„Die Welt der Peanuts ist ein Mikrokosmos, eine kleine menschliche Komödie…“, (Eco 1996, 3) „… vorgetragen in einem beinahe feierlichen Ton, in einer Harvard-Sprache, … mit einer Zeichnung, die jeder Figur noch die geringste psychische Regung einzuschreiben vermag.“ (Eco 1996, 4) Die Sätze der Figuren sind grammatikalisch korrekt, vollständig und entbehren jeden Slangs oder Jargons. Der Dialogtext ist gegenüber der Bildebene mit den vielen schematischen Elementen das innovative Moment. (Strobel, Ricarda: Die „Peanuts“ -Verbreitung und ästhetische Formen. Ein Comic - Bestseller im Medienverbund. Heidelberg: Carl Winter Universitätsverlag, 1987, S.72)
Die Peanuts sind in i hrer Standardform schwarz - weiße Federzeichnungen, die keine Grautöne oder Schattierungen enthalten. Linien dominieren Flächen. (Strobel 1987: 19) Kopf- und Rumpfform sind gemeinsame, unveränderliche Merkmale. Mund, Augenpartie, Haltung von Körper- und Gliedmaßen gehören zu den gemeinsamen, aber veränderlichen Kennzeichen. Beide Arten von Kennzeichen werden jeweils durch individuelle Merkmale wie z.B. Charlie Browns Stirnlocke ergänzt. (Strobel 1987: 21-23) Zu den Ausdrucksmitteln gehören „Embleme mit dem Charakter idiomatischer Wendungen“, die aber nie Gegenstand der Pointe werden. (Strobel 1987: 24) Der Comic besteht so gut wie immer aus Text- und Bildkomponenten; die Texte sind handgelettert. (Strobel 1987: 27+28) Typisch sind die schlichten Umrisszeichnungen und das enge Repertoire an Zeichengruppen; der grafische Charakter des Strips ist stark schematisch. (Strobel 1987: 29) „Die Peanuts lassen sich als Strip-Serie im Baukastenprinzip beschreiben: Aus einer beschränkten Anzahl immer wiederkehrender Bausteine wird der einzelne Strip konstruiert, wobei auch die Kombination noch bestimmten Regelmäßigkeiten unterliegt.“ (Strobel 1987: 34 Raum für Innovationen bieten die Dialogtexte, nur die sprachliche Variation macht die identische Kombination von Figuren, Handlungsorten und Situationen mit festgelegten Aussagen auf inhaltlicher Ebene interessant. (Strobel 1987: ) Dafür ist der ausgewählte Strip ein sehr schönes Beispiel. Er findet im Wohnzimmer statt und ist somit ein personenneutraler Handlungsort. (Strobel 1987: 59) In fünf von acht Panels wiederholt sich die Szenerie: Sally, Charlie Brown und Snoopy stehen am Fenster und sehen hinaus. Dabei kann der Leser sie abwechselnd von innen oder von außen betrachten, insgesamt dreimal von außen und zweimal von innen. Lediglich die s prachliche Variation erzeugt das Spannungsmoment.
Im 1. Panel sitzt Woodstock in seinem Nest. Es regnet und er schützt sich in einer vermenschlichenden Art und Weise mit einem Regenschirm vor dem schlechten Wetter. Das 2. Panel stellt die Nebenfigur Sally sowie die Protagonisten Charlie Brown und Snoopy im
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Wohnzimmer dar. (Strobel 1987: 37) C harlie Brown sitzt im Sessel und liest vermeintlich, achtet aber auf Sallys Worte. Snoopy liegt halb auf der oberen Sesselkante und halb auf Charlie Browns Kopf. Er hört ebenfalls zu wie Sally sagt: „Hört euch mal den Donner an…“ Sie stehen daraufhin im 3. Panel am Wohnzimmerfenster, man sieht von außen wie Sally, Charlie Brown und Snoopy (von links) nebeneinander stehen. Sally weiter: „Bin ich froh, dass wir drinnen sind! Das ist das schlimmste Gewitter, dass ich je erlebt habe…“ Ihr Blick ist bestürzt. Perspektivenwechsel. Man sieht jetzt die drei von innen nach außen sehen, das Gewitter ist gut zu sehen, während Charlie Brown im 4. Panel ergänzt: „Ich muss immer an die Tiere denken, die jetzt da draußen sind…“ Als Sally zustimmt, indem sie sagt: „Die armen Vögel…“ und Charlie Brown wiederum mit „Stimmt!.. Vögel, Rehe, Eichhörnchen, Hasen…“ reagiert, schaut Snoopy nicht mehr nach draußen sondern Sally und Charlie Brown an. Man sieht im 5. Panel wieder von außen zu. Im 6. bleibt die Perspektive gleich, aber Snoopy blickt nachdenklich aus dem Fenster und scheint Sally und Charlie Brown gedanklich zu folgen, die ihre Aufzählung fortsetzen: „Streunende Katzen….“, „Pferde, Kühe, kleine Käfer…“. Im 7. Panel, dem einzigen stummen, kann der Leser das Gewitter wieder gut von innen beobachten, die Weltverbesserer stehen schweigend am Fenster und Snoopy geht. Das letzte Panel offenbart den Grund: Snoopy trägt einen Regenmantel und hat sich eine Mütze aufgesetzt. Der Strahl seiner Taschenlampe leuchtet direkt auf Charlie Browns Hemd. Sie sind im Profil zu sehen und man erkennt gut die Ausdruckslosigkeit in Snoopys Gesicht, als sein rundköpfiger Junge zu ihm sagt: „Nein, ich glaube nicht, dass wir sie alle retten können…“. Sally, „die …in ihrer Begriffsstutzigkeit immer wieder die scheinbaren Selbstverständlichkeiten im Alltag“ hinterfragt (Strobel 1987: 46), die Verursacherin von Snoopys Aktivität, ist von der Bildfläche verschwunden und den eigentlichen Konflikt tragen die Protagonisten unter sich aus. Sie sind auch die Figuren, die die meisten Paarkontakte aufzuweisen haben (40) und gehören damit der Gruppe 1 an. Im Allgemeinen gruppieren sich die anderen Figuren um s ie herum und sind deshalb zu den zentralen Figuren des Strips zu zählen. (Strobel 1987:41) Sally und C harlie Brown dagegen gehören mit zehn Paarkontakten der Gruppe 3 von insgesamt 5 möglichen an. (Strobel 1987: 38)
Charlie Brown hält Snoopy davon ab, Worte in die Tat umzusetzen. Eine der entscheidenden Fragen ist: Warum handelt er in dieser Art und Weise? Laut Strobel ist Charlie Browns vorherrschender Persönlichkeitszug das ständige Scheitern bei der Suche nach Liebe und Anerkennung. Trotzdem gibt er die Hoffnung nur vorübergehend auf. Wegen seiner Misserfolge leidet er unter Depressionen und starken Schuldgefühlen, die in seinem persönlichen Seufzer „good grief“ zum Ausdruck kommen. Er meint es gut, wird aber immer
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Arbeit zitieren:
Ines Hoffmann, 2004, Analyse eines Comicstrips von Charles Schulz (Peanuts), München, GRIN Verlag GmbH
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