Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
2. Ergebnisse der empirischen Untersuchungen. 4
3. Versuche der Erklärung der Ausländerfeindlichkeit ostdeutscher
Jugendlicher. 7
3.1 Sozioökonomischer Erklärungsversuch. 7
3.2 Umgang mit der Geschichte. 8
3.3 Autoritarismus 9
3.4 Bindungserfahrung und Ethnozentrismus 11
4. Zusammenfassung 13
Literatur. 15
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1. Einleitung
In dieser Hausarbeit wird versucht, Ursachen für die ethnozentristische Orientierung von Jugendlichen in Ostdeutschland zu erklären. Insbesondere wird auf die Strukturen der ehemaligen DDR eingegangen, da man vermutet, dass es die noch in der DDR verbrachte Kindheit ist, in der die Neigung für das spätere rechtsextremistische Denken bei ostdeutschen Jugendlichen angelegt ist.
Im 2. Kapitel wird einführend auf das behandelte Thema mittels Forschungsergebnissen dargestellt, dass in den östlichen Teilen Deutschlands der Hang von Jugendlichen zum Rechtsextremismus stärker ausgeprägt ist als bei westdeutschen Jugendlichen und der Begriff des Ethnozentrismus definiert. Im 3. Hauptkapitel wird versucht, Erklärungsansätze für diese Entwicklung zu finden. Im ersten Unterkapitel (3.1) führt man kurz den uns allen gut bekannten auf befürchteten sozioökonomischen Auswirkungen basierenden Erklärungsversuch auf. Im 2. Subkapitel wird der gesellschaftliche Aspekt und die Art und Weise beleuchtet, in der sich die Bürger der DDR mit der neofaschistischen Vergangenheit auseinander setzen. In 3.3 kommt man auf den psychologischen Aspekt des Autoritarismus zu sprechen. Anschließend, in 3.4, wird die Bindungsqualität der Jugendlichen in Zusammenhang mit der Ausprägung des Ethnozentrismus gebracht und daraus auf den Ausprägungsgrad der Fremdenfeindlichkeit der ostdeutschen Jugendlichen zurückgeschlossen. Im letzten Kapitel erfahren die in dieser Arbeit aufgeführten Aspekte, welche die Entwicklung der rechten Szene unter den ostdeutschen Jugendlichen begünstigen, eine Zusammenfassung.
2. Ergebnisse der empirischen Untersuchungen
Seit der Wiedervereinigung beider deutschen Staaten im Oktober 1990 rückt die Frage nach der Ausländerfeindlichkeit in den neuen Bundesländern immer mehr in den Mittelpunkt politischer und wissenschaftlicher Diskurse. Zahlreiche fremdenfeindliche Gewalttaten und pogromartige Übergriffe in
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verschiedenen Städten Ostdeutschlands, z.B. 1991 in Hoyerswerda, stellen die in der Zeit der DDR angepriesene Erziehung zur Völkerverständigung und internationalen Solidarität unvermeidlich in Frage. Zusätzlich zeigen vielfältige sozialwissenschaftliche Untersuchungen ein im Vergleich zu westdeutschen Erhebungen höheres Maß an Ausländerfeindlichkeit bei ostdeutschen Jugendlichen. Die ersten Dokumente über
Ausländerfeindlichkeit in Ostdeutschland sind beispielsweise die von Oesterreich vorgelegten Ergebnisse einer Befragung von Ost- und Westberliner Jugendlichen (vgl. Oesterreich 1993, S. 173ff), die in Sachsen und Sachsen-Anhalt durchgeführten Erhebungen der Forschungsstelle Sozialanalysen in Leipzig (vgl. Förster 1992) und eine Langzeitstudie, die 1. Welle des Jugendsurvey des Deutschen Jugendinstituts (DJI) (vgl. Kleinert 1998, wo auch Daten des Jugendsurvey 1992 mit Daten des Jugendsurvey 1997 verglichen werden).
Neue Daten zur Ausländerfeindlichkeit in Ost und West bestätigen die Erfahrungen der ersten Jahre der deutschen Einheit, aus denen eine stärkere Ausländerfeindlichkeit ostdeutscher Jugendlicher hervorgeht. In den Ergebnissen des DJI-Jugendsurvey 1997, die auf einer repräsentativen Befragung von 16- bis 29-jährigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen basiert und in der vielfältige Fragen zu Migranten in Deutschland gestellt werden, zeigen sich einige auffällige Unterschiede zwischen den alten und neuen Bundesländern. Diese sind bei den Fragen über die Präsenz oder den Ausschluss von Ausländern besonders ausgeprägt. Der Aussage „Wenn Arbeitsplätze knapp werden, sollte man die Ausländer wieder in die Heimat schicken“ stimmen in den alten Bundesländern ca. 15 % der Jugendlichen zu, in den neuen Bundesländern dagegen knapp 37 % (vgl. Kleinert 1998, S. 27f). 7 % der westdeutschen, aber 19 % der ostdeutschen Jugendlichen fänden es „am besten, wenn alle Ausländer Deutschland verlassen würden“ (vgl. ebd., S. 27f)
Daten der DJI-Jugendsurvey 1997 belegen enge Zusammenhänge zwischen Nationalismus und Ausländerfeindlichkeit. Je fremdenfeindlicher die Befragten in Ost und West sind, desto ausgeprägter ist ihr Nationalstolz. Im Westen sind 62% der den Ausländern gegenüber negativ eingestellten Befragten stolz darauf, dass sie Deutsche sind, im Osten sind es sogar 73%.
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Umgekehrt sind die Befragten mit einer positiven Haltung gegenüber Ausländer auf ihre deutsche Nationalität deutlich weniger stolz (25% im Osten, 30% im Westen). (vgl. ebd., S. 27f)
Aus dem engen Zusammenhang zwischen Ausländerfeindlichkeit und Nationalstolz folgt die von Hopf, Sizer und Wernich stark vertretene Auffassung, dass die Ausländerfeindlichkeit in Ost- sowie in Westdeutschland als Ausdruck ethnozentristischer Orientierung aufgefasst werden muss.
Der Begriff des Ethnozentrismus geht auf den amerikanischen Soziologen Sumner (1906) zurück und wurde später in anderen wissenschaftlichen Kontexten übernommen. (vgl. http://www.luschei.de/forsch/diplfl.pdf, S. 9) Gemeint sind mit dem Begriff des Ethnozentrismus kognitive und affektive Orientierungen, nach denen die Eigengruppe - die eigene Nation, die eigene Religion u.ä. - übertrieben hoch bewertet wird und die Außengruppen -Angehörige anderer Nationen, Ethnien, Religionen u.a. - herabgesetzt und verachtet werden. (vgl. Rieker 1997, S. 14ff) Die Verbindung des Stolzes auf die eigene nationale Zugehörigkeit mit der Zustimmung zu Parolen wie „Ausländer raus“ wäre in diesem Sinne ein entsprechendes Beispiel für ethnozentrische Orientierung. Andere Beispiele sind die abfälligen und herabsetzenden Redensarten, mit denen ethnische Minderheiten bezeichnet werden (zum Beispiel „Kanaken“ als Bezeichnung für die türkischen Mitbürger), die Empörung über die ökonomische Unterstützung von Asylsuchenden durch deutsche Behörden oder auch die Vorstellung, dass Deutsche bei der Arbeitsplatzsuche selbstverständlich privilegiert sein müssten.
Im Sinne der oben aufgeführten Definition, spricht man folgend ausschließlich von einer ethnozentristischer Orientierung.
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Arbeit zitieren:
Elena Rauch, 2002, Sind ostdeutsche Jugendliche fremdenfeindlicher als Westdeutsche?, München, GRIN Verlag GmbH
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