Inhalt
Vorwort 1
Abk ürzungen 4
1. Der Jabèstext 5
1.1. Zur Methodik dieser Arbeit und zur Struktur des Jabèstextes 5
1.1.1. Tendenzen der Jabès-Rezeption 5
1.1.2. Zur Methodik dieser Arbeit 6
1.1.3. Jabèstext 7
1.1.4. Jabès Verwurzelung im Judentum 8
1.1.5. Strukturelle Vielfalt 10
1.1.6. Scheinnarration und diskursive Reflexionen 11
1.2. Hermeneutische und poetologische Überlegungen 12
1.2.1. Das Prinzip der quoibilité 12
1.2.2. Die Beziehung zwischen Autor, Buch und Leser 15
1.2.3. Zur Poetologie des Buches 19
1.2.4. Judaïsme après Dieu 20
1.2.5. Zu einigen Schlüsselwörtern 23
1.2.6. Schreiben nach der Schoa 25
2. Die Echos mystiques 30
2.1. Die jüdische Mystik: Abulafia, der Sohar, Luria 31
2.1.1. Der Begriff Kabbala 31
2.1.2. Abraham Abulafia 32
2.1.3. Der Sohar 35
2.1.4. Isaak Luria 38
2.2. Der talmudische Topos der weißen und schwarzen Schrift 42
3. Der Jabèstext selbst als Übersetzung 48
3.1. Parenté - La part entée 48
3.2. Der Punkt 51
3.3. Faire table rase - Le Livre brûlé 54
3.4. Der Weiße Schrift-Topos im Kontext des Übersetzens 56
3.5. Die Aufgabe des Autors 59
3.6. Die Schlüsselwörter rupture und brisure 63
3.7. Die Schlüsselwörter subversion und absence 65
3.8. Die wichtigsten Wortbefragungen 70
4. Zur Übersetzung des Jabèstextes in andere Sprachen 76
4.1. Die Aufgabe des Übersetzers 78
4.2. Das Wort Dieu und seine Variationen 79
4.3. Weiteres zur Subversion 81
4.4. L’étranger 84
4.5. Das Schlüsselwort silence 87
4.6. Beispiele aus deutschen und spanischen Übersetzungen 89
4.6.1. Übersetzungsbeispiele von Ingold, Beese, Arancibia und Yurkiévich 89
4.6.2. Eigene Teilübersetzung 93
Zusammenfassung 98
Quellen 100
I) Bücher von Edmond Jabès 100
II) Übersetzungen von Jabès-Büchern und -Texten 100
III) Sekundärliteratur zu Edmond Jabès 101
IV) Allgemeine Sekundärliteratur 102
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Vorwort
Edmond Jabès fristet - obschon Le Livre des Questions, seine immer noch bekannteste Schrift, bereits in den sechziger Jahren veröffentlicht wurde - in der deutschsprachigen Rezeption bis heute ein arg und höchst unverdient schattiges Dasein. Höchst unverdient angesichts der Fülle, Dichte und Sprachgewalt der Fragen, die er über die Schrift - im Doppelsinne von „Text“ und „Schreiben“ - und ihre Beziehungen zu Schriftsteller, Leser und Gott aufwirft. Mit einem Aufsatz von Monika Schmitz-Emans und einer Dissertation von Carola Erbertz sind erst in den letzten Jahren zwei umfangreichere deutschsprachige Untersuchungen zum Werk des Dichters erschienen.
Die meisten Kommentare zu Jabès wurden in Frankreich, Israel und den USA verfaßt. Die einen Kommentatoren halten seine Bücher für praktisch unklassifizierbar, die anderen versuchen es allen möglichen Genres zuzuordnen; doch handelt es sich dabei weder um Lyrik im üblichen Sinne noch um reine Prosa philosophischer, theologischer oder mystischer Natur, noch um psychoanalytische Essays. Jabès‘ Schriften haben weder Anfang noch Abschluß, sie sind vielmehr als ein einziger, wenngleich von allerlei Brüchen und Verwerfungen gezeichneter Text zu lesen, dessen Unterteilung in Bücher und Buchzyklen mehr der leichten Verschiebung von Fragestellungen dient als klaren Themenwechseln. Aus der Not seiner Unklassifizierbarkeit und Singularität heraus und dem Bemühen, der Kohärenz aller Jabès-Bücher Rechnung zu tragen, fand der Begriff texte-Jabès beziehungsweise im Deutschen Jabèstext als literarische Bezeichnung Verbreitung - bis hin in diese Arbeit.
Scheint der so vielartige Jabèstext im Vergleich zur modernen und nachmodernen Literatur seinesgleichen zu suchen, zeigt sich doch deutlich die Anlehnung an die Tradition jüdischer Kommentarliteratur, an talmudische und kabbalistische Schriften. Für den aus Ägypten stammenden Juden Edmond Jabès - der mannigfachen kulturellen Prägungen ausgesetzt war: 1912 in Kairo geboren in einer seit sechs Generationen in Ägypten ansässigen Familie sephardischen Ursprungs, französische Schulbildung, italienische Staatsbürgerschaft bis 1958, danach die französische Nationalität in Folge der ein Jahr zuvor unter Präsident Nasser erzwungenen Emigration nach Paris, dort bis zu seinem
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Tod im Jahre 1991 1 - für Jabès ist das Judentum ein strukturelles Vorbild. Die formalen Merkmale des jabesianischen Buches stimmen weitgehend mit denen des Talmud überein: Beide kennzeichnet zum Beispiel das Prinzip des Kreisens - das heißt, auf der Ebene des Textausschnitts: um ein bestimmtes Motiv, Problem oder auch einfach nur Wort kreisen Fragen, Dialoge, Kommentare; auf der Ebene des Gesamttextes: bestimmte Motive werden im Laufe der Bücher (die doch nur ein einziges, fortlaufendes Buch sind) immer wieder aufgegriffen und variiert. Urjüdisch sind auch das Prinzip des Fragensdas heißt, alle Überlegungen streben einzig danach, neue Fragen zu formulieren, nicht aber Antworten - und die Auffassung, daß Buchstaben gewichtiger sind als das Wort, und die darauf gründende Tradition, Buchstaben aus ihrem Wortkorsett herauszunehmen und neu zu kombinieren.
Doch unterscheidet sich der Jabèstext von Talmud und Kabbala durch seinen Posttheismus, durch seine Befragung und Infragestellung der Beziehung von Schrift, Autor, Leser und verstummtem Gott. Genau hier setzt die nachfolgende Arbeit an: Anhand Jabès‘ Reflexionen über diese vielfarbige Beziehung soll jenes in allen Religionen und Philosophien der Welt präsente Problem freigefräst werden: das Verhältnis vom Unsichtbaren und Virulenten zum Sichtbaren und Realisierten, hinführend zum Gegensatzpaar Freiheit und Vorbestimmtheit. Dabei geht es immer um die Beziehung zwischen zwei Seiten, geht es immer um die ewig unlösbare Aufgabe des Menschen, etwas über eine Schwelle überzusetzen. Und auf dieser tiefstmöglichen Grundbedeutung des Wortes Übersetzen sei diese im Rahmen des Studiengangs „Literaturübersetzen“ verfaßte Diplomarbeit aufgebaut: Ihr Anliegen ist es, Jabès‘ poetologische Gedankenfülle in einer möglichst weiten Assoziationsspanne auf das Wort Übersetzen hin zu untersuchen. Dabei stehen weit weniger die praktischen Ergebnisse verschiedener Übersetzer des Jabèstextes im Mittelpunkt des Interesses als vielmehr der im Laufe des Aufsatzes behutsam zu begründende Eindruck, daß das jabesianische Buch selbst bereits nichts weiter ist als eine: Übersetzung.
Die vorliegende Arbeit ist in vier Kapitelblöcke unterteilt: Zwar sparen die ersten beiden das Thema „Übersetzung“ noch aus, doch bilden die in ihnen angestellten Überlegungen zur Struktur und Funktionsweise des Jabèstextes (im ersten Block) und zur
1 David Alberto Fuks geht in der Aufzählung der Identitäten von Jabès noch weiter: „Nacido en El Cairo en 1912 en el seno de una familia judía (asentada en Egipto durante varias generaciones), que optó por razones proteccionales por la ciudadanía italiana pero .. educando a sus hijos en colegios franceses católicos, en un país musulmán africano con historia colonial inglesa.“ - Edmond Jabès. Entre el erotismo y el pan- erotismo en las márgenes de los archipiélagos, in: http://serbal.pntic.mec.es/aparterei, S. 1.
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Vorgängerschaft des talmudisch-kabbalistischen Denkens (im zweiten) das unabkömmliche Fundament für das dritte und vierte Hauptkapitel. (Aus Gründen, die noch dargelegt werden, wird also dem Einfluß des Jüdischen mehr Beachtung zuteil als etwa dem von zeitgenössischen Literaturströmungen und -theoremen.) In den letzten beiden Teilen wird dann - in weitgehend analoger Struktur - dargestellt, welche vielfarbige Schlüsselstellung in den zuvor gewonnenen Erkenntnissen über das jabesianische Buch das Wort Übersetzen einnimmt: Der dritte Block steht im Zeichen jener Auffassung, daß der Jabèstext selbst schon eine Übersetzung darstellt; das letzte Viertel widmet sich dem Verhältnis dieser von Jabès angefertigten Übertragung zu ihrer Weiterübersetzung in andere Sprachen.
„Le fond sans la forme est une pensée sans corps. La forme sans le fond est un corps sans pensée.
- Es tu pour la forme ou pour le fond? - Autant me demander si je suis pour l’onde ou pour la mer.“ 2
2 Le Livre du Dialogue, Paris 1984, S. 23.
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Abkürzungen
I, LQ Le Livre des Questions, I: Le Livre des Questions
I, LY Le Livre des Questions, I: Le Livre de Yukel
I, RL Le Livre des Questions, I: Le Retour au Livre
II, E Le Livre des Questions, II: Elya
II, A Le Livre des Questions, II: Aely
II, EL Le Livre des Questions, II: El, ou le dernier livre
CS Ça suit son cours
LR Le Livre des Ressemblances
SD Le Soupçon Le Désert
PLS Le petit livre de la subversion hors de soupçon
KBS Das kleine unverdächtige Buch der Subversion (Ingold)
P Le Parcours
LP Le Livre du Partage
DL Du désert au livre - Entretiens avec Marcel Cohen
JMH Die jüdische Mystik in ihren Hauptströmungen (Scholem)
(Exakte Titelangaben im Quellenverzeichnis)
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1. Der Jabèstext
1.1. Zur Methodik dieser Arbeit und zur Struktur des Jabèstextes
1.1.1. Tendenzen der Jabès-Rezeption
Über Jabès‘ Ästhetik des Buches und des Buchstabens im Lichte des Wortes Übersetzen in seiner ganzen Bedeutungsspanne schreiben zu wollen, erfordert die Vorarbeit, möglichst viele Facetten der überaus facettenreichen jabesianischen Schrift als ganze freizulegen. Hierfür möge ein vielseitiges Rezensionsmaterial dienen, darunter neben den erwähnten Aufsätzen von Carola Erbertz und Monika Schmitz-Emans bevorzugt Kommentare von Miryam Laifer, Helena Shillony und Eveline Goodman-Thau. Zu den Tendenzen der Jabès-Rezeption: Dröge sieht zwei gegensätzliche Interpretationsmuster. Einem poetologisch-philosophischen, von Jacques Derrida und den Dekonstruktivisten inspirierten Ansatz mit dem Hauptvertreter Joseph Guglielmi stehe ein Deutungsmuster gegenüber, das die Verwurzelung Jabès‘ in der talmudischen und kabbalistischen Tradition des Judentums und die Prägung durch die Schoa herausstelle; die Hauptrepräsentantin der zweiten Tendenz sei Miryam Laifer. 1 Carola Erbertz legt, ähnlich wie Guglielmi und Derrida, den Schwerpunkt ihrer Arbeit auf die Herausarbeitung der jabesianischen Poetologie; sie stellt sie in den Kontext der postmodernen Literatur, der Literatur nach Auschwitz, dieser scharfen Zäsur, die die jüdische Theologie und A-Theologie bei Jabès (und anderer Autoren wie Celan, Nelly Sachs, Lévinas, Derrida) zu einer solch umwälzenden Überarbeitung und Überdenkung genötigt hat. Ebenfalls den Zusammenhang mit der Postmoderne erhellt Eveline Goodman-Thau, im Unterschied zu Erbertz aber mehr im Sinne der postmodernen Hermeneutik aus der Sicht der jüdischen Religiösität. Das Buch von Helena Shillony, Edmond Jabès. Une rhétorique de la subversion 2 , befaßt sich mit den rhetorischen und sprachspielerischen Mitteln und derem subversiven Gebrauch im Werke Jabès‘.
1 Christoph Dröge, Das lyrische Werk von Edmond I. Jabès, in: Kindlers Neues Literaturlexikon, Bd. 8, 1990, S. 512 f.
2 Paris 1991.
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Daß einzelne Fragen, wie eben Jabès‘ Spekulationen über das Buch, für sich alleine betrachtet nicht lebensfähig sind, liegt an der Struktur des Jabèstextes; die einzelnen Bücher vom Livre des Questions an über Le Livre de Yukel, Le Retour au Livre bis zu El, ou le dernier livre als siebtem und letztem Teil der Livre des Questions-Reihe - genaugenommen aber auch bis zu den drei Büchern des Livre des Ressemblances-Zyklus und dem Nachfolgenden - sind nur als zusammenhängender, miteinander verwobener Text zu lesen, dessen mehr inhaltsnuancierende als inhaltlich sich voneinander abgrenzende Unterteilungen ständig gegenseitig Bezug aufeinander nehmen und deshalb ohne diesen Bezug auf vorher und hernach Angesprochenes ohne Rückgrat wären. 3
1.1.2. Zur Methodik dieser Arbeit
Es ist die Offenheit nach beiden zeitlichen Richtungen hin, zum Anfang und Ende, die Unabgeschlossenheit des fortlaufenden Jabèstextes, die es so schwer macht, eine Übersicht über dieses Werk zu erstellen. Der Text besteht in seiner ständig einander abwechselnden Formenvielfalt aus Fragmenten; es gibt weder einen echten Erzählstrang - nur eine Art „Scheinnarration“, in den ersten Livre-des-Questions-Büchern um Sarah und Yukel etwa - noch einen chronologischen Leitfaden.
„Jabèstext ist post-lyrisch, ja, post-literarisch. [...] Man kann ihn nicht beschreiben, nicht paraphrasieren, [...] man muß ihn lesen. Er ist gewissermaßen unendlich: Buch wächst aus Buch, verzweigt sich, gruppiert und konfiguriert sich neu. Das Ganze ist quasi in jedem Sprach-Atom eines Textgeflechts gegenwärtig. Das ‚Buch der Fragen‘ vervielfältigt sich zu einem Zyklus ...“ 4
Diesen Gedanken weiterentwickelnd könnte man auch sagen, Jabès‘ Text wird nicht nur von ihm selbst durch Autokommentierung vorangetrieben, auch durch die Kommentararbeit von uns Rezensenten wird dieses Geflecht weitergesponnen. 5 Die Vorgehensweise in dieser Arbeit sieht daher so aus, daß die einzelnen Themen, Fragen, Begriffe, Probleme spiralförmig eingekreist werden mit dem Ziel, alles miteinander
3
Le Livre des Questions
bezeichnet sowohl einen ganzen, aus sieben Büchern bestehenden Zyklus (diese Bücher der Reihe nach:
Le Livre des Questions
(1963),
Le Livre de Yukel
(1964),
Le Retour au Livre
(1965);
Yaël
(1967),
Elya
(1969),
Aely
(1972),
El, ou le dernier livre
(1973)) als auch das erste Buch selbiger Reihe. Analoger Fall bei
Le livre des Ressemblances;
gleichnamiger Zyklus besteht aus
Le Livre des Ressemblances
(1976),
Le Soupçon Le Désert
(1978),
L’inneffaçable L’inaperçu
(1980).
4 Christoph Dröge, Edmond Jabès, in: Kritisches Lexikon der romanischen Gegenwartsliteraturen, Tübingen 1990, S. 9 (dieses Artikels).
5 Vgl. Eveline Goodman-Thau, Aufstand der Wasser. Jüdische Hermeneutik zwischen Tradition und Moderne, Berlin/Wien 2002, S. 214: „Wie Jabès‘ Texte Kommentar sind, wird auch sein Text weiterkommentiert, kommentierend nacherzählt. Denn nur so, durch einen neuen Text, kann das Werk Jabès‘, das in seinem Nachdenken von den Lücken zwischen den Worten geprägt und so Ausdruck des Bruchs im Judentum ist, weitergeführt und der Bruch überwunden werden.“
7
in Verbindung zu bringen. Dieses Ein- und Umkreisen geschieht deswegen spiralförmig, da versucht wird, sich dem Konkreten einer Fragestellung behutsam vom Allgemeinen aus zuzubewegen. 6 Jabès selbst spricht seinen Büchern die Form einer Spirale zu:
„... je vois ces livres comme autant de cercles non clos et formant, si on les aborde dans leur continuité, une spirale au centre excentré. Le centre de cette spirale est un cercle réduit à un point dans l’espace.“ 7
Die Methode, sich dem jabesianischen Werk durch die allmählich ins Detail gehende Darstellung seiner Formen und Strukturen anzunähern, wendet auch Erbertz an: „Deshalb muß es hier fast zwangsläufig darum gehen, die dynamischen und azentralen Strukturen zu beschreiben, durch welche die Texte von Jabès funktionieren. So kann auch vermieden werden, das Werk unter einem bestimmten Blickwinkel zu betrachten und es so einzugrenzen.“ Denn schon Jabès selbst habe durch die Anlage seines Textes „die Fixierung einer bestimmten Lektürehaltung verhindert.“ 8
Gegen eine systematische Analyse sperren sich Jabès‘ Bücher schon allein, weil sie ganz im Stile des Talmud strukturiert sind 9 , der sich hinsichtlich Form und Denkprozeß von der hellenistisch und west-christlich geprägten Dialektik und ihrem Ziel, durch Analyse, Konzeptuierung und Synthese zu Ergebnissen zu kommen, gundlegend unterscheidet. Eine üblicherweise nach diesem Prinzip erstellte wissenschaftliche Untersuchung über einen Text, der - ebenso wie der Talmud 10 - bewußt eine Öffnung und ein Offenhalten der Wahrheiten und die unendliche Suche nach neuen Fragen und nicht nach Antworten anstrebt - verhält sich zu diesem wie Öl zu Wasser.
1.1.3. Jabèstext
Die Gründe, den in der Jabèsrezension verbreiteten Begriff Jabèstext als Verdeutschung von texte-Jabès auch in diesem Aufsatz einzusetzen, sind bereits im Vorwort angedeutet worden. Diesen die unklassifizierbare Schrift Edmond Jabès‘ bezeichnenden Ausdruck
6
Ein anderes Bild, das unser Procedere in dieser Arbeit verdeutlicht, wäre das der beginnenden Flut, die sich allmählich durchs Watt nach vorne tastet, indem die Wellen zwei Meter nach vorne schwappen, einen Meter zurückweichen, wieder zwei Meter nach vorne ..., usw.
7 Du désert au livre - Entretiens avec Marcel Cohen, Paris 1980, S. 83; i.f. als „DL“.
8 Carola Erbertz, Zur Poetik des Buches bei Edmond Jabès. Exiliertes Schreiben im Zeichen von Auschwitz, Tübingen 2000, S. 18.
9 Miryam Laifer erachtet den Jabèstext in ihrem Schlußwort als im Grunde echten Talmudtext. - Edmond Jabès. Un judaïsme après Dieu, New York/Bern/Frankfurt (M) 1986, S. 135.
10 Vgl. Marc-Alain Ouaknin, Le Livre brûlé, Paris 1994, S. 237.
8
führte Christoph Dröge ins Deutsche ein; er verweist auf Henri Raczymow als Urheber. 11 Jabèstext sei also zum einen eine Stellvertreterbezeichnung für eine aus zahlreichen Büchern bestehende und während knapp drei Jahrzehnten entstandene Schrift, die eigentlich gar nicht klassifizierbar, benennbar ist; denn sie zählt zu den Arten von (postmodernen) Schriften, die „ihre Freiheit über alles stellen.“ 12 Zum anderen verweist dieser Begriff auf das Zusammenhängen aller Bücher seit Le Livre des Questions als fortlaufenden Text, dessen einzelne Fragmente, die sich selbst wiederum aus Bruchstücken zusammensetzen, nicht nur gegenseitig aufeinander Bezug nehmen, sondern auch aufeinander aufbauen. Dies geschieht, indem sich bei jedem Entwicklungsschritt der Fragenschwerpunkt immer leicht verschiebt.
Zusätzlich zu diesen Büchern dient sich als fruchtbare Quelle der Band Du désert au livre - Entretiens avec Marcel Cohen an, welcher gewissermaßen ein Zwitterbuch ist, halb die Aufzeichnung eines mündlichen Dialogs, halb echter Jabèstext.
1.1.4. Jabès‘ Verwurzelung im Judentum
Bei aller Unregelmäßigkeit und Zerstückeltheit der Formen und trotz der Einzigartigkeit des jabesianischen Œuvres innerhalb der zeitgenössischen Literatur zeigt sich doch deutlich die Handschrift der rabbinischen Kommentar- und der mystischen Spekulationstradition. Das Prinzip der Umgewichtung der Fragestellungen in den jeweiligen Textabschnitten kommt gleichermaßen bei Jabès wie im Talmud vor, genauso wie die Eigenart, um ein bestimmtes Motiv oder Thema herum Fragen, Dialoge, Spekulationen anzusiedeln. Grob vereinfacht unterscheidet sich der Jabèstext von den Talmudtraktaten dadurch, daß die Überlegungen in dieser im Kontext der Postmoderne stehenden Schrift um das Buch, das Wort, den Buchstaben an sich kreisen und nicht mehr primär um die Tora, das Gesetz Mosis. Der Hinweis auf die alte Tradition jüdischer Kommentarliteratur, der am raschesten auffällt, sind die meist den einzelnen Abschnitten vorangestellten Zitate und Aphorismen, die Jabès Rabbinern in den Mund legt, welche bei ihm fiktive Rabbinernamen tragen. 13
11 Christoph Dröge, Das lyrische Werk von Edmond I. Jabès, Kindlers Neues Literaturlexikon, S. 512, und Henri Raczymow, Qui est Edmond Jabès?, in: Les Cahiers Obsidiane 5, 1982, S. 165.
12 Carola Erbertz, op. cit., S. 38 f.
13 Wobei anzumerken sei, daß dies bereits gängige Praxis von mittelalterlichen Autoren gewesen ist, wie Scholem schreibt: „Der Sohar ist in pseudepigraphischer Form geschrieben [...]. An sich ist dies keine völlige Neuerung, denn schon viele frühere Autoren - Kabbalisten inbegriffen - haben sich in dieser Art betätigt, wie etwa im Buche Bahir, dessen Verfasser durch den Mund älterer Autoritäten sprachen, darunter
9
Neben diesen formalen Hinweisen auf talmudische und mystische Einflüsse gibt es noch einige Charakteristika bei Jabès, die im Hinblick auf ihre Logik und Argumentationsweise die Verwandtschaft zur jüdischen Schriftauslegung zeigen. Das ganze Buch strotzt vor jüdischer Logik und A-Logik. Es ist dies zum Beispiel das Prinzip des Fragens, des Dialogischen (wie es Martin Buber beschrieb) und der Einsatz von Paradoxa: Letzteres ein wesentliches und sowohl in der Kabbala als auch bei Jabès überaus häufig eingesetztes Stilmittel, das sich am besten eignet, die zahlreichen, auf logische Weise nicht lösbaren Dilemmata, die unten noch wiederholt angesprochen werden, zusammenzufassen, vor allem jene Gewissheit, viel zu sagen zu haben und gleichzeitig nichts sagen zu können und zu brauchen: „Ce déchirement: avoir mille choses à dire, et en même temps, n’avoir rien à dire ...“ 14
Zu unterstreichen ist, daß Jabès auf die altüberlieferten Formen und Denkweisen des Judentums keineswegs zum Zwecke exotischer Kolorierung seines Textes zurückgriff, daß er vielmehr „die Verwurzelung seines Schaffens in der jüdischen Tradition eben nicht durch Nachbeten, sondern durch ihre Integration in den Kontext der Moderne bezeugt.“ 15 „Kabbala auf Französisch“ bezeichnet Dröge den Jabèstext, indem er gleichzeitig die Bedeutung seines orientalisch und vom Synagogengesang geprägten akustischen Charakters hervorhebt. 16
„Infinie modulation du mot, la psalmodie juive est restée collée au texte. [...] à la synagogue ce sont les mots mêmes du texte sacré, immuable, qui font entendre leur chant, qui ne donnent rien d’autre à entendre, à voir que le mot que l’infini de la lettre.“ 17
Die talmudische und mystische Deutungstradition bietet für Jabès einen fruchtbaren Nährboden für die Entwicklung seiner Poetologie des Buches und der Schrift: „Die Überprüfung der strukturellen und stilistischen Analogien seines Schreibens zu der rabbinischen Hermeneutik soll zeigen, daß Jabès den Anspruch der Offenheit seiner Exiltexte dadurch realisiert, daß er sie immanent und subversiv der jüdischen Tradition der Textauslegung unterzieht.“ 18
Jabès‘ Rückgriff auf sie mit gleichzeitiger Abgrenzung von ihr drückt folgender Satz aus:
„La liberté est dans la remontée aux sources.“ 19
erfundener Namen wie Rabbi Amora oder Rabbi Rechumai.“ Gershom Scholem, Die jüdische Mystik in ihren Hauptströmungen, Frankfurt (M) 1996 6 [1941], S. 172.
14 Helena Shillony, op. cit., S. 42 (ff).
15 Erbertz, S. 19.
16 Christoph Dröge, Edmond Jabès, KLRG, S. 13.
17 DL, S. 41.
18 Erbertz, S. 19.
19 Le Livre des Questions, I: Le Livre des Questions, Paris 1963, S. 127; i.f. als „I, LQ“.
10
Denn es ist auch festzuhalten, daß es sich bei Jabès um strukturelle Referenzen zum Judentum handelt:
„Die im- und expliziten Verweise auf heilige Schriften und sogar die Übernahme zentraler Schlüsselworte transportieren nämlich keine religiösen Inhalte, da es sich bei ihnen zumeist um strukturelle und stilistische Analogien handelt, die hier säkularisiert anverwandelt werden.“ 20
Goodman-Thau und Laifer sehen indes keine Trennlinie zwischen dem literarischen Schaffen Jabès‘ und den theologischen Spekulationen des Talmud, vielmehr steht Jabès für sie in direkter Nachfolge der Rabbiner, er scheint den Eindruck zu erwecken, daß es in seinen Texten „einen geheimen Faden vom Alten zum Neuen gibt, einen Faden, der durch die Bruchknoten die Kontinuität sichert.“ Wieder ist es der Kommentar, der „den Text an seinen unsichtbaren Ursprung“ bindet. 21
1.1.5. Strukturelle Vielfalt
Einige Rezensenten haben eine Vielfalt an literarischen Genres gezählt, die unregelmäßig und unabgeschlossen einander ablösen. Fuks etwa hat folgende Textarten festgehalten: Essay, Gedicht, Erzählung, rabbinischer Kommentar, kabbalistische Spekulation, Aphorismus, Autobiographie, philosophisches Zwiegespäch, Meliza 22 , Exegese und Drama. 23 Auch die literarische Kritik ist zu erwähnen; genauer gesagt: die literarische Selbstkritik, wie Derrida bemerkte: „... ce livre [...] se réfléchit infiniment lui-même.“ 24 Im Livre des Questions wird sein autokommentierender Charakter bereits im Schriftbild sichtbar, indem einzelne Textteile in normalen Buchstaben gehalten sind und andere kursiv beziehungsweise kursiv in Klammern.
Auch setzt Jabès eine Vielzahl von rhetorischen Stilmitteln ein. Deren Rolle und strukturtragenden Wirkung hat Helena Shillony ihre angesprochene Studie gewidmet; die von ihr meistgezählten und ihres Erachtens bedeutendsten Stilfiguren sind: Homonymie, Paronymie, Assonanz, Alliteration, Anagramm, Neologismus, Zitat - das heißt: Scheinzitat, fausse citation, aus dem Munde der imaginären Rabbiner 25 -, Chiasmus (als Mittel, um
20 Erbertz, S. 155.
21 Goodman-Thau, S. 217.
22 „... in Bibel und Midrasch Ausdruck der Weisheit in Gleichnis und Räsel; in der späteren hebräischen Literatur Bezeichnung eines aus Bildern und Bibelzitaten reichen Mosaikstils, bei dem die Klarheit des Ausdrucks und die Darstellung des Inhalts hinter der Freude an der Rhetorik zurücktritt ...“ - Jüdisches Lexikon, Bd. IV/1, Berlin 1929, S. 70.
23 David Alberto Fuks, op. cit., S. 2.
24 Jacques Derrida, Edmond Jabès et la question du livre, in: Critique, Februar 1964, S. 99.
25 Wiederholt - so von Pierre Missac und Helena Shillony (in op. cit., S. 35 f) - wurde Jabès‘ Zitatenmosaik (wie Shillony es ausdrückt) mit Walter Benjamins Traum von einem ausschließlich aus Zitaten
11
Paradoxa auszudrücken), Metapher und Pseudoetymologie. Ebenso kann hierzu die Wiederholung angeführt werden, das heißt: die Wiederholung von Wörtern sowie von Klängen. Shillony arbeitet auch heraus, welch hohe Bedeutung der keineswegs traditionelle, sondern, um einen bei Shillony wie bei Jabès zentralen Begriff auszusprechen, subversive Gebrauch der Stilmittel hat. 26
Zitate sind bei Jabès auch häufig Referenzpunkte auf Stellen in anderen Büchern seines Werkes. Dieses Beziehungsgeflecht, das ein weiteres Argument für den Terminus Jabèstext bedeutet, weist ein weiteres Mal auf den Talmud als strukturelles Modell der jabesianischen Bücher hin. Denn die Intertextualität, die Ouaknin für den Talmud festhält, ist ebenfalls ein Wesenszug des Jabèstextes: Der Talmudtext funktioniere, nach Ouaknin,
„par une série de références plus ou moins directes. La citation biblique ou talmudique dans un texte du Talmud est la porte ouverte qui mène de l’espace textuel d’un livre à l’espace textuel d’un autre livre. Cette intertextualité, cette pratique de la citation, confère à chaque texte - ne serait-ce que seize mots - une épaisseur infinie.“ 27
Jabès schreibt:
„Tu lis. Tu te lies à ce qui se délie - à ce qui se délie dans ton lien. Tu es un nœud de correspondances.“ 28
1.1.6. Scheinnarration und diskursive Reflexionen
Mit den im Laufe des Fortschreitens beziehungsweise -lesens der jabesianischen Bücher und Unterbücher sich nach und nach selbst auflösenden Stilfiguren steht in engem Zusammenhang der angesprochene scheinnarrative Wesenszug des Jabèstexts. So ist zum Beispiel die tragische Geschichte um Sarah und Yukel, die vor allem in dem aus den Büchern Le Livre des Questions, Le Livre de Yukel und Le Retour au Livre bestehenden ersten Teil des Livre des Questions-Zyklus vorkommt, nur eine Rahmenhandlung - mit Betonung auf „Rahmen“ -, eine in sich ausgehöhlte Handlung. Denn die Liebesgeschichte der Schoa-Überlebenden Sarah und ihres auch nach dem Holocaust innerlich von ihr getrennt bleibenden Yukel (der auch nach seinem im Laufe des Textes begangenen Selbstmord weiterspricht) durchläuft keine wirkliche Entwicklung im zeitlichen Sinne;
bestehenden Buch (etwa der Einbahnstraße) verglichen. Handelt es sich bei Benjamin um echte, so schreibt Jabès hingegen jene fausses citations nieder.
26 Subversiv bzw. Subversion kommt sowohl im Buchtitel Shillonys vor als auch in dem eines „Schlüsselbuchs“ (Shillony, S. 67) von Jabès, Le petit livre de la subversion hors de soupçon, Paris 1982 (i.f. als „PLS“).
27 Ouaknin, Le Livre brûlé, S. 273.
28 Le Livre des Ressemblances, Paris 1976, S. 17; i.f. als „LR“ (gemeint ist das 1. Buch aus gleichnamigem Zyklus).
12
sie bildet vielmehr den Hintergrund, aus dem die Echos der Fragen und Gedankenspiele der fiktiven Rabbiner über das Leben, den Tod, Gott, das Judesein, das Buch et cetera hallen.
„Die Erzählstruktur wird ersetzt durch metadiskursive Reflexionen. Eine Führung der Handlung ist nur in sporadischen Einsprengseln sichtbar, da der Text sich hauptsächlich dialogisch entfaltet, in einem Spiel aus Fragen, Meditationen und Kommentaren, an welchem die Protagonisten, unterschiedliche Erzählinstanzen sowie zahlreiche imaginäre Rabbiner partizipieren.“ 29
1.2. Hermeneutische und poetologische Überlegungen
1.2.1. Das Prinzip der quoibilité
„«Warum antwortet ihr Juden auf eine Frage immer mit einer Gegenfrage?» - «Warum nicht?»“ (Alter jüdischer Witz.)
Indem von diskursiven Reflexionen und der dialogischen Entfaltung des Textes geredet wird, kommt man automatisch auf das wesentliche Denkprinzip bei Jabès und gleichzeitig im Talmud zu sprechen: den unbedingten Vorrang der Frage gegenüber der Antwort.
„A toute question, le Juif répond par une question.
Reb Léma. [...]
- Savoir, c’est questionner, répondit Reb Mendel.
- Que tirerons-nous de ces questions? Que tirerons-nous de toutes les réponses qui nous entraîneront à poser d’autres questions, puisque toute question ne peut naître que d’une réponse insatisfaisante? dit le second disciple. - La promesse d’une nouvelle question, répondit Reb Mendel.“ 30
Das unendliche Fragen und die Verweigerung definitiver Antworten als Wesenheit des Judentums schlechthin: „Le Juif refuse d’accepter toute vérité. A travers l’étude du Talmud et de la Torah il en vient à s’interroger sur l’existence de Dieu.“ 31 Ouaknin - der wiederum schreibt: „Rappelle-toi qu’un jugement est une réponse orpheline de sa question“ 32 - bildet für diesen Zusammenhang den Terminus quoibilité; dieser soll
29 Erbertz, S. 38. Vgl. auch Monika Schmitz-Emans, Zwischen schwarzer und weißer Schrift: Edmond Jabès‘ Poetik des Schreibens, München 1994, S. 66.
30 I, LQ, S. 129. Vgl. auch Erbertz, S. 44, und Goodman-Thau, S. 223 f.
31 Miryam Laifer, op. cit., S. 56. Fortsetzung dieses Zitats in 1.2.4..
32 Marc-Alain Ouaknin, C’est pourquoi on aime les libellules, Paris 1998, S. 28.
13
meinen, daß der Mensch als ein Quoi?, ein „Was-ist-das?“ zu definieren sei, wobei „definieren“ so auch nicht paßt, denn Ouaknin leitet diese Bedeutung von „Mensch“ als Qu’est-ce que c’est von dem mittels der hebräischen Sprache wundersam auszudrückenden Paradox ab, daß es das Wesen des Menschen sei, gar kein Wesen zu haben:
„L’essence même des choses et de l’homme se dit mahout, de la racine mah signifiant «QUOI». L’essence est la «quoibilité», [...] cette questionnabilité qui maintient l’être ouvert à la possibilité de ses possibles et de son futur. L’homme est une question, un «quoi», un «qu’est-ce?», en hébreu un mah.“ 33
Jabès, den Goodman-Thau einen „poetischen Denker“ aufgrund seiner vom jüdischen Denken geprägten Schreibart nennt 34 , schreibt an mehreren Stellen, daß es nicht darum geht, nach starren, unbewegbaren, Wahrheit bietenden Antworten zu suchen, sondern um die Aufgabe und den Drang des Menschen, sich durch das Fragestellen alle möglichen Lesarten, alle hermeneutischen Möglichkeiten offenzuhalten:
„Etre, c’est interroger dans le dédale de la question posée à autrui et à Dieu et qui ne comporte aucune réponse.“ 35
Alle Spielarten des Lebens offenzuhalten und die Umwandlung des Vielfachen ins Einfache zu verhindern, ist ein weiterer Grund, warum die quoibilité das Wesen des Judeseins ist; auch auf Derridas „Differenz“-Begriff weist der Satz: „Questionner, pour le Juif, c’est toujours maintenir ouverte la question de la différence.“ 36 Laifers Feststellung „... il n’y a plus rien à dire mais [...] beaucoup à interroger. L’interrogation remplit livre après livre“ 37 deutet ebenfalls das Grundprinzip des Jabèstextes an, der - auch im Kontext der Postmoderne und der Zeit post Auschwitz, deren Kennzeichen
33
Ebd., S. 51. (Zur Deutung des Wortes
manna
als „Was-ist-das?“ s. 3.3.)
34 „Jabès ist ein poetischer Denker. Poetisches Denken ist nicht an Logik und Kausalität gebunden, es läßt sich durch die Sprache leiten, es bringt keine Antworten, sondern stellt Fragen. Poetisches Denken fällt für Jabès mit „Jüdischem Denken“ zusammen.“ - Goodman-Thau, S. 213 f.
35 DL, S. 109. Vgl. auch Ouaknin, C’est pourquoi on aime les libellules, S. 93.
36 DL, S. 53. Zum Austausch zwischen Derrida und Jabès vgl. auch Shillony, S. 15 f. - Für eine Präferenz der Frage vor der Antwort spricht sich auch Blanchot aus, indem er den Beispielsatz „Le ciel est-il bleu? Oui.“ erläutert: „Le « Oui » ne rétablit nullement la simplicité de l’affirmation plane: le bleu du ciel, dans l’interrogation, a fait place au vide; le bleu ne s’est pourtant pas dissipé, il s’est au contraire elevé dramatiquement jusqu’à sa possibilité, au-delà de son être et se déployant dans l’intensité de ce nouvel espace, plus bleu, assurément, qu’il n’a jamais été, dans un rapport plus intime avec le ciel, en l’instant - l’instant de la question où tout est en instance. Cependant, à peine le Oui prononcé et alors même qu’il confirme, dans son nouvel éclat, le bleu du ciel rapporté au vide, nous nous apercevons de ce qui a été perdu. Un instant transformé en pure possibilité, l’état de choses ne fait pas retour à ce qu’il était. Le Oui catégorique ne peut rendre cela qui un moment n’a été que possible. [...]. La réponse est le malheur de la question.“ Maurice Blanchot, L’entretien infini, Paris 1969, S. 14 f. (Unterstreichungen von mir, um auf Schlüsselwörter hinzuweisen, die im weiteren Verlauf dieser Arbeit noch eine wichtige Rolle spielen.)
37 Laifer, S. 117.
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der Verzicht auf den Glauben einer verbindlichen Wahrheit ist - durch die Methode des fragenden Schreibens unendlich, unabschließbar, unerschöpflich bleibt. Die weiter unten erfolgende Thematisierung der talmudischen Metapher von der weißen, also verborgenen Urschrift vorausgreifend, die zu schwärzen, also sichtbar, lesbar zu machen dem Menschen obliegt, sei an dieser Stelle die existenzielle Bedeutung des Schreibprozesses hervorgehoben (dies an Kafka erinnernd). Denn wie „jeder Schreibprozeß ist das Leben selbst die „Befragung“ eines unsichtbaren Prätextes.“ 38 Jabès notiert:
„Poser une question à l’absence, cela paraît, à première vue, absurde.
Et, pourtant, nous n’interrogeons vraiment qu’elle.“ 39
Zum Begriff absence beziehungsweise „Abwesenheit“ näheres unten. Und im Livre des Questions steht:
„Une page blanche est un fourmillement de pas sur le point de retrouver leurs traces. Une existence est une interrogation de signes.“ 40
Interrogation bedeutet bei Jabès auch „Wortbefragung“: „C’est un processus continuel car chaque vocable, chaque vide amène le lecteur à s’interroger sur sa vérité.“ 41 Daß jedes Wort oder, um in Jabès-Worten zu sprechen, jede Vokabel, auf seinen eigentlichen oder zumindest früheren Gehalt hin abgeklopft, befragt werden sollte, hat auch damit zu tun, was Ouaknin meint mit dem „Sinn“, den es erst noch zu konstruieren gelte, und seinem Begriff des dynamisme de signification. 42
Von dem Aspekt des befragenden Prinzips zu der Betrachtung der Dreiecksbeziehung zwischen Autor, Buch und Leser diene als Überleitung Schmitz-Emans‘ Feststellung, durch die strukturelle Anlage des Jabèstextes, etwa durch das sentenzartige Vortragen der Rabbinersprüche 43 , werde der Leser vor die Aufgabe gestellt,
„Beziehungen zwischen ihnen [den Meinungen der Rabbiner] zu entdecken, oder auch aktiv herzustellen. [...] Jabès‘ Verzicht auf eine feste Architektonik der Thesen [...] ist die Konsequenz aus der Überzeugung von der Un-Begründbarkeit des Schreibens in einer diesem transzendenten „Wahrheit“.“ 44
38 Monika Schmitz-Emans, op. cit., S. 68.
39 PLS, S. 88. Vgl. auch Schmitz-Emans, S. 71.
40 I, LQ, S. 152. Vgl. auch Erbertz, S. 176, und Schmitz- Emans, S. 69.
41 Laifer, S. 108.
42 Ouaknin, Le Livre brûlé, S. 146 und 288: „Le «dynamisme de signification» est l’impossibilité d’épuiser le sens d’une idée, d’une loi, d’une Mitsva. C’est surtout un grand refus de la thématisation.“ Dies auch als Ergänzung zu den eigenen Überlegungen zur Methodik dieser Arbeit. (Mehr dazu in 3.5.)
43 Diese Deutung bezieht sich vor allem auf die ersten drei LQ-Bücher, da in den darauffolgenden die Rabbiner nach und nach verschwinden.
44 Schmitz-Emans, S. 64 f. Nachfolgend zitiert sie Jabès‘ Aussage, mit dem Wissen müsse tabula rasa gemacht werden; es sei absurd, auf der Grundlage einer Theorie zu schreiben. - Zu diesem Zitat s. 3.3.
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Und um zu verhindern, daß der Leser, indem er verbindliche „Aussagen“ zu erhalten glaubt, sich diese anzueignen versucht, greift Jabès eben auf diese fragende und zu Fragen herausfordernde Textstruktur zurück:
„Se remettre en question, pour un écrivain, c’est soustraire son livre à toute éventuelle tentative d’appropriation de la part du lecteur, en privant ce dernier de la possibilité d’entreprendre une lecture globale de l’ouvrage. A moins, peut-être, d’obtenir de lui - ce qui me paraît impensable - d’en modifier, chaque fois, les approches.“ 45
1.2.2. Die Beziehung zwischen Autor, Buch und Leser
Damit zu Fragestellungen hermeneutischer Art, das heißt, der Frage, welche Rolle zuein-ander Autor, Buch und Leser einnehmen. In der Hierarchie dieser drei Komponenten steht an erster Stelle das Buch und an dritter erst der Autor. Schriftsteller und Leser werden eindeutig vom Buch dominiert, beiden bleibt nur, den Worten die Initiative zu überlassen.
„Je suis absent puisque je suis le conteur. Seul le conte est réel.“ 46
Die jabesianische stimmt mit der Hermeneutik seit Schleiermacher überein, deren zentrale Neuerung die textimmanente Auslegung ist, welche ihr Augenmerk auf das Werk allein und unter Mißachtung jeder außerhalb dessen getätigten Äußerung seitens des Urhebers oder des Rezipienten richtet. Das Wort „Es gibt kein menschliches Subjekt, um dessentwillen die Schrift existierte“ 47 ist die Folgerung aus der Auffassung, jeder Text (auch, gemäß Walter Benjamin, jeder Noten- und Bild-„Text“) präexistiere virtualiter im Verborgenen, so daß biographische, psychologische oder sonstige Motive des Autors für die Deutung ohne Belang sind.
„Tu es celui qui écrit et qui est écrit.“ 48
Dieser das Livre des Questions einleitende Satz verweist auf die gegenseitige Abhängigkeit zwischen dem Buch auf der einen und dem Autor beziehungsweise Leser auf der anderen Seite. Wenn zwar das Buch auch ohne den Menschen existiert, ist es doch genauso
45 DL, S. 13. Vgl. auch Goodman-Thau, S. 219.
46 I, LQ, S. 64.
47 Schmitz-Emans, S. 85. - Zudem sei aus dem Beginn von Benjamins Übersetzeraufsatz zitiert: „Nirgends erweist sich einem Kunstwerk oder einer Kunstform gegenüber die Rücksicht auf den Aufnehmenden für deren Erkenntnis fruchtbar. [...] kein Gedicht gilt dem Leser, kein Bild dem Beschauer, keine Symphonie der Hörerschaft.“ Walter Benjamin, Sprache und Geschichte - Philosophische Essays, ausgewählt v. R. Tiedemann, Stuttgart 1992, S. 50.
48 I, LQ, S. 13.
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auf ihn angewiesen, denn es sind Autor und Leser, die es (und damit die ganze Welt, da nach kabbalistischer Tradition das Universum aus den und durch die Buchstaben geschaffen wird) erst lesbar machen. Es zeigt sich hier, nachdem bereits der verlorene Glaube an eine „Wahrheit“ festgestellt wurde, darin eine weitere Parallele zwischen talmudischem und kabbalistischem Gedankengut und der postmodernen Epoche, daß nicht (mehr) klar zwischen Subjekt und Objekt unterschieden wird. Jabès‘ Satz, der Mensch schreibe und werde zugleich geschrieben, kann demnach heißen, die Welt könne nicht ohne das Buch existieren, indes es der Mensch ist, dem die Aufgabe zugewiesen wurde, es auszulegen. 49
„« Il n’y a pas de vérité, répétait-il, il y a une pratique de vérité, comme il y a une pratique de l’écriture qui est vérité de l’écrivain. »“ 50
Die Rolle des Lesers unterscheidet sich kaum von der des Autors: Worauf es ankommt, ist nicht, zu schreiben, als vielmehr „richtig zu lesen“ 51 . Da der Autor nichts „sagen“ will und kann, ist er vor allem aufgefordert, aufmerksam der Sprache zuzuhören und sie zu befragen: „L’écrivain ne cherche pas à être le témoin. Il est seulement à l’écoute des mots qui tracent son avenir.“ 52 Er müsse das Interesse der Wörter für sich gewinnen: „Nous n’avons rien à dire, mais beaucoup à interroger.“ 53 Die Stelle aus Yaël
„Le livre n’a pas besoin de l’homme pour se faire; il se fait à travers lui.“
beschreibt mittels eines typisch jabesianischen Paradoxes diesen Vorrang des Buches. Weiter heißt es dort:
„Ainsi dans l’existence, sommes-nous poussés par les heures, de l’une à l’autre, indéfiniment. Un livre qui aurait pu contenir tous les mots de nos pensées et de nos gestes mais qui, en définitive, n’en avait conservé que ceux qu’il avait choisis, dans l’ordre et dans l’économie et avec lesquels il se solidarisait.“ 54
Mit der Feststellung, daß der Autor oder der Text nichts „sagt“ oder „meint“ - im Sinne eines Wortes von Sartre: „Si l’auteur avait voulu dire quelque chose, il l’aurait dit“ -, steigt die Bedeutung des Lesers, des Auslegenden, ja des Ausführenden (um auf beide Bedeutungen von „Interpret“ zurückzugreifen): „... der Text an sich [hat, ...,] keine
49 Goodman-Thau, S. 243 u. 231. - Dieses Buch-Konzept bei Jabès stellen sowohl Erbertz als auch Schmitz-Emans den verschiedenen mittelalterlichen - jüdischen wie christlichen - Modellen des „Lebensbuches“ gegenüber.
50 Le Livre des Questions, II: El, ou le dernier livre, Paris 1973, S. 551; i.f. als „II, EL“.
51 Felix Philipp Ingold, ... schreiben heißt geschrieben werden ..., in: Jutta Legueil (Hrsg.), Und Jabès: Hommage, Stuttgart 1994, S. 151.
52 DL, S. 54.
53 Ebd., S. 144. Vgl. auch Schmitz-Emans, S. 81.
54 Le Livre des Questions, II: Yaël, Paris 1967, S. 164 f.
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Bedeutung - der Text „meint nicht“ - sondern es bedarf der Person des Interpretanden, um die Bedeutung hervorzukehren“, wie Ulmer es ausdrückt; sie sieht im Leser zudem den „Schlüssel zur literarischen Interpretation“. 55 Wie desweiteren noch mehrere Male bietet es sich hier an, die Musik und die Interpretation von Musik in diesen Gedanken mit hereinzuholen; Grössel etwa vergleicht den Jabèstext mit einer Partitur 56 , ein nicht abwegiger Vergleich, denn besonders in der (ernsten) Musik erwacht das Musikstück, die Klangwelt, das Werk erst durch die Aktivität des Interpreten zum Leben. Und so wie eine Partitur zu immer neuen Interpretationen anregt, und auch so wie eine Interpretation von jedem auf verschiedene Weise auf- und wahrgenommen wird, sieht Jabès für seine Bücher eine Fülle von Deutungs- und Lesemöglichkeiten:
„C’est un peu comme si une multitude de livres possibles attendaient de voir le jour. Cette matière est peut-être le "livre absolu", celui dans lequel se fondraient tous les livres dont nous serions capables. Elle n’est, en vérité, qu’une vaste rumeur inintelligible, parce que non formulable, mais qui, du moins, semble pouvoir l’être. Cette matière, je tiens, le plus longtemps possible, à la préserver à l’état de chaos au seuil même du livre, afin que le lecteur puisse, lui aussi, assister à la naissance de l’ouvrage.“ 57
Goodman-Thau formuliert die wichtige Rolle des Lesers im Anschluß an das obige Jabès-Zitat, in welchem es um das Bemühen des Autors ging, den Leser an einer Aneignung des Buches und einer globalen Lektüre zu hindern:
„Der Schriftsteller-Leser wird zum Leser-Schriftsteller. Seine Lektüre schreibt den Text und gibt ihm zugleich eine Identität, in der der Leser sich im Widerschein wiederfindet. Es sind also nicht die Buchstaben, die dem Text seine Bedeutung verleihen, sondern die Anwesenheit des Lesers, der sich in der Anwesenheit des Schriftstellers widerspiegelt.“ 58
Die also weitgehend identische Rolle von Autor und Leser - beide stehen vor der doppelten Aufgabe eines Interpreten, nämlich sowohl auszuführen und damit zu erschaffen als auch auszulegen, zu deuten - spiegelt sich in der Struktur des Jabèstextes wider. So erläutert der Dichter in Du désert au livre, daß der Grund für den Einsatz der vielen verschiedenen Rabbinerstimmen die Aufsplitterung eines einzigen, massiven Ich gewesen sei; seine imaginären Rabbiner stellten die privilegierten Interpreten des Buches dar,
55
Rivka Ulmer,
Postmoderne Talmudische Hermeneutik,
in:
Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte,
46, 1994, S. 362 u. 352. Vgl. auch Esther Seligson -
Escritura y el enigma de la otredad,
México 2000, S. 104 - die implizit auf eine weitere strukturelle Ähnlichkeit zu den talmudischen Schriften mit ihren den eigentlich auszulegenden Text umkreisenden Kommentarrändern hinweist: „... ese mundo de acotaciones que caracteriza a la página jabesiana donde la escritura corre pidiéndole al lector que lleve un lápiz en mano para trazar los renglones mientras va leyendo.“
56 Hanns Grössel, Wissen ist Fragen, in: Merkur, 36, 1992, S. 421 f.
57 DL, S. 69.
58 Goodman-Thau, S. 219. Der Spiegel ist ein bedeutendes Symbol bei Jabès; man denke etwa an die Anektode Le miroir et le mouchoir in I, LQ, S. 231 ff; s. 2.1.3.
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denn sie vereinigten, wie der beschriebene „Schriftsteller-Leser“ / „Leser-Schriftsteller“, in sich die beiden Fähigkeiten, sowohl zu erschaffen als auch zu kommentieren:
„Mes rabbins sont de faux rabbins mais, pour moi, plus proches que tel autre déchiffreur, parce qu’ils sont, eux-mêmes, écrivains; c’est-à-dire à la fois créateurs et commentateurs de leurs propres œuvres. Tout vrai lecteur n’est-il pas un écrivain en puissance, un « rabbin » enraciné dans le livre?“ 59
Außerdem wurde, damit in Zusammenhang stehend, hinsichtlich des Jabèstextaufbaus sein fragmentarischer Charakter und eine strukturelle Heterogenität festgestellt; ein weiterer bedeutender Ausdruck bei Jabès ist der „Bruch“, die rupture beziehungsweise brisure: Die Aufgabe des Autors kann auch in dem Lichte gesehen werden, den Bruch des Buches und damit der Welt darzustellen, sichtbar zu machen. Dabei bieten sich verschiedene Möglichkeiten, diese rupture aus der jüdischen Tradition abzuleiten, etwa aus dem berühmten kabbalistischen, auf Isaak Luria zurückgehenden Bild von dem in unendlich viele Scherben zerbrochenen Gefäß (das auch Walter Benjamin im Übersetzeraufsatz zu seinen Überlegungen angeregt hat) oder, wie Goodman-Thau es tut, aus der Geschichte der zerbrochenen ersten Gebotstafeln, die, nach der Legende, beim Aufbruch vom Berg Sinai in der Lade mitgenommen wurden:
„Die Bücher Jabès‘ sind Fragmente der gebrochenen Tafeln, die im Schrein der Wüste umhergetragen werden. [...] Jabès ist kein Autor (auteur), der einen neuen Text schreibt, sondern der Andere (autre), der geschrieben wird, wo das Ganze das Gebrochene sichtbar macht. 60
(Der Begriff des Anderen wurde von Lévinas geprägt.)
Unter einem anderen Aspekt besehen, differiert die Haltung des Autors doch von der des Lesers: Letzterer wird schließlich mit dem Buch allein gelassen, da der Einfluß des Dichters gegen Null geht, er „eher eine Leerstelle als eine positive Größe“ ist. 61 (Dies stimmt allerdings sehr wohl mit der oben beschriebenen modernen Hermeneutik mit ihrer textimmanenten Ausrichtung überein.) Aus ihm selbst heraus kommt nichts, er erschafft das Werk nur nach dem Diktat der Schrift. „Autorschaft kann nicht gewollt und erzwungen werden.“ 62 Dem Celan-Wort, der Dichter sei, nach der Niederschrift des Gedichts, „aus seiner ursprünglichen Mitwisserschaft wieder entlassen“ 63 , ähnelt Jabès‘
59
DL, S.75. Vgl. auch Schmitz-Emans, S.97 f.
60 Goodman-Thau, S.215. Zur anagrammatischen Gegenüberstellung von auteur und autre s. 3.5.
61 Schmitz-Emans, S.83.
62 Ebd., S.79.
63 Zitiert nach ebd., S.79 / Fußnote 7.
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