Inhaltsverzeichnis
Einleitung 2
2. Wie soll ich leben- was muß ich tun? 2
3. Moralische Probleme und Konflikte 4
4. Situationsanalyse 5
5. Theoretische Ansätze für die Herleitung des richtigen Handelns und
Entscheidens 6
5.1 tò déon die Pflicht 6
5.2 tò télos der Zweck 7
5.3 Verantwortungsethik 8
5.3.1 Prinzipien der Verantwortung im Pflegemanagement 9
6. Förderung des ethischen Verständnisses im Unternehmen Krankenhaus 13
6.1 Reflexion auf der Organisationsebene 15
7. Schlußbetrachtung 16
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Einleitung
Pflegemanager können sich in der heutigen Zeit über einen Mangel an beruflichen Herausforderungen nicht beklagen. Zweckrationales ökonomisches Handeln, eine aus gezeichnete Pflegequalität, Patientenzufriedenheit und motivierte, zufriedene Mitarbeiter stellen den Pflegemanager vor Entscheidungsfragen, die nicht selten Konflikte und Probleme ethischer Natur in sich bergen. Selbst wenn es sich um Entscheidungen handelt, die rechtlich legitim und abgesichert sind, entstehen Situationen für die Person des Pflegemanagers, die für ihn selbst ethisch fraglich sein können und sein sollten. Ein moralisches Problem liegt immer dann vor, wenn die gewählte Entscheidung mit positiven oder negativen Konsequenzen für eine oder mehrere Personen verbunden ist 1 . Das würde bedeuten, daß nach dieser Definition jede Unternehmensentscheidung ethisch reflektiert werden sollte, da es kaum Entscheidungen im Unternehmen gibt, die nicht ohne Konsequenzen für eine oder mehrere Personen einher gehen. Doch diese Probleme überhaupt wahrzunehmen, erweist sich oft als schwierig, weil moralische Konflikte oder Probleme nicht objektiv greifbar sind, sondern subjektiv wahrgenommen werden.
In dieser Arbeit wird vorab auf ethische Grundlagen und Begriffe eingegangen. Im Hauptteil wird anhand eines fiktiven Fallbeispiels der ethische Konflikt herausgearbeitet und auf Grundlage philosophischer Ansätze ethisch reflektiert.
2. Wie soll ich leben- was muß ich tun?
Das Thema Ethik, Moral und Moralität hat in den letzten Jahren wieder an Bedeutung gewonnen. In den Wirtschaftswissenschaften entwickelte sich ein regelrechter Ethikboom mit einer unüberschaubaren Vielfalt von Themenkomplexen 2 . Der Ruf nach mehr moralischer Verantwortung in der Wirtschaft wird zunehmend lauter. Für zahlreiche Probleme und Krisen wird der Wirtschaft die Mitverantwortung übertragen. Seien es Ungleichheiten in der Einkommens-und Vermögensverteilung, Arbeitslosigkeit, Armut in einer
Wohlstandsgesellschaft oder unkontrollierte Effekte durch wirtschaftliches Handeln, um nur Einige zu nennen. Eine ethische Reflexion ist daher zwingend notwendig. Ethik, seit Aristoteles unter diesem Disziplinentitel bekannt, leitet sich vom griechischen “ethos“ her und bedeutet Gewohnheit, Brauch, Sitte, wie auch Charakter und Haltung 3 .
1 Vgl. Jones, T. M., Ethical Decisions Making by Individuals in Organisation, 1991 o.O., S.367.
2 Vgl. Grabener-Kräuter, S., Ethisierung des Unternehmens, Wiesbaden 1998, S.1ff.
3 Vgl. Phillex, in: Internet.
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Das Wort Moral (lateinisch: mos, Plural: mores) ist gleichbedeutend mit Brauch, Richtschnur, Sitte und weist damit eine Doppeldeutigkeit zum Wort Ethik auf. Dennoch werden beide Begriffe differenziert betrachtet. Ethik versteht sich als Wissenschaft vom moralischen Handeln, welche die Reflexion von Moral im Kontext menschlichen Handelns zum Gegenstand hat 4 . Moral bezeichnet die allgemein verbindlichen Normen, Werturteile, die in Klein- oder Großgruppen oder Kulturkreisen bestehen, in Form von akzeptierten Handlungsregeln und Wertmaßstäben 5 .
Moralität ist ein Prinzipienbegriff und bezieht sich im Unterschied zur Moral nicht auf empirische Phänomene. Moralität ist das ethische Prinzip, mit dem eine Moral gerechtfertigt werden kann. Sie kann als Verhaltensdeterminante betrachtet werden, die das moralische Verhalten einer Person bestimmt 6 .
Die Ethik als differenzierte Betrachtung von der Moral wird mit dieser Unterscheidung mit einem wissenschaftlichen Anspruch versehen. Sie versteht sich als Moralphilosophie, die sich mit der Rechtfertigung von Normen befaßt. Drei Aussagetypen können innerhalb der Ethik unterschieden werden.
Die deskriptive oder empirische Ethik untersucht moralische Phänomene an Hand von Personen, Institutionen und Kulturen. Sie versucht, diese Phänomene zu erfassen, zu beschreiben oder aber eine Theorie des menschlichen Verhaltens zu entwickeln, die für ethische Fragen von Belang ist 7 .
Die normative oder präskrip tive Ethik befaßt sich mit dem, was richtig, gut oder moralisch geboten ist. Sie überprüft die Richtigkeit und Korrektheit der Aussagen über moralische Werte und Handlungsnormen 8 und ist daher auch für die im Kapitel 3 skizzierte Fallbeschreibung relevant.
Die Metaethik beschreibt mit metaethischen Aussagen ethische Systeme und Theorien. Unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten werden diese Theorien beschrieben, analysiert, erklärt und kritisch beurteilt 9 . Daher wird die Methaethik von einigen Autoren auch als Wissenschaftstheorie der Ethik bezeichnet 10 .
4 Vgl. Pieper, A., Einführung in die Ethik, Tübingen 1991, S.17ff.
5 Vgl. Steinmann, H., Grundlagen der Unternehmensethik, Stuttgart 1991, S. 15ff.
6 Vgl. Vgl. Pieper, A., ebenda, S. 44ff.
7 Vgl. Kutschera, F., Grundlagen der Ethik, Berlin/ New York 1982, S. 39.
8 Vgl. Phillex, in: Internet.
9 Vgl. Pieper, A., ebenda, S.80.
10 Vgl. Hofmann-Riedinger, M., Metaethik, Tübingen/ Basel 1992, S.56.
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3. Moralische Probleme und Konflikte
Die Begriffe “ethisches Problem“ und “ethischer Konflikt“, häufig synonym verwendet, müssen differenziert betrachtet werden. Ein moralischer Konflikt ist dadurch gekennze ichnet, daß in einer Entscheidungssituation mehrere gültige ethische Prinzipien, Werte oder Pflichten im Zwiespalt zueinander stehen 11 .
In der Alltagssprache bezeichnet ein Dilemma (griech.: zweigliedrige Annahme) eine schwierige oder ausweglose Situation, in der man sich befindet. Es gibt zwei Wahlmöglichkeiten, von denen eine ergriffen werden muß, beide aber zu einem unerwünschten Resultat führen. Dilemmata werden daher oft als paradox, also widersprüchlich empfunden 12 .
In dem nun folgenden fiktiven Fallbeispiel wird eine Konfliktsituation beschrieben und ethisch reflektiert.
Einer Mitarbeiterin im Intensiv-Pflegebereich soll personenbedingt gekündigt werden. Die Mitarbeiterin galt als kompetent und professionell. Seit einem halben Jahr wurden ihren Kollegen Veränderungen bewußt. Die Mitarbeiterin vergaß oft wichtige Anordnungen, machte einen müden Eindruck und war weniger belastbar. Wurde die Mitarbeiterin in einer kurzen Pause von Kollegen auf ihre Veränderungen angesprochen, zog sie sich zurück und ließ keine Annäherung zu. Aus Zeitmangel und der arbeitsintensiven Situation auf der sehr großen Station ließ das Interesse über die Veränderung der Kollegin nach. Durch einen tragischen Vorfall gewann der Fall wieder an Bedeutung. Die Mitarbeiterin verwechselte ein Medikament und gefährdete das Leben eines Patienten. Durch die rasche und professionelle Intervention der Ärzte und der Kollegen konnte das Leben des Patienten gerettet werden. Nach der Ursache für das fehlerhafte Verhalten befragt, gab die Mitarbeiterin schließlich ein Drogenproblem zu. Die Mehrzahl der Mitarbeiter und Ärzte auf der betroffenen Station sprechen sich gegen weitere Chancen für die Mitarbeiterin aus. Aufgrund des sehr arbeitsintensiven und stressigen Alltages auf der Station drängen die Mitarbeiter auf eine schnelle Entscheidung. Die Situation wird als unzumutbar eingeschätzt. Die Pflegedienstleitung, seit einem Viertel Jahr in der Führungsposition, erhielt über die Hintergründe der Drogensucht der Mitarbeiterin keine Auskünfte, da die Mitarbeiterin sich in einem aus Zeitnot kurzem Gespräch nicht öffnete. Ärzte und das Pflegepersonal forcieren den Druck und fordern die Kündigung der Mitarbeiterin mit der Rechtfertigung, daß gefährliche Pflege ausgelöst durch die Mitarbeiterin eine untragbare Situation darstelle.
11 Vgl. Buchanan, A., Perfecting Imperfect Duties, 1996, S. 27.
12 Vgl. Phillex, Dilemmata, in: Internet.
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4. Situationsanalyse
Die positiven Konsequenzen der Kündigungsentscheidung scheinen auf der Hand zu liegen. Dennoch zögert die Pflegedienstleitung mit ihrer Entscheidung, fühlt sich hilflos und emotional mit dieser Situation überlastet.
Die Antwort auf die Frage nach dem Warum könnte zum einen in der Definition des Wortes Kündigung selbst zu finden sein. Allgemein stellt eine Kündigung ein empfangsbedürftiges, einseitiges Rechtsgeschäft dar, welches meist nach Ablauf einer Frist herbeigeführt werden kann 13 . Für den Abschluß des Rechtsgeschäftes bedarf es nur einer Willenserklärung. Die Entscheidungsgewalt geht von einer Person aus. Eine Person hat die Kompetenz, Befugnis und Macht, über eine andere Person zu entscheiden. Macht bedeutet nach Max Weber, daß eine Person die Chance hat, „innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen den Widerstand anderer durchsetzen zu können.“ 14 Die Entscheidung bleibt nicht folgenlos. Das Unternehmen mag aufgrund der Entscheidung p rofitieren, die Kollegen signalisieren ihre Zustimmung, die Arbeitsabläufe scheinen gesicherter zu sein. Die offensichtlichen Folgen für den Arbeitnehmer beinhalten den Verlust des Arbeitsplatzes, drohende Arbeitslosigkeit, mögliche finanzielle Einbußen. Inwieweit die Folgen psychischemotional betroffen machen, kann nur erahnt werden. Fragen nach Verantwortung und Fürsorgepflicht mögen für die Führungsperson entstehen, auch wenn es nach Ansicht der Mehrheit der Mitarbeiter der betroffenen Station kein milderes Mittel als die Kündigung gibt 15 .
Die Pflegedienstleitung hat sich in dem skizzierten Fall mit Konflikten unterschiedlicher Ausprägung zu befassen. Zum einen befindet sie sich in einer Entscheidungssituation in der ihr nicht alle Fakten bekannt sind. Sie hat keine Kenntnis über die Hintergründe der Drogensucht und kann sich auch nur auf die Aussagen der Mitarbeiter und Ärzte verlassen. Zum anderen befindet sich die Pflegedienstleitung in einem inneren Konflikt. Die Prinzipien der Verantwortung und Fürsorgepflicht für die einzelne Mitarbeiterin verhalten sich konträr zur Verantwortung für die Patienten, Mitarbeiter und den Unternehmenszielen 16 . Des weiteren besteht ein äußerer Konflikt, der durch die Wertvorstellungen der anderen Organisationsmitglieder bestimmt wird, deren einzige Lösung in der möglichst raschen Kündigung der Mitarbeiterin besteht.
13 Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon, CD-ROM, Wiesbaden 1997.
14 Vgl. Zitat in: Holzbauer, U., D., Management, Ludwigshafen 2000, S. 55.
15 Es gilt Ulitmo ratio- es darf kein milderes Mittel geben, als die Kündigung.
16 Vgl. Holzbauer, U., D., ebenda, S. 50ff.
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Kerstin Jähne, 2003, Moralische Konflikte im Pflegemanagement - eine ethische Reflexion, Munich, GRIN Publishing GmbH
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