Gliederung
Die Hintergründe Seite 03
Der Ort des Geschehens Seite 03
Die Hypothesen Seite 03 - 04
Der Multi - Methoden - Mix Seite 04 - 07
Die Kleideraktion Seite 04 - 05
Der Mädchenturnkurs Seite 05
Die ärztliche Sprechstunde Seite 06
Die politischen Veranstaltungen Seite 06
Der Schnittzeichenkurs Seite 06
Der Umgang mit der Zeit Seite 06 - 07
Die abschließende Bearbeitung und Auswertung Seite 07 - 09
Fazit Seite 09 - 10
Quellennachweis Seite 11
Prim ärquellen Seite 11
Sekund ärquellen Seite 11
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Die Hintergründe
Die Forschungsgruppe von Marie Jahoda, Paul F. Lazarsfeld und Hans Zeisel versuchten mit modernen Erhebungsmethoden die Wirkungen langandauernder Arbeitslosigkeit zu untersuchen.
Anfang der 30er Jahre, nach der Weltwirtschaftskrise, trug Paul F. Lazarsfeld dem österreichischen Sozialistenführer Otto Bauer seinen Plan vor, das Freizeitverhalten von Arbeitern zu untersuchen. Dieser wiederum lehnte die Idee weit blickend ab, denn das dringendste Problem stellte zu der Zeit die Arbeitslosigkeit dar. Somit wurde das Forschungsteam zu einer empirischen Studie von Massenarbeitslosigkeit inspiriert, die noch heute ihre Aktualität nicht verloren hat. Nun war es ihr Ziel, mit modernen Erhebungsmethoden ein Bild von der psychologischen Situation einer Arbeitslosenpopulation zu gewinnen.
Der Ort des Geschehens
Als Untersuchungsort wählten sie Marienthal. Es war ein kleines Fabrikdorf an der Fischa -Dagnitz im Steinfeld in Niederösterreich. „1830 entsteht eine Textilfabrik, die sich stetig vergrößert, so dass immer mehr Arbeiter nach Marienthal ziehen. Je größer der Betrieb wurde, desto organisierter wurden die Arbeiter.“ 1
Mitte 1929 folgte nach Jahren des Aufschwungs eine ernste Krise. Im selben Jahr schloss die Spinnerei, im August die Druckerei, im September die Bleiche und schlussendlich im Februar 1930 die Weberei. Die Konsequenz der Schließungen war eine nahezu totale Arbeitslosigkeit. Von den in Marienthal insgesamt lebenden 478 Familien „[…] hatte in 367 Familien kein Familienmitglied einen regulären Arbeitsplatz.“ 2
Diesen Stand fand das Forschungsteam vor, als sie im Dezember 1931 die Untersuchungen aufnahmen.
Die Hypothesen
Die Forschungsgruppe stellte sich die Aufgabe die Thematik als Massenproblem zu betrachten. Interessant ist nicht der Einzelne, sondern das arbeitslose Dorf als Gesamtheit. Sie entschieden sich für eine empirische Untersuchung „[…] zwischen zwei widersprüchlichen Hypothesen: (1) Massenarbeitslosigkeit führt zu einer Radikalisierung der Arbeiter, (2)
1 www.sozpsy.uni-hannover.de/marienthal; 09.01.2004
2 Andreas Diekmann (2002): „Empirische Sozialforschung“. Grundlagen, Methoden, Anwendung. Hamburg,
Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, S. 459
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Arbeitslosigkeit führt zu Resignation und Apathie bei Arbeitslosen.“ 3 Diese Thesen galten als Hauptaugenmerk und sollten mit dem Multi - Methoden - Mix betrachtet werden. Sie wollten vielfältige, unterschiedliche Methoden verwenden, um die Folgen der Arbeitslosigkeit differenziert zu erfassen und durch alternative Methoden abzusichern.
Der Multi - Methoden - Mix
Zunächst sammelte man das Material zusammen, w elches die Erhebungstätigkeit vereinfachen sollte. Bei der Auswertungsarbeit wurde das Forschungsteam unterstützt von so genannten Katasterblättern. Für jeden Einwohner Marienthals wurde ein Kataster angelegt auf dem unter anderem Personaldaten und „[…] alle Beobachtungen über Wohnverhältnisse, Familienleben, Haushaltsführung usw., (die) für die spätere Bearbeitung protokolliert“ 4 wurden.
Des Weiteren sammelte man statistische Daten, wie zum Beispiel Abonnements von Illustrierten oder auch Mitgliederzahlen der Vereine. Außerdem erhielt die Gruppe Informationen über die Bevölkerungsstatistik, also Altersaufbau, Geburten sowie Todesfälle und auch Eheschließungen, etc. Die ersten Überlegungen bezogen sich auf die Beobachtungsart. Das Team entschied sich für die verdeckt - teilnehmende Beobachtung. „Es war unser durchgängig eingehaltener Standpunkt, dass kein einziger unserer Mitarbeiter in der Rolle des Reporters und Betrachters in Marienthal sein durfte, sondern dass sich jeder durch irgendeine, auc h für die Bevölkerung nützliche Funktion in das Gesamtleben natürlich einzufügen hatte.“ 5 Von diesem Standpunkt aus entwickelte man die Idee diverser Veranstaltungen. Somit wurden eine kostenlose ärztliche Sprechstunde, eine Erziehungsberatung, ein Schnittzeichenkurs und ein Mädchenturnkurs organisiert.
Die Kleideraktion
Ein charakteristisches Beispiel für die Beobachtungen der Studien in Marienthal ist die Kleideraktion. Eine Mitarbeiterin der Forschungsgruppe machte bei 100 Familien in Marienthal Hausbesuche, um die Notwendigkeit von Kleidungsstücken, sowie deren
3 Andreas Diekmann (2002): „Empirische Sozialforschung“. Grundlagen, Methoden, Anwendung. Hamburg,
Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, S. 460
4 Marie Jahoda, Paul F. Lazarsfeld, Hans Zeisel (1975): „Die Arbeitslosen von Marienthal“. Ein
soziographischerVersuch. 1. Auflage, Suhrkamp Verlag, S. 26
5 Marie Jahoda, Paul F. Lazarsfeld, Hans Zeisel (1975): „Die Arbeitslosen von Marienthal“. Ein
soziographischerVersuch. 1. Auflage, Suhrkamp Verlag, S. 28
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Arbeit zitieren:
Saskia Pohl, 2004, Methodenmix der Studie "Die Arbeitslosen von Marienthal", München, GRIN Verlag GmbH
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