Inhaltsverzeichnis
Deckblatt. I
Inhaltsverzeichnis. II
1. Einleitende Worte zur Hausarbeit und zu Jean Piaget 1
2. Die Entwicklungstheorie nach Jean Piaget. 2
2.1. Das Entwicklungskontinuum. 2
2.1.1. Adaption (Assimilation und Akkomodation) und Organisation. 3
2.1.2. Strukturen und Inhalte. 4
2.2. Stadien der Entwicklung. 5
2.3. Entwicklungsprinzipien. 8
3. Schlüsselqualifikationen. 9
4. Verbindung der Lehren Piagets mit dem Phänomen der
Schlüsselqualifikationen. 11
5. Fazit. 14
Literaturverzeichnis. III-V
II
1. Einleitende Worte zur Hausarbeit und zu Jean Piaget
Jean Piaget, der sich selbst den Naturwissenschaften und der Psychologie, der Pädagogik und der Sozialisationsforschung verschrieb, hat mit seinen über viele Jahrzehnte hinweg kontinuierlich fortgeführten empirischen Untersuchungen die Basis für eine umfassende Theorie der geistigen und kognitiven Entwicklung des Menschen in der Kindheit und Jugend gelegt. 1
Ich werde in dieser Hausarbeit zunächst seine Entwicklungstheorie darstellen, einen kurzen Einblick in die "Welt der Schlüsselqualifikationen" geben und abrundend die Lehren Piagets auf eben diesen Aspekt der Bildung anwenden. Jean Piaget, geboren 1896 in Neuchâtel (Schweiz) war der
Erste, dem es gelang, eine durch umfangreiche
Beobachtungen an Kindern empirisch abgesicherte, tragfähige Theorie zur Beschreibung und Erklärung der Intelligenzentwicklung aufzubauen. 2 Er, der bereits im Alter von zehn Jahren eine erste Veröffentlichung vorweisen konnte (über einen Albino-Sperling aus einem Park seiner Heimatstadt), zeigte früh insbesondere ein biologisches Interesse, das dann auch nach seinem Studium der Zoologie in seiner Doktorarbeit (1918) über Weichtiere des Wallis Ausdruck fand. Zunehmend interessierte er sich nun aber auch neben der Biologie für soziologische und erkenntnistheoretische Fragen und in ihm bildete sich die grundlegende Frage seines Lebenswerkes heraus: Inwieweit besteht eine Verbindung zwischen Biologie und Erkenntnistheorie? 3 Während seiner Studien sollte er u.a. in Binets psychologisch-pädagogischem Laboratorium in Paris bereits entwickelte Intelligenztests für Pariser Kinder standardisieren. Sein Interesse wandte sich dabei mehr und mehr den Denk-Wegen und vor allem den Denkfehlern der Kinder zu, und er entwickelte die klinische Methode. 4 Die klinische Methode baut darauf auf, nur ein Kind - herausgelöst z.B. aus seinem Klassenverband - zu befragen und ihm Gelegenheit zu geben, seine eigenen Gedanken zu entwickeln. Es geht dabei nie darum, einen Wissensstand abzufragen, sondern herauszufinden, wie das Kind denkt, wie es die Informationen verarbeitet, die täglich auf es einstürmen. 5
1 vgl. Stangl, W., Internet, 2004
2 Jank, W. / Meyer, H., 1991, S. 191
3 vgl. Buggle, 1985, S. 13
4 vgl. Buggle, 1985, S. 21
5 vgl. Kubli, F., 1985, S. 46
1
Diese Verbindung zwischen Biologie und Erkenntnistheorie kennzeichnet seinen weiteren Lebensweg. Nachdem er schon früh Ideen über eine mögliche biologische Erklärung der Intelligenz äußerte, begann er nach 1918 an der Universität Neuenburg, an der er einer Lehrverpflichtung nachging, mit speziellen empirischen Forschungen und experimentalpsychologischen Arbeiten, die er dann zwischen 1925 und 1939 durch systematische Beobachtung vor allem seiner eigenen Kinder vertiefte. Piaget hatte inzwischen eine Professur für Wissenschaftsgeschichte in Genf inne und war Co-Direktor des Instituts Jean-Jacques-Rousseau, das sich mit Kinderpsychologie beschäftigte. Sein weiteres Leben verbrachte er zunächst als Professor für Soziologie und für Experimentalpsychologie in Genf und an der Sorbonne in Paris und dann war er bis zu seinem Tod 1980 Leiter des "Zentrums für genetische Epistemologie 6 in Genf. 7
Jean Piaget zeigte eine insgesamt nicht nur qualitativ hochwertige, sondern auch quantitativ enorme Leistung, die sich in weit über 400 Publikationen niederschlug. 8
2. Die Entwicklungstheorie nach Jean Piaget
Jean Piaget teilt die kognitive Entwicklung eines Kindes in zwei vordergründige Zonen, eine invariante und eine variable; zusammengefasst im Entwicklungskontinuum. Innerhalb dieses Kontinuums durchläuft ein Kind dann verschiedene Stadien, die qualitative Unterschiede bezüglich der Denk- oder Problemlösungsmodi hinsichtlich gleicher Probleme in verschiedenen Altersstufen, darstellen.
2.1. Das Entwicklungskontinuum
Grundsätzlich bewegen sich Piagets Forschungen um das Phänomen der Erkenntnis. Er unterwarf sich dabei nicht einer der beiden extremen Denkrichtungen, dass nur die erbliche Anlage oder nur die erlebte Umwelt für die Entwicklung der Erkenntnis verantwortlich sind, sondern suchte nach einer dritten Quelle und fand sie
- beginnend mit den primitiven Reflexen eines Neugeborenen - in den konstruktiven Aktionen des sich entwickelnden Kindes. 9 Piaget versuchte das Band zwischen niedersten Lebensäußerungen und den höchsten kognitiven Leistungen des erwachsenen Menschen aufzuzeigen und ging dabei von einem
6 Epistemologie = Erkenntnislehre, Lehre vom Wissen; gr. episteme = Wissenschaft ; gr. logos = Rede, Kunst
7 Kubli, Dr., Fritz, 1985, S. 47 8 vgl. Buggle, 1985, S. 22
2
Entwicklungskontinuum aus. 10 Hierin sind einerseits invariante Aspekte (Adaption und Organisation) andererseits aber auch variable ( Strukturen und Inhalte) inbegriffen.
2.1.1. Adaption (Assimilation und Akkomodation) und Organisation Nach Piaget gibt es die über alle Entwicklungsstufen gleichbleibenden
Grundfunktionen der Adaption, eine immer neu zu leistende Anpassung eines jeden Organismus jeder Entwicklungshöhe an seine Umwelt 11 , und der Organisation. Dabei ist bei der Adaption zwischen zwei Ausprägungen zu unterscheiden, die zwar jeweils verschieden akzentuiert und verteilt, aber immer kombiniert auftreten: die Assimilation und die Akkomodation. 12
Begegnet der (junge) Mensch einem neuen Objekt ("Objekt" wird als Sammelbegriff all dessen gebraucht, was einem im Leben begegnen kann, also neben Objekten im engeren Sinne auch Subjekte, Zusammenhänge etc.) so wird er dieses Objekt zunächst in seine ihm verfügbaren Handlungs- und Denkmuster, die vorhandenen kognitiven Strukturen einfügen, sie ihnen einverleiben. In Analogie zur Biologie bezeichnet Piaget diesen Aspekt des Erkenntnisprozesses als Assimilation. Da das Objekt aber nicht vollkommen in die vorhandenen Strukturen eingepasst werden kann, (da es sich ja nun um ein neues Objekt handelt, das in dieser genauen Form noch nicht im Weltbild des Menschen existierte), kommt es zu einer Korrektur, bei der die vorhandenen Handlungs- und Denkmuster erweitert, differenziert oder verändert werden. Die verändernde Anpassung der vorhandenen kognitiven Strukturen an die realen Gegebenheiten, benennt Piaget - ebenfalls mit einem biologischen Begriff - Akkomodation. 13 Beispielsweise sieht ein Kind ein Schaf, kennt aber bislang nur Hunde und wird das Schaf erstmal als Hund erkennen und einordnen, da es auch vier Beine und ein Fell hat. Dies ist die Assimilation. Dann wird es aber merken, dass Hund und Schaf sich doch unterscheiden (z.B. in ihren Lauten) und das Kind muss seine Struktur "Vier Beine + Fell = Hund" ändern, erweitern und eine Überkategorie "Tier" einführen, die sich dann in Hund und Schaf verzweigt. Dies ist dann die Akkomodation.
9 vgl. Furth, H.G., 1990, S. 26
10 Buggle, 1985, S. 24
11 Buggle, 1985, S. 24
12 vgl. Buggle, 1985, S. 25
13 vgl. Fatke, R., 1979, S. 300f
3
Beide Aspekte sind gleichzeitig am Erkenntnisprozess beteiligt; sie ergänzen einander und streben ein Gleichgewicht an. Der stabilisierende Charakter der Assimilation und der verändernde Charakter der Akkomodation balancieren sich gegenseitig aus. Subjekt und Objekt verändern sich also in gegenseitigem Austausch, in einem Interaktionsprozess. Diesen Vorgang nennt Piaget Adaption. 14 Während die Adaption mehr ein äußerliches Geschehen darstellt, gibt es auch noch ein begleitendes, erst die Adaption ermöglichendes innerliches Geschehen: die Organisation. Bei der Organisation versucht der Mensch bewusst oder auch unbewusst, seine Strukturen und Aktivitäten zu systematisieren, hierarchisch zu koordinieren und in immer höhere, übergreifende funktionale Systeme zu integrieren, um immer umfassendere und komplexere Funktionen realisieren zu können. Es handelt sich dabei um eine dem Menschen innewohnende Tendenz zur Integration, Zentralisierung oder auch Hierarchisierung von Teilstrukturen, die sich im Lebenslauf quantitativ und qualitativ immer mehr steigern. 15
2.1.2. Strukturen und Inhalte
Strukturen und Inhalte sind dahingehend von der Adaption und der Organisation zu unterscheiden, dass sie variabel sind und nicht über alle Entwicklungsstufen gleichbleibend.
Die somatischen und psychischen Strukturen, die die Realisation von Adaption ermöglichen, sind die Instrumente, mit denen der jeweilige Organismus das Ziel der optimalen Austausch- und Interaktionsprozesse zwischen Mensch und Umwelt (zum Überleben und Ausweiten des Lebensraums 16 ) verfolgt . Diese Instrumente variieren zwischen den Entwicklungsstufen und zwischen Lebensumwelten, in denen sich Menschen wiederfinden. 17 Ein solches Instrument ist z.B. die Erkenntnis der Invarianz von Mengen.
In noch höherem Maße variabel als die gerade beschriebenen Strukturen sind nach Piaget aber die Inhalte, das Material, also das, was der Mensch sieht, erlebt, fühlt, in sich aufnimmt. Zusammenfassend zitiert: "Interhuman gleichförmige kognitive Strukturen werden mit interkulturell und interindividuell sehr variablen Inhalten gefüttert. "
14 Fatke, R., 1979, S. 301
15 vgl. Buggle, 1985, S. 26
16 Buggle, 1985, S. 26
4
Arbeit zitieren:
Indra Bouß, 2004, Auswirkungen auf und Ratschläge für die Bildung und Anwendung von Schlüsselqualifikationen auf der Grundlage der Lehren Piagets, München, GRIN Verlag GmbH
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