In dieser Arbeit geht es um den Roman „Cinco horas con Mario“ von Miguel Delibes, genauer gesagt um Doña Carmen, eine der beiden Hauptfiguren des Buches. Es wird untersucht, ob sie dem traditionellen spanischen Bild entspricht oder eher dem fortschrittlichen Lager zugeordnet werden kann. Auch auf die Rolle ihres Mannes Don Mario, für den sie in der Nacht die Totenwache hält, wird näher eingegangen. Während diesen ‚cinco horas' offenbart sie ihre Gedanken und Gefühle über ihn.
Zeigt sich an diesen beiden Figuren die Problematik der zwei Spanien? Was für eine Ehe haben die beiden geführt? Welche Werte waren für die beiden wichtig? Welche Rolle spielte die Zensur für die Art, wie das Buch verfasst wurde?
Diese Fragen werden in der vorliegenden Arbeit untersucht, überprüft und anschließend resümiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Problematik der „dos españas“
3. ‘Cinco horas con Mario’
3.1 Formaler Aufbau und handelnde Personen
3.2 Die „burguesa“ Carmen
3.3 Stellung Carmens zur Kirche
3.4 Carmen und die Bildung
3.5 Carmen und die Erziehung
3.6 Standesdünkel?
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Roman „Cinco horas con Mario“ von Miguel Delibes mit dem Ziel, die Hauptfigur Doña Carmen hinsichtlich ihrer gesellschaftlichen Positionierung zu analysieren und zu bewerten, ob sie den Prototyp des traditionellen, konservativen Spaniens verkörpert.
- Die Repräsentation der „dos españas“ im Roman
- Doña Carmens Einstellungen zu Kirche, Bildung und Erziehung
- Der gesellschaftliche Status und Standesdünkel der Protagonistin
- Die Analyse der ehelichen Dynamik zwischen Carmen und dem verstorbenen Don Mario
Auszug aus dem Buch
3.2 Die „burguesa“ Carmen
Was Carmen ihrem Mann Mario während der langen Ehe immer wieder vorgeworfen hatte, war sein Geiz und sein Unwillen, ihr ein Auto, genauer gesagt einen Seat 600, zu kaufen. Sie sieht zwar ein, daß „a poco de casarnos eso era un lujo“2, aber mittlerweile ist diese Automarke so weit verbreitet, daß man sie sogar „ombligos“3 nennt. So eine Schande, daß sie selber noch keinen besitzt!
Sie empfindet es als ungerecht und unsinnig, daß so viel Geld für Marios Medizin ausgegeben wurde, sie aber auf ein Auto verzichten mußte: „Si me devolvieran ese dinero, peseta a peseta, mañana un seiscientos.“4 Sie schämt sich vor anderen Leuten -sowohl vor Fremden als auch vor ihren Freundinnen- wenn sie von diesen an der Bushaltestelle entdeckt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in den Roman von Miguel Delibes ein und formuliert die Forschungsfrage zur gesellschaftlichen Einordnung der Protagonistin Doña Carmen.
2. Die Problematik der „dos españas“: Dieses Kapitel erläutert den historischen und literarischen Hintergrund des Gegensatzes zwischen Modernisten und Traditionalisten in Spanien.
3. ‘Cinco horas con Mario’: Dieses zentrale Kapitel analysiert detailliert Carmens Rollenverständnis in verschiedenen Lebensbereichen.
3.1 Formaler Aufbau und handelnde Personen: Hier wird die Struktur des Romans als Totenwache und die Konstellation der Ehepartner Mario und Carmen beschrieben.
3.2 Die „burguesa“ Carmen: Fokus auf Carmens materielles Statusdenken am Beispiel ihres Wunsches nach einem eigenen Auto.
3.3 Stellung Carmens zur Kirche: Untersuchung von Carmens strengem Katholizismus im Kontrast zu Marios liberaleren Ansichten.
3.4 Carmen und die Bildung: Analyse ihrer ablehnenden Haltung gegenüber universitärer Bildung, insbesondere bei ihrer Tochter.
3.5 Carmen und die Erziehung: Diskussion von Carmens traditionellen Erziehungsidealen im Vergleich zu Marios freierem Ansatz.
3.6 Standesdünkel?: Beleuchtung des sozialen Hochmuts und der Sorge um den gesellschaftlichen Schein in Carmens Denken.
4. Zusammenfassung: Abschließende Betrachtung, die Carmen als Repräsentantin des traditionellen Spaniens und Mario als Vertreter des Fortschritts festigt.
Schlüsselwörter
Miguel Delibes, Cinco horas con Mario, Doña Carmen, zwei Spanien, dos españas, Tradition, Konservatismus, Katholizismus, spanische Literatur, Geschlechterrollen, Ehe, Gesellschaft, Standesdünkel, Moderne, spanischer Roman
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Roman „Cinco horas con Mario“ von Miguel Delibes und untersucht insbesondere die Hauptfigur Doña Carmen hinsichtlich ihrer gesellschaftlichen und ideologischen Verortung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind der historische Gegensatz der „dos españas“, die Rollenbilder von Mann und Frau in der Ehe sowie der Einfluss von Religion, Bildung und sozialem Status auf das Individuum.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu klären, ob Doña Carmen primär dem konservativen, traditionellen Bild des Spaniens der damaligen Zeit entspricht oder ob sie moderne, fortschrittliche Züge aufweist.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit angewendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext eng mit historischen Kontextinformationen und der Sekundärliteratur zur Sozialgeschichte Spaniens verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine formale Analyse des Romans sowie in thematische Abschnitte, die Carmens Haltung zu Kirche, Erziehung, Bildung und sozialen Konventionen beleuchten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Miguel Delibes, die Problematik der „dos españas“, Tradition vs. Moderne, Katholizismus und das spezifische Frauenbild der spanischen Mittelschicht.
Wie prägt die Zensur den erzählerischen Kunstgriff in Delibes' Roman?
Da der Ehemann Mario verstorben ist und die Witwe Carmen die Totenwache hält, kann Delibes ihre Gedanken monologisch darstellen. Marios verstummt-sein durch den Tod schützte den Autor vor direkten Konflikten mit der Zensur im damaligen Spanien.
Warum ist die Ablehnung von höherer Bildung für Carmen so bedeutsam?
Carmen fürchtet, dass universitäre Bildung die „Damenhaftigkeit“ ihrer Tochter gefährdet und deren Chancen auf eine standesgemäße Ehe mindert; Bildung steht für sie im Widerspruch zu traditionellen Geschlechterrollen.
- Arbeit zitieren
- Stephanie Schnabel (Autor:in), 2003, Dona Carmen als Prototyp des traditionellen Spaniens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32025