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Einleitung 2
1. Moses Mendelssohn Gotthold Ephraim Lessing 3
1.1. Moses Mendelssohn 3
1.1.1. Elternhaus Mendelssohns und die Situation der Juden 3
in Deutschland
1.1.2. Moses Mendelssohn der Hochbegabte 5
1.2. Gotthold Ephraim Lessing 6
1.2.1. Gottholds Kindheit im Kamenzer Pfarrhaus 6
1.2.2. Eliteschmiede St. Afra und Lessings Leipziger Studienjahre 7
2. Philosophie der Aufklärung als Bindeglied zwischen den 8
zwei Kulturen
2.1. Taktischer Schachzug Aaron Salomon Gumpertz 8
3. Auto- bzw. biographische Bezüge der Nathanfigur 11
Schlu ß 13
Literaturverzeichnis 16
Einleitung
Beschäftigt man sich mit Gotthold Ephraim Lessing im Allgemeinen und mit seinem dramatischen Gedicht Nathan der Weise im Speziellen, kommt man nicht umhin fortwährend auf den Namen Moses Mendelssohn zu stoßen. Stellt sich nun die Frage wer dieser Moses Mendelssohn war und welche Rolle er im Bezug auf Lessings Spätwerk spielte? Ist er tatsächlich, wie Julius H. Schoeps in seinem Werk über eben genannten Philosophen behauptet: “ das Urbild des Nathan“ 1 ?
Genau diesen Zusammenhang werde ich auf den nächsten Seiten genauer beleuchten, denn auf den ersten Blick scheint die einzige Verbindung zwischen Moses und Nathan das Judentum zu sein. Mir war es im Folgenden wichtig, herauszuarbeiten was den Dichter mit dem Philosophen verband, zumal das partikularistische Deutschland des 18. Jahrhundert, alles andere als aufgeschlossen gegenüber christlich-jüdischen Freundschaften war. Zunächst werde ich die Situation der Juden in Deutschland näher analysieren, denn diese soziale Komponente schreibt sich unentwegt in die Biografie Mendelssohns ein, und trägt auch dazu bei das Missfallen der Gesellschaft an dieser Freundschaft zu verstehen. Weiterhin werde ich die unterschiedlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen von Lessing und Mendelssohn kontrastieren, wobei ich mich auf den 2001 von Vera Forester veröffentlichten Text Lessing und Moses Mendelssohn. Geschichte einer Freundschaft 2 stützen werde. Ebenso möchte ich näher auf die bereits oben erwähnte Thematik eingehen, dass Mendelssohn als der authentische Nathan gehandhabt wird. Wie kommt es, dass man Lessing zuschreibt seine Nathanfigur anhand seines Freundes modelliert zu haben, wo er doch bereits 1749, also vor dem ersten Treffen mit Mendelssohn, mit seinem Lustspiel Die Juden einen jüdischen Kaufmann auf die Bühne bringt, welcher dreißig Jahre vor Nathan der Weise Lessings „Postulat der religiösen und rassistischen Toleranz“ 3 verkündet?
1 Schoeps : Moses Mendelssohn, S.5
2 Forester: Lessing und Moses Mendelssohn. Im folgenden abgekürzt durch L & M
3 Kindlers Literatur Lexikon CD-Rom
2
1. Moses Mendelssohn & Gotthold Ephraim Lessing
1.1. Moses Mendelssohn
1.1.1. Elternhaus Mendelssohns und die Situation der Juden
in Deutschland
Wenn man sich mit Moses Mendelssohn befasst, erscheint es sinnvoll einen kurzen Abriss über die Lebensbedingungen und die gesellschaftliche Rolle der Juden im Deutschland der damaligen Zeit zu geben. Deutlich soll diese am Beispiel Dessaus werden, denn dort wurde Moses am 6. September 1729 geboren. Die in Sachsen-Anhalt gelegene Stadt galt als eine der wenigen die in der damaligen Zeit eine Ansiedlung von Juden duldete, allerdings nur in einer beschränkten Anzahl. 4 Moses wurde als Sohn von Mendel (Menachem) Heymann und dessen Frau Bela Rachel Sara geboren. Zu der Zeit, als Moses Mendelssohn aufwuchs waren die urbanen Juden in Ghettos isoliert, hatten keinerlei Rechte und ihre relativ geschlossene Isoliertheit war kaum zu durchbrechen. Das Dessauer Ghetto, welches signifikanterweise „Auf dem Sand“ hieß, als ob es den Juden aufzeigen wolle, dass ihre Existenz, d.h. ihr Siedlungsrecht auf unstetem Material gründete, galt als „kleines Zentrum mosaischer Gelehrsamkeit.“ 5 Die dort ansässigen Juden waren weitgehend von der christlichen Umwelt isoliert, sie hatten keine Freiheit und keine offizielle Aufenthaltserlaubnis. Auch ein Nachname wurde den Juden nicht zugesprochen, daher auch die Tatsache, dass aus dem Sohn Mendels Moses Mendelssohn wurde. Moses selbst sagte über die Situation der Juden noch viele Jahre später „Es thut mir weh, dass ich um das Recht der Existenz erst bitten soll, welches das Recht eines jeden Menschen ist... 6 Moses Mendelssohns Familie galt als eine der ärmsten im Dessauer Ghetto. Der sehr religiöse Vater machte sich als Synagogendiener und „Schulklopfer“ 7
4 Forester: L & M S. 13
5 Forester: L & M S. 13
6 Mendelssohn an den Marquis d’Argens, Anfang 1763, Schoeps: Moses Mendelssohn S.70
7 an der Synagoge gab es kein Tonsignal, daher ging ein „Schulklopfer“ allmorgendlich durch die Gemeinde und klopfte zum Morgengebet
3
verdient, später wurde er Elementarlehrer und Schreiber. Die Mutter, einst aus besseren Verhältnissen stammend, widmete sich gänzlich der Aufzucht ihrer drei Kinder.
Die Situation der Juden in Großstädten wie Berlin war etwas freier, als in den kleineren Städten. Die Ghettosituation war nicht ganz so plakativ wie in Dessau, trotzdem jedoch eingeschränkt durch die von den Fürsten auferlegten Schutzbriefe. Die jüdische Berliner Bevölkerung konnte in sechs Gesellschaftsgruppen aufgeteilt werden. So differenziert man beispielsweise zwischen:
1. „Generalpreviligierte Juden“(Hofbankiers, Großkaufleute) die sich niederlassen konnten wo sie wollten. Man gestand ihnen sogar zu Grundbesitz zu erwerben. Dieses Privileg war vererbbar
2. „Schutzjuden“, wie Isaak Bernhard, dessen kleine Manufaktur, sowie sein Leben und sein Wohnort geschützt waren, wobei dieses Recht nur auf maximal zwei Kinder vererbbar war.
3. „Außerordentlichen Schutzjuden“ (Ärzte, Optiker, Kupferstecher). Das Wohnprivileg bezog sich nur auf die einzelne Person d.h. dass nach dem Ableben Frau und Kinder durchaus der Stadt verwiesen werden konnten. Moses Mendelssohn erhielt 1763 diesen Status. Diese obersten drei Gruppen von Juden mussten für jegliche Abgaben aufkommen die anfielen, wie z.B. die Judensteuer. 4. zu der vierten Gruppe gehörten die Beamten der jüdischen Gemeinde (z.B. Bäcker, Metzger, Rabbiner) welche kein Gewerbe treiben durften, jedoch solange sie im Amt waren das Ansehen eines Schutzjuden hatten. 5. „Geduldete Juden“ welche ebenfalls keinen Handel betreiben durften. Meist waren dies die Kinder der „Schutzjuden“ und „außerordentlichen Juden“ die nicht mit dem Wohnrecht beerbt wurden
6. In dieser Gruppe wurden die Bediensteten zusammengefasst, welche sich in der Stadt nur so lange aufhalten durften wie ihr Angestelltenverhältnis währte. 8
8 Vgl. Hinske: Ich handle mit Vernunft S. 126
4
Arbeit zitieren:
Christina Kühnle, 2003, Gotthold Ephraim Lessings Freundschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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