Inhaltsverzeichnis Seite
1. Einleitung 1
2. Zur Geschichte des Historischen Museums Hannover 1
3. Die Familie - ein spät entdecktes Thema 3
3.3.1. Volkskundliche Abteilung („Leben auf dem Lande”) 9
3.3.2. Stadtgeschichtliche Abteilung 10
3.3.2.1. Alltagsgeschichte 11
3.3.2.2. Strukturgeschichte 13
4. Schluß 14
1. Einleitung
In der deutschen Geschichtswissenschaft rückte die Familie mit dem Aufkommen der Sozialgeschichte in den 1960er Jahren verstärkt in das Blickfeld der Histori- ker. Impulse, die Institution Familie zu überdenken, lieferten auch die demon- strierenden Studenten 1968 und in den Folgejahren. Zur gleichen Zeit erhielt die Frauenbewegung großen Zulauf, deren Forderung nach dem Ende des Patriarchats ebenfalls die Familie infrage stellte. Diese gesellschaftlichen Entwicklungen ver- stärkten in Form der neuen Disziplin der Geschlechtergeschichte das historische Denken über die Familie.
? Dass ein historisches Museum mit sei- ner Dauerausstellung nicht kurzfristig auf neue Forschungsansätze eingehen kann, ist selbstverständlich. Welche Rolle aber spielt mittlerweile, über 30 Jahre nach ihrer Entdeckung in der Forschung, die Familie in einem Museum für Geschichte? Um dieser Frage exemplarisch nachzugehen, werden im folgenden die Dauerausstellung sowie zwei thematisch einschlägige Sonderausstellungen im Historischen Museum Hannover untersucht. Vorangestellt ist ein Abriss der Museumsgeschichte.
Das „Vaterländische Museum” machte den Anfang und sollte nach den Worten des damaligen Stadtdirektors Heinrich Tramm „die Liebe zur Heimat und zur vaterländischen Kultur in Vergangenheit und Gegenwart fördern” 2 . Schon damals erhielt die Ausstellung die thematische und geographische Gliederung, die auch der heutigen Präsentation, die freilich inhaltlich vollkommen gewandelt ist, zugrunde liegt. Drei Abteilungen befassen sich mit der Geschichte der Stadt Han- nover, des Landes Niedersachsen 3 und mit niedersächsischer Volkskunde. Expo- nate zeigte das „Vaterländische Museum” in Fülle und (kritisierter) Überfülle, ein Schwerpunkt lag auf königlich-hannoverschen und preußischen Uniformen, die in einer „Ehrenhalle der hannoverschen Armee” präsentiert wurden. 4 Führte der Erste Weltkrieg zu keiner nennenswerten Umgestaltung 5 , so waren es die Nationalsozialisten, die dem Museum mit ihrem ideologischen Gepräge 1937 auch einen neuen Namen gaben. „Niedersächsisches Volkstumsmuseum” hieß das Gebäude im historischen Kern der Leinestadt nun, auch, weil nach der durch die Raumnot bedingten Auslagerung der Militaria die volkskundliche Sammlung dominierte. Vor allem aber war mit dem neuen Namen eine neue Aufgabe ver- bunden: die Volkserziehung, zu der etwa die Belehrung etwa über das niedersäch- sische „Stammestum” gehörte. 6 Im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs brannte das Museum bis auf die Grundmauern ab. Der Bau, in dem sich die Ausstellung heute an alter Stelle befindet, konnte erst 1966 errichtet werden, so dass das „Niedersächsische Hei- matmuseum”, wie es in der Zwischenzeit hieß, nur in provisorisch hergerichteten Räumen jeweils einen Teil der vorhandenen Exponate zeigen konnte.
Mit der Einweihung des Neubaus erfolgte dann die Umbenennung in „Histori- sches Museum am Hohen Ufer”. In dem dreistöckigen Betonbau behindern keine tragenden Wände mehr den freien Blick durch die Schauräume, im obersten Stockwerk befindet sich eine Cafeteria. 7 Dem erwachenden zeitgeschichtlichen Interesse von Forschung und Publikum trugen seit den siebziger Jahren
2
Zit. nach Röhrbein, in: Historisches Museum am Hohen Ufer Hannover (Führer), München 1986, 14.
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Will meinen, des Gebietes, das heute diesen Namen trägt.
4 Vgl. Urban, Gesinnungsbildung (wie Fn. 1), 52 f.
5 Ebd., 53.
6 Ebd. 56 f.; allerdings ging die Leitung des Museums nicht bedingungslos mit den Vorstellungen der National- sozialisten konform, vgl. ebd. 31 ff.
7 Vgl. Röhrbein, in: Historisches Museum (wie Fn. 2), 20.
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verschiedene Sonderausstellungen Rechnung, die schließlich in einer umfassen- den Neugestaltung der Dauerschau zwischen 1989 und 1991 mündeten. 8 In dieser Konzeption präsentiert sich das Museum bis heute jährlich rund 75.000 Besuchern. 9
3. Die Familie - ein spät entdecktes Thema
Diese Form der Präsentation von Familiengeschichte ist jedoch von neueren sozial- und all- tagsgeschichtlichen Aspekten frei und ganz im Gegensatz zu diesen Richtungen Teil der „klassischen” Geschichte der „Großen Männer” und Frauen, Dynastiegeschichte.
Ein für ein Museum existentielles Problem wurde jedoch auch im Vorfeld der 1983 eröffne- ten Sonderschau „Unter der Wolke des Todes leben - Hannover im Zweiten Welt- krieg” deutlich: der Mangel an Exponaten aus der jüngeren Vergangenheit. Ihn zu beheben halfen die zwangsweise zuerst textlastigen Ausstellungen aber selbst -
Ausführlich dazu Urban, Gesinnungsbildung (wie Fn. 1), 64 - 69.
Vgl. hierzu Alheidis von Rohr, in: Historisches Museum (wie Fn. 2), 62 - 76.
Siehe Urban, Gesinnungsbildung (wie Fn. 1), 66.
Ebd., 64; Diese Forderung ging einher mit denen einer kritischeren Öffentlichkeit, die sich in der Hanno- verschen Tagespresse Gehör verschaffte, vgl. ebd. 43.
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Hans-Joachim Frölich, 2001, Zur Rolle der Familiengeschichte in den Dauer- und Sonderausstellungen des Historischen Museums Hannover, Munich, GRIN Publishing GmbH
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