2
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1 Einleitung: David Lodge 3
2 Vorurteilstheorie 4
2.1 Vorurteile als Teil der Persönlichkeitsstruktur. 4
2.2 Widerlegung des Vorurteils 6
3 Entstehung des Vorurteils. 6
3.1 Kindliche Erfahrungen. 6
3.2 Gesellschaftlicher Einfluss. 7
3.3 Tims geistiger Schutzraum. 8
3.4 Störungen des Eigenbildes 9
4 Erfahrungen in Deutschland: Revision des Vorurteils. 10
4.1 Die Reise: Verlassen des gewohnten Umfelds. 10
4.2 Zerschlagung des Hitlerbildes 11
4.3 Aufbrechen des homogenen Deutschlandbildes. 12
4.4 Gut und Böse verschwimmt 13
4.5 Revision alter Idealbilder 14
5 Das Vorurteil und der Erkenntnisprozess. 15
6 Fazit 16
Abbildung. 17
Literaturverzeichnis 18
3
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“2XW RI WKH VKHOWHU was a novel specifically sourced from my first actual encounter with American culture, and with Continental Europe, as a youth of 16.
I think in retrospect it cleaves too closely from my own experience (not in the
story, but in the detail of the setting) so remains a limited, but I think truthful
piece of work.” 1
2XW RI WKH VKHOWHU, erstmals erschienen 1970, ist der am stärksten autobiographisch
gefärbte Roman von David Lodge, aber auch der am wenigsten erfolgreiche und wurde deshalb von der Literaturkritik weitgehend übergangen. David Lodge, selbst Literaturprofessur, Kritiker und Theoretiker, hat sich vor allem als Autor intelligenter
Universitätsromane einen Namen gemacht. Beispielsweise sein Roman 1LFH :RUN
(1988), in dem eine junge Literaturwissenschaftlerin das universitäre Umfeld verlässt und Erfahrungen im Wirtschaftsleben sammelt, bietet enormes Potential für intertextuelle Bezüge. Immer wieder wird Literaturtheorie geschickt und geistreich in die Handlung verwoben, sogar metafiktional auf den aktuellen Text angewandt und verweist auf den wissenschaftlichen Hintergrund des Autors. Im Vorwort der zweiten
Auflage von 2XW RI WKH VKHOWHU, welche 1985 nach dem anfänglichen Misserfolg
überarbeitet erschien, charakterisiert Lodge den Text als „'serious' realistic novel in which comedy is an incidental rather than a strucutral element, and metafictional games and stylistic experiment are not allowed to disturb the illusion of life” 2 und setzt den Roman damit von seinen anderen Publikationen ab. Der Roman schildert den Weg des sechzehnjährigen Timothy Young aus dem Nachkriegsengland ins Deutschland der 50er Jahre. Er besucht in Heidelberg seine Schwester Kath, die dort für die amerikanischen Streitkräfte arbeitet. Timothy, geprägt durch persönliche Erfahrungen während der Bombenangriffe auf London und die britische Kriegspropaganda, durchläuft während seines Ferienaufenthalts einen vielschichtigen Erfahrungsprozess und erweitert respektive verändert seine Sicht von den Deutschen als auch von der Alliierten. Es kommt einerseits zu einem Kulturvergleich zwischen England und Amerika auf deutschem Boden, wobei das zentrale Thema aber die Begegnung des englischen Jugendlichen mit Deutschland und der deutschen Geschichte ist.
1 Lodge, David; befragt in: Vianu, Lidia; Interview with David Lodge,
http://lidiavianu.scriptmania.com/david_lodge.htm [29.12.2003].
2 Lodge, David; Out of the Shelter; New York: 1985, S. xii.
4
Eine zentrale Rolle in diesem Erkenntnisprozess spielen Vorurteile und Stereotype. Ziel dieser Arbeit ist es, die Entstehung und die Revision der Vorurteile im Text herauszuarbeiten und deren Einfluss auf das Fremd- und Eigenbild darzulegen. Am Anfang steht deshalb ein kurzer theoretischer Abriss des Vorurteilsbegriffs, auf deren Grundlage der Roman untersucht wird. Zusammenfassend wird das ästhetische Potential der Vorurteile und Stereotype und ihr Effekt auf den Erkenntnisprozess betrachtet.
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In einer einfachen Definition besteht ein Vorurteil aus zwei Komponenten: es handelt sich zum einen um ein falsches negatives Urteil und zum anderen ist dieses Fehlurteil nur schwer zu berichtigen, also gegen Richtigstellung weitgehend resistent. „Vielleicht lautet die kürzeste Definition des Vorurteils: Von anderen ohne ausreichende Begründung schlecht denken.“ 3 Die Bedeutung des Vorurteilsbegriffs geht allerdings weiter, da es sich beim Vorurteil nicht lediglich um eine bloße Meinung handelt, sondern um eine Einstellung, welche in der Persönlichkeitsstruktur verankert ist und einen starken Einfluss auf die Wahrnehmung und die Interpretation der Umwelt und somit auf das menschliche Handeln hat.
Vorurteile sind von der Struktur her stark vereinfachte, klischeehafte Bilder in unseren Köpfen, die wir von Menschen oder Menschengruppen haben. Diese Vorstellungen bezeichnet man auch als Stereotype. „Stereotype haben eine Orientierungsfunktion in der sozialen Umwelt. Sie sind die geistigen Schubladen, die das Einordnen von Menschen erleichtern.“ 4 Die menschliche Tendenz zur Generalisierung mit dem Ziel der Reduktion von Komplexität und ungeheurer Vielfalt unseres Daseins ist existentiell und findet sich in vielen Bereichen. Dabei trägt sie zur notwendigen Strukturierung der Welt bei. Es ist allerdings die Resistenz und mangelnde Offenheit gegenüber neuen Erfahrungen, welche das Vorurteil von der bloßen Generalisierung abhebt und weiterer Erklärung bedarf.
3 Allport, Gordon W.; Die Natur des Vorurteils; Köln: 1971, S. 20.
4 Ostermann, Änne; Nicklas, Hans; Vorurteile und Feindbilder; München: 1976, S. 4.
5
Die Psychologie schreibt den Vorurteilen vier spezifische Funktionen zu. Zum einen wird die Abwehr von Unsicherheit und Angst genannt, da man darum fürchtet, das klare Interpretationsmuster zu verlieren, das einem subjektive Gewissheit in den immer komplexeren gesellschaftlichen Zusammenhängen gibt. Des weiteren spricht man von der Stabilisierung des sozialen Selbstverständnisses: „ Durch die Diskriminierung einer anderen ethischen oder sozialen Gruppe den Wert der eigenen Gruppe und damit den Wert der eigenen Person zu erhöhen. Es ist ein einfaches Mittel, weil keine eigene Leistung dazugehört.“ 5 Der dritte Punkt wird als gesellschaftlich gebilligte Aggressionsabfuhr bezeichnet. Geht man von einer Gruppe aus, stärkt ein gemeinsamer Feind oder ein Sündenbock das Gruppengleichgewicht, da er gruppeninterne Spannungen durch Projektion auf „ Außenseitergruppen“ mildert. Die letzte Funktion ist die Stabilisierung des schwachen Ich. „ In der Tiefe der Persönlichkeit scheint eine zugrunde liegende Unsicherheit zu bestehen. Diese Einzelmenschen können der Welt nicht fest entschlossen und auf offene Weise entgegentreten.“ 6 Die Individuen bevorzugen es ihren Lebensstil und ihre Einstellungen den schon existierenden Bedingungen anzupassen. Vorurteile und Stereotype sind somit feste Bestandteile des menschlichen Wesens und fest verwurzelt in unserem Alltagsbewusstsein. Einen Spezialfall stellen nationale Stereotypen dar, deren Hauptfunktion die Abgrenzung gegenüber anderen Nationen ist. Dabei ist das Eigenbild keineswegs konstant, sondern vom jeweiligen Fremdstereotyp abhängig, auf welches das Eigenbild bezogen wird. 7 So war das Eigenbild eines englischen Soldaten nach dem zweiten Weltkrieg im Bezug auf die Amerikaner möglicherweise das eines loyalen Verbündeten der Alliierten, den Deutschen gegenüber allerdings das eines überlegenen Befreiers, der ein grausames und brutales Volk in die Schranken gewiesen hat. Die Besonderheit des nationalen Stereotyps ist, dass es positive und negative Aspekte vereint, beachtet man beispielsweise, dass den Deutschen oft die Attribute Fleiß und Sturheit gleichermaßen zugeschrieben werden.
Zusammenfassend kann man sagen, dass Vorurteile eine fälschliche Reduktion der Realität sind, deren Widerlegung, auch durch konträre Erfahrungen, schwierig ist.
5 Ebd.; S. 7.
6 Allport; a.a.O., S. 398.
7 Nach: Ostermann; Nicklas; a.a.O., S. 27f.
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Markus Fellner, 2004, David Lodge: Out of the shelter - Entstehung des Vorurteils und Revision desselben, München, GRIN Verlag GmbH
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