Inhalt
1.Einleitung 2
2. Zum Begriff der Globalisierung 2
3. Worauf baut die ökonomische Globalisierung geschichtlich auf? 4
4. Die Eckdaten der ökonomischen Globalisierung 5
5. Finanzspekulationen 10
6. IWF, Weltbank und WTO 13
7. Strukturanpassungskredite 14
8. Die ökonomische Globalisierung gelangt im Zeitalter der ökologischen Weltkrise an ihre Gren-
zen 17
9. Die Fakten der ökologischen Degradation 19
10. Globalisierung versus Ökologisierung 22
11. Kurze Aussicht 24
Literatur 25
3
1. Einleitung
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die wichtigsten weltgesellschaftlichen Prozesse der ökonomischen Globalisierung zu lokalisieren. Diese werden versucht zu definieren. Dabei wird das besondere Augenmerk auf die Konfliktzonen der gesellschaftlichen Degradationen gelegt, die im Zuge der globalisierten Ökonomie Einzug gehalten haben. Die sozialen Schattenseiten der Globalisierung werden thematisiert. Auch die langfristigen sozialen Verwerfungen, die als Verlust ökologischer Stabilität auftreten, sollen angesprochen werden. Die verschiedenen Elemente der ökonomischen internationalen Handels- und Marktprozesse sind der Ausgangspunkt der Untersuchung, um an ihrer Konfiguration aufzeigen zu können, wie sie soziale Verwerfungen begünstigen oder auch erst hervorrufen. Besonders betrachtet soll die Funktionsweise des globalen Finanzmarktes werden. Eingeschlossen in die Untersuchung wird auch die Arbeitsweise der wirtschaftspolitisch gesetzten Institutionen Weltbank und Internationaler Währungsfond.
Für die ökologische Dimension wird es notwendig sein, die Tragweite dieser Problematik selbst zu erläutern. Gerade der jüngste globale Umweltgipfel in Johannesburg zeigte in seinem weitgehenden Scheitern sehr offenkundig: In der Regel werden ökologische Veränderungen noch als kosmetische Verbesserungen an der bestehenden wachstumsorientierten Wirtschaftweise begriffen. Die Arbeit wird aufzeigen, daß eine solche Definition nicht mehr zulässig sein kann und dies für den Prozeß der ökonomischen Globalisierung bedeutet: Er mag derzeit politikfähig sein, zukunftsfähig ist er nicht.
Für die Arbeit wurde weitgehend auf aktuelle Literatur zur Globalisierung zurückgegriffen. Angesichts der Fülle an Publikationen konnte dies nur eine Auswahl sein.
2. Zum Begriff der Globalisierung
Der Begriff „Globalisierung“ scheint dem uneingeweihten Betrachter zunächst auf eine geographisch-räumliche Kategorie hinzudeuten. Seit dem Systemwechsel in den Ostblockstaaten um 1990 ist der Terminus immer häufiger verwendet worden. In der interessierten Öffentlichkeit und im Wissenschaftsbetrieb wird er inzwischen geradezu inflationär und in unterschiedlichsten Zusammenhängen gebraucht. Er ist schwer auf einen eindeutigen Inhalt hin zu fixieren. Es werden unterschiedliche Schwerpunkte im Verständnis gesetzt. Während einige durch die Globalisierung die „Idiotie“ des Landlebens aufgehoben sehen möchten und auf die Kommunikationsvorteile weltweiter Internetvernetzung abheben, beto-
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nen andere die ökonomischen Standortvorteile, die sich aus Kostensenkungen, niedrigeren Löhnen und höheren flexibilisierten Arbeitszeiten ergeben. Der Terminus wird mit den ausufernden Finanzströmen auf den Kapitalmärkten in Verbindung gebracht, mit Institutionen wie dem Internationalen Währungsfond (IWF), der Weltbank und der Welthandelsorganisation (WTO). Themenfelder wie international organisierte Kriminalität, Migration, globale Umweltfragen und Krieg spielen in die Globalisierungsdebatte hinein. Was Globalisierung darstellt ist ebenso komplex wie strittig. Die Ausbreitung des liberalkapitalistischen Wirtschaftssystems auf immer größere Teile der Staatengemeinschaft und das weltweite Auftreten gesellschaftlicher Akteure im internationalen System ist jedoch offen-kundig. 1
Die Struktur des Finanzmarktes seit Mitte der siebziger Jahre zusammen mit der wirtschaftlichen Deregulierung führte dazu, daß nationalstaatliche Grenzen immer unwichtiger wurden. In der sich herausbildenden Geoökonomie spielt statt der Gegensätze zwischen Nationalstaaten die Konkurrenz großer international operierender Konzerne eine immer größere Rolle. 2 Die Zivilgesellschaft verliert unter den Zwängen globalisierter Ökonomie ihre Eigenständigkeit gegenüber den Marktanforderungen. Es gilt absolut dominant das Effizienzkriterium ohne Rücksicht auf zivilgesellschaftliche Entwicklungsprozesse. 3 Soziale Solidarität wird national wie international unterlaufen. 4
Die Globalisierung käme weniger in den grenzüberschreitenden Waren- und Kapitalströmen zum Ausdruck, betonen Elmar Altvater und Birgit Mahnkopf. Wichtiger sei, die Parameter für wirtschaftliches Handeln bilden sich an allen Orten der Welt auf den globalen Märkten heraus. Die Globalisierung wird als gesellschaftliches Verhältnis beschrieben, das in ökonomischen, technischen, kulturellen Prozessen strukturierend wirkt. Für lokale Entscheidungen werden globalisierte Standards zur Richtschnur. 5
Durch die Globalisierung fällt die Integration von Ökonomie, Regierungsform und Kultur innerhalb eines Territoriums auseinander und macht die Staaten zu gewöhnlichen Akteuren inmitten transnationaler Akteure des in vielen Lebensbereichen erfolgenden Austausches. 6
1 Ernst-Otto Czempiel; Weltpolitik im Umbruch. Die Pax Americana, der Terrorismus und die Zukunft der inter-
nationalen Beziehungen, München, 2002, S.20
2 Elmar Altvater, Birgit Mahnkopf; Grenzen der Globalisierung. Ökonomie, Ökologie und Politik in der Weltge-
sellschaft, Münster, 1999, S.67
3 Elmar Altvater, Birgit Mahnkopf; Grenzen der Globalisierung. Ökonomie, Ökologie und Politik in der Weltge-
sellschaft, Münster, 1999, S.81
4 Wolfgang Sachs; Nach uns die Zukunft. Der globale Konflikt um Gerechtigkeit und Ökologie, Frankfurt am
Main, 2003, S.76
5 Elmar Altvater, Birgit Mahnkopf; Grenzen der Globalisierung. Ökonomie, Ökologie und Politik in der Weltge-
sellschaft, Münster, 1999, S.38 f.
6 Wolfgang Sachs; Nach uns die Zukunft. Der globale Konflikt um Gerechtigkeit und Ökologie, Frankfurt am
Main, 2003, S.74
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Regulationsmöglichkeiten werden auf der nationalstaatlichen, regionalen und lokalen Ebene eingeschränkt. Diese werden jedoch auf der globalen Ebene nicht durch regulierende Institutionen ersetzt. Im Zuge der Globalisierung öffnet man bislang geschützte Räume und integriert sie ins ökonomische Weltsystem in einem Prozeß politischer Deregulierung. 7
3. Worauf baut die ökonomische Globalisierung geschichtlich auf?
Waren nicht schon Kolonialzüge der Spanier und Portugiesen, später dann Englands und Frankreichs u.a. europäischer Nationen ein erster Anlauf zu „globalisiertem“ Machtzugriff? Europa drückte fast allen Weltgegenden seinen eigenen Stempel auf, in aller Regel mit verheerenden Auswirkungen für die einheimische Bevölkerung. In der ganzen Kolonialgeschichte hinterließ Europa eine Spur von Plünderung, Zerstörung und ausbeuterischem Zugriff auf Ressourcen. Allein Afrika dürfte diese Art von kolonialer „Fürsorge“ im Laufe der Jahrhunderte mindestens 100 Millionen Menschenleben gekostet haben. 8 Mit der Kolonisierung Amerikas, Afrikas und Teilen Asiens durch die europäischen Mächte begann ein weltweiter reger Handel mit Fertigwaren und Rohstoffen. Exportiert wurde auch bereits Kapital, um in Bergwerke und Plantagen z.B. zu investieren. Ausbeutung und Sklavenarbeit sicherten billige Arbeitskraft und sorgten für hohe Gewinne. 9 Gerd v. Paczensky schreibt, die Sklavenwirtschaft wurde zu einem Motor des Dreieckshandels. Dabei gingen Sklaven von Afrika nach Amerika, nach Europa gelangten Zucker, Kaffee, Tabak, Rum, Baumwolle u.a.. Alkohol, Waffen und Tand gingen nach Afrika. Europa konnte auf diese Weise eine ungeheure Zunahme seines Wohlstandes erreichen. Paczensky führt aus, ohne diese Gewinne wäre der Start zur industriellen Revolution und der Ausbau der westlichen Überlegenheit über die anderen Kontinente nicht so schwungvoll, vielleicht überhaupt nicht möglich gewesen. 10
Freilich spielt hier mit Sicherheit die technische Überlegenheit Europas hinein und die Frage, worauf diese beruht, denn Europa war in diesem Punkte lange Zeit anderen Weltgegenden unterlegen. Das Prinzip der kapitalistischen Produktionsweise, die sich mitten in der Feudalstruktur entwickelte, trug entscheidend dazu bei, Europas industriellen Aufstieg zu konstituieren, etwa im Gegensatz zu China und anderen Ländern, wo die gesellschaftlichen Feudal-
7 ElmarAltvater, Birgit Mahnkopf; Grenzen der Globalisierung. Ökonomie, Ökologie und Politik in der Weltge-
sellschaft, Münster, 1999, S.119
8 Gert v. Paczensky; Weiße Herrschaft. Eine Geschichte des Kolonialismus, Hamburg, 1982, S.165
9 VENRO-Europaratskampagne „Globalisierung ohne Armut“; Es begann mit Kolumbus, in: Ekkehard Launer
(Hrsg.) Zum Beispiel Globalisierung, Göttingen, 2001, S.19
10 Gert v. Paczensky; Teurer Segen. Christliche Mission und Kolonialismus, München, 1994, S.36
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strukturen nicht aufgebrochen werden konnten. Der Drang der Wirtschaft nach verbesserter Effizienz bei der Geld- und Kapitalakkumulation dürfte auch für die heutige Globalisierung eine zentrale Ursache sein. Ohne diese Triebkräfte in der Produktionsweise würde sie kaum zu der heutigen Ausprägung gekommen sein. Rudolf Bahro weist zurecht darauf hin, daß man dazu aber auch die gesamten Kulturmuster mit in den Blick nehmen muß. Neben der Kapitaldynamik ist auch die europäische Kosmologie, als Ausprägung herrschaftlichen Initiativgeistes in den Blick zu nehmen wie auch die männliche Art des Projektemachens, also die patriarchalen Strukturen. 11 Diese kulturell-ökonomische Tiefenideologie bildet auch bei der heutigen Globalisierung in modifizierter Form die Grundstruktur des zivilisatorischen Prozesses. In jedem Fall baut die moderne Globalisierung der Ökonomie auf ältere Schichten internationaler wirtschaftlicher Beziehungen auf, hat diese zur Voraussetzung. Spätestens zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnte von einem etablierten Weltmarkt gesprochen werden. Immer mehr Güter wurden international gehandelt. Viele technische Neuerungen beschleunigten den Transport von Waren und den Austausch von Informationen. Dank arbeitsteiliger Organisation der Produktion und der Fließbandarbeit stieg nach dem ersten Weltkrieg die industrielle Produktion und mit ihr der internationale Handel immer mehr an. Wie sehr schon damals die Weltwirtschaft und mit ihr die internationalen Kapitalmärkte verflochten waren, wird augenscheinlich in der Weltwirtschaftkrise von 1929. Der Einbruch der Aktienkurse in New York und die daraus innerhalb weniger Stunden resultierenden Panikverkäufe, Banken- und Firmenpleiten rissen nicht nur die amerikanische, sondern auch die europäischen Volkswirtschaften in den Abgrund. 12
In der Periode von 1950 bis 1986 wuchs der Welthandel fast fünf mal so schnell als in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts. Die Wachstumsraten des Welthandels sind im Durchschnitt der Jahre 1950-1986 um 70 Prozent höher als die Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts der Industrieländer. 13
4. Die Eckdaten der ökonomischen Globalisierung
Mitte der Siebziger Jahre gab man das Bretton-Woods-System der fixierten Wechselkurse auf und ersetzte es durch bewegliche, vom Markt bestimmte Kurse. Mit diesem Schritt wurde
11 Rudolf Bahro: Die Tektonik des Verderbens, in: Franz Alt, Rudolf Bahro, Marko Ferst; Wege zur ökologi-
schen Zeitenwende. Reformalternativen und Visionen für ein zukunftsfähiges Kultursystem, Berlin, 2002, S.102
ff.
12 VENRO-Europaratskampagne „Globalisierung ohne Armut“; Es begann mit Kolumbus, in: Ekkehard Launer,
Zum Beispiel Globalisierung, Göttingen, 2001, S.19 f.
13 Elmar Altvater; Der Preis des Wohlstands oder Umweltplünderung und neue Welt(un)ordnung, Münster,
1992, S.132
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eine erst langsamere, später schnellere Entwicklung hin zu transnationalen Ökonomien eröffnet, die über die bis dato übliche Konstellation von internationalen Rohstoff- und Absatzmärkten hinausging. Geldkapital floß leichter über Ländergrenzen hinweg, seit im Verlauf der letzten 20 Jahre Kapitalverkehrskontrollen in den USA und Deutschland, Mitte der Achtziger Jahre in Japan und zuletzt in den südlichen Ländern abgebaut wurden. 14 Weltweit legte der grenzüberschreitende Güteraustausch zwischen 1980 und 1996 jährlich im Schnitt um 4,7 Prozent zu. Deutlich stärker stiegen die Auslandsinvestitionen an: ganze 8,8 Prozent. Internationale Bankkredite nahmen jährlich um 10 Prozent und der Währungs- und Aktienhandel sogar um 25 Prozent zu. 15 Seit Anfang der 80er Jahre verdoppelte sich die Weltproduktion, Exporte stiegen um das Dreifache, die Direktinvestitionen um das Siebenfache. 16 Mengenmäßig spielt sich zwar nach wie vor der größte Kapitalverkehr zwischen den USA, Europa und Japan ab, doch bei privatem Kapitaltransfer nimmt Ostasien und Südamerika eine deutlich zunehmende Rolle ein. 17 In den 90er Jahren konzentrierten sich vier Fünftel des Welthandels, der Direktinvestitionen oder Finanztransfers zwischen Westeuropa, Nordamerika und Ostasien (vor allem Japan). Die Europäische Union verfügt über einen Anteil des Intra-Blockhandels am Außenhandel der Mitgliedsländer von an die 70 Prozent. 45 Prozent der Weltexporte vereint sie auf sich und ist damit der bedeutendste Wirtschaftsblock. Der Handel mit Finanzdienstleistungen entfällt zu 90 Prozent auf einige wenige Industrieländer. 18 Die zunehmende globale wirtschaftliche Verflechtung entsteht nicht völlig selbständig durch die Logik von marktwirtschaftlicher Eigendynamik. Dieser Prozeß wurde durch die Politik der Industriestaaten zielgerichtet herbeigeführt. Regierungen erließen Gesetze und schlossen Verträge, Parlamente faßten Beschlüsse, um eine Barriere nach der anderen für den grenzüberschreitenden Verkehr von Kapital und Waren zu entfernen. 19 Von der Freigabe des Devi-senhandels über den europäischen Binnenmarkt bis zur fortwährenden Ausdehnung des Welt-handelsabkommens GATT führten die Regierungen der Industriestaaten systematisch jenen Zustand ökonomischer Globalisierung herbei, dessen Auswirkungen die soziale Stabilität in
14 Wolfgang Sachs; Wie zukunftsfähig ist Globalisierung? in: Jerry Mander, Edward Goldsmith (Hrsg.);
Schwarzbuch Globalisierung. Eine fatale Entwicklung mit vielen Verlierern und wenigen Gewinnern, München,
2002, S.390
15 Wolfgang Sachs; Wie zukunftsfähig ist Globalisierung? in: Jerry Mander, Edward Goldsmith (Hrsg.);
Schwarzbuch Globalisierung. Eine fatale Entwicklung mit vielen Verlierern und wenigen Gewinnern, München,
2002, S.397
16 o.A.; Einleitung, in: Ekkehard Launer (Hrsg.); Zum Beispiel Globalisierung, Göttingen, 2001, S.8
17 Wolfgang Sachs; Wie zukunftsfähig ist Globalisierung? in: Jerry Mander, Edward Goldsmith (Hrsg.);
Schwarzbuch Globalisierung. Eine fatale Entwicklung mit vielen Verlierern und wenigen Gewinnern, München,
2002, S.397
18 Elmar Altvater; Der Preis des Wohlstands oder Umweltplünderung und neue Welt(un)ordnung, Münster,
1992, S.45
19 Hans-Peter Martin, Harald Schumann; Die Globalisierungsfalle. Der Angriff auf Demokratie und Wohlstand,
Hamburg, 1996, S.18
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Marko Ferst, 2003, Die ökonomische Globalisierung und ihre weltweiten gesellschaftlichen Degradationen, München, GRIN Verlag GmbH
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