INHALTSVERZEICHNIS
Einleitung 1
I. Zu den theologischen Grundsätzen
und der Gemeindestruktur der Puritaner 2
II. Der Puritanische Gottesdienst 3
1. Der Sabbat - Tag des Herrn 3
2. Die Räumlichkeiten 4
a) Das Gebäude 4
b) Der Innenraum 5
3. Der Ablauf des Gottesdienstes 6
a) Hauptgottesdienst 6
b) Abendmahl 7
c) Nachmittagsgottesdienst 8
4. Einzelne Bestandteile des Gottesdienstes 9
a) Die Predigt 9
b) Das Gebet 11
c) Der Gesang 12
Schlusswort 14
Benutzte Literatur 16
II
Einleitung
Die Reformation als zentrales Ereignis der frühen Neuzeit hat sehr weite, zunächst ungeahnte und unbeabsichtigte Kreise gezogen. Zahlreiche Splittergruppen und Neubildungen von Kirchen, Gemeinden und Glaubensrichtungen führten zu einer Konfessionenvielfalt innerhalb des Christentums, die man heute kaum überblicken kann. Einen eigenartigen Verlauf nahm die Reformation in England. Die dort unter Heinrich VIII. entstandene Anglikanische Staatskirche mit dem Monarchen als Oberhaupt ließ Organisation und Liturgie der früheren Katholischen Kirche weitgehend unverändert. Dass die Abspaltung von der Römischen Kirche nicht vordergründig religiös motiviert war, rief in frommen Kreisen Empörung und Widerstand hervor. Innerhalb der Anglikanischen Kirche bildete sich eine Bewegung, die eine radikale Umorganisation der Kirche wollte, gegen alle Elemente protestierte, die mit Papsttum, Menschenverehrung, kultischen Ritualen zu tun hatte. Die Menschen, die sich für eine „reine Kirche“ einsetzten, wurden „Puritaner“ genannt, von „to purify“ - reinigen. Hinter dem Begriff Puritaner verbirgt sich eine Anzahl von mehreren Gruppen -Independenten, Kongregationalisten, Separatisten u.a. Da die Separatisten wegen ihrer radikalen Glaubensausübung verfolgt wurden, flohen sie zu Beginn des 17. Jahrhunderts in die Niederlande, von wo aus ein Teil von ihnen 1620 auf der bekannten „Mayflower“ nach Nordamerika auswanderte. Ihnen folgten in den nächsten Jahren zahlreiche Glaubensgenossen, aber auch andere Siedler. In der neuen Welt hatten sie weitgehend die Freiheit, ihren Glauben nach eigenen Vorstellungen zu leben. Ihre Glaubensausübung unterschied sich sehr stark von der der Staatskirche. Das äußerte sich unter anderem deutlich in der Durchführung ihrer Gottesdienste. Nichts darin erinnerte mehr an die kirchliche Messe, weder der Raum noch der Inhalt des Gottesdienstes. Im Mittelpunkt standen nicht mehr die Sakramente sondern die Predigt. Da viele Puritaner Tagebücher führten, von denen viele noch erhalten sind, und auch sonst viele schriftliche Quellen hinterlassen haben, sind wir heute recht gut über ihr Alltagsleben und ihre Sonntagsbräuche informiert. In meiner Hausarbeit möchte ich beschreiben, wie der puritanische Gottesdienst gestaltet wurde, worauf man dabei Wert legte und wie das sich von der Anglikanischen Kirche unterschied. Ich beschränke mich dabei auf die Separatisten in Neuengland im 17. Jahrhundert. Da ich die Kenntnis der puritanischen Theologie größtenteils als bekannt voraussetze, widme ich diesem Thema zu Beginn nur ein paar Sätze.
I. Zu den theologischen Grundsätzen und der Gemeindestruktur der Puritaner
Grundsätzlich gehen die Puritaner von der Bibel als Autorität aus, nach der sie ihr Leben gestalten. In diesem Sinne sind sie Anhänger der Reforma tionsbewegung, die in der katholischen Kirche eine Institution sah, deren religiöse Praxis bei weitem nicht mehr den biblischen Grundsätzen entsprach. Reformatorisch-protestantische Ausgangspunkte der Puritaner sind also die Autorität der Bibel, die Errettung aus Gottes Gnade und durch den persönlichen Glauben. Des weiteren sind sie Anhänger der calvinistischen Sonderlehre, welche die göttliche Prädestination stark betont. Nach dieser Lehre konnte niemand seiner Errettung endgültig sicher sein, denn niemand wusste, ob er zum ewigen Leben oder zur ewigen Verdammnis vorherbestimmt war. Sie sahen in allen politischen, kirchlichen, familiären oder persönlichen Ereignissen die Hand Gottes.
Die calvinistische Lehre wirkte sich stark auf die Lebensführung der Puritaner aus. Das äußerte sich unter anderem in der Auffassung, das Leben sei ein ständiger Gottesdienst, was zu strenger Fleißethik, disziplinierter Arbeitsmoral und der Bereitschaft zum gründlichen intellektuellen Gottesdienst führte. Die Grundsätze der neuenglischen Puritaner, deren Bewegung man als „Kongregationalisten“ bezeichnete, waren einfach 1 : Ablehnung jeglicher kirchlicher und staatlicher Autorität, Ablehnung des „Book of Common Prayer“, weil es dem Zweiten Gebot 2 widerspricht, absolute Autorität der Ortsgemeinde, zur Gemeindemitgliedschaft durften nur Bekehrte zugelassen werden, die einen göttlichen Lebenswandel führen, die Gemeinde ist ein freiwilliger Zusammenschluss von Gläubigen.
Nach dem Vorbild der neutestamentlichen Gemeinde wurden bei den Puritanern diejenigen, die bestimmte Aufgaben in der Gemeinde hatten, nicht Würden- oder Amtsträger genannt, sondern „Diener“. Der wichtigste Dienst in der Gemeinde war der „Dienst am Wort“ für den der Pastor zuständig war. Der Lehrer wachte über die Reinheit der Lehre, der Diakon war für irdische Belange zuständig und die Ältesten für die Leitung der Gemeinde. Allgemein galt wie überhaupt im Protestantismus das „Priestertum aller Gläubigen“ und die Gleichwertigkeit aller Gemeindeglieder.
1 Die Grundsätze wurden durch den Bostoner Geistlichen John Cotton formuliert, nach Gaustad, Edwin S.: A religious history of America, New York 1966, S. 50
2 Das Zweite Gebot: „Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht!“ 2. Mose 20, 4-5
2
II. Der Puritanische Gottesdienst
1. Der Sabbat - Tag des Herrn
Der geheiligte Tag der Puritaner war wie in allen christlichen Kulturen der Sonntag. Sie bezeichneten ihn nach alttestamentlichem Vorbild als „Sabbath“, der von Sonnenuntergang am Samstag bis Sonnenuntergang am Sonntag dauerte 3 . Man nannte ihn auch „Lord’s Day“. An diesem Tag war jegliche Arbeit, Reisen, Wandern, Reiten, Herumlungern, Schwimmen, Jagen, Besuch von Kneipen und Versammeln außer zu gottesdienstlichen Zwecken verboten. 4 Eine Entweihung wurde streng bestraft. Cotton Mather bezeichnet den Sabbat als „Day of Sacred Rest“ und schreibt dazu: „Not only our own works but also our own words, yea, and our own thoughts, must on the Lords-day be Rested from [...] Tis Gods Time and will not admit any Pastime. Sports on Lords-day; Never did any thing sound more sorrowfully or more odiously. [...] The Lords-day is as often polluted by Idleness, as by any sort of Profaneness. We never do more Amiss, then when we do nothing at all. By Sins of Omission; By Sleeping immoederately; by Walking only to take the air.“ 5
Der Sabbat war also der Tag des Herrn und stand ganz im Zeichen des Gottesdienstes. Man versammelte sich morgens um 9 Uhr oder früher zum Hauptgottesdienst, der mehrere Stunden dauerte. Die Pause vor dem Nachmittagsgottesdienst, der um 14 Uhr begann, war oft ziemlich kurz. Einmal, stellenweise auch zweimal im Monat wurde gegen Ende des Hauptgottesdienstes das Abendmahl gefeiert. Des weiteren gab es einmal in der Woche eine Bibelstunde.
Die Teilnahme an den Sonntagsgottesdiensten war obligatorisch, so wie es in England schon seit dem Mittelalter war. Wiederholte Abwesenheit erregte die Aufmerksamkeit der Gemeindeleitung und konnte bestraft werden. 6 Das entspricht der Anweisung in Hebr.10,25. Dennoch darf man den Gottesdienstbesuch nicht zu schnell als Zwang abstempeln, denn viele erhaltene schriftliche Zeugnisse der Puritaner zeugen von echtem Glauben und ehrlichem Streben, gottgefällig zu leben. In mancher Hinsicht war der Gottesdienst am Sonntag wohl auch der Höhepunkt in der Woche, an dem man zusammenkam und gut ausgearbeiteten biblischen Vorträgen lauschen konnte. Man legte Wert darauf, nicht als einzelner Christ dazustehen, sondern in einer Gemeinschaft von Gleichgläubigen aktiv seinen Glauben auszuleben. 7
3 Der alttestamentliche Sabbat begann mit Sonnenuntergang am Freitag und endete am Samstagabend.
4 Flaherty, David H.: Privacy in Colonial New England, Charlottesville 1972, S. 130.
5 Mather, Cotton: The Day Which the Lord Has Made, Boston 1703, zitiert bei Flaherty, Privacy in Colonial N. E., S.
130-131.
6 Mehr zur Gemeindedisziplin bei Flaherty, David H.: Privacy in Colonial N. E., S. 128-129.
7 Dazu schreibt ein Puritaner des späten 16. Jahrhunderts: „For the meetings of the godlie is like a great many firebrands layde together, in which though there be some heate when they are apart by themselves, yet being laid together it is doubled, and otherwise every one would dye of it selfe: so though every man hath some grace of God’s
3
Arbeit zitieren:
Naemi Fast, 2003, Der puritanische Gottesdienst, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Verwendung und Geschichte der Auslassungspunkte - Regeln, Richtlinie...
Seminararbeit, 21 Seiten
Berufsbildung in den Niederlanden
BWL - Didaktik, Wirtschaftspädagogik
Wissenschaftlicher Aufsatz, 16 Seiten
Naemi Fast hat den Text Der puritanische Gottesdienst veröffentlicht
Naemi Fast hat einen neuen Text hochgeladen
Proseminar II. Neues Testament - Kirchengeschichte
Martin Meiser, Uwe Kühneweg, Rudolf Leeb, Petra von Gemünden, Thomas Schmeller
Siegfried Kreuzer, Dieter Vieweger, Friedhelm Hartenstein, Jutta Hausmann, Wilhelm Pratscher
Gottesdienste ins Gespräch bringen
Eine Sammlung von Feedback-Met...
David Plüss, Michael Rahn
Theologie des Gottesdienstes 2
Gottesdienst im Leben der Kirc...
Angelus A. Häussling, Martin Klöckener, Reinhard Meßner
0 Kommentare