicht unbedingt zueinander passen müssen. Beispiele dafür finden sich auch in „Wilhelm Meisters Lehrjahren“, so ging in Wilhelms Puppenspiel manchmal alles „recht bunt durcheinander“ 5 und die Zirkusgruppe von der Wilhelm Mignon frei kaufte wird als „bunte Gesellschaft“ 6 beschrieben. So gut wie immer, wenn der Begriff bunt in „Wilhelm Meisters Lehrjahren“ auftaucht, steht er für ein fröhliches Durcheinander.
Der Begriff farblos
Im Gegensatz dazu steht der Begrif f farblos. Wie Peter Schmidt in dem Eingangszitat der Hausarbeit sagt, steht das Werden und Vergehen der Farbe für das Werden und Vergehen des Lebens, so findet man auch bei Goethe das Verblassen und Verschwinden der Farbe häufig im Zusammenhang mit dem Tod, wie z.B. beim Tode Mignons, in dem Farben jedoch auch eine etwas makabre Rolle spielen. So ist ihr Körper farblos geworden, doch der begeisterte Arzt, der sich auf Mignons Tod vorbereitet und sich darüber freute, ein Kunstwerk aus ihr zu machen, fand gegen diese Farblosigkeit ein Mittel: „Eine balsamische Masse ist durch alle Adern gedrungen, und färbt nun an der Stelle des Blutes die so früh verblichenen
4 Schmidt, Peter. Goethes Farbensymbolik. Untersuchungen zur Verwendung und Bedeutung der Farben in den Dichtungen und Schriften Goethes. Berlin: Erich Schmidt Verlag, 1965. S. 131 5 Goethe, Johann Wolfgang von. Wilhelm Meisters Lehrjahre. 9. Auflage. München: dtv, 1999. S. 38 6 ebd. S. 98
2
Wangen.“ 7 . Mignon wäre das bestimmt nicht recht gewesen, denn sie wehrte sich schon gegen die äußerliche Schminke, die sie in der Zirkusgruppe tragen musste, aber immerhin abwischen konnte. Nun, nach ihrem Tod, trägt sie eine andere Art Schminke direkt in ihrem Körper, kann sich in keinerlei Weise dagegen wehren und verlässt Wilhelms Welt so, wie sie sie betreten hat: Maskiert.
Die Regenbogensymbolik
Ein Farbsymbol, das in den Lehrjahren nur einmal vorkommt, ist der Regenbogen. Beim Lesen der Regenbogen-Textstelle 8 fällt auf, dass die einzige direkt erwähnte Farbe grau ist: „ [...] auf dem grauen Grunde erschien der herrliche Bogen.“ 9 Trotzdem vermisst der Leser nichts, da der Regenbogen alleine durch seine Erwähnung Farben mit bringt. Goethe brachte dem Regenbogen viel Respekt entgegen und sah ihn als ein schönes Natursymbol, aber er sprach ihm die höchste Stelle in der Farbenwelt ab, da der Regenbogen nicht die Totalität der Farben wiedergab. 10
Nichtsdestotrotz ist der Regenbogen für ihn ein aussagestarkes Symbol, dessen Bedeutung sich allerdings in den Werken Goethes im Laufe der Zeit gewandelt hatte 11 . In „Wilhelm Meisters Lehrjahren“ erhellt der Regenbogen zwar den Tag, er kann jedoch das Grau nicht verschwinden lassen. Die Voraussetzung für das Entstehen eines Regenbogens ist schlechtes, regnerisches Wetter und in Goethes Werken meist auch ein äußerst negatives vorheriges Erlebnis, wie hier der Tod Aurelies. So wie er ein Indiz für eine dunkle Vergangenheit ist, ist der Regenbogen in seiner Herrlichkeit und Helligkeit jedoch auch ein Zeichen, dass die Sonne zurück in die Natur und auch in das Leben der Protagonisten kehrt. Und durchaus, das siebte Buch der Lehrjahre brachte Wilhelm neben dem üblichen Kummer auch einige positive Dinge, wie z.B. seinen Sohn Felix, der
7 ebd. S. 617 f.
8 ebd. S. 453
9 ebd. S. 453
10 vgl. Goethe, Johann Wolfgang von. Zur Farbenlehre. Didaktischer Teil. 3. Auflage. München: dtv, 1974. S. 175 f.
11 siehe dazu: Schmidt, Peter. Goethes Farbensymbolik. Untersuchungen zur Verwendung und Bedeutung der Farben in den Dichtungen und Schriften Goethes. Berlin: Erich Schmidt Verlag, 1965. S. 139
3
bezeichnenderweise blondes Haar hatte, doch mehr zu dieser Farbe an einer späteren Stelle dieser Hausarbeit.
Die Metallfarben Silber und Gold
Die Farbe Gold gehört in den Lehrjahren mit 20 Textstellen zu drei am Häufigsten verwendeten Farben, wogegen Silber nur fünfmal erwähnt wird, was theoretisch damit zusammen hängen könnte, dass das Silber eine zartere und stillere Farbe als Gold ist. Doch in „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ hat die Farbe Silber nur den Stellenwert des Metalls und wird in drei von fünf Textstellen mit der Farbe Gold verknüpft: „Silber- und Goldpapier“ 12 , „goldene Äpfel in silbernen Schalen“ 13 und „Gold und Silber“ 14 . Wenn diese beiden Farben zusammen auftauchen, fällt dem Betrachter das kräftige Gold mehr auf als das unscheinbare Silber, wobei die Wirkung der goldenen Äpfel dadurch, dass sie in silbernen Schalten liegen, verstärkt wird. Würden die Äpfel z.B. in einer ebenso goldenen Schale liegen, entstünde ein vollkommen anderer Eindruck, da die Farbe der Äpfel dann nichts Besonderes mehr wäre.
Auch die Farbe Gold wird in den Lehrjahren meist in Verbindung mit Wertgegenständen verwendet, z.B. die „goldne Uhr“ 15 , doch die Farbe taucht auch in Textstellen wie „die schönsten goldnen Locken“ 16 oder auch „das goldne Zeitalter“ 17 auf und zeigt damit ihre zwei unterschiedlichen Seiten. Auf der einen Seite steht sie für Geld, e twas materiell Wertvolles und als Zeichen der Käuflichkeit, wogegen sie auf der anderen Seite auch für Beständigkeit, Treue und sogar für höchste Vollkommenheit stehen kann. Welche dieser Seiten gemeint sind, kann man jedoch immer schnell zuordnen, so ist mit dem „goldnen Zeitalter“ mit großer Wahrscheinlichkeit ein vollkommenes Zeitalter gemeint.
12 Goethe, Johann Wolfgang von. Wilhelm Meisters Lehrjahre. 9. Auflage. München: dtv, 1999. S. 29 13 ebd. S. 316 14 ebd. S. 461 15 ebd. S. 251 16 ebd. S. 270 17 ebd. S. 212
4
Arbeit zitieren:
Kim Schelling, 2004, Farben, ihre Seltenheit und Bedeutung in Goethes "Wilhelm Meisters Lehrjahre", München, GRIN Verlag GmbH
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