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Inhaltsverzeichnis
Einleitung. S.4
1. England in Hitlers außenpolitischer Konzeption - "Politik des europäischen
Gleichgewichts " S.5
2. Voraussetzung der Bündnisfähigkeit - "Heilung der Wunden des Krieges und des
Versailler Vertrages" S.8
3. Die nationalsozialistische Außenpolitik von der "Machtergreifung" bis zum
"Flottenabkommen" - "Erfolge" und "Mißerfolge" S.13
3.1 Mißerfolge. S.13
3.1.1 Judenboykott als Drohung. S.13
3.1.2 Nationalsozialistischer Putschversuch in Österreich. S.14
3.2 Erfolge. S.15
3.2.1 Das Konkordat mit dem Vatikan. S.15
3.2.2 Der deutsch-polnische Freundschaftsvertrag. S.15
3.2.3 Die Rückgliederung des Saargebietes. S.15
4. Das deutsch-britische Flottenabkommen - Englands "unbedingte Überlegenheit" S.17
5. Die Bedeutung des 18. Juni 1935 - Höhepunkt oder Fehleinschätzung? S.20
Quellen - und Literaturverzeichnis. S.23
In dieser Arbeit soll untersucht werden, ob und inwiefern das deutschbritische Flottenabkommen vom 18. Juni 1935 als Höhepunkt in der Außenpolitik Adolf Hitlers angesehen werden kann. Dazu wird - anhand seiner Schrift "Mein Kampf", das er in seiner Landsberger Festungshaft 1924 verfaßte und anhand seines "Zweiten Buches" aus dem Jahre 1928 - Hitlers England-Konzeption und seine Bündnisvorstellung erläutert.
Da eine erhöhte Schlagkraft der deutschen Wehrmacht dazu dienen sollte, England von dem Wert dieses erwünschten und in Hitlers Augen einzig sinnvollen Bündnisses zu überzeugen, wird die Entwicklung der Rüstung und die Frage nach der Revision des Vertrages von Versailles in den Jahren 1933-1935 in einem eigenen Teil geschildert.
Die ersten außenpolitischen Ereignisse seit der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler werden kurz dargestellt und in einen Zusammenhang mit dem deutschbritischen Verhältnis zu jener Zeit gebracht.
Die Aufzeichnung des Weges zum Flottenabkommen soll dann schließlich dazu dienen, die oben genannte Frage nach der Bedeutung des 18. Juni 1935 zu erörtern. Auf die Darstellung der Position Englands wird weitgehend verzichtet, die verschiedenen Gruppierungen, Strömungen und Tendenzen in der Öffentlichkeit, in Presse und Parlament, also die "Verständigungsgegner" und "-anhänger" 1 werden nicht berücksichtigt, da für diese Untersuchung nur die Handlungen der Regierung relevant sind. Auch die Kontroversen der Historiker 2 , die Hitlers England-Politik eingehend beleuchtet haben, werden außer acht gelassen, da sich die hier aufgeführten Wissenschaftler in den Ereignissen, die in dieser Arbeit untersucht werden, nicht grundsätzlich widersprechen, was durch verschiedene Zitate verdeutlicht wird. Der Begriff der und die Einteilung in "Phasen" sowie der Ausdruck "Programm" werden aus den Werken eben jener Historiker übernommen. Das
1 vgl: Aigner, Dietrich: Das Ringen um England, S.107-266
2 vgl: Bracher, Karl-Dietrich: Tradition und Revolution im Nationalsozialismus, S. 24-27 und Recker, Marie-Luise: Die Außenpolitik des Dritten Reiches, S.58-63, 79-83, 102-110
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Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland werden vereinfacht als "England" bezeichnet.
Bereits als Adolf Hitler am 24. Februar 1920 das Partei-Programm der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) auf der ersten großen Massenveranstaltung derselben erläuterte, wurde klar, daß bei einer Ernennung Hitlers zum Reichskanzler eine komplette politische Neuorientierung im Deutschen Reich zu erwarten sein würde. Er verkündete die Forderungen, daß "kein Jude Volksgenosse [und somit Staatsbürger] sein [dürfe], die korrumpierende Parlamentswirtschaft bekämpft[t], die Söldnertruppe [abgeschafft], ein Volksheer [gebildet] und eine deutsche Presse [im Sinne der Regierung] geschaffen " 3 werden müsse. Doch nicht nur innen-, sondern auch außenpolitisch strebte Hitler grundlegende Veränderungen an, wie er sie bereits in "Mein Kampf" in Aussicht stellt. Seine außenpolitischen Pläne waren geprägt von seinem ideologischen Gesamtkonzept: Eroberung von Lebensraum im Osten, Herrschaft der arischen Rasse und Weltmachtstellung des Deutschen Reiches. Noch bevor die Eroberung von Lebensraum im Osten, "die erst 1924 zum festen Bestandteil seiner Konzeption wurde" 4 , als Angelpunkt seiner Zielsetzung galt, war die Idee eines Bündnisses mit England entstanden. Ob diese Bündnisidee nun der zentrale Punkt Hitlers Konzeption 5 oder nur einer zweiten Prioritätsstufe zugeordnet 6 war, soll dahingestellt bleiben. Fest steht, daß dieses Streben nach einem Bündnis mit England von Anfang an einer der Eckpunkte in seinem außenpolitischen Entwurf war. Hitlers Englandbild wurde durch seine Erlebnisse im Ersten Weltkrieg geprägt, während seine Einheit britischen Truppen gegenüber lag. Sein Bild von den Engländern, die er nur in einer Extremsituation erlebt hatte, revidierte er zu keinem
3 Zit. nach: Hofer, Walther (Hrsg.): Der Nationalsozialismus, S.28-31
4 Hillgruber, Andreas: Deutsche Großmacht und Weltpolitik, S.184
5 vgl.: Aigner, Dietrich: Das Ringen um England, S.53
6 vgl.: Henke, Josef: Hitlers England-Konzeption, S.584
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Zeitpunkt, sondern hielt an dem einmal gewonnenen Klischee fest. Er war unwandelbar davon überzeugt, daß den Engländern immer "die Entschlossenheit zum Kampf und die Zähigkeit und die rücksichtslose Führung [bleibe]" 7 . "Die in seiner Sicht zielklare, entschlossene, instinktsichere Politik" 8 dieses Volkes habe es den Engländern ermöglicht, das größte Weltreich der Geschichte zu erobern und gelte daher als orientierungswürdiges Vorbild für die Deutschen. Von der Idee eines Kondominats mit England besessen, mußte Hitler das Versäumnis eines Englandbündnisses als Kardinalfehler der deutschen Außenpolitik vor dem Ersten Weltkrieg betrachten:
"Da man aber überhaupt von einer planmäßigen Vorbereitung des Krieges nichts wissen wollte, verzichtete man auf Grunderwerb in Europa und opferte, indem man sich statt dessen der Kolonial- und Handelspolitik zuwandte, das sonst mögliche Bündnis mit England, ohne sich aber nun logischerweise auf Rußland zu stützen, und stolperte endlich, von allen, außer dem habsburgischen Erbübel, verlassen, in den Weltkrieg hinein." 9
Aus seiner Sicht "(lagen) Englands Ziele eben nicht in der Erhaltung eines fragwürdigen Weltfriedens, sondern in der Festigung der britischen Weltherrschaft". 10 Da England nicht an einer Stärkung Frankreichs interessiert sein könne 11 , weiterhin nach Macht und Erfolg streben müsse und der Feind des Inselreichs nicht in Europa, sondern in Nordamerika und der Sowjetunion zu suchen sei, in Rußland bzw. im Osten allgemein der zu erobernde deutsche Lebensraum liege und Frankreich besonders in der Frage der Revision des Versailler Vertrages zum deutschen Erzfeind schlechthin geworden sei, war für Hitler offensichtlich, "daß als letzte durchführbare Bindung nur eine Anlehnung an England übrigbleib[e]." 12 Bei der sogenannten "Politik des europäischen Gleichgewichts" - wie Hitler diese anzustrebende Hegemonialstellung der beiden "Herrenvölker" bereits im Sachregister in "Mein Kampf" nennt - wollte der "Führer" freie Hand im Osten haben und dadurch eine kontinentale Vormachtstellung gewährleistet wissen, während England stärkste See-und Kolonialmacht werden sollte. Um diesen sogenannten "Grund-Plan" durchführen
7 Hitler, Adolf: Mein Kampf, S.158
8 Aigner, Dietrich: Das Ringen um England, S.82
9 Hitler, Adolf: Mein Kampf, S.691
10 Hitler, Adolf: Mein Kampf, S.693
11 vgl.: Hitler, Adolf: Mein Kampf, S.695
12 Hitler, Adolf: Mein Kampf, S.697
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zu können, mußten zunächst sämtliche Hindernisse beiseite geschafft werden. So setzte sich Hitler mit den zu erwartenden Einwänden auseinander, indem er fragte, "ob man sich erstens mit dem heutigen Deutschland in seiner vor aller Augen liegenden sichtbaren Schwäche überhaupt verbünden wird; zweitens, ob die feindlichen Nationen zu einer solchen Umstellung fähig erscheinen, und drittens, ob nicht der nun einmal gegebene Einfluß des Judentums stärker als alle Erkenntnis und aller gute Wille ist und so sämtliche Pläne durchkreuzen und zunichte machen wird." 13
In der derzeitigen "Bündnisunfähigkeit [liege] ja auch der tiefste und letzte Grund für die Solidarität der feindlichen Räuber." 14 Auf dem Weg zum Erlangen der Bündnisfähigkeit müsse jedoch genau darauf geachtet werden, Englands Interessen nicht zu durchkreuzen, "denn es gehör[e] wirklich die ganz unglaubliche bürgerlichnationale Naivität dazu, zu meinen, daß England eine ihm gefährliche deutsche Konkurrenz dulden würde oder auch nur könnte". 15 Würde Deutschland jedoch als Bündnispartner neben und nicht gegen England stehen, könnte von englischer Seite keine Gefahr drohen, denn "England [habe] sich eigentlich um die europäischen Verhältnisse immer so lange so wenig gekümmert, solange ihm nicht aus ihnen heraus ein drohender Konkurrent entstand, wobei es die Bedrohung stets nur in einer Entwicklung empfand, die seine See- und Kolonialherrschaft eines Tages durchkreuzen mußte". 16
Um dieses wünschenswerte Bündnis realisieren zu können, mußten Hitlers vorläufige Ziele also das Erlangen der Bündnisfähigkeit und die Verbesserung des Deutschlandbildes im Ausland sein. Diese Einsicht war der Beginn einer absoluten politischen Neuorientierung, die durch Verzicht auf Kolonial- und Flottenpolitik den See- und Handelsinteressen Englands nicht mehr zuwiderlaufen sollte.
13 Hitler, Adolf. Mein Kampf, S.712
14 Hitler, Adolf: Mein Kampf, S.701
15 Hitler, Adolf: Hitlers zweites Buch, S. 122
16 Hitler, Adolf: Hitlers zweites Buch, S.167
Arbeit zitieren:
Barbara Lier, 2000, Das deutsch-britische Flottenabkommen vom 18. Juni 1935:, München, GRIN Verlag GmbH
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