JULIUS -MAXIMILIANS -UNIVERSITÄT WÜRZBURG
INSTITUT FÜR POLITISCHE WISSENSCHAFT
Seminar Politik im vereinigten Königreich
2. Fachsemester
Nationalismus in Schottland
von: Johannes Hünig
I n h a l t s v e r z e i c h n i s
1. Einleitung 3
2. Blick in die Geschichte 3
3. Der schottische Nationalismus im 20. Jahrhundert 5
4. Ursachen des Nationalismus 6
5. Ausblick 7
Literaturverzeichnis 8
1 . E i n l e i t u n g
Die Devolution hat Fakten geschaffen. Seit Queen Elizabeth II. am 1. Juli 1999 das neue Edinburgher Parlament feierlich eröffnet hatte, verfügt Schottland erstmals seit über 300 Jahren wieder über ein eigenes Abgeordnetenhaus und eine eigene Regierung. Die Menschen in Schottland hatten sich in einem Referendum für die begrenzte Autonomie entschieden: Ein eigenes Parlament, eigene Exekutive – bei gleichzeitigem Verbleib im Vereinigten Königreich. Den Anhängern des politischen Nationalismus, die stets eine völlige staatliche Eigenständigkeit gefordert hatten, ging dies nicht weit genug. Sie wollten ihr Heimatland nach Jahrhunderten der „Fremdherrschaft“ durch England, wie sie es bezeichnen, als Nationalstaat sehen.
Der politische Nationalismus ist wohl das bedeutendste Phänomen der letzten 50 Jahre schottischer Geschichte. Etwa ab 1960 hatte die Frage nach dem politischen Status der Region gegenüber der Zentralregierung für das Vereinigte Königreich dramatisch an Bedeutung gewonnen, eine Entwicklung, die in der Verwirklichung der oben angesprochenen Devolution für Schottland gipfelte. Treibende Kraft hinter der Forderung nach Selbstverwaltung war stets die nationalistische Bewegung Schottlands gewesen.
2 . B l i c k i n d i e G e s c h i c h t e
Will man den schottischen Nationalismus angemessen betrachten, kommt man nicht umhin, einen Blick in die gemeinsame Geschichte des Landes mit England zu werfen. Mit der Vereinigung der Parlamente von Schottland und England im Jahre 1707 („Treaty of Union“) war Schottland als Staat im Vereinigten Königreich aufgegangen. Mit dem Unionsvertrag hatte Schottland seine legislative und administrative Autonomie allerdings – theoretisch gesehen – keineswegs an England abgegeben, sondern war Teil einer Union zweier Staaten geworden. Darüber hinaus wurden im Unionsvertrag bedeutende Zugeständnisse festgeschrieben, etwa das Fortbestehen der Church of Scotland oder die Existenz eines eigenen Bildungssystems. Hinzu kommt, dass Schottland im vereinigten Parlament nicht nur mit einer verhältnismäßig höheren Anzahl von Abgeordneten vertreten war als England, sondern auch proportional einen höheren Anteil an Politikern und Beamten stellte. Dennoch entstand sowohl für Schotten wie für Engländer der Eindruck, dass Schottland von England „absorbiert“ worden sei. Die Praktiken und Traditionen des englischen Parlaments waren im neuen, gemeinsamen Abgeordnetenhaus fast unverändert übernommen worden; zudem hatten Parlament und Regierung ihren festen Sitz in London.1 So entstand das – bei vielen Schotten bis heute vorherrschende – Gefühl, nicht gleichberechtigter Partner in einer Union, sondern vielmehr unterlegen und gegenüber England benachteiligt zu sein. Hier ist zumindest eine von mehreren Ursachen des schottischen Nationalismus erkennbar: Ist eine solche Geisteshaltung gegenüber dem Nachbarn im Süden erst einmal im öffentliche Bewusstsein verankert, entsteht wohl schnell der Wunsch nach Autonomie. So wenig sich dieser Wunsch auch rational begründen lässt, so ist er doch existent und wird mit großem Ernst diskutiert. „Allein die Tatsache, dass Schottland nicht wie Wales oder Irland annektiert wurde, ist bemerkenswert“, schreibt Matthias Eickhoff.2
[...]
1 THE SCOTTISH PARLIAMENT: Factfile 1. A Devolved Parliament. http://www.scottish.parliament.uk/factfiles/ff1.htm (3. 5. 2003)
2 EICKHOFF, MATTHIAS: Schottland: Vom Nationalismus zur Europäischen Union?. Münster 1994, S. 13
Arbeit zitieren:
Johannes Hünig, 2003, Nationalismus in Schottland, München, GRIN Verlag GmbH
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