Griots – the west African artisans of the word, wordsmith, bards, an African historian or
villeage storyteller
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Inhalt
1. Einleitung
2. Zur Kultur der Griots
2.1. Der Ursprung der Griots
2.2. Sozialer Status und Ausbildung
2.3. Aufgaben der Griots
2.3.1. Genealogist
2.3.2. Historiker
2.3.3. Berater
2.3.4. Diplomat
2.3.5. Musiker Entertainer
2.3.6. Preissänger
2.3.7. Lehrer Übersetzer
2.4. Zur Stellung weiblicher Griots (Griottes)
2.5. Zum Verhältnis von Griots und islamischen Schreibern bzw oraler und
schriftlicher Quelle
3. Zur Aufführungspraxis (Performance) der Griots
4. Zur Rezeption der Griots als Quelle vorkolonialer Geschichte
5. Funktion und Aufgaben der Griots anhand westafrikanischer Epen Beispiele
5.1. Das Soninké Epos von Wagadu
5.2. Das Mande Epos von Son-Jara
6. Literatur
7. Anhang
Karten Textauszüge Tabelle zur Analysemethodik
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1. Einleitung Griots spielen in der oralen Tradition Westafrikas eine zentrale Rolle. Ihr Wert als Quelle vorkolonialer Geschichte ist jedoch umstritten. Zunächst erfolgt eine Einführung in die Kultur der Griots und schließlich eine Ausarbeitung über die Rezeption. Die Ergebnisse werden dann abschließend anhand zweier Beispiele dokumentiert.
Als erstes schriftliches Zeugnis von Griots gilt der Reisebericht von Ibn Battuta, der im Jahre 1352 auf einer Reise durch das Reich Mali am Hof von Mansa Sulayman (Regierungszeit 1341-1360) auf einen Griot traf. Durch diesen Bericht lässt sich zeigen, dass die orale Tradition der Griots mindestens sieben Jahrhunderte alt ist.
Außerhalb Westafrikas fungiert der Begriff Griot vor allem in der schwarzen Diaspora in Nordamerika und der Karibik, u.a. als Identifikationsmerkmal und Symbol für die afrikanischen Wurzeln. So wird beispielsweise ein zeitgenössisches Tanzspektakel Griot of New York genannt, Jazz-Musiker in Zeitschriften als Griot of … tituliert und kulturelle Organisationen, die sich in irgendeiner Form mit Oralliteratur beschäftigen geben sich Namen wie z.B. The Griot Organization oder L’Association des Griots de la Martinique.
2. Zur Kultur der Griots
Der Ursprung des Wortes Griot ist weitgehend unbekannt und lässt sich nicht eindeutig klären, da der Terminus in keiner afrikanischen Sprache vorhanden ist. Vielmehr kommen eine Vielzahl etymologischer Ursprünge und Bezeichnungen in Frage, wie z.B.: Französisch guiriot, spanisch guirigaray, portugiesisch criado, grito und gritalhao, arabisch qawal, Wolof guewel, Fulbe gawalo, Mande jeli oder jali, Soninké und Songhay geseré. Unter dem französischen Wort griot versteht man eher die Wiedergabe eines konzeptuellen Clusters. Der Begriff aus dem Wolof bedeutet in etwa 'praise singers'. Im Mandinka in Gambia tritt der Begriff jalo mit zahlreichen Spezifikationen auf, wie z.B. danna jalo für 'Jagd-Griots' oder fino jalo für 'dem Islam besonders zugeneigte Griots'. Jedoch kennt jede Sprache oder Ethnie eigene Bezeichnungen, die je nach Klassenzugehörigkeit oder Aufgabenbereich spezifiziert werden.
Geografisch treten Griots vor allem innerhalb des sog. Epic Belts auf. Innerhalb der Sahelzone Westafrikas, zwischen Senegal und Tschad teilen sie eine gemeinsame Tradition und besitzen ähnliche soziale Funktionen.
In sprachlicher und musikalischer Hinsicht stellen die Griots der Mande-Region die größte Vielfalt bereit. Der kulturelle Einfluss, den das Mali-Reich auf die umliegende Region hatte,
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lässt daher vermuten, dass diese Tradition ihren Ursprung auf diesen Gebiet hat. Das Spiel auf der Kora, gesungene Erzählungen, glorreicher, vergangener Zeiten und die Rezitation langer Epen sind Gemeinsamkeiten der Tradition in Mali, Guinea, Senegal und Gambia. Je weiter die Mande-Region in Richtung Norden oder Osten verlassen wird, desto weniger Ähnlichkeiten lassen sich feststellen. So werden in Timbuktu keine langen Epen gesungen, in der Songhay-Region keine Kora gespielt und die Erzählungen sind kürzer als in der Mande- Region. In den Hausa sprachigen Gegenden werden die Griots marok'a genannt. Sie singen Preislieder oder Gedichte und Lieder, jedoch ist nur wenig über die Rezitation von Epen bekannt.
2.1. Der Ursprung der Griots
Zur Entstehung der Griots gibt es primär zwei Theorien, die sich gegenseitig nicht ausschließen. Das erste Auftreten von Preisliedern steht wohl im Zusammenhang mit der Jagd und den Lobgesängen der Jagdgruppe auf den erfolgreichen Jäger bzw. seine Beute, wie sie auch heute noch in manchen Teilen Westafrikas auftreten.
Daneben existieren mehrere Sagen über den Ursprung der Griots und das Alter ihrer Tradition. Diese schließen Erzählungen der Griots selber, sowie Berichte islamischer und europäischer Reisender ein. Viele dieser Geschichten basieren auf einem gemeinsamen Thema und variieren oftmals nur in wenigen Details, was auf einen gemeinsamen Ursprung dieser sagen schließen lässt.
Blut spielt dabei im Allgemeinen eine wichtige Rolle, wobei dieses entweder gespuckt, getrunken oder vergossen wird. Blut stellt nicht nur in der Mande-Kultur eine überaus gefährliche Substanz dar. Der Umgang damit ist tabuisiert, was den Griot von vornherein außerhalb der Gesellschaft ansiedelt. Auch in Geschichten islamischen Ursprungs ist Blut involviert, jedoch kommt als zentrales Element die anfängliche Feindschaft gegen Mohammed bzw. Die daraus resultierende bekehrung hinzu.
2.2. Sozialer Status und Ausbildung der Griots
Der soziale Status hängt eng mit den Ursprungssagen zusammen. Einige von ihnen weisen auf einen königlichen Stammbaum hin, womit das enge Verhältnis der Griots zu den Herrscherfamilien erklärt werden soll. Andere beziehen sich auf eine Herkunft von den Sklaven. Sicher ist, sie haben sich zu einem Zeitpunkt der Geschichte in der Vergangenheit durch anormale Handlungen oder durch einen Tabubruch von der Gesellschaft distanziert.
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Die Griots stehen außerhalb der Gesellschaft. Wie gewisse andere Berufsgruppen werden sie einer Kaste zugeordnet und bilden gewissermaßen sozioökonomische Familienmonopole. Der Berufsstand ist erblich und seit jeher ein Monopol der großen Familienclans. Solche Clans oder Kasten sind jedoch nicht hierarchisch (wie z.B. in Indien) sondern nur kulturell distinktiv. Diese Familienmonopole leben zumeist endogam, möglicherweise um die Monopolstellung zu sichern und zur Vermeidung von Konkurrenzkämpfen, die die Gesellschaftsordnung durcheinander bringen würden. Daneben kommen jedoch auch Jagdgriots etc. vor, die nicht einem solchen Familienmonopol unterliegen und auch nicht mit politischen oder historischen Epen verknüpft sind.
Griots befinden sich in der Regel im Dienst von hochgestellten Persönlichkeiten, Herrschern und religiösen Führern. Griots sind eng mit ihrem jeweiligen Dienstherren verbunden (sie dürfen diesen ggf. sogar beim Vornamen nennen), erhalten Lohn und Schutz. Sie bewahren ein großes Wissen und werden zu sozialen und religiösen Anlässen eingeladen und dürfen bei keinem wichtigen Ereignis fehlen.
Die Ausbildung eines Griots beginnt schon in frühem Alter und wird vom Vater, Onkel, einem älteren Bruder oder auch in einer anderen Griot-Familie vermittelt. Sie ist an einen Meister gebunden und erfolgt informell, also nicht institutionalisiert. Der auszubildende Griot erhält die Möglichkeit mit seinem Meister herumzureisen, diesen bei seinen Vorträgen (musikalisch) zu Begleiten und so neues Material zu sammeln. Es gibt keine Ausbildungsstätte aber Orte und Städte, an denen sich häufig mehrere Griots (einer Pilgerfahrt ähnlich) treffen. Im Erwachsenenalter beherrschen sie meisterlich die verschiedenen Instrumentaltechniken und ein großes Repertoire an Liedern und Instrumentalbegleitungen sowie Lob- und Preisnamen der einzelnen Familienclans. Außerdem historische Zusammenhänge, Mythen und Sinnsprüche der Griots, die zu einem großen Teil improvisiert dargeboten werden. Im Alter von 40 bis 50 Jahren kann ein Griot in den Stand eines Meistersingers erhoben werden. Griots arbeiteten hauptberuflich.
2.3. Aufgaben der Griots
Allein die Bezeichnung Historiker oder Geschichtenerzähler würde den Aufgaben eines Griot nicht gerecht werden. Ebenso kann man ihn kaum auf seine offensichtliche Funktion als Preissänger reduzieren. Tatsächlich fungiert er je nach Kultur mehr oder weniger stark als Historiker, Geschichtenerzähler, Berater, Sprecher, Repräsentant, Vermittler, Übersetzer, Musiker, Komponist, Lehrer etc.
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Marc Seifert, 2004, Griots als Quelle vorkolonialer Geschichte in Westafrika, Munich, GRIN Publishing GmbH
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