Inhaltsverzeichnis
Einleitung. 1
I. Die idea of necessity. 2
I.1. Begriffliche und theoretische Vorentscheidungen. 2
I.2. Das Wesen der Notwendigkeit. 3
I.2.1. Gewöhnliche Annahmen. 3
I.2.2. Gangbare Worte. 5
I.2.3. Humes negative Antwort. 6
I.2.4. Humes positive Antwort. 6
I.3. Zusammenfassung. 7
I.3.1. Die gewöhnliche Meinung (M1) 8
I.3.2. Die falsche philosophische Meinung (M2) 8
I.3.3. Die richtige philosophische Meinung (M3) 8
II. Zur Überzeugungskraft der humeschen Argumentation. 9
II.1. Zur Kohärenz der Argumentationsstränge. 9
II.1.1. M1. 9
II.1.2. M2. 10
II.1.3. M3. 11
II.2. Klärungen und Korrekturen. 11
II.2.1. Radikaler Reduktionismus. 11
II.2.2. Naive Auffassungen. 11
II.2.3. Unstimmigkeiten. 12
II.3. Kants und Husserls Einwände gegen Hume. 13
II.3.1. Kant. 13
II.3.2. Husserl. 14
II.4. Urteil. 15
III. Zur Interpretation des humeschen Kausalitätskonzepts. 17
III.1. Kausalität abschaffen. 17
III.2. Was bleibt? 18
IV. Literaturverzeichnis. 20
IV.1. Werkausgaben. 20
IV.2. Aufsätze 20
Einleitung
„Eine Darstellung der Grundgedanken der Humeschen Philosophie mit dem Problem der Kausalität zu beginnen, hat eine lange und mittlerweile geradezu ehrwürdige Tradition, welche sich (mindestens) bis auf Kant zurückführen läßt.“ (Bong 1998, S. 283)
Tatsächlich gibt Kant in den Prolegomena nicht nur über Humes Hilfe bei der Erweckung aus seinem „dogmatischen Schlummer“ (Kant 1968b, A12) Auskunft. Desweiteren ist dort auch zu erfahren, dass Humes Metaphysik Kants Meinung nach vorrangig der Frage nachging, wie „etwas so beschaffen sein könne, daß, wenn es gesetzt ist, dadurch auch etwas anderes notwendig gesetzt werden müsse“ (Kant 1968b, A7). Im Vertrauen auf Kants Urteil sollte mit der Frage nach der Notwendigkeit ein Aspekt der Philosophie Humes angesprochen sein, der allein aufgrund seiner historischen Präsenz eine Beschäftigung mit dem Thema rechtfertigt. Das Problem der idea of necessary connexion findet sich originär im 14. Abschnitt des dritten Teils von Buch I des Treatise of Human Nature ausführlich behandelt. Dort schlussfolgert Hume bezüglich der Natur der Notwendigkeit: „There is, then, nothing new either discovered or produc'd in any objects by their constant conjunction [...]. These ideas, therefore, represent not any thing, that does or can belong to the objects, which are constantly conjoin'd.“ (S. 164) 1
Stattdessen verortet Hume das Kausalitätsprinzip im menschlichen Geist: „the efficacy of causes lie in the determination of the mind!“ (S. 167) „Humes Paukenschlag“ (Pätzold 1998, S. 10) ist nicht unmittelbar einsichtig und bedarf der Ausführung. Deshalb soll hier zunächst die Argumentationsstruktur nachgezeichnet werden, mit der Hume seine „Kausalitätsskepsis“ (Bonk 1998, S. 283) begründet (I). Daran anschließend soll geprüft werden, ob Humes Argumentation überzeugen kann und überzeugt hat (II) und welches Interpretationsspektrum von Humes Lösung aufgeworfen wird (III).
Abschließend sei darauf hingewiesen, dass ich aus Gründen der Übersichtlichkeit und Lesbarkeit das generische Maskulinum als Kollektivbezeichnung verwende.
1 Angaben ohne weiteren Hinweis auf Autor und Erscheinungsjahr verweisen auf: Hume 1978.
1
II. Die idea of necessity
Humes Arbeit an „one of the most sublime questions in philosophy“ (S. 156) ist kein in sich abgeschlossener Theorieteil. Das vorgestellte Konzept bezieht sich auf diverse vorgängig bereit gestellte Untersuchungsergebnisse. Deshalb soll zunächst auf Humes begriffliche Vorentscheidungen eingegangen und auf die verwendeten Ergebnisse hingewiesen werden (I.1.). In einem zweiten Schritt soll dann Humes Argumentation zum Problem der idea of necessity rekonstruiert werden (I.2.).
II.1. Begriffliche und theoretische Vorentscheidungen
Humes Treatise fußt auf und beginnt mit einer einfachen Unterscheidung: „ALL the perceptions of the human mind resolve themselves into two distinct kinds, which I shall call IMPRESSIONS and IDEAS“ (S. 1). Dass perceptions dabei „die Geistes- und Bewusstseinsinhalte überhaupt“ (Hume 1973, S. 8 Anmerkung 8) bezeichnen, wird deutlich, wenn Hume unter impressions „all our sensations, passions and emotions, as they make their first appearance in the soul“ (S. 1) subsumiert und unter ideas „the faint images of these [impressions] in thinking and reasoning“ (ebd.) verstanden wissen will. Wichtig für unseren Zusammenhang ist, dass Hume seiner „empirischen These“ (Hesse 1997, S. 39) prinzipielle Gültigkeit zuspricht: Jeder idea geht immer eine entsprechende impression voraus; ideas ohne impressions gibt es nicht (bzw. lässt sich von einer spezifischen idea ohne korrespondierender impression nur sinnverzerrend und in die Irre leitend reden). Es wird darauf zurück zu kommen sein. Impressions sind dem menschlichen Geist („human mind“ (ebd.)) in zweifacher Hinsicht gegeben. Unmittelbare Erfahrungen - impressions of sensation - entstehen „in the soul originally, from unknown [2] causes“ (ebd.). Selbstwahrnehmungen - impressions of reflexion - werden von den aus den unmittelbaren Erfahrungen erzeugten ideas her-vorgerufen („produce[d]“ (S. 8)). Jede idea entsteht (unter Anwendung der empirischen These) also entweder aus einer Sinnes- oder aus einer Selbstwahrnehmung. Hume versucht im Folgenden zu zeigen, welche unangenehmen Konsequenzen eine Nicht-Beachtung dieser Unterscheidung im Rahmen der idea of necessity nach sich gezogen hat.
2 Womit für Hume genug zum Ursprung der impressions of sensation gesagt ist: „Nothing ist more requisite for a true philosopher, than to restrain the intemperate desire of searching into causes, and having establish'd any doctrine upon a sufficient number of experiments [...], when he sees a farther examination would lead him into obscure and uncertain speculations“ (S. 13).
2
Ideas können laut Hume so aufeinander bezogen werden, dass „simple ideas [...] may be united again in what form it pleases“ (S. 10). Diese geistige connexion of ideas (vgl. ebd.) geschieht entweder aufgrund von Ähnlichkeit, raumzeitlicher Kontinuität oder eines Ursache-Wirkung-Zusammenhangs (vgl. S. 11) und sollte als ein durch „gentle force“ (S. 10) wirkendes Prinzip angesehen werden. Ursächlichkeit sei dabei nicht nur „the most extensive“ (S. 12) Relation, sie sei auch die einzige, „which produces such a connexion, as to give us assurance from the existence or action of one object, that 'twas follow'd or preceded by any other existence or action“ (S. 73 f.). Entscheidend dafür, dass „we reason beyond our immediate impressions, and conclude that such particular causes must have such particular effects“ (S. 155), sei, dass zwei Gegenstände notwendig verknüpft werden („necessarily connected“ (ebd.)). Worin aber „our idea of necessity“ (ebd.) besteht, ist die Frage, zu deren Beant-wortung sich Hume in dem zur Diskussion stehenden Abschnitt des Treatise auf den Weg macht.
II.2. Das Wesen der Notwendigkeit 3
Unter Voraussetzung der empirischen These macht sich Hume auf die Suche nach der impression, die die idea of necessity ausgelöst hat: „we must find some impression, that gives rise to this idea of necessity“ (S. 155). Dazu widmet sich Hume zunächst gewöhnlicher Annahmen („what is [...] commonly suppos'd“ (ebd.)) zum Notwendigkeitsproblem und gelangt zu einem Urteil, das „at first sight be receiv'd without difficulty“ (S. 156).
II.2.1. Gewöhnliche Annahmen 4
Demnach werde Notwendigkeit immer einer kausalen Verknüpfung zweier Gegenstände („objects“ (ebd.)) zugeschrieben, an der unmittelbar wahrgenommen („immediately preceive[d]“ (ebd.)) werden könne, dass die Ursache der Wirkung vorausgeht und dass beide Gegenstände zueinander in raumzeitlicher Kontiguität stehen. Damit aber sei schon alles gesagt, was zur Betrachtung zweier kausal verknüpfter Gegenstände gesagt werden könne: „In no instance can I go any farther, nor is it possible for me to discover any third relation betwixt these objects“ (ebd.). Allein aus der Betrachtung zweier anscheinend kausal verknüpfter Gegenstände lässt sich das Wesen 3 Vgl. Hume 1973, S. 224.
4 Vgl. a.a.O., S. 211.
3
oder die Natur der Notwendigkeit nicht ableiten. Was 'Notwendigkeit' ist, bleibt zunächst unklar.
Erst ein Vergleich von wiederholt wahrgenommenen kausal verknüpften impressions lässt die idea of necessity entstehen. Zwar könne das Nachdenken („the reflection“ (ebd.)) über die immer wieder gleichen (kausal verknüpften) Gegenstände „never give rise to a new idea“ (ebd.). Trotzdem werde der Geist („mind“ (S. 156)) durch die Gewohnheit dazu gebracht 5 („determin'd“ (ebd.)) einen Gegenstand kausal mit einem anderen zu verknüpfen. Dieses Dazu-Bringen („determination“ (ebd.)) sei die gesuchte impression, die die idea of necessity entstehen lässt. Hiermit hat Hume seinen Argumentationsgang im Grunde schon zu Ende gebracht. Da die Konklusion aus „evident deductions from principles, which we have already establish'd“ (ebd.) erfolgte, steht das Ergebnis unverrückbar fest: Die idea of necessity ist eine Selbstwahrnehmung des Geistes. Da damit allerdings die sich daraus ergebenden Konsequenzen noch nicht „extraordinary“ (ebd.) genug klargemacht sind, expliziert Hume seine Argumentation noch einmal aus drei spezifischen Perspektiven: Was ist zu anderen Kausalitätstheorien im Licht der humeschen zu sagen (I.2.2)? In welcher Hinsicht lässt sich auf jeden Fall nicht von 'Notwendigkeit' reden (I.2.3)? Was aber heißt es dann im humeschen Sinn von 'Notwendigkeit' zu reden und welche Konsequenzen ergeben sich unmittelbar aus dem humeschen Ansatz (I.2.4)?
II.2.2. Gangbare Worte 6
Hume verwirft Versuche, Notwendigkeit aus anderen Begriffen zu definieren: Solche „vulgar definitions“ (S. 157) würden sämtlich auf Begriffen beruhen, die „nearly synonimous“ (ebd.) zu 'Notwendigkeit' wären. Damit das Rätsel der Notwendigkeit zu lösen hält Hume für absurd, da - wie Hume zu ergänzen wäre - das Problem damit nur verschoben würde: Was die idea of efficacy, agency, force oder energy (vgl. ebd.) ist, bleibt ebenso unbeantwortet wie die synonyme Frage nach der idea of necessity. Ge-
5Lipps Übersetzung von determine/determination mit „nötigen/Nötigung“ (vgl. a.a.O, S. 211 f.) erscheint aufgrund der ethymologischen Nähe von 'Notwendigkeit' und 'Nötigung' unglücklich. Eine direkte Übersetzung mit 'determinieren' verbietet sich auch, da dessen Gebrauch im Deutschen nicht dem von Hume gemeinten Sinn entsprechen kann. Vermutlich zeigt sich hier ein Übersetzungsproblem, zu dessen Lösung auf „dunkle Spekulationen“ zurückgegriffen werden müsste (vgl. oben Fußnote 1).
6 Vgl. a.a.O., S. 220.
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Arbeit zitieren:
Magister Artium Markus Szczesny, 2004, Und Glauben heißt doch Wissen! Notwendigkeit und Kausalität in Humes Treatise, München, GRIN Verlag GmbH
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