Ludwig-Maximilians-Universität München Institut für Psychologie Wintersemester 2000/2001
Seminar: Risikoakzeptanz und gelernte Sorglosigkeit
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1 Einleitung
2 Aufzeigen der Hinweise auf Zusammenhänge zwischen einem behütetem Elternhaus und einem späteren sorglosen Verhalten der Kinder
2.1 Definition von „behütetem Elternhaus“
2.2 Erläuterung der Entstehung des angenommenen Zusammenhanges 2.3 Bestrafung als Einflussfaktor
2.4 Erlernen von Strategien zur Problemlösung
2.5 Erziehung zu selbständigem und verantwortungsbewusstem Handeln 2.6 Sorge als prima lex educationis 2.7 Erziehung und Geld 2.8 Erziehung und Kriminalität
3 Schlussgedanke und Forschungsideen
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Kinder, die in einem behüteten Elternhaus aufwachsen, sind es gewohnt, dass für alle Probleme materieller und sozialer Natur die Eltern aufkommen. Durch den Rückhalt der Eltern machen sie immer wieder positive Erfahrungen von Sorglosigkeit: bei Krisen ist immer jemand da, der Probleme und Hindernisse aus dem Weg räumt. Kinder, die diese Erfahrung gemacht haben, werden nur zögernd lernen, dass sie selbst für ihr Leben verantwortlich sind und sich positive Zustände „verdienen“ müssen. Gerade bei Kindern, die von Beruf „Tochter“ oder „Sohn“ überversorgender Eltern sind, tauchen solche Phänomene verstärkt auf. 1
Welche direkten und indirekten Zusammenhänge zwischen einem behütetem Elternhaus und einem späteren Verhalten im Sinne der Theorie der gelernten Sorglosigkeit zu erkennen sind, soll folgende Abhandlung zeigen. Ein Problem bei dieser Arbeit war, dass in der Literatur keine Untersuchungen über direkte Zusammenhänge dieser beiden Faktoren zu finden waren. Es ließen sich jedoch zahlreiche Hinweise darauf finden, die einen solchen Zusammenhang vermuten lassen. Diese sollen im Folgenden näher erläutert werden.
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Zunächst einmal gilt es, den Begriff „behütetes Elternhaus“ näher zu definieren. Von den äußeren Anforderungen und den sozialen Zwängen des Lebens, die jeden Menschen an jedem Tag erreichten, wird auch das Kind schon berührt. Sie nehmen zu in dem Maße, in dem es ein eigenes Leben führt, das nicht mehr durch Pflege und völlige Abhängigkeit bestimmt ist und in dem Maße, in dem es in Geselligkeit und in die Institutionen, in Kindergarten und Schule eintritt. Es hat eine Zeitlang zu den Vorstellungen und Zielen einer „non-frustration“-Erziehung gehört, die Kinder über diese einfache Lebenstatsache hinwegzutäuschen. Das war nur dadurch möglich, dass sich die Eltern selber, in grenzenlosem Einsatz, zu ständigen Abwehrorganen gemacht haben, um dem Kind ein zwangfreies Leben
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zu erhalten: ständig zum Stillen bereit, ständig alle Wünsche erfüllend, alle Anforderungen vermeidend und die Regeln und Pflichten, die jedes Zusammenleben erfordert, von den Kindern ängstlich fernhaltend.
Es handelt sich hier um eine extreme Weise des Behütens, die sich jedoch nicht nur gegen die Gefahren durch Verkehr oder durch schlechte Einflüsse, sondern gegen jede Anforderung und Zumutung, gegen die Gefahren der „Frustration“ des Kindes mit extremen Mitteln wehrt. Diese Art der Verleugnung von Zwängen ist nicht nur maßlos anstrengend für die Eltern, sondern auch gegenüber den Kindern nicht sinnvoll, weil sie ihnen wichtige Erfahrungen aus dem Weg räumt und sie damit wirklichkeitsfremd und unselbständig macht. 2 Als extremste Form eines behüteten Elternhauses könnte man die antiautoritäre Erziehung sehen. Antiautoritär erzogene Kinder wachsen ohne strenge Regeln auf, ihrem Verhalten werden keine Grenzen gesetzt, Fehlverhalten wird nicht geahndet; im Gegenteil: Fehler werden durch die Eltern wieder ausgebügelt, Probleme von den Eltern aus der Welt geschafft. Ob man ein solches Elternhaus nun als „behütet“ bezeichnen mag, sei dahingestellt. Hier jedoch soll ein solcher Erziehungsstil als eine extreme Form von Behütung angesehen werden. Natürlich gibt es zahlreiche Formen der Abstufung zwischen autoritärer und antiautoritärer Erziehung und die Behauptung, autoritär erzogene Kinder werden später sorgfältig, antiautoritär erzogene dagegen sorglos, wäre sicher falsch. Auch gibt es keine allgemein anerkannte feste Definition und keine Abgrenzung zu anderen Begriffen wie „laisser-faire“, so dass das Wort „antiautoritär“ von jedem, der es benutzt, mehr oder weniger assoziativ besetzt wird.
Zudem wird selten ein Erziehungsstil hundertprozentig durchgezogen, sondern eine Erziehung besteht oft aus mehreren Komponenten verschiedener Erziehungsstile. Daher sollen in dieser Arbeit unter behütenden Eltern einfach solche verstanden werden, die alles tun, um ihren Kindern jegliche Unannehmlichkeiten aus dem Weg zu räumen, die kein aktives Problemlösungsverhalten von ihren Kindern fordern und die ihren Kindern falsches Verhalten durchgehen lassen, ohne sie dafür mit negativen Konsequenzen zu konfrontieren. Es wird jedoch im Folgenden wiederholt auf die antiautoritäre Erziehung zurückgegriffen, da sich an dieser, als Extrembeispiel, exemplarisch der Untersuchungsgegenstand herausarbeiten lässt.
1 vgl. Frey, Dieter/Schulz-Hardt, Stefan: Theorie der gelernten Sorglosigkeit. Unveröffentlichtes Papier, 2000. Seite 35.
2 Flitner, Andreas: Konrad, sprach die Frau Mama... Über Erziehung und Nicht-Erziehung. Berlin, 1982. Seite 103.
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Arbeit zitieren:
Eva Pisinger, 2001, Sorglosigkeit bei Kindern aus einem behüteten Elternhaus, München, GRIN Verlag GmbH
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