Inhaltsverzeichnis II
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis. V
Tabellenverzeichnis. V
Abk ürzungsverzeichnis VI
1 Einführung 1
1.1 Überblick 1
1.2 Ziele und Aufbau der Arbeit. 2
2 Die Neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung 3
2.1 Historie 3
2.2 Ziele der neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarung 5
2.3 Drei Säulen: Inhalt von Basel II 6
2.3.1 Säule 1: Mindestkapitalanforderungen. 7
2.3.2 Säule 2: Aufsichtliches Überprüfungsverfahren. 8
2.3.3 Säule 3: Marktdisziplin. 9
2.4 Auswirkungen auf den Mittelstand. 9
3 Die Finanzierungssituation des deutschen Mittelstands 11
3.1 Definition des Mittelstands. 11
3.1.1 Quantitative Merkmale 11
3.1.2 Qualitative Merkmale 13
3.2 Finanzierungsstruktur von KM.U 13
3.3 Probleme des deutschen Mittelstands. 16
3.3.1 EK-Ausstattung 16
3.3.2 Ertragslage 18
3.3.3 Personalkosten 19
3.3.4 Gesamtkapitalverzinsung. 19
3.4 Kreditfinanzierung im Wandel 20
4 Alternative Finanzierungsmöglichkeiten 24
4.1 Eigenkapitalerhöhung. 24
4.2 Beteiligungsfinanzierung. 26
4.3 Kreditsubstitute. 28
4.3.1 Leasing. 28
4.3.2 Factoring und Forfaitierung 30
Inhaltsverzeichnis III
4.3.3 Asset Backed Securities. 32
4.4 Öffentliche Förderprogramme. 33
4.5 Mezzanine Finanzierungsinstrumente 34
4.6 Kapitalmarkt 36
5 Empirische Untersuchung 36
5.1 Methodik der Untersuchung 36
5.1.1 Erläuterung der Vorgehensweise. 36
5.1.2 Auswertungsverfahren. 37
5.1.3 Aufbau des Fragebogens 37
5.2 Auswertung der empirischen Untersuchung. 38
5.2.1 Angaben zum Unternehmen 38
5.2.2 Angaben zu Basel II 39
5.2.3 Angaben zum Ratingprozess 41
5.2.4 Angaben zur Finanzierungssituation 42
5.2.5 Angaben über das Verhältnis zur Bank 45
5.3 Kritische Begutachtung der Untersuchungsergebnisse 46
6 Zusammenfassung 47
Anhang 51
Anhangverzeichnis. 51
Anhang A: Glossar. 52
Anhang B: Abbildungen Tabellen. 55
Anhang B.1: Unternehmenskredite in den Bilanzen der Banken 55
Anhang B.2: Berechnung der EK-Anforderung 55
Anhang B.3: Chronologie 56
Anhang B.4: Quersubventionierung 57
Anhang B.5: Die drei Säulen von Basel II. 58
Anhang B.6: Eigenkapitaldefinition 58
Anhang B.7: Ratingsymbole. 59
Anhang B.8: Ansätze für Kreditrisiken 60
Anhang B.9: Umsatzrentabilität nach Größenklassen 61
Anhang B.10: Zinsüberschuss deutscher Banken. 62
Anhang B.11: Struktur des deutschen Bankensektors 62
Anhang B.12: Finanzierungsphasen von VC-Gesellschaften. 63
Anhang B.13: Leasing-Objekte 64
Anhang B.14: ABS-Struktur. 65
Anhang B 15: Mezzanine Capital 66
Inhaltsverzeichnis IV
Anhang C: Anschreiben 67
Anhang :D Fragebogen. 68
Anhang E: Auswertung des Fragebogens. 73
Anhang E.1: Allgemeiner Teil. 73
Anhang E.2: Angaben zu Basel II. 74
Anhang E.3: Angaben zum Ratingprozess 79
Anhang E.4: Angaben zur Finanzierungssituation 82
Anhang E.5: Angaben über das Verhältnis zur Bank 91
Literatur - Quellenverzeichnis 95
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Die wichtigsten Möglichkeiten für KMU ihren Kapitalbedarf zu decken
Abbildung 2: Fremdfinanzierung des Mittelstands durch Banken
Abbildung 3: EK-Quoten im internationalen Vergleich.
Abbildung 4: Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen von 1991 bis 2003.
Abbildung 5: Entwicklung des Beteiligungsmarkts in Deutschland
Abbildung 6: Nutzung öffentlicher Fördermittel.
Abbildung 7: Branchenverteilung der teilnehmenden Unternehmen
Abbildung 8: Auswirkungen von Basel II auf die deutschen Betriebe.
Abbildung 9: Stellenwert des Zugangs zu Finanzierungsmöglichkeiten.
Abbildung 10: Welche Rolle spielen folgende Finanzierungsarten bisher/zukünftig in
ihrem Unternehmen?
Abbildung 11: Hauptbankverbindung der teilnehmenden Unternehmen
Abbildung 12: Welche Rolle spielen folgende Punkte bei der Wahl ihrer Bank?
Abbildung 13: Anteile der Kredite gegenüber Unternehmen und Selbstständigen
gemessen an der jeweiligen Bilanzsumme.
Abbildung 14: Berechnung der EK-Anforderungen nach Basel II.
Abbildung 15: Quersubventionierung.
Abbildung 16: Die drei Säulen des neuen Baseler Akkords.
Abbildung 17: Bemessung der Eigenkapitalausstattung einer Bank nach Basel II
Abbildung 18: Alternative Ansätze für Kreditrisiken.
Abbildung 19: Entwicklung der Umsatzrentabilität nach Größenklassen (Mediane)
Abbildung 20: Entwicklung des Zinsüberschusses deutscher Banken (in der
Bilanzsumme )
Abbildung 21: Leasing-Objekte.
Abbildung 22: Struktur einer ABS-Transaktion
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: EK-Unterlegung für einen Unternehmenskredit in Höhe von 100.000
Tabelle 2: Mittelstandsdefinition der Europäischen Kommission.
Tabelle 3: Mittelstandsdefinition des Institutes für Mittelstandsforschung, Bonn
Tabelle 4: Zinsüberschuss im europäischen Vergleich.
Tabelle 5: Chronologie der Baseler Eigenkapitalvereinbarung
Tabelle 6: Klassifikationssymbole der externen Ratingagenturen.
Tabelle 7: Anzahl der Kreditinstitute in Deutschland.
Tabelle 8: Finanzierungsphasen von Kapitalbeteiligungsgesellschaften.
Tabelle 9: Verschiedene Mezzanine Finanzierungsformen
Abkürzungsverzeichnis VI
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung ABS Asset Backed Securities AG Aktiengesellschaft BaFin Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaKred Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen BdB Bundesverband deutscher Banken BGB Bürgerliches Gesetzbuch BIZ Bank für internationalen Zahlungsausgleich BMWA Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit Bsp. Beispiel BVK Bundesverband der Deutschen Kapitalbeteiligungsgesellschaften bzw. beziehungsweise ca. circa CIR Cost-Income-Ratio d.h. das heißt DM Deutsche Mark DSGV Deutscher Sparkassen- und Giroverband EIB Europäische Investitionsbank EK Eigenkapital engl. englisch ERP European Recovery Program EU Europäische Union EUR Euro FAZ Frankfurter Allgemeine Zeitung FK Fremdkapital
Abkürzungsverzeichnis VII GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung Hrsg. Herausgeber i.d.R. in der Regel IHK Industrie- und Handelskammer IfM Institut für Mittelstandsforschung IPO Initial-Public-Offering MBG Mittelständische Beteiligungsgesellschaft MBI Management-Buy-In MBO Management-Buy-Out mind. mindestens Mio. Millionen Mrd. Milliarden k.A. keine Angaben KfW Kreditanstalt für Wiederaufbau KG Kommanditgesellschaft KGaA Kommanditgesellschaft auf Aktien KMU Kleine und mittlere Unternehmen KWG Kreditwesengesetz LBO Leveraged-Buy-Out o.V. ohne Verfasser OHG Offene Handelsgesellschaft p.a. per annum Tab. Tabelle S. Seite SME small- and medium-sized enterprises sog. so genannte SPV Special Purpose Vehicle
Abkürzungsverzeichnis VIII SRP Supervisory Review Process S&P Standard & Poor’s u. und u.a. unter anderem UN Unternehmen USA Vereinigte Staaten von Amerika USD US-Dollar VC Venture Capital vgl. vergleiche vs. versus z.B. zum Beispiel z.T. zum Teil
1 Einführung 1
1 Einführung
1.1 Überblick
„Es gibt keine Kredite mehr“ 1 , mit dem Artikel im Handelsblatt vom 05.01.2004 trifft Friedrich von Metzler, Geschäftsführer des Frankfurter ‚Bankhaus Metzler seel. Sohn & Co. KGaA’ genau auf die Hauptthematik des deutschen Mittelstands 2 . Kleine und mittlere Unternehmen klagen über gekündigte Kreditlinien, verweigerte Neukredite und steigende Kosten der Fremdkapitalfinanzierung. Zahlreiche Untersuchungen bestätigen diese grundlegenden Veränderungen. 3
Der Mittelstand gilt als „Motor der deutschen Wirtschaft“ 4 . Doch dieser Motor stottert, und das schon seit längerem. Über Jahrzehnte hinweg war die Kreditversorgung mittelständischer Unternehmen durch enge Hausbankbeziehungen gesichert. Heute jedoch ziehen sich mehr und mehr Kreditinstitute 5 aus der Kreditfinanzierung kleiner und mittelgroßer Unternehmen zurück. Die statistischen Erhebungen der Deutschen Bundesbank deuten speziell bei Großbanken eine Reduzierung der Exposures gegenüber Unternehmen und Selbstständigen an. Abb. 13 im Anhang B.1 gibt den seit Mitte der 90er Jahre stark schwindenden Anteil der Unternehmenskredite an der Bilanzsumme der Kreditbanken wieder. Im Genossenschafts- und Sparkassensektor dagegen scheint es zu einer Stabilisierung auf höherem Niveau zu kommen.
Als Hauptgrund für diesen Rückzug aus der Kreditfinanzierung wird ein sich intensivierender, internationaler Wettbewerb genannt, der die üblichen geringen Margen bei Kreditgeschäften nicht mehr zulässt, insbesondere vor dem Hintergrund, dass zahlreiche Banken in jüngster Vergangenheit angesichts der schleppenden Konjunkturerholung zahlreiche Kreditausfälle zu verzeichnen hatten. Die wachsende Zurückhaltung der Banken bei Kreditzusagen vor allem für mittelständische gewerbliche Unternehmen wird vielfach mit den geplanten Reformen der Bankenaufsicht und insbesondere der Eigenkapitalhinterlegungs-
1 Von Metzler, F. (2004).
2 Die Begriffe Mittelstand, mittelständische Unternehmen und kleine und mittlere Unternehmen (KMU)
werden in der vorliegenden Arbeit synonym verwendet.
3 Vgl. hierzu Impulse/Dresdner Bank (2000); Kreditanstalt für Wiederaufbau (2003); sowie o.V. (2003b).
4 Mang, T. (2003), S. 30.
5 Die Begriffe Banken und Kreditinstitute werden in der vorliegenden Arbeit synonym verwendet.
1 Einführung 2
pflicht nach Basel II 6 in Verbindung gebracht. Unternehmen klagen, dass die Rating- und Scoringverfahren, welche unter Basel II anzuwenden sind und oft bereits heute angewendet werden, die Kreditkosten steigen lassen werden oder die Verfügbarkeit von Bankkrediten allgemein sinken lassen werden. 7 Vielmals ist sogar von einer sog. ‚Kreditklemme’ 8 (engl. credit crunch) die Rede. 9
Das Thema Basel II wird in der Öffentlichkeit in zunehmendem Maße diskutiert. Die neuen Regeln der Eigenkapitalvereinbarung wurden am 26. Juni 2004, nach sechsjährigen Verhandlungen, in Basel verabschiedet. 10 Diese Neuerungen werden das Kreditgeschäft grundlegend verändern. Die Eigenkapitalunterlegung der Kreditinstitute wird künftig stärker an der Bonität ihrer Schuldner ausgerichtet werden. 11
Damit werden sich die Regelungen der neuen Eigenkapitalvereinbarung auch auf die Kunden der Kreditinstitute und hier insbesondere auf die Finanzierung des Mittelstands auswirken. 12
1.2 Ziele und Aufbau der Arbeit
In der vorliegenden Arbeit wird der Frage nachgegangen, inwieweit sich die Umsetzung der neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarung auf kleine und mittelständische Unternehmen auswirkt und ob in diesem Zusammenhang eine Benachteiligung des Mittelstands und eine generelle Verteuerung der Kredite zu erwarten ist. Ferner sollen mögliche Alternativen zur Kreditfinanzierung kritisch aufgezeigt werden.
Kapitel zwei geht auf die stark in der Diskussion stehende neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung in Form der mittlerweile drei Konsultationspapiere ein. Hierbei werden die Entstehung und Probleme der bisherigen Vorschrift sowie die Verbesserungen, die Basel II bringen wird, aufgezeigt.
Im dritten Kapitel wird die Finanzierungssituation des Mittelstands untersucht. Dazu werden das aktuelle Finanzierungsverhalten mittelständischer Unternehmen sowie der stattge- 6 Die Begriffe Die Neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung, die neue Eigenkapitalvereinbarung und Basel II
werden in der vorliegenden Arbeit synonym verwendet.
7 Vgl. Köster, T. (2003), S. 2.
8 Kreditklemme: Siehe Anhang A.
9 Vgl. Fraedrich, M. (2003); sowie o.V. (2003a).
10 Vgl. o.V. (2004d).
11 Vgl. Küting, K./Ranker, D./Wohlgemuth, F. (2004), S. 93.
12 Vgl. von Boehm-Bezing, C.-L. (2002), S. 157.
2 Die Neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung 3
fundene Wandel in der Kreditfinanzierung eingehend betrachtet. Darauf aufbauend werden im vierten Kapitel mögliche Finanzierungsalternativen für den Mittelstand veranschaulicht. Anhand eines speziell für dieses Themengebiet entwickelten Fragebogens wurde eine Auswahl von mittelständischen Unternehmen bezüglich der Auswirkungen von Basel II auf ihre Finanzierungssituation befragt. Die gestellten Fragen an die Unternehmen sollen deren Einschätzungen und Erwartungen in Bezug auf die Einführung der neuen Eigenkapitalrichtlinien zum Ausdruck bringen. Die Ergebnisse liefern interessante Einblicke in das aktuelle Meinungsspektrum des Mittelstands. Das fünfte Kapitel beschäftigt sich mit dem Aufbau dieses Fragebogens sowie der Auswertung der Ergebnisse. Die Arbeit endet mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse.
Dieser Arbeit liegt eine CD bei, mit deren Hilfe sämtliche der in dieser Diplomarbeit enthaltenen Abbildungen und Tabellen, parallel zum Lesen, angeschaut werden können. Dies dient vor allem um den Lesefluss zu erleichtern. Zum Öffnen der Datei ist das Programm Acrobat Reader von Adobe notwendig, welches im Internet kostenlos zum Download zur Verfügung steht. 13
2 Die Neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung
2.1 Historie
Der 1975 gegründete Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht 14 ist ein unabhängiges an die Bank für internationalen Zahlungsausgleich 15 angelehntes Gremium, welches sich aus hochrangigen Vertretern der Zentralbanken bzw. Bankenaufsichten bedeutender Industrienationen 16 zusammensetzt. 17 Ziel seiner Gründung war die Stabilisierung des internationalen Finanzsystems. Dies geschieht indem er strategische Richtlinien erarbeitet, auf welche sich die Aufsichtsinstanzen der teilnehmenden Länder stützen können. 18
13 Für weiterführende Informationen siehe: http://www.adobe.de
14 Die Begriffe Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht, Baseler Ausschuss und Ausschuss werden in der vor-
liegenden Arbeit synonym verwendet.
15 Bank für internationalen Zahlungsausgleich: Siehe Anhang A.
16 Hiermit sind gemeint: Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada, Luxemburg,
Niederlande, Schweden, Schweiz sowie die USA.
17 Vgl. Perridon, L./Steiner, M. (2003), S. 394.
18 Vgl. Wambach, M./Rödl, B. (2001), S. 21.
2 Die Neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung 4
Im Jahr 1988 formulierte der Baseler Ausschuss die erste Baseler Eigenkapitalvereinbarung (Basel I), welche in über 100 Ländern in nationales Recht umgesetzt wurde. 19 Basel I beinhaltet die Definition international geltender Eigenkapitalvorschriften für die Kreditinstitute. Inhalt war die generelle Hinterlegung von Kreditrisiken mit haftendem Eigenkapital. So müssen Banken nach Basel I bei Kreditvergabe 8% der gewichteten Risikoaktiva 20 mit Eigenkapital unterlegen. 21 Oder mit anderen Worten kann das 12,5-fache des Eigenkapitals einer Bank als Kredit an Unternehmen und Privatpersonen vergeben werden. Beispiel: Ein Kredit an ein mittelständisches Unternehmen in Höhe von 100.000 € muss demnach heute bei einem Risikogewicht von 100% mit 8.000 € Eigenkapital unterlegt werden. Vergleiche hierzu auch Abbildung 14 im Anhang B.2.
In Deutschland wurden diese Eigenkapitalrichtlinien durch das frühere Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen (heutiges BaFin) im Einvernehmen mit der Deutschen Bundesbank im Grundsatz I des Kreditwesengesetzes (KWG) festgeschrieben. 22 Auslöser für die erste Baseler Eigenkapitalvereinbarung war die Besorgnis des Baseler Ausschusses darüber, dass die Eigenkapitalquoten der weltweit wichtigsten Banken, auf-grund des starken Wettbewerbs, immer weiter sanken. 23
Das Ziel von Basel I, Stabilität im Bankwesen, wurde zunächst erfolgreich durchgesetzt. Dennoch zeigten sich sehr bald Schwächen der Verordnung auf. So reflektiert die verhältnismäßig undifferenzierte Gewichtung der Kreditrisiken mit 8% Eigenkapital nicht den tatsächlichen (ökonomischen) Risikogehalt der von Banken gehaltenen Positionen. 24 Ungeachtet davon, ob der Kreditschuldner eine hohe oder eine geringe Kreditwürdigkeit aufweist, wird der gleiche Betrag an Eigenkapital für die Banken fällig. Der gleiche Betrag an Eigenkapitalkosten, welche im Zinssatz enthalten sind, wird somit an den Kreditnehmer weitergegeben. D.h. Unternehmen mit einer guten bzw. überdurchschnittlichen Bonität 25 Zahlen für ihre Kredite zu hohe und Unternehmen mit einer unterdurchschnittlichen bzw.
19 Vgl. Pfeiffer, H. (2001).
20 Gemäß § 10 KWG: Bilanzaktiva, außerbilanzielle Geschäfte, Finanz-Swaps, Finanz-Termingeschäfte und
Optionsrechte.
21 Vgl. Wolf, J. (2003), S. 12.
22 Vgl. KWG, Grundsatz I.
23 Vgl. Wambach, M./Rödl, B. (2001), S. 19.
24 Vgl. Fischer, T. R. (2002), S. 25.
25 Bonität: Siehe Anhang A.
2 Die Neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung 5
nicht ausreichenden Bonität zu niedrige Kreditzinsen, da die Zinsen den tatsächlichen wirtschaftlichen Verhältnissen nicht gerecht werden. 26
Hieraus ergibt sich ein weiteres Problem. Die Pauschalhinterlegung der Kreditrisiken bietet Banken keine Anreize für ein sicheres Kreditverhalten. Kreditzinsen sind nach wie vor gute Ertragsquellen für Banken. Durch undifferenzierte Kreditzinsen neigen Kreditinstitute dazu, risikoarme Kredite mit niedrigen Margen durch Verbriefungstechniken wie Asset Backed Securities 27 aus ihren Bilanzen zu entfernen und eher Schuldner mit höherem Risiko zu bevorzugen, da hier höhere Zinssätze und somit höhere Margen durchsetzbar sind. 28 Infolge dessen steigt das Risiko für die einzelne Bank und somit für das gesamte nationale und internationale Finanzsystem. 29
Angesichts dieser Problempunkte von Basel I wurde 1999 das erste Konsultationspapier des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht vorgelegt.
2.2 Ziele der neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarung
Der unter der Bezeichnung Basel II bekannt gewordene „New Basel Capital Accord“ 30 wurde als Konsultationspapier erstmals im Juni 1999 vorgelegt und seither in der Fachwelt intensiv diskutiert. 31 Ursprünglich war das Inkrafttreten von Basel II für 2004 vorgesehen, nachdem nun allerdings zahlreiche Überarbeitungen notwendig wurden, wird die neue Eigenkapitalvereinbarung erst Ende 2006 in Kraft treten (vgl. Chronik von Basel II im Anhang B.3).
Mit der Modifizierung der bisherigen Eigenkapitalvorschriften verfolgt der Baseler Ausschuss, nach eigenen Worten, in erster Linie das Ziel die Stabilität und Solidität des Finanzsystems zu stärken. 32 Erreicht werden soll dies durch eine moderne, dem heutigen Kenntnisstand angepasste, Eigenkapitalunterlegung von Krediten. 33 „Das Hauptanliegen von Basel II liegt darin, Fehlallokationen von Kapital verhindern zu wollen.“ 34 Die undifferenzierte Eigenkapitalunterlegung führte in der Vergangenheit zu ei-
26 Vgl.Wolf, J. (2003), S. 13.
27 Asset Backed Securities: Siehe Anhang A.
28 Vgl. Wambach, M./Rödl, B. (2001), S. 24.
29 Vgl. Paul, S./Stein, S. (2002), S. 28.
30 Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (2001c).
31 Vgl. Egbers, B. (2003), S. 456.
32 Vgl. Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (2001b), S. 2.
33 Vgl. Küting, K./Ranker, D./Wohlgemuth, F. (2004), S. 93.
34 Kuhn, E. (2001), S. 18.
2 Die Neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung 6
ner Quersubventionierung 35 von den bonitätsstarken Schuldnern hin zu den bonitätsschwachen Schuldnern. Kredite wurden zu Konditionen angeboten, die dem zu Grunde liegenden Risiko nicht angemessen sind. 36 Diese Fehlallokation 37 finanzieller Mittel wird durch Basel II verhindert, da zukünftig ein höheres Risiko mit einer höheren Risikoprämie einhergeht und niedrigere Risiken mit vergleichsweise niedrigen Risikoprämien bepreist werden. 38 Ein weiteres Ziel von Basel II ist die Berücksichtigung sog. operationeller Risiken. 39 Als operationelle Risiken definiert der Baseler Ausschuss „die Gefahr von unmittelbaren oder mittelbaren Verlusten, die infolge der Unangemessenheit oder des Versagens von internen Verfahren, Menschen und Systemen oder von externen Ereignissen eintreten.“ 40 Vor dem Hintergrund diverser Bankenkrisen (Berings 1995: 1,4 Milliarden USD Verlust, Orange County 1995: 1,4 Milliarden USD Verlust sowie Sumitomo-Copper 1996: 1,8 Milliarden USD Verlust) und des Terroranschlages am 11. September 2001 auf das World Trade Center (ca. 50 Milliarden USD Verlust) erscheint die Absicherung solcher operationeller Risiken in der heutigen Zeit zwingend erforderlich. 41
Der Schwerpunkt der neuen Eigenkapitalvereinbarung soll auf international tätigen Banken liegen. Ihre Grundsätze sollen sich aber auch für die Anwendung auf Banken unterschiedlicher Komplexität und unterschiedlich anspruchsvoller Tätigkeiten eignen. 42
2.3 Drei Säulen: Inhalt von Basel II
Ein von drei Säulen getragener Ansatz soll die Stabilität des internationalen Finanzsystems stärken (vgl. auch Abbildung 16 im Anhang B.5):
Die erste Säule beinhaltet die Regelungen, anhand derer das einzelne Kreditinstitut die Mindestkapitalunterlegung zu bestimmen hat.
Daneben steht als zweite Säule der Überprüfungsprozess durch die Bankenaufsicht. Säule drei wird durch die neuen Publizitätsvorschriften repräsentiert. 43
35 Darstellung Quersubventionierung im Anhang B.4.
36 Vgl. von Boehm-Bezing, C.-L. (2002), S. 162.
37 Allokation: Siehe Anhang A.
38 Vgl. Kuhn, E. (2001), S. 18.
39 Vgl. Paul, S. (2002b), S. 51.
40 Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (2001a), S. 103.
41 Vgl. Schaefer, H. (2003), S. 12.
42 Vgl. Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (2001a), S. 1.
43 Vgl. Paul, S./Stein, S. (2002), S. 31.
2 Die Neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung 7
2.3.1 Säule 1: Mindestkapitalanforderungen
In der ersten Säule werden Mindestkapitalanforderungen formuliert. Die neue Eigenkapitalvereinbarung hält sowohl an der geltenden Eigenkapitaldefinition 44 als auch an der Mindest-Eigenkapitalquote vom 8% im Verhältnis zu den risikogewichteten Aktiva fest. 45 Die zentralen Punkte der ersten Säule sind die Verfahren zur Risikomessung als Grundlage für differenzierte Hinterlegung der Risiken im Kreditgeschäft, die erstmalige Berücksichtigung von operationellen Risiken und die Möglichkeit zur Risikominderung durch Sicherheiten. 46
Die Messung des Kreditrisikos erfolgt hierbei entweder auf der Grundlage eines externen (Standardansatz) oder auf der Basis eines internen Ratings 47 (IRB-Ansatz). So ist unter Rückgriff auf die Bonitätsurteile externer Ratingagenturen eine unterschiedliche Risikogewichtung der einzelnen Kreditnehmer von 0%, 20%, 50%, 100% und 150% vorgesehen. Die Durchführung der Ratings erfolgt durch geeignete Ratingagenturen (beispielsweise Standard & Poor’s oder Moody’s). Bei Anwendung des Standardansatzes bei Unternehmen die nicht extern geratet sind, ist generell eine Risikogewichtung von 100% zu unterstellen. 48
Am Beispiel der S&P Bonitätseinstufung 49 ergibt sich für einen Kredit an ein mittelständisches Unternehmen in Höhe von 100.000 € folgende Zuordnung der Risikogewichte:
Tabelle 1: EK-Unterlegung für einen Unternehmenskredit in Höhe von 100.000 €
44 Vgl. Abb. 17 im Anhang B.6.
45 Vgl. Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (2003b), S. 3.
46 Vgl. Paul, S. (2002a), S. 9.
47 Rating: Siehe Anhang A.
48 Vgl. Wambach, M./Rödl, B. (2001), S. 32.
49 Eine Erläuterung der Klassifikationssymbole der beiden größten externen Ratingagenturen befindet sich
im Anhang B.7.
2 Die Neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung 8
Zu beachten ist, dass lediglich die Forderungen gegen Staaten oder Zentralbanken mit einem Risikosatz von 0% unterlegt werden können. 50
Zur Messung des Kreditrisikos sind beim IRB-Ansatz zwei verschiedene Ansätze vorgesehen. 51 Für Institute mit einem weniger ausgefeilten Risikomanagement werden bei dem vergleichsweise einfachen Basisansatz, dem sog. ‚Based Approach’ 52 , Ausfallwahrscheinlichkeiten der Kreditnehmer durch die Bank geschätzt und mögliche Verlustquoten durch Standardwerte von der Bankenaufsicht vorgegeben. 53 Beim fortgeschrittenen Ansatz, dem sog. ‚Advanced Approach’ 54 , können Banken hingegen ihre eigenen internen Schätzungen und Erfahrungen zu Ausfallwahrscheinlichkeiten (Probability of Default) und Verlustquoten aus Basis von historischen Datenreihen ansetzen. 55
Zusammengefasst lassen sich die Unterschiede der einzelnen Ansätze wie in Abbildung 18 im Anhang B.8 wiedergegeben darstellen.
2.3.2 Säule 2: Aufsichtliches Überprüfungsverfahren
Dieses unter dem Begriff „Supervisory Review Process“ 56 (SRP) benannte Aufsichtskonzept ermöglicht einen unmittelbaren Einblick in die individuelle Risikolage der einzelnen Banken, da es die regelmäßige intensive Überprüfung der Banken durch die Aufsichtsbehörden vorschreibt. 57
Für die zweite Säule entwickelte der Baseler Ausschuss vier zentrale Grundsätze des aufsichtrechtlichen Überprüfungsverfahrens. Diese vier Grundsätze lauten:
Eigenkapital über den aufsichtsrechtlichen Mindestquoten
Bankinterne Verfahren zur Beurteilung der angemessenen Eigenkapitalausstattung Überprüfung der bankinternen Kapitaladäquanzmessung und -strategien durch die Aufsicht
50 Vgl. Küting, K./Ranker, D./Wohlgemuth, F. (2004), S. 94.
51 Vgl. Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (2003b), S. 5.
52 Based Approach: Siehe Anhang A.
53 Vgl. Wambach, M./Rödl, B. (2001), S. 33.
54 Advanced Approach: Siehe Anhang A.
55 Vgl. Küting, K./Ranker, D./Wohlgemuth, F. (2004), S. 95.
56 Paul, S./Stein, S. (2002), S. 32.
57 Vgl. Küting, K./Ranker, D./Wohlgemuth, F. (2004), S. 96.
2 Die Neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung 9
Frühe Intervention der Aufsicht bei Gefährdung der Einhaltung der Mindestkapi-talanforderungen. 58
2.3.3 Säule 3: Marktdisziplin
Die dritte Säule beinhaltet erweiterte Publizitätsanforderungen der Kreditinstitute, um den Marktteilnehmern einen verbesserten Einblick in das Risikoprofil und die daraus resultierende Eigenkapitalunterlegung der Kreditinstitute zu gewähren. 59 Die Regelungen umfassen neben Offenlegungspflichten auch Empfehlungen etwa bezüglich der Ermittlung der Eigenkapitalausstattung oder der verwendeten Methode der Risikobewertung. 60 Die Offenlegungsvorschriften sind sehr weitgehend und beinhalten insbesondere detaillierte Angaben zu den Kredit- und Kontrahentenrisiken. Der Bankenausschuss verfolgt damit das Ziel, die Marktdisziplin zu verstärken, indem diese so transparent ausgestaltet sind, dass die Marktteilnehmer in der Lage sind, die Risikosituation und abgeleitet daraus die Eigenkapitalausstattung des Kreditinstituts zu beurteilen. 61
2.4 Auswirkungen auf den Mittelstand
Wie bereits dargestellt, werden die Neuregelungen der neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarung zu tiefgreifenden Veränderungen führen. Dabei werden nicht nur ausschließlich die Kreditinstitute betroffen sein. Von den Konsequenzen werden auch indirekt oder direkt deren Kunden und hier vor allem der deutsche Mittelstand infolge seiner ausgeprägten Abhängigkeit von der Kreditfinanzierung tangiert werden. 62
Die Banken müssen durch Basel II die Eigenkapitalunterlegung von Krediten, stärker als dies bislang der Fall ist, am tatsächlichen Risiko, d.h. an der Bonität der Kreditnehmer festmachen. Somit führt Basel II zu einer Differenzierung der Kreditkonditionen entsprechend der Bonität der einzelnen Unternehmen. 63 Die bisherige Quersubventionierung schlechter Bonitäten durch gute Bonitäten soll damit künftig vermieden werden. 64
58 Vgl. Wambach, M./Rödl, B. (2001), S. 35.
59 Vgl. Wambach, M./Rödl, B. (2001), S. 37.
60 Vgl. Paul, S. (2002b), S. 55.
61 Vgl. Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (2003b), S. 180 - 183.
62 Vgl. Kapitel 3.2.
63 Vgl. Wambach, M./Rödl, B. (2001), S. 38.
64 Vgl. Lehnhoff, J. (2003), S. 68.
2 Die Neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung 10
Die Grundlage für eine Bonitätsprüfung bildet das Rating. Unternehmen, die aufgrund ihres Kreditvolumens in das Unternehmenssegment fallen, werden sich einem bankinternen oder einem externen Rating unterziehen müssen. Die Banken werden zukünftig in größerem Umfang detaillierte Informationen über ein Unternehmen zeitnah einfordern. Die Unternehmen ihrerseits sind gezwungen, alle geforderten Angaben zur Verfügung zu stellen. Werden von den Unternehmen nicht alle erforderlichen Daten für das interne Rating bereitgestellt, so wird sich die Kreditvergabe schwieriger gestalten. Die Bank wird aufgrund fehlender Erkenntnisse gezwungen, eine konservative Bonitätseinstufung vorzunehmen und von einer höheren Ausfallwahrscheinlichkeit auszugehen. Die Folgen werden verschlechterte Kreditkonditionen sein. 65
Allerdings wäre es voreilig, pauschal von Verteuerungen zu sprechen. 66 Im Rahmen des Basel II-Beratungsprozesses hat der Baseler Ausschuss Entscheidungen getroffen die das Regelwerk aus Sicht der Unternehmen doch erheblich erträglicher aussehen lassen. So können Kredite bis zu einer Million Euro zukünftig dem Retail-Portfolio zugeordnet werden. Für dieses gelten vereinfachte Regelungen für die Kreditinstitute. So müssen keine Einzel-Ratings erstellt werden, sondern aufgrund der besseren Diversifizierung 67 genügt die Berechnung der Ausfallrate für das Gesamt-Portfolio. 68 Dieses Retail-Portfolio wird ca. 95% aller Unternehmen in Deutschland offen stehen. 69 Zusätzlich kann die Bank bei Unternehmen mit einem Jahresumsatz bis zu 50 Mio. Euro das Risiko geringer einstufen. 70 Firmen, die weniger als 500 Mio. € Bilanzsumme oder Umsatz haben, sollen auch keinen Zinszuschlag für langfristige Kredite mehr zahlen müssen. 71 Somit sind hier gerade mittelständische Unternehmen im Vorteil. 72
65 Vgl. Winkeljohann, N./Kütter, G./Brebeck, F. (2001), S. 7.
66 Vgl. Lehnhoff, J. (2003), S. 68.
67 Diversifikation: Siehe Anhang A.
68 Vgl. von Boehm-Bezing, C.-L. (2002), S. 165.
69 Vgl. Lehnhoff, J. (2003), S. 68.
70 Vgl. Schaefer, H. (2003), S. 9.
71 Vgl. Seefelder (2004).
72 Vgl. Paul, S. (2002b), S. 58.
3 Die Finanzierungssituation des deutschen Mittelstands 11
3 Die Finanzierungssituation des deutschen Mittelstands
3.1 Definition des Mittelstands
3.1.1 Quantitative Merkmale
Interessant ist, dass der Begriff ‚wirtschaftlicher Mittelstand’ ausschließlich in Deutschland gebräuchlich ist. 73 In anderen Ländern spricht man i.d.R. von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), den ‚small- and medium-sized enterprises’ (SME). 74 Gemeint ist damit in aller Regel ein rein statistisch definierter Teil der Gesamtwirtschaft. 75 Erstaunlich ist, dass es für diesen Begriff keine allgemein gültige Definition gibt. 76 Auf europäischer Ebene wird eine Definition verwendet die sich quantitativer Merkmale bedient. Mit der Beschäftigtenzahl, dem Jahresumsatz, der Bilanzsumme und der Forderung nach Unabhängigkeit des Unternehmens kombiniert sie verschiedene Kriterien (vgl. hierzu Tabelle 2). Unabhängigkeit wird als gegeben angenommen, wenn das Unternehmen nicht zu 25% oder mehr im Besitz eines oder mehrer anderer Unternehmen steht. 77
Tabelle 2: Mittelstandsdefinition der Europäischen Kommission 78
73 Vgl. Institut für Mittelstandsforschung (2002a), S. 1.
74 Vgl. Institut für Mittelstandsforschung (2002b), S. 1.
75 Vgl. Institut für Mittelstandsforschung (2002a), S. 1.
76 Vgl. Krimphove, D./Tytko, D. (2002), S. 4.
77 Ein Unternehmen kann jedoch auch als eigenständig gelten, wenn der Schwellenwert von 25% erreicht
oder überschritten wird, falls sich dieser Anteil im Besitz von öffentlichen Beteiligungsgesellschaften, Ri-
sikokapitalgesellschaften oder institutionellen Anlegern befindet und diese weder einzeln noch gemein-
sam Kontrolle über das Unternehmen ausüben. Vgl. Bundesverband deutscher Banken (2003), S. 9.
78 Tab. 2: Vgl. Deutscher Sparkassen und Giroverband (2004), S. 59.
3 Die Finanzierungssituation des deutschen Mittelstands 12
Das deutsche Institut für Mittelstandsforschung (IfM) verfährt bei der Unterscheidung verschiedener Unternehmergruppen ähnlich. Es bildet drei Gruppen anhand der Merkmale Beschäftigtenzahl und Jahresumsatz. 79 Der Mittelstand setzt sich hierbei aus den kleinen und mittleren Unternehmen zusammen (vgl. Tabelle 3). Nach dieser Abgrenzung gibt es in Deutschland rund 3,3 Millionen mittelständische Unternehmen 80 mit 25 Millionen Beschäftigten. 81 99,8% aller umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen sind dem Mittelstand zuzurechnen. 82
Tabelle 3: Mittelstandsdefinition des Institutes für Mittelstandsforschung, Bonn 83
Die wirtschaftliche Bedeutung dieser Unternehmen wird besonders deutlich, wenn man sich folgende Zahlen vor Augen führt: Mittelständische Unternehmen
beschäftigen 79,4% aller erwerbstätigen Arbeitnehmer, tragen 57,6% zur Bruttowertschöpfung aller Unternehmen bei, erwirtschaften 45,2% aller steuerpflichtigen Umsätze, bilden 81,9% aller Lehrlinge aus und tätigen 46% aller Investitionen. 84
Die beiden oben genannten Mittelstandsdefinitionen basieren auf einem Ansatz welcher der realen Finanzierungssituation in Deutschland wenig entspricht. Deshalb liegt der mit
79 Vgl. Institut für Mittelstandsforschung (2004).
80 Vgl. Grass, S. (2004).
81 Vgl. Köster, T. (2003), S. 3.
82 Vgl. o.V. (2004a).
83 Tab. 3: Vgl. Institut für Mittelstandsforschung (2004).
84 Vgl. o.V. (2004a).
3 Die Finanzierungssituation des deutschen Mittelstands 13
dieser Arbeit verbundenen empirischen Analyse eine breitere Definition zugrunde. In den Basel II-Regelungen werden alle Unternehmen erfasst die bis zu 500 Mio. Euro Umsatz erzielen. 85 Durch die Erhöhung der geltenden Mittelstandsdefinitionen auf Unternehmen bis 500 Mio. Euro Umsatz p.a. wird dem Umstand Rechnung getragen, dass die Bezeichnung ‚Mittelstand’ neben quantitativen auch qualitative Komponenten enthält.
3.1.2 Qualitative Merkmale
Neben den quantitativen Abgrenzungen sind qualitative Aspekte für den Mittelstand von zentraler Bedeutung. 86 Hier geht es in erster Linie um die enge Verbindung von Unternehmen und Inhaber. 87 So werden annähernd 87% der mittelständischen Unternehmen vom Inhaber geführt. 88 Idealtypisch manifestiert sich die enge Verflechtung zwischen Unternehmen und Unternehmer in der Einheit von Eigentum und Haftung und in der Verant-wortlichkeit des Unternehmers für die Leitung des Unternehmens sowie aller unternehmensrelevanter Entscheidungen. 89 Auch der Begriff ‚Familienunternehmen’ verdeutlicht die enge Verzahnung von Unternehmen und Inhaber. 90 Weitere qualitative Abgrenzungsmerkmale sind:
Selbstständige rechtliche und wirtschaftliche Tätigkeit des Unternehmens, die insbesondere völlige oder weitgehende Konzernunabhängigkeit voraussetzt. 91 Geringer Formalisierungsgrad, d.h. eher persönliche Beziehungen zwischen Mitarbeitern und Unternehmer.
Regionale oder hinsichtlich ihrer Marktgröße begrenzte Tätigkeiten. 92
3.2 Finanzierungsstruktur von KMU
„A small business is not a little big business.“ 93 Kleine und mittlere Unternehmen unterscheiden sich aufgrund spezieller Charakteristika, die ihre Finanzierungspotentiale und Finanzierungsgewohnheiten bestimmen, nachhaltig von großen und wachstumsstarken Un-
85 Vgl.Kapitel 2.4.
86 Vgl. Kley, C. R. (2003), S. 8.
87 Vgl. Kleine, D. W./Anclam, S. (2002), S. 162.
88 Vgl. Krimphove, D./Tytko, D. (2002), S. 6.
89 Vgl. Lambert, M. (2003), S. 71.
90 Vgl. Krimphove, D./Tytko, D. (2002), S. 6.
91 Vgl. Deutsche Bundesbank (2003), S. 31.
92 Vgl. Kley, C. R. (2003), S. 8.
93 Bernet, B./Denk, C. L. (2000), S. 22.
3 Die Finanzierungssituation des deutschen Mittelstands 14
ternehmen. Aufgrund ihrer begrenzten Unternehmensgröße und des damit einhergehenden geringen Kapitalbedarfs sind mittelständische Unternehmen bezüglich ihrer Finanzierungsmöglichkeiten Beschränkungen unterworfen. Ihre Hauptfinanzierungsquellen sind, wie aus Abbildung 1 ersichtlich, die interne Finanzierung über einbehaltene Gewinne, Finanzierung aus Abschreibungen oder Rückstellungen sowie die externe Finanzierung über Bankkredite.
Finanzierung aus
Abschreibungen/Rückstellungen
Steuerliche Vergünstigungen
Gesellschaftereinlagen
Abbildung 1: Die wichtigsten Möglichkeiten für KMU ihren Kapitalbedarf zu decken 94
Die Finanzierungsmöglichkeiten am Kapitalmarkt werden von mittelständischen Unternehmen wenig genutzt. Ein Grund hierfür ist der fehlende Kapitalmarktzugang. Dieser ist oft an bestimmte, regulatorische oder marktseitig festgelegte Mindestvolumina gebunden, die mittelständische Unternehmen in der Regel nicht erfüllen können. So setzen die Bör-senzulassungsvoraussetzungen für einen IPO (engl. Initial-Public-Offering = Börsengang) zum Beispiel ein Mindestvolumen von ca. 50 - 100 Millionen Euro voraus, oder erwarten, dass sich ein bestimmter prozentualer Anteil der emittierten Aktien im Streubesitz befindet (jeweils abhängig vom gewählten Marktsegment). Was die Finanzierung durch eine Emission von Anleihen betrifft, so sind hier die fehlende Rating-Kultur und erhebliche Fixkosten für die Platzierung zu nennen, so dass die Anleihenbegebung erst ab einer Größe von rund 250 Millionen Euro sinnvoll erscheint. 95
Bei der Deckung des Kapitalbedarfs stand in den zurückliegenden drei Jahren die Innenfinanzierung an erster Stelle, also der Einbehalt von Gewinnen. Mehr als die Hälfte der mit- 94 Abb.1: Vgl. Impulse/Dresdner Bank (2000), S. 33.
95 Vgl. von Boehm-Bezing, C.-L. (2002), S. 157/158.
3 Die Finanzierungssituation des deutschen Mittelstands 15
telständischen Unternehmen konnte diese Quelle ausschöpfen (vgl. Abb. 2). Dies ist bei einer durchschnittlichen Umsatzrentabilität, d.h. dem prozentualen Anteil des Gewinns am Umsatz, von nur 3% umso erstaunlicher. 96
Das zentrale externe Finanzierungsinstrument für KMU sind nach wie vor Bankkredite. 97 Das liegt u.a. daran, dass das Finanzierungsverhalten im Mittelstand durch eine enge und langfristige Beziehung des Unternehmens zur Hausbank, dem sog. ‚Relationship Banking’ gekennzeichnet ist. 98 So unterhalten ca. 40 % der Unternehmen nur Geschäftsbeziehungen zu ihrer Hausbank. 99 Auf Grund dieser exklusiven Beziehung konnten die Informationsasymmetrien 100 zwischen Kreditgebern und Kreditnehmern in der Vergangenheit deutlich reduziert werden. 101 Abbildung 2 zeigt die Abhängigkeit des Mittelstands von den Banken.
Abbildung 2: Fremdfinanzierung des Mittelstands durch Banken 102
Ein weiterer Grund für die hohe Abhängigkeit von Bankkrediten ist, dass in kaum einem anderen Land diese Finanzierungsform so günstig ist wie in Deutschland. Aufgrund eines intensiven Wettbewerbes in einem weitestgehend verteilten Markt haben sich die Margen und damit die Kreditkonditionen, zum Vorteil der Unternehmen, nachhaltig verringert. 103
96 Vgl. Mang, T. (2003), S. 30.
97 Vgl. Kleine, D. W./Anclam, S. (2002), S. 163.
98 Vgl. Kayser, G./Kokalj, L. (2002), S. 112.
99 Vgl. Stark, J. (2002), S. 39.
100 Informationsasymmetrien: Siehe Anhang A.
101 Vgl. Kreditanstalt für Wiederaufbau (2002), S. 20.
102 Abb. 2: Vgl. Impulse/Dresdner Bank (2000), S. 51.
103 Vgl. Fraedrich, M. (2003).
Arbeit zitieren:
Dipl.-Betriebswirt (BA) Bernd Schatz, 2004, Auswirkungen von Basel II auf die Finanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen - eine empirische Untersuchung, München, GRIN Verlag GmbH
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