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Inhalt
I. Einleitung 3
II. Die jüdische Religion 4
III. Wichtige Ereignisse in der jüdischen Geschichte 5
a. Vorexilische Periode der Landnahme, Richter und Könige 5
b. Nachexilische Periode der Priesterherrschaft 6
c. Graphische Darstellung Israels 9
IV. Das Pariavolk und seine Entwicklung 10
V. Die geographischen Eigenheiten des jüdischen Lebensraumes 11
VI. Die vorexilische Prophetie
a. Die freien Propheten 12
b. Das Verhältnis der freien Propheten zu den Kultpriestern 14
c. Die freien Propheten als Ekstatiker 15
d. Die Sittlichkeit 15
e. Das Wort 15
f. Die Macht der Drohung 16
g. Die freien Propheten und ihr Gottesbild 16
h. Die freien Propheten und die Rechtssprechung 17
VII. Die religiös-politischen Gruppierungen 20
a. Pharisäer 20
b. Sadduzäer 21
c. Essener und Zeloten 21
VIII. Zur Bedeutung der Untersuchung Webers 23
IX. Schlußbemerkung 24
X. Literatur 25
3
I. Einleitung
Karl Emil Maximilian Weber ist am 21. April 1864 in Erfurt geboren. Er stammte aus einer westfälischen Kaufmannsfamilie und wuchs in Berlin auf. Er studierte in Heidelberg Jura, Nationalökonomie, Geschichte, Philosophie und Theologie. Sein Vater „Dr. jur. Max Weber sen.“ war Stadtrat in Berlin und sein Bruder Alfred (1868 - 1958) wie „Max jun.“ als Soziologe tätig. 1
1904/05 gab er seine Studie „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ heraus. Ihm ging es um die Frage nach der Rolle der alttestamentlichen Gottesvorstellung und des alttestamentlichen Erwählungsglaubens für den asketischen Protestantismus. 1909 erschien seine Abhandlung über die „Agrarverhältnisse im Altertum“. Sie ist eine Darstellung politischer, sozialer und religiöser Verhältnisse im vorexilischen Israel. 1910 /14 erschien als Teil der Schrift „Wirtschaft und Gesellschaft“ der Aufsatz „Antikes Judentum“. 1917/20 erschien dann die Studie „Das antike Judentum“ als Aufsatz zur Wirtschaftsethik der Weltreligionen. Mit diesem beginnt ein religionssoziologischer Diskurs innerhalb der alttestamentlichen Wissenschaft. Sie stellt eine Abhandlung über die klimatischen, geographischen, kulturellen und ökonomischen Bedingungen der altisraelischen Religion, Sozialverfassung, des Boden- und Sozialrechts, dem Jahweglauben und der Theokratisierung der israelitischen Sozialordnung dar. 2
Diese Arbeit versucht, in dieses Werk einzuführen. Natürlich soll es keine Inhaltsangabe sein. Die Abhandlung ist zu umfangreich, als das sie in den Rahmen einer Seminararbeit passte. Ich setze daher einen Schwerpunkt bei seinen Überlegungen zur „freien Prophetie“ und den „Pharisäern“. Gerade diese Bereiche erscheinen mir wichtig, um he rausfinden zu können, ob es tatsächlich eine Verbindung zwischen antikem Judentum und dem christlichen Protestantismus gibt. Diese These scheint bereits schon dadurch bestätigt, das Weber sich 15 Jahre mit diesem Thema beschäftigte. Meine Einführung wird also auch gleichzeitig diese These beleuchten. Beginnen werde ich jedenfalls mit einer kurzen Zeittafel. Sie soll den Raum öffnen, in dem sich die jüdische Geschichte und die Propheten als ihre wichtigen Akteure bewegen. Danach werde ich gezielt auf die Propheten und die Pharisäer, sowie die anderen religiös-politischen Gruppierungen eingehen. Die Verbindungen zum Christentum, bzw. Protestantismus ergeben sich durch die Heraushebung der wichtigen Gemeinsamkeiten und das Eingehen auf einzelne jüdische und chr istliche Persönlichkeiten.
1 Kaesler, S. 12f.
2 Gertz, SS. 246ff.
4
II. Die jüdische Religion
Die jüdische Religion hat in ihrer 4000jährigen Geschichte eine Entwicklung durchgemacht, die im Gegensatz zu der christlichen Religion, die durch Spaltung mehrkonfessionell wurde, durch strukturverändernde Erfahrungen Umbrüche und dazwischenliegende Phasen sichtbar werden läßt. Ich möchte daher die jüdische Geschichte in vier und deren religiöse Entwicklung in drei Phasen einteilen.
Die erste Phase ist die vorexilische Phase, die sich durch die Stammes- und Königsherrschaft sowie der Form der freien Prophetie auszeichnet. Diese Phase endet mit dem Babylonischen Exil um 590 v.u.Z.
Die zweite Phase ist die nachexilische Phase, die an der Priesterherrschaft und der schriftlichen Prophetie festgemacht werden kann (Entstehung der Bibel!). Diese wiederum endet mit der Zerstörung des Tempels von Jerusalem durch die Römer 70 n.u.Z., dem letzten Aufstand unter „Bar Kochba“ 130 - 135 n.u.Z. und die Vertreibung aus Palästina. Die dritte Phase ist die „heimatlose“ Phase, die durch das Fehlen von weltlicher und geistlicher Herrschaft zu neuen religiösen Formen führt. Diese Phase wird durch den „Zionismus“ und die „Shoah“ beendet.
Die vierte Phase ist weniger religiös bedeutsam und beginnt spätestens 1948 mit der Gründung des Staates Israel.
Die Überlegungen Max Webers beziehen sich auf die ersten beiden Phasen und decken einen Zeitraum von 2000 Jahren ab. Da in dieser Zeit die religiöse Struktur der jüdischen Gesellschaft eins mit der weltlichen ist, spielen historische Entwicklungen eine große Rolle und werden hervorgehoben. Er spricht hierbei von der „jüdischen Eidgenossenschaft“ (Bund mit Jahwe) und dem „Pariavolk“. Besonders die freie und schriftliche Prophetie wird von ihm herausgehoben. Zudem geht er auch auf die nachexilischen Gruppierungen der „Sadduzäer“, „Pharisäer“, „Essener“ und „Zeloten“ ein. In der späteren 2000 jährigen Entwicklung werden dann nur noch die „Rabbiner“ und die „Zionisten“ von gleichwertig hoher Bedeutung sein.
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III. Wichtige Ereignisse in der jüdischen Geschichte
III.a. Vorexilische Periode der Landnahme, Richter und Könige 3
„Abram“ 4 aus der sumerischen Stadt „Ur“ in „Mesopothamien“ wandert mit um - 2000
seinem Stamm in „Kanaan“ ein. „Jakob“, der Enkel Abrams zieht mit seinen Nachkommen n ach Ägypten. Er wird nach seinem Kampf mit Gott auch „Israel“ genannt (Gen 32,23-31). 5 Seine Nachkommen sind das „Volk Israel“. Das Land Kanaan, auch „Kinahhu“ („Purpur“), bedeutet „Land der Roten“. Die Kanaaniter nannten sich auch „Phönizier“.
Herrschaft „König Ramses II. von Ägypten und Kanaan“. Rückwanderung des um - 1299 Volkes Israels unter „Moses“. 6
um -1200 bis -1020 Zeit der „Richter“ (Führer der einzelnen Stämme) Die „Philister“ besiedeln den „Gaza-Streifen“. Die Römer nennen das Land um - 1175 auc h „Philistäa“ („Palästina“).
„Saul“ aus dem Stamm „Benjamin“ (Süd) ist König über Israel und wird bei um - 1000
der Schlacht von „Gilboa“ getötet. „David“ aus dem Stamm „Juda“, der ehemalige Vertraute Sauls, reißt die Herrschaft an sich und errichtet ein Großreich.
Tod Davids und Bau des ersten Tempels unter seinem Sohn „Salomo“ (-962 um - 965
bis -955). Der Stamm „Levi“ übernimmt den Tempeldienst. Tod Salomos. Unter seinem Sohn „Rehabeam“ zerfällt das Reich. Die Stämme um - 926
Levi, Benjamin und Juda werden zum Königreich „Juda“ (Südreich) und die anderen Stämme zum Königreich „Israel“ (Nordreich). Die Stadt „Samaria“ wird unter König „Omri“ zur Hauptstadt von Israel. um - 876
3 Ortag, SS. 56ff. und Die Bibel - Einheitsübersetzung SS. 1433ff.
4 Statt „Abram“ hätte ich auch „Abraham“ schreiben können. Mit dieser Schreibweise betone ich die sumerische
Herkunft des Stammvaters des Volkes Israel. Abram gilt zudem auch als Stammvater anderer semitischer
Stämme. Da er seinen Weg durch den fruchtbaren Halbmond nahm und Kanaan nicht friedlich eingenommen
wurde, kann es sich bei seinem Stamm auch um eine Armee mit einem richtigen Kampfauftrag der Stadt Ur
gehandelt haben. Dafür spricht auch das Festhalten an „Enlil“ der Stadtgottheit von Ur. Der Gott der Juden,
Christen und Moslems hat somit viel mit diesem Gott zu tun, der als Gott des Himmels und Schöpfergott verehrt
wurde.
5 Die Bibel - Einheitsübersetzung, S. 35
6 Der Name „Moses“ kommt von „Mosis“, einem ägyptischen Namen, wie die Endung zeigt. Die Juden
benutzen die Version „Moshe“.
6
Das Königreich Israel tritt zur Abwehr assyrischer Angriffe dem syrischen um - 853 Militärbündnis bei.
Das Königreich Israel gerät in assyrische Abhängigkeit. um - 845
König „Salmanassar V. von Assyrien und Babylonien“ vertreibt die Stämme um - 722 aus Israel.
Das Königreich Assyrien erobert das Königreich Ägypten. Das Königreich um - 671
Juda gerät in Abhängigkeit Assyriens. Das Königreich Babylonien erobert das Königreich Assyrien. um - 612
Herrschaft König „Nebukadnezzar von Babylonien“. um - 605 bis 562
Das Königreich Juda fällt unter seinem König „Jajakim“ von Babylonie n ab. um - 601
König Nebukadnezzar steht vor Jerusalem und nimmt Geiseln (I. Exil). um - 597
König Nebukadnezzar erobert das Königreich Juda, die Stadt Jerusalem, um - 586
zerstört den Tempel Salomos und nimmt erneut Geiseln (II. Exil„Babylonisches Exil“, -586 bis -538).
III.b. Nachexilische Periode der Priesterherrschaft 7
Die „Perser“ erobert Babylonien, Assyrien und Nordgriechenland - 539 bis - 513
Rückkehr der Juden nach Juda und Bau des 2. Tempels. Der „Hohepriester“ - 538 ersetzt den König.
Tod „Alexanders dem Großen“. „Ptolemäus I. Soter“ wird Herr über Ägypten - 323 und Juda.
Juda fällt den hellenistischen „Seleukiden“ zu. „Antiochos IV. Epiphanes“ läßt - 200
im Tempel ein Standbild des Gottes „Zeus“ errichten. Der jüdische Tempeldienst und die Beschne idung werden verboten. Der jüdische Widerstand wird zuerst vom Priester „Mattathias“ aus Modein geführt. Sein Sohn „Judas“, genannt „Makkabi“ („Der Hammer“) begründet die Dynastie der „Makkabäer“ (auch „Hasmonäer“). In langen Kämpfen kommt es zur Einrichtung eines Hohepriester/Königtums unter den Makkabäern. - 103 bis - 76 Herausbildung der religliös-politischen Gruppierungen der „Sadduzäer“, „Pharisäer“ und „Essener“.
Der römische Feldherr „Pompejus“ erobert das Reich der Seleukiden und - 64
verbündet sich mit dem Makkabäer „Hyrkan II.“.
7 Ortag, SS. 67ff und Die Bibel - Einheitsübersetzung, SS. 1436ff.
7
Pompejus besetzt Jerusalem und entweiht das Allerheiligste im Tempel. - 63
Der Idumäer „Antipater“ wird von Pompejus als „Prokurator“ von Judäa - 47 eingesetzt.
Antipater stirbt bei einem Mordanschlag. Seine Söhne „ Phasael“ und - 43
„Herodes“ werden Gouverneur von Jerusalem und Statthalter von Galiläa. Phasael fällt im Kampf gegen die „Parther“. - 40
Herodes kehrt mit der Hilfe des römischen Feldherr „Markus Antonius“ nach - 37
Judäa zurück und wird König von Judäa, Galiläa, Samarien, Idumäa und Peräa. Zu Ehren „Augustus“ gründet Herodes die Stadt „Cäsarea“. Obwohl selbst Hellenist läßt Herodes den Tempel von Jerusalem umbauen und baut die Festung „Masada“ aus.
Herodes stirbt. Augustus teilt Palästina unter den Nachkommen des Herodes - 4
auf. „Herodes Antipas“ wird „Tetrarch“ von Galiläa und Peräa; „Philippus“ wird Tetrarch von Gaulanitis (Golan), Batanäa, Trachonitis und Auranitis; „Salome“ erhält die Städte Asdod, Jamnia und Phasaelis und „Herodes Archelaus“ wird „Ethnarch“ von Judäa, Samaria und Idumäa. Letzterer wird wegen Unruhen von den Römern abgesetzt und nach Gallien verbannt. Sein Reich übernimmt ein römischer Prokurator als „Provincia Iudaea“. Der bekannteste Prokurator wird „Pontius Pilatus“ (26 bis 36 n.u.Z.) Der Rabbiner „Jesus aus Nazareth“ 8 wird auf Wunsch des „Sanhedrin“ 9 , der um 30/33
durch Sadduzäer (Parteigänger der Römer) dominiert wird, in Jerusalem hingerichtet.
Die Reiche von Herodes Antipas, Philippus und Salome fallen an das römische 34 Reich.
„Herodes Agrippa I.“ ist König von ganz Palästina. Zahlreiche Anhänger des 41 bis 44
Rabbiners Jesus von Nazareth, der auch der „Messias“ genannt wurde, werden verhaftet und mißhandelt. Sein Jünger „Jakobus der Ältere“ wird hingerichtet und „Simon Petrus“ einer der Führer kann aus dem Gefängnis fliehen. „M. Julius Herodes Agrippa II.“ ist König von Nord-Palästina. 53 bis 100
8 Die Behauptung, daß Jesus nicht aus Nazareth stammt und die Bezeichnung „der Nazarener“, auch „Nazoräer“
eigentlich „der Nasiräer“ heißt, erscheint mir nicht gesichert genug. Das Nasiräatsgelübde bezieht sich nur auf
einen kurzen Zeitraum, indem sich die betreffende Person die Haare nicht schneiden läßt und keinen Alkohol
trinkt. Das Gelübde wird mit einem Opfer eingelöst, bei dem die geschorenen Haare mitverbrannt werden (Num
6) Paulus hatte dieses Gelübde abgelegt, wie in Apg 18,18 gelesen werden kann. Jesus, jüdisch „Jeshua“, trank
Alkohol und seine langen Haare entsprechen wohl eher der aramäischen Gewohnheit.
9 gemeint ist der „Hohe Rat“, deren 70 Mitglieder aus dem Hohenpriester, Sadduzäern, Aristokraten,
Großgrundbesitzern und pharisäischen Schriftgelehrten bestand (Ortag, S. 76).
Arbeit zitieren:
M.A. Christian Bruno von Klobuczynski, 2000, Einführung in die Studie Max Webers über das antike Judentum, München, GRIN Verlag GmbH
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