Basel II- Chancen und Risiken in der Finanzierung Klein- und Mittelständischer Unternehmen
Inhalt
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS 5
1. EINLEITUNG 6
1.1. PROBLEMSTELLUNG UND ZIELSETZUNG 6
1.2. VORGEHENSWEISE 6
2. KLEIN- UND MITTELSTÄNDISCHE UNTERNEHMEN 7
2.1. MITTELSTANDSDEFINITION DES INSTITUTS FÜR MITTELSTANDSFORSCHUNG BONN 7
2.2. MITTELSTANDSDEFINITION DER EUROPÄISCHEN UNION 8
2.3. AKTUELLE FINANZIERUNGSSITUATION DER KMU 8
2.4. EIGENKAPITALAUSSTATTUNG DES MITTELSTANDES 9
2.5. URSACHEN DER EIGENKAPITALSCHWÄCHE 10
2.6. UNTERNEHMENSINSOLVENZEN 11
2.7. URSACHEN DER INSOLVENZEN 11
3. DIE NEUE BASELER EIGENKAPITALVEREINBARUNG 13
3.1. SÄULE 1: MINDESTKAPITALANFORDERUNGEN 15
3.1.1. KREDITAUSFALLRISIKO 15
3.1.1.2. DER IRB- ANSATZ 18
3.1.1.3. RETAIL- SEGMENT 22
3.1.2. OPERATIONELLE RISIKEN 23
3.1.3. MARKTRISIKO 25
3.2. SÄULE 2: BANKENAUFSICHT 25
3.3. SÄULE 3: MARKTDISZIPLIN 26
3.4. AUSWIRKUNGEN VON BASEL II AUF DIE KREDITPREISGESTALTUNG 27
UND DAS KREDITVERGABEVERHALTEN DER BANKEN 27
4. RATING 30
4.1. DEFINITION DES BEGRIFFS RATING 30
4.2. KOMPONENTEN EINES RATINGS 31
4.2.1. QUANTITATIVE FAKTOREN 32
4.2.2. QUALITATIVE FAKTOREN 36
4.3. BANKINTERNES VERSUS BANKEXTERNES RATING 38
5. RATING- ADVISORY 41
2
Basel II- Chancen und Risiken in der Finanzierung Klein- und Mittelständischer Unternehmen
5.1. DEFINITION DES BEGRIFFES 41
5.2. AUFGABEN UND ABLAUF EINES RATING- ADVISORY- PROZESSES 41
5.3. RATING- ADVISORY FÜR DEN MITTELSTAND 44
6. HANDLUNGSEMPFEHLUNG FÜR DEN MITTELSTAND 49
6.1. AUSBAU UND VERBESSERUNG DER UNTERNEHMENSPLANUNG UND KONTROLLE 49
6.2. VERBESSERUNG DER TRANSPARENZ 50
6.3. RISIKOBEWÄLTIGUNG 52
6.4. NACHFOLGE- UND VERTRETUNGSREGEL 53
6.5. DIE ERHÖHUNG DER EIGENKAPITALBASIS 54
6.6. MAßNAHMEN ZUR OPTIMIERUNG DER FINANZIERUNGSSTRUKTUR 54
6.6.1. REDUZIERUNG DER KAPITALBINDUNG 55
6.6.2. OPTIMIERUNG DER FINANZPLANUNG 57
7. ALTERNATIVE FINANZIERUNGSQUELLEN 59
7.1. LEASING 59
7.2. FACTORING 61
7.3. FORFAITIERUNG 62
7.4. BETEILIGUNGSFINANZIERUNG 63
7.4.1. VENTURE- CAPITAL PRIVATE EQUITY 63
7.4.2. DIREKTBETEILIGUNGEN 64
7.4.3. MEZZANINE- KAPITAL 64
8. ZUSAMMENFASSUNG UND SCHLUSSFOLGERUNG 67
LITERATURVERZEICHNIS 69
EHRENWÖRTLICHE ERKLÄRUNG 73
ANLAGEN 74
3
Basel II- Chancen und Risiken in der Finanzierung Klein- und Mittelständischer Unternehmen
Abkürzungsverzeichnis
Abb. = Abbildung
ABS = Asset backed securities
AG = Aktiengesellschaft
bzw. = beziehungsweise
ca. = zirka
d.h. = das heißt
EK = Eigenkapital
EU = europäische Union
EZB = Europäische Zentralbank
FK = Fremdkapital
GmbH = Gesellschaft mit beschränkter Haftung
HGB = Handelsgesetzbuch
http = Hyper Text Transfer Protocol
IfM Bonn = Institut für Mittelstandsforschung Bonn
IRB = Internal Ratings Based
KfW = Kreditanstalt für Wiederaufbau
KG = Kommanditgesellschaft
KMU = klein- und mittelständische Unternehmen
KonTraG = Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich
kurzfr. = kurzfristig
KWG = Kreditwesengesetz
langfr. = langfristig
LG =Liquiditätsgrad
Mio. = Millionen
Mrd. = Milliarden
OHG = offene Handelsgesellschaft
RoI = Return on Investment
S. = Seite
Tab. = Tabelle
usw. = und so weiter
vgl. = vergleiche
www. = World Wide Web
z.B. = zum Beispiel
4
Basel II- Chancen und Risiken in der Finanzierung Klein- und Mittelständischer Unternehmen
1. Einleitung
1.1. Problemstellung und Zielsetzung
Das als Basel II bezeichnete Regelwerk stellt den Mittelstand vor neue Herausforderungen. Viele Mittelständler stehen ratlos vor den nötigen Veränderungen. 1 Welche Maßnahmen müssen die Mittelständler ergreifen, um auch weiterhin Kredite aufnehmen zu können? Können Unternehmen langfristig sogar an den Veränderungen durch Basel II profitieren? Führt die neue Eigenkapitalvereinbarung zu einem Mentalitätswechsel in der Unternehmensführung und Finanzierung? Besteht in Deutschland derzeit die Gefahr einer Kreditverknappung für den Mittelstand? Brauchen die Mittelständler Unterstützung durch Ratingberatung?
Ziel dieser Arbeit ist, die Erarbeitung geeigneter Maßnahmen für klein- und mittelständische Unternehmen zur Verbesserung des Rating- Ergebnisses, um somit die Chancen auf günstigere Kreditkonditionen zu erhöhen. Darüber hinaus soll dazu beigetragen werden, das Verständnis für Basel II zu erhöhen und aufzuzeigen, das Basel II auch als Chance zur nachhaltigen Verbesserung der Unternehmen dienen kann.
1.2. Vorgehensweise
Im zweiten Kapitel der vorliegenden Arbeit wird zunächst der Begriff des Mittelstandes und dessen Bedeutung im wirtschaftlichen Kontext erläutert.
Die Grundlagen der Eigenkapitalvereinbarung und deren Auswirkungen auf die Kreditpreisgestaltung und das Kreditvergabeverhalten der Banken werden im dritten Kapitel dargestellt. Im weiteren Verlauf werden die Grundlagen des Ratings und die für das Ratingverfahren entscheidenden Beurteilungskriterien erarbeitet. Im darauf folgenden Kapitel wird auf die Bedeutung der Ratingberatung für die klein- und mittelständischen Unternehmen eingegangen. Im sechsten und siebten Kapitel werden Maßnahmen zur Verbesserung des Rating- Ergebnisses und alternative Finanzierungsquellen dargelegt.
1 Vgl. Eichhorn, P./ Zimmermann, G. Finanzierung des Mittelstandes, S. 9 (2003)
5
Basel II- Chancen und Risiken in der Finanzierung Klein- und Mittelständischer Unternehmen
2. Klein- und Mittelständische Unternehmen
Im Jahr 2003 beschäftigten die 3,4 Millionen klein- und mittelständigen Unternehmen in Deutschland, 70 Prozent der Arbeitnehmer, bildeten 80 Prozent der Lehrlinge aus, führten 46 Prozent aller Bruttoinvestitionen durch trugen mit 57 Prozent zur Bruttowertschöpfung aller Unternehmen bei. 2 Aus diesen Zahlen lässt sich die Bedeutung des Mittelstandes für die gesamte Volkswirtschaft erkennen.
Eine einheitliche Definition existiert für den Wirtschaftsbereich der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) nicht. 3 Die Palette der zur Abgrenzung von KMU herangezogenen Kriterien reicht von der Beschäftigtenzahl über den Jahresumsatz, die Bilanzsumme, die Bruttowertschöpfung das Anlagevermögen bis hin zu einer Kombination aus mehren dieser Kriterien. Neben diesen Quantitativen sind auch qualitative Merkmale zur Abgrenzung von
KMU von entscheidender Bedeutung insbesondere für die Programmgestaltung bzw. den
Zugang zu Programmen der Mittelstandsförderung auf EU, Bundes- sowie Landesebene.
2.1. Mittelstandsdefinition des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn
Abb. 1: Mittelstandsdefinition des IfM Bonn
Quelle: eigene Darstellung
Das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn klassifiziert in Deutschland Unternehmen zum Mittelstand, deren Jahresumsatz weniger als 50 Millionen Euro betragen, und deren Beschäftigungszahl unter 500 Mitarbeitern liegt. Die Unternehmen müssen des Weiteren konzernunabhängig seien.
2 Vgl. www.IfM-Bonn.de
3 Vgl. Hückmann, C. Kreditrating der Mittel- und Kleinbetriebe, S.12, (2003)
6
Basel II- Chancen und Risiken in der Finanzierung Klein- und Mittelständischer Unternehmen
Das IfM Bonn unterteilt den Mittelstand weiterhin in folgende zwei Untergruppen: 4
Kleine Unternehmen: bis 9 Beschäftigte und einem Jahresumsatz bis 1 Mio. Euro Mittlere Unternehmen: 10- 499 Beschäftigte und einem Jahresumsatz von 1- 50 Mio. Euro
2.2. Mittelstandsdefinition der Europäischen Union
Abb. 2: Mittelstandsdefinition der EU
Quelle: eigene Darstellung
Die Europäische Kommission kategorisiert mittelständische Unternehmen im Gegensatz zum IfM Bonn in drei Untergruppen: 5
Mittlere Unternehmen: weniger als 250 Mitarbeiter, Jahresumsatz bis 40 Mio. Euro oder Bilanzsumme bis 27 Mio. Euro Kleine Unternehmen: weniger als 50 Mitarbeiter, Jahresumsatz bis 7 Mio. Euro oder Bilanzsumme bis 5 Mio. Euro Kleinstunternehmen: weniger als 10 Mitarbeiter, keine Grenzen bezüglich des Umsatzes oder Bilanzsumme
2.3. Aktuelle Finanzierungssituation der KMU
Merkmal mittelständischer Strukturen sind in fast allen Fällen eine enge Verbindung zwischen Unternehmen und Unternehmer, welche für die Leitung und alle betriebsrelevanten Entscheidungen größtenteils alleine verantwortlich sind. Nicht selten haften Unternehmer
4 www.IfM-Bonn.de
5 www.IfM-Bonn.de
7
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auch mit ihrem privaten Vermögen für die Verbindlichkeiten ihres Unternehmens, was dazu führt das die Unternehmensleitung und das Kapital sehr eng verknüpft sind.
Abb. 3: Bedeutung verschiedener Finanzierungsmöglichkeiten für KMU
Quelle: Institut für Mittelstandsforschung Bonn, (2002)
Eine Untersuchung des Instituts für Mittelstandsforschung in Bezug auf die verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten ergab, das sich der Großteil aller mittelständischen Unternehmen aus einbehaltenen Gewinnen, Abschreibungsgegenwerten, Rückstellungsgegenwerten finanziert. 6 Die wichtigste Finanzierungsform ist nach wie vor der klassische Bankkredit, über den im Durchschnitt ca. 71% der Bilanzsummen im deutschen Mittelstand finanziert werden. 7 Daraus resultiert, dass der Bankkredit eine sehr Wichtige, wenn nicht sogar unverzichtbare Rolle in der Mittelstandsfinanzierung spielt. Wie in der Abb. 3 aufgezeigt, ist die Bereitschaft zur Beteiligungsfinanzierung im Mittelstand durch die Aufnahme externer Gesellschafter sehr gering. Offenbar befürchten, die Unternehmenseigner Mitbestimmungsrechte zu verlieren.
2.4. Eigenkapitalausstattung des Mittelstandes
Alle internationalen Vergleiche über Eigenkapitalquoten zeigen trotz unterschiedlicher Bilanzierungsvorschriften, dass kein Zweifel daran bestehen kann, dass die deutsche
6 www.ifm-bonn.de
7 Vgl. Hückmann, C. Kreditrating der Mittel- und Kleinbetriebe, S.13, (2003)
8
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mittelständische Wirtschaft zu wenig Eigenkapital hat, um in einer sich schnell verändernden „Finanzierungswelt“ bestehen zu können. 8 Nach einer Untersuchung der Creditreform verfügten in Jahr 2003, fast 36 % der Mittelständler über weniger als zehn Prozent Eigenkapital und sind damit hoffnungslos unterkapitalisiert. Ausreichend kapitalisiert sind lediglich 18 Prozent der KMU mit mehr als dreißig Prozent Eigenkapital im Verhältnis zur Bilanzsumme. 9
2.5. Ursachen der Eigenkapitalschwäche
Als Hauptursache für die geringe Eigenkapitalquote wird meist das deutsche Steuersystem verantwortlich gemacht. 10 Fremdkapital werde begünstigt, weswegen eine Maximierung des Verschuldungsgrades aus Unternehmenssicht rational sei. Diese Asymmetrien sind durch die Unternehmenssteuerreform verringert worden, dennoch werden nach wie vor die Eigenkapitalerträge auf Unternehmensebene stärker besteuert als Fremdkapitalzinsen. Trotz der hohen Relevanz der Finanzierung aus einbehaltenen Gewinnen im Mittelstand, lässt sich ableiten das die Thesaurierungsquote deutscher Unternehmen nicht besonders hoch ist, was sich in der kontinuierlich gesunkenen Eigenkapitalquote der letzten Jahrzehnte ablesen lässt. Besonders bei betrieblichen Kapitalgesellschaften wird der Gewinn oft ins Privatvermögen transferiert, um so im Insolvenzfall den Gläubigern den Zugriff auf die Mittel zu verweigern. Immer wieder werden Mitspracherechte externer Parteien als hemmender Faktor angesehen, was sich in der geringen Bereitschaft Gesellschafter „mit ins Boot zu nehmen“, um so die EK- Basis des Unternehmens zu stärken, widerspiegelt. 11
In Deutschland wird vor allen die mangelnde Bereitschaft der Unternehmensfinanzierung an den Kapitalmärkten, sowie eine fehlende Aktienkultur kritisiert. Dies bestätigt sich durch die Tatsache, dass wie bereits erwähnt ca. 71% der Bilanzsummen im Mittelstand durch Bankkredite finanziert sind, währenddessen z.B. in den USA nur ca. 18% der Bilanzsummen durch Bankkredite und ca. 82% über den Kapitalmarkt finanziert werden. 12 Des Weiteren führen deutsche Bilanzierungsnormen massiv zum Aufbau stiller Reserven, wodurch ein
8 Vgl. KfW, Aktuelle Situation des Mittelstandes, (2003)
9 Vgl. Creditreform, Untersuchung zur Unternehmensentwicklung (2003b) 10 Vgl. Siemens, Die stille Revolution, S.18 (2002) 11 Vgl. Achleitner, A./ Everling, O. Rating Advisory, S.18 (2003) 12 Vgl. Hückmann, C. Kreditrating der Mittel- und Kleinbetriebe, S.13, (2003)
9
Basel II- Chancen und Risiken in der Finanzierung Klein- und Mittelständischer Unternehmen
verzerrtes Abbild der EK-Quote entsteht, wohingegen z.B. die US-GAAP und IAS auf eine Marktwertbilanzierung beruhen, die oftmals realitätsnäher ist.
2.6. Unternehmensinsolvenzen
In der Bundesrepublik Deutschland ist seit mehreren Jahren ein kontinuierlicher Anstieg der Unternehmensinsolvenzen zu beobachten. Im Jahr 2003 wurden ca. 39.700 Insolvenzen registriert. 13 Speziell in den Rechtsformen der Einzelunternehmen und der GmbHs mit einem Jahresumsatz von 1,5 bis 5 Mio. Euro ist der Anteil der Unternehmenszusammenbrüche besonders hoch.
Abb. 4: Unternehmensinsolvenzen
Quelle: KfW- Bankengruppe, (2003)
2.7. Ursachen der Insolvenzen
Der Anstieg der Insolvenzen kann teilweise auf die verschlechterten konjunkturellen Rahmenbedingungen, sowie einer rückläufigen Binnennachfrage zurückgeführt werden. Es spiegeln sich in dieser Entwicklung aber auch grundsätzlichere Tendenzen wie etwa die Zunahme des technologischen Fortschritts und des internationalen Wettbewerbsdrucks
13 Vgl. Creditreform, Untersuchung zur Unternehmensentwicklung (2003b)
10
Basel II- Chancen und Risiken in der Finanzierung Klein- und Mittelständischer Unternehmen
(Globalisierung) sowie eine Nachfragestagnation im Konsumgüterbereich durch Erreichung des Sättigungsgrades wieder. 14
Diese Tendenzen haben zur Folge, dass Unternehmen bzw. Branchen die sich auf bestimmte Marktsegmente spezialisiert haben und ihre wirtschaftliche Basis verlieren sind in unveränderter Form nicht mehr rentabel. Die Geschäftskonzepte müssen unmittelbar an die veränderten Nachfrage- und Angebotsbedingungen angepasst werden, um somit am Markt langfristig überleben zu können. Deshalb nimmt die Prognosegenauigkeit der zukünftigen Stabilität des Unternehmens auf der Basis historischer Jahresabschlüsse ab.
Die Ergebnisse der qualitativen Insolvenzursachenforschung, die aufgrund empirischer Studien auf der Basis von Gerichtsakten, sowie eine Befragung von Insolvenzverwaltern, Unternehmen und Lieferanten durchgeführt wurden besagen, dass Unternehmensinsolvenzen multikausalen Ursprungs sind. Wie in der nachfolgenden Grafik dargestellt, geht der Insolvenz ein mehrstufiger Krisenprozess voraus: 15
Abb. 5: Phasen der Unternehmenskrise
Quelle: Achleitner, A./ Everling, O. (2003), S.332,
14 Vgl. Achleitner, A./ Everling, O. Rating Advisory, S.330, (2003)
15 Vgl. Schiller, B./ Tytko, D. Risikomanagement im Kreditgeschäft, S.51, (2001)
11
Basel II- Chancen und Risiken in der Finanzierung Klein- und Mittelständischer Unternehmen
In der ersten Phase werden strategische Fehlentscheidungen getroffen (Strategiekrise), die sich mit Zeitverzögerung in sinkenden Gewinnen auswirken (Erfolgskrise) und schließlich in Liquiditäts- Problemen (Liquiditätskrise) und der Insolvenz enden. Insbesondere die klein- und mittelständischen Unternehmen sind häufig durch die teilweise unzureichenden betriebswirtschaftlichen Kenntnisse und die geringe Eigenkapitalausstattung von dieser Entwicklung betroffen. „Als Hauptursachen für Unternehmensinsolvenzen sind die mangelhafte Eigenkapitalausstattung sowie Managementfehler zu nennen.“ 16
Fazit und Ausblick
Charakteristisch für die deutsche Wirtschaft sind die zahlreichen klein- und mittelständischen Unternehmen, deren wichtigste Finanzierungsquelle der Bankkredit ist. Die Ursachen der ständig ansteigenden Unternehmensinsolvenzen sind die geringe EK- Ausstattung der KMU sowie die mangelnde Anpassung der Unternehmensstrategie an veränderte Nachfragestrukturen. Insbesondere ist die Eigenkapitalschwäche der KMU ein strukturelles Problem, dass sich nur über eine grundlegende Änderung der Geschäftspolitik bewältigt werden kann. Die Politik kann mit flankierenden Maßnahmen speziell auf steuerlicher Ebene diesen Prozess fördern. Die Hauptaufgabe, der KMU sollte, daher in Zukunft die Erhöhung der EK- Basis des Unternehmens, sowie ein permanentes und kritisches Hinterfragen der eigenen Unternehmensstrategie seien.
3. Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung
Abb. 6: Die drei Säulen von Basel II
16 Keiner, T. Rating für den Mittelstand, S.150, (2001)
12
Basel II- Chancen und Risiken in der Finanzierung Klein- und Mittelständischer Unternehmen Quelle: KfW- Bankengruppe, (2003)
Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht ist ein Gremium, das aus den hochrangigen Vertretern der Zentralbanken und Aufsichtsbehörden der so genannten G 10 Staaten, welche bereits aus inzwischen 13 Mitgliedsstaaten wie Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, Belgien, Luxemburg, Niederlande, Schweden, Großbritannien, Schweiz, Spanien und sie USA bestehen. Der Baseler Ausschuss wurde 1975 gegründet.
Die Hauptziele dieser Eigenkapitalvereinbarung sind die Stabilität des internationalen Finanzsystems zu erhöhen und einheitliche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen sowie eine risikogerechtere Eigenkapitalunterlegung für Kredit-, Markt- und Operationelle Risiken zu bewirken. 17 Durch eine individuelle Risikobewertung der Kreditnehmer soll eine effizientere Kapitalallokation erreicht werden, die eine Preispolitik erlaubt, die sich an tatsächlichen Risiken orientiert. Die Quersubventionierung von Schlechten durch gute Kredite soll künftig vermieden werden.
Alle drei Monate tritt dieses Gremium bei der „Bank für internationalen Zahlungsausgleich“ (BIZ) in Basel zusammen. Die Konsultationspapiere dieses Ausschusses enthalten allgemeine strategische Richtlinien, auf die sich die Aufsichtsinstanzen eines jeden Landes stützen können. 18 Diese Richtlinien dienen im Allgemeinen der Grundlage für die Gesetzgebung der Europäischen Union und fließen somit in das nationale Recht der einzelnen Länder ein.
Die Eigenkapitalvereinbarungen von Basel II (1999) enthielten gegenüber Basel I (1988) drei grundlegende Neuerungen, die auf eine risikogerechtere Ausrichtung der Eigenkapitalvereinbarungen abzielten. Der erste Teil bestand in der Erweiterung und Verstärkung des Geltungsbereichs der bisherigen Eigenkapitalvereinbarungen. Dies sollte vor allem bedeuten, dass keine pauschale Unterlegung von Bankkrediten mit einem bestimmten Prozentsatz an Eigenkapital vorgenommen werden darf, sondern eine unterschiedliche Unterlegung je nach Bonität des Schuldners. Die zweite Neuerung war, dass es Banken erlaubt werden sollte, als Grundlage für die Bemessung der Eigenkapitalanforderungen ein internes Rating einzubeziehen. Die dritte Änderung betraf die externen Ratingagenturen.
17 Basel Committee on Banking Supervision, (2001)
18 Vgl. Wambach, M./ Rödl, B. Rating, S.21, (2001)
13
Basel II- Chancen und Risiken in der Finanzierung Klein- und Mittelständischer Unternehmen
Demnach sollte es auch den Banken gestattet werden, die Ratings externer Agenturen zu verwenden. 19
3.1. Säule 1: Mindestkapitalanforderungen
Abb. 7: Bemessung der Eigenkapitalausstattung einer Bank
Quelle: KfW- Bankengruppe, (2003)
Die Anforderungen der Eigenkapitalvereinbarung in Höhe von 8 % nach Basel I wird auch in Basel II beibehalten, wie in Abb. 7 aufgezeigt. Allerdings werden die Risikogewichte nun nach der Bonität der Schuldner differenziert. Bei Kreditnehmern mit einer hohen Bonität ist zukünftig weniger Eigenkapital zu hinterlegen als bei Kreditnehmern mit einer geringeren Bonität, sodass eine risikoadäquate Bepreisung der Kredite möglich wird. Bei den mit Eigenkapital zu hinterlegenden Risiken unterscheidet der Bankenausschuss in drei Felder: 20
- Kreditrisiko: (Bonitätsrisiko, Liquiditätsrisiko, Währungsrisiko, Länderrisiko, etc.)
- operationelles Risiko: (Risiko eines unerkannten internen Prüfungsfehlers, Risiko des Betruges, Risiko externer Ereignisse außerhalb des Marktgeschehens)
- Marktrisiko: (Veränderungen des Marktes durch politische, konjunkturelle oder wirtschaftliche Einflüsse)
3.1.1. Kreditausfallrisiko
Das Kreditausfallrisiko ist das klassische Risiko bei der Kreditvergabe und besteht im Wesentlichen aus Liquiditäts- und Bonitätsrisiko des Schuldners. Grundlage für die Bemessung des Kreditausfallrisikos wird nach Basel II die Bonitätsbeurteilung des
19 Vgl. Wambach, M./ Rödl, B. Rating, S.24, (2001)
20 Vgl. Übelhör, M./ Warns, C. Basel II, S.21, (2004)
14
Basel II- Chancen und Risiken in der Finanzierung Klein- und Mittelständischer Unternehmen
Kreditnehmers durch ein Rating sein. Dabei werden folgende drei Bewertungsmethoden für das Rating anerkannt:
- Standardmethode
- IRB- Basis Ansatz („Foundation Approach”)
- IRB- fortgeschrittenen Ansatz („Advanced Approach”)
Die Wahl des Ansatzes kann das jeweilige Kreditinstitut festlegen, der jedoch, abgesehen von wenigen Ausnahmen, konsequent angewendet werden muss.
3.1.1.1. Standardmethode
Die Standardmethode wird von den externen Ratingagenturen (ECAI 21 ) angewendet. Diese Agenturen müssen von den nationalen Aufsichtsbehörden anerkannt werden und folgende Anforderungskriterien erfüllen: 22
• Objektivität: Der gesamte Beurteilungsprozess muss systematisch seien und einem Validierungsverfahren unterliegen, das auf historischen Erwartungswerten beruht. Des Weiteren muss das Beurteilungsprinzip permanent überwacht werden und auf jede Änderung der finanziellen Situation reagieren;
• Unabhängigkeit: Um die Unabhängigkeit zu gewährleisten, sollten die Bonitätsbeurteilungsinstitute keinem politischen und wirtschaftlichen Einfluss unterliegen, der die Bonitätsbeurteilung beeinflussen könnte;
• Internationaler Zugang/ Transparenz: Die einzelnen Bonitätsbeurteilungen für inländische und ausländische Institutionen sollten gleichberechtigt und unter gleichen Bedingungen vorgenommen werden. Außerdem sollte das von ECAI angewandte Verfahren unter gleichen Bedingungen öffentlich zugänglich und verfügbar sein;
• Veröffentlichung: Jedes ECAI müsste folgende Daten veröffentlichen, Beurteilungsverfahren, einschließlich der Definition eines Ausfalls, die Zeitspanne und die Bedeutung des Ratings, die tatsächlich beobachten Ausfallraten sowie die Beurteilungsveränderungen
21 ECAI= External Credit Assessment Instituion
22 Vgl. Übelhör, M./ Warns, C. Basel II, S.24, (2003)
15
Quote paper:
Daniel Zimmermann, 2004, Basel II - Chancen und Risiken in der Finanzierung klein und mittelständischer Unternehmen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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