Leasing in der Finanzberichterstattung des Leasingnehmers i
Executive Summary
Problemstellung und Zielsetzung
Das Leasing hat in den letzten Jahrzehnten weltweit eine wichtige wirtschaftliche Bedeutung erlangt. Man denke nur daran, dass beispielsweise das World Trade Center in New York geleast war, oder dass von den insgesamt 15 Mrd. CHF Nettoverbindlichkeiten der ehemaligen Swissair im Sommer 2001 konsolidiert rund 8 Mrd. CHF aus Leasinggeschä ften bestanden. Ursprünglich aus den USA kommend, hat sich diese Finanzierungsalternative in den letzten Jahren expansiv weiterentwickelt. Auch in der Schweiz ist es zu einem festen Bestandteil der Unternehmens- und Konsumfinanzierung geworden. Es besteht die Tendenz, immer mehr zu leasen, anstatt zu kaufen. Die Tatsache, dass bestimmte Leasingverträge neu ins revidierte schweizerische Konsumkreditgesetz Aufnahme gefunden haben - und damit erstmals eine explizite gesetzliche Regelung erfuhren - unterstreicht die Aktualität des Themas.
Allerdings existieren eine Vielzahl von Ausgestaltungsformen und Definitionen von Leasingverträgen. Sie sind gekennzeichnet durch hohe Flexibilität, Vielfältigkeit und einer oft unklaren rechtlichen Einordnung. All dies macht es schwierig, Leasing durch Rechnungs-legungsstandards zu erfassen. Daraus resultiert eine Bilanzierungsproblematik. Die buc hhalterische Behandlung kann - speziell beim Leasingnehmer - sehr unterschiedlich sein. Leasinggeschäfte werden je nach Ausgangslage denn auch unterschiedlich im Accounting erfasst. Auf Grund der verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten ist es notwendig, sich bilanziell damit auseinander zu setzen, um die entstehenden Effekte abschätzbar zu machen.
Die Arbeit befasst sich hauptsächlich mit zwei Problemkreisen. Erstens gilt es zu untersuchen, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt, das Leasinggeschäft im Accounting abzubilden. Und zweitens stellt sich die Frage, welche Auswirkungen eine einmal gewählte Verbuchungs-Methode dann auf das Ergebnis der Unternehmung hat. Hauptziel der Arbeit ist es denn auch herauszufinden, wie die Verbuchung von Leasinggeschäften seitens der Leasingnehmer in den verschiedenen nationalen und internationalen Rechnungslegungsstandards geregelt ist. Es soll gezeigt werden, wie ein Leasingvertrag zu Beginn klassiert wird, wie er daraufhin verbucht wird, und welche Auswirkungen dies auf die in der Finanzberichterstattung gezeigten Abschlüsse hat.
Leasing in der Finanzberichterstattung des Leasingnehmers ii
Aufbau der Arbeit
Das erste Kapitel beinhaltet eine Einleitung in die zu behandelnde Thematik. Nach der Problemstellung und den Zielsetzungen wird dem Leser mit dem Aufbau der Arbeit einen Überblick verschafft, bevor der Begriff Leasing definiert wird. Im zweiten Kapitel wird das Leasing als Finanzierungsinstrument vorgestellt. Es wird auf die Instrumente der Fremdkapitalbeschaffung im Generellen und auf die Finanzierungsalternative Leasing im Besonderen eingegangen. Anschliessend werden die E rscheinungsformen von Leasing aufgezeigt. Dabei werden die beiden Grundformen „Operating Leasing“ und „Financial Leasing“ herausgearbeitet. In Kapitel drei wird die gesetzliche Regelung des Leasing in der Schweiz erläutert. Nach der Vorstellung der gesetzlichen Grundlagen wird auf die Regelungen im Zivilrecht eingegangen, wobei u.a. eine Abgrenzung zu Miete und Abza hlungskauf gemacht wird. Am Schluss dieses Kapitels wird gezeigt, welche Leasingverträge unter das neu revidierte Konsumkreditgesetz fallen. Kapitel vier als Hauptteil der Arbeit befasst sich mit dem Leasing in der Finanzberichterstattung der Leasingnehmer. Am Anfang wird ein Überblick über die verschiedenen Rechnungslegungsstandards gegeben. Der Kern des Kapitels - und der gesamten Arbeit - besteht dann darin, aufzuzeigen, welche buchha lterische Behandlung des Leasing die verschiedenen nationalen und internationalen Rechnungslegungsstandards zulassen. Weiter wird erläutert, wie das jeweilige Regelwerk die Erfassung, die Klassierung sowie die eigentliche Verbuchung von Leasinggeschäften vorschreibt. Die Ausführungen und Berechnungen werden mit konkreten Zahlenbeispielen unterstützt. Anzumerken ist, dass die Bilanzierung seitens der Leasingnehmer behandelt wird. Die Verbuchungsmethoden beim Leasinggeber sind nicht Gegenstand dieser B etrachtung.
Kapitel fünf zeigt anhand eines Beispiels, welche Auswirkungen auf die Unternehmensergebnisse entstehen können, je nachdem welche Verbuchungs-Methode das Unternehmen anwendet. Dazu werden zwei Unternehmen mit i dentischer Ausgangslage aber unterschiedlicher Verbuchungs-Methode miteinander verglichen. Dargestellt werden die jeweiligen Auswirkungen auf die Bilanz, die Erfolgsrechnung, die Geldflussrechnung und wichtige Finanzkennzahlen. Die Resultate werden einander gegenübergestellt und die Ursachen für die unterschiedlichen Ergebnisse erläutert.
Im sechsten und letzten Kapitel erfolgt in einer Schlussbetrachtung die Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse.
Leasing in der Finanzberichterstattung des Leasingnehmers iii
Theoretische Grundlagen
Die für das Leasing notwendige n Grundlagen findet man in der Theorie des Rechnungswesens, in den verschiedenen nationalen und internationalen Rechnungslegungsstandards und in den Grundlagen des Rechts.
Konkret werden in dieser Arbeit die Rechnungslegungsstandards „Fachempfehlungen zur Rechnungslegung in der Schweiz“ (Swiss GAAP FER), „International Financial Reporting Standards“ (IFRS; früher „International Accounting Standards“ IAS) und „United States Generally Accepted Accounting Principles“ (US-GAAP) ausgeführt. Dazu wird das im schweizerischen Obligationenrecht (OR) geregelte Aktienrecht, insbesondere die Regelungen über die kaufmännische Buchführung, in die Betrachtung miteinbezogen. In der Literatur werden zur bilanziellen Behandlung von Leasingverträgen eine Reihe von Ansätzen verwendet. Diese reichen von einer am juristischen Eigentumsbegriff orientierten bis hin zu einer rein wirtschaftlich orientierten Sichtweise („Economic Substance over Legal Form“). In der heutigen Praxis ist der sogenannte „Economic Approach“, bei welchem eine wirtschaftliche Betrachtungsweise im Vordergrund steht, vorherrschend. Die wicht igen Accounting Standards Swiss GAAP FER, IFRS und US-GAAP stellen allesamt auf diesen Approach ab. Andere Ansätze werden in dieser Arbeit nicht behandelt. Um ein Leasinggeschäft rechtlich korrekt einzuordnen wird das schweizerische Zivilrecht mit Zivilgesetzbuch (ZGB) und OR herangezogen. Für die Leasing- Thematik ebenfalls relevant ist das unter die besonderen Gesetze einzuordnende „Bundesgesetz über den Kon- sumkredit“, welches neu gewisse Leasinggeschäfte explizit regelt.
Leasing in der Finanzberichterstattung des Leasingnehmers iv
Resultate
Leasing kann in der Finanzierung von Unternehmen eine entscheidende Rolle einnehmen. Leasing ist zwar nicht billig, kann aber in Anbetracht der vielen Vorteile (Liquidität, Flexibilität) sehr preiswert sein. Jedoch erschweren die enorme Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten von Leasingverträgen und die oft unklare rechtliche Einordnung die Erfassung im Accounting. Aus schweizerischer Sicht bildet das OR bzw. Aktienrecht die gesetzliche Grundlage. Gemäss dieser „Minimallösung“ besteht keine Bilanzierungspflicht für Leasinggeschäfte.
Unter Verwendung eines Accounting Standard wird die Substanz eines Vertrages über dessen rechtliche Form gestellt („Economic Substance over Legal Form“). Die Ausführungen zu den Behandlungsmöglichkeiten des Leasing im Jahresabschluss sind zwar in jedem Accounting Standard verschieden. Inhaltlich entsprechen sie sich aber weitgehend. IFRS und US-GAAP sind strenger und detaillierter, v.a. in Bezug auf die zusätzlichen Offenlegungspflichten. Es gibt zwei Möglichkeiten, einen Leasingvertrag in der Rechnungslegung zu behandeln: als Financial Leasing oder als Opeating Leasing. Beurteilt wird die Zurechnung anhand von vier abschliessenden Zuordnungskriterien. US-GAAP schreibt zudem bei zwei Kriterien eine Zahl in Form eines Prozentwertes vor, der erreicht werden muss. Operating Leasing wird nicht bilanziert. Es ist lediglich eine Angabe der ausstehenden Leasingverpflichtungen im Anhang der Jahresrechnung zu machen. Bei Financial Leasing muss das Leasinggeschäft in der Konzernbilanz erfasst und separat ausgewiesen werden. Ebenfalls weitgehend identisch bei allen drei ist die Aufsplittung der Leasingrate in eine Zinskomponente und eine Amortisationskomponente. Unterschiede gibt es bei der A bschreibung. Das Bilanzbild von Financial Leasing ist wegen den gezeigten Leasingve rbindlichkeiten (höheres Fremkapital) schlechter als bei Operating Leasing. Bei beiden Methoden werden die zu bezahlenden Leasingraten in der Erfolgsrechnung als operativer Aufwand verbucht. Die Unterschiede der Konzernergebnisse beschränken sich v.a. auf den Detaillierungsgrad der Angaben im Anhang.
Bei der Analyse der Auswirkungen hat sich gezeigt, dass es nicht entscheidend ist, welcher Accounting Standard verwendet wird. Relevant ist einzig, ob es sich um Operating- oder Financial Leasing handelt. Die Erfolgsrechnung und die Finanzkennzahlen sind bei Opera- ting Leasing mehrheitlich besser.
Inhaltsverzeichnis I
Inhaltsverzeichnis
Execut ive Summary i
Inhaltsverzeichnis I
Abk ürzungsverzeichnis III
Abbildungsverzeichnis IV
1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung und Zielsetzung 2
1.2 Aufbau der Arbeit 3
1.3 Definition von Leasing 3
2. Leasing als Finanzierungsinstrument 5
2.1 Übersicht über die Finanzierungsarten. 5
2.2 Leasing als Finanzierungsalternative 6
2.3 Erscheinungsforme n des Leasing 7
2.3.1 Indirektes Leasing 7
2.3.2 Direktes Leasing. 7
2.3.3 Operating Leasing und Financial Leasing. 8
2.4 Beurteilung des Leasing als Finanzierungsalternative 9
3. Gesetzliche Regelung des Leasing in der Schweiz 10
3.1 Gesetzliche Grundlagen. 10
3.2. Leasing im Zivilrecht 10
3.3 Rechtliche Abgrenzung zu Miete und Abzahlungskauf. 11
3.4 Leasing im Bundesgesetz über den Konsumkredit 12
4. Le asing in der Finanzberichterstattung der Leasingnehmer. 14
4.1 Nationale und Internationale Regelwerke 14
4.2 Das schweizerische Obligationenrecht (OR) 15
4.2.1 Allgemeines zum OR. 15
4.2.2 Leasing im OR 16
4.2.2.1 Abgrenzung des Leasingtyps gemäss OR. 16
4.2.2.2 Bilanzierung und Ausweis des Leasing gemäss OR. 16
4.3 Swiss GAAP FER. 18
4.3.1 Allgemeines zu Swiss GAAP FER 18
Inhaltsverzeichnis II
4.3.2 Leasing in den SWISS GAAP FER 19
4.3.2.1 Abgrenzung des Leasingtyps gemäss Swiss GAAP FER 13. 19
4.3.2.2 Bilanzierung und Ausweis bei der Zuordnung zum Operating Leasing. 20
4.3.2.3 Bilanzierung und Ausweis bei der Zuordnung zum Financial Leasing. 22
4.4 International Financial Reporting Standards (IFRS) 24
4.4.1 Allgemeines zu IFRS 24
4.4.2 Leasing in den IFRS 26
4.4.2.1 Abgrenzung des Leasingtyps gemäss IAS 17. 26
4.4.2.2 Bilanzierung und Ausweis bei der Zuordnung zu Operating Leasing. 28
4.4.2.3 Bilanzierung und Ausweis bei der Zuordnung zu Financial Leasing. 29
4.5 United States Generally Accepted Accounting Principles (US-GAAP) 33
4.5.1 Allgemeines zu US-GAAP. 33
4.5.2 Leasing in den US-GAAP 34
4.5.2.1 Abgrenzung des Leasingtyps gemäss SFAS 13. 34
4.5.2.2 Bilanzierung und Ausweis bei der Zuordnung zum Operating Lease 36
4.5.2.3 Bilanzierung und Ausweis bei der Zuordnung zum Capital Lease 37
4.6 Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Bilanzierung nach den Regelwerken. 39
5. Auswirkungen der buchhalterischen Behandlung 41
5.1 Vergleich zwischen „Operating Leasing und Financial Leasing“ 41
5.2 Analyse der Auswirkungen 44
5.2.1 Auswirkungen auf die Bilanz. 44
5.2.2 Auswirkungen auf die Erfolgsrechnung. 44
5.2.3 Auswirkungen auf die Geldflussrechnung 45
5.2.4 Auswirkungen auf die Finanzkennzahlen. 46
6. Schlussbetrachtung 49
6.1 Zusammenfassung der Erkenntnisse 49
Literaturliste 51
Abkürzungsverzeichnis III
Abkürzungsverzeichnis
AICPA = American Institute of Certificated Public Accountants APBO = Accounting Principal Board Opinions ARB = Accounting Research Bulletins CHF = Schweizer Franken EITF = Emerging Issues Task Force FASB = Financial Accounting Standards Board FER = Fachkommission für Empfehlungen zur Rechnungslegung FIN = Financial Interpretations (Interpretatio nen des FASB) IAS = International Accounting Standards IASB = International Accounting Standards Board IASC = International Accounting Standards Committee IFRIC = International Financial Reporting Interpretations Committee IFRS = International Financial Reporting Standards IOSCO = International Organisation of Securities Commission KKG = Bundesgesetz über den Konsumkredit KMU = Kleine und mittlere Unternehmen NASDAQ = National Association of Securities Dealers Automated Quotation NYSE = New York Stock Exchange ROE = Return on Equity SEC = Securities and Exchange Comission SFAS = Statement of Financial Accounting Standards SIC = Standing Interpretations Committee SLV = Schweizerischer Leasingverband
Swiss GAAP FER = Swiss Generally Accepted Accounting Principles SWX = Swiss Exchange (Schweizer Börse) US-GAAP = United States Generally Accepted Accounting Principles VSKF = Verband Schweizerischer Kreditbanken und Finanzierungsinstitute ZEK = Zentralstelle für Kreditinformation
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Übersicht über die Finanzierungsarten.
Abbildung 2: Das indirekte Leasing
Abbildung 3: Das direkte Leasing
Abbildung 4: Abgrenzung zwischen Operating Leasing und Financial Leasing
Abbildung 5: Abgrenzung des Leasing zu Miete und Abzahlungskauf
Abbildung 6: Übersicht zu den nationalen und internationalen Regelwerken.
Abbildung 7: Die Bilanz vor dem Leasinggeschäft.
Abbildung 8: Die Bilanz mit Anhang nach dem Leasinggeschäft
Abbildung 9: Die Bilanz vor dem Leasingge0schäft.
Abbildung 10: Die Bilanz mit Anhang nach dem Leasinggeschäft
Abbildung 11: Die Bilanz vor dem Leasinggeschäft.
Abbildung 12: Die Bilanz mit Anhang nach dem Leasinggeschäft
Abbildung 13: Ausweis als Operating Leasing
Abbildung 14: Die Bilanz mit Anhang nach dem Leasinggeschäft
Abbildung 15: Ausweis ausgewählter Bilanz- und Erfolgsrechnungspositionen.
Abbildung 16: Financial Lease Treatment nach US-GAAP
Abbildung 17: Synoptische Darstellung der behandelten Regelwerke
Abbildung 18: Amortisationsplan des Leasinggutes (Zahlen in CHF und gerundet)
Abbildung 19: Übersicht der Bilanzen und Erfolgsrechnungen beim Leasingnehmer
Abbildung 20: Kennzahlenvergleich zwischen A und B (Prozent-Zahlen gerundet)
1. Einleitung 1
1. Einleitung
Es gibt heute praktisch keine Unternehmung mehr, die ihre Investitionen ausschliesslich mit selbst erarbeiteten Mitteln, d.h. einbehaltenem Gewinn, finanzieren kann. So ist sie auf andere Finanzierungsarten angewiesen. Eine mögliche Finanzierungsquelle ist das Leasing. Schon Aristoteles schrieb etwa im Jahre 350 vor Christus, dass Reichtum vielmehr im Gebrauch als im Eigentum liegt, und traf damit genau den Kern des Leasinggedankens. 1 Leasing hat in der heutigen Zeit grosse wirtschaftliche Bedeutung erlangt. Man denke nur daran, dass beispielsweise das World Trade Center in New York geleast war 2 , oder dass von den insgesamt 15 Mrd. CHF Nettoverbindlichkeiten der ehemaligen Swissair im Sommer 2001 konsolidert rund 8 Mrd. CHF aus Leasinggeschäften bestanden. 3 Das schweizerische Leasinggeschäft ist heute zu einem festen Bestandteil der Unternehmens-und Konsumfinanzierung geworden. 4 Das Volumen der Mitglieder des Schweizerischen Leasingverbandes (SLV) betrug Ende des Jahres 2002 rund 14.6 Mrd. CHF. 5 Dieses unterteilt sich grob in Immobilienleasing von rund 0.6 Mrd. CHF, Investitionsgüterleasing in der Grössenordnung von 5 Mrd. CHF, und Autoleasing von etwa 9 Mrd. CHF, wobei der Privatanteil am Autoleasing zirka 50 bis 60 Prozent ausmacht. Da der SLV aber nur rund 90% des Gesamtmarktes abdeckt, kann von einem schweizerischen Gesamtvolumen von zirka 16-17 Mrd. CHF ausgegangen werden. 6 Auch die Marktchancen für die Zukunft sind „intakt und ein Wachstum scheint weiterhin[...]absehbar“. 7 Es besteht die Tendenz, immer mehr zu leasen, anstatt zu kaufen. Die Tatsache, dass bestimmte Leasingverträge neu ins revidierte schweizerische Konsumkreditgesetz (KKG) Aufnahme gefunden haben - und damit in der Schweiz erstmals eine explizite gesetzliche Regelung erfuhren - unterstreicht die Aktualität des Themas. 8
Eine wichtige Rolle spielt die Behandlung von Leasinggeschäften im Rechnungswesen, da je nach Verbuchungsmethode oder Regelwerk unterschiedliche Auswirkungen auf Bilanz und Erfolgsrechnung entstehen können. Es ist entscheidend, dass der ökonomischen Reali-
1 Vgl.Marek (2001), S. 4, zit. nach: Stahr (1907), S.44.
2 Vgl. Dittli, (2003), S. 19.
3 Vgl. Enz (2001), S. 21.
4 Vg l. Schweizerischer Leasingverband (2004a).
5 Vgl. Schweizerischer Leasingverband (2004b).
6 Vgl. Schweizerischer Leasingverband (2004b).
7 Mühlethaler (2003), S. 5.
8 Vgl. Roth (2003), S. 23.
1. Einleitung 2
tät bei Leasinggeschäften gebührend Rechnung getragen wird. Die Transparenz der finanziellen Berichterstattung darf nicht verloren gehen. Interessant ist vor allem die Art und Weise der Verbuchung von Leasinggeschäften beim Leasingnehmer. Die Behandlungsmethoden beim Leasinggeber sind zwar ebenfalls verschiedenartig, werden in dieser Arbeit aber nicht behandelt.
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
Ursprünglich aus den USA kommend, hat sich diese Finanzierungsalternative in den letzten Jahren expansiv weiterentwickelt. 9 Im heutigen Geschäftsumfeld werden Manager zunehmend mit der Frage konfrontiert, ob sie Gebäude, Mobilien, Einrichtungen etc. kaufen oder leasen sollen. 10 Es ist festzustellen, dass sich Leasing zunehmender Beliebtheit erfreut. In vielen Unternehmungen hat es dem Bankkredit bereits den Rang abgelaufen. 11 Allerdings existieren eine Vielzahl von Ausgestaltungsformen und Definitionen von Leasingverträgen. Sie sind gekennzeichnet durch hohe Flexibilität, Vielfältigkeit und einer oft unklaren rechtlichen Einordnung. All dies macht es schwierig, Leasing durch Rechnungs-legungsstandards zu erfassen. Daraus resultiert eine Bilanzierungsproblematik. Die buc hhalterische Behandlung kann - speziell beim Leasingnehmer - sehr unterschiedlich sein. 12 Deswegen ist es notwendig, sich bilanziell damit auseinander zu setzen, um die Effekte abschätzbar zu machen.
Die Arbeit befasst sich hauptsächlich mit zwei Problemkreisen. Erstens gilt es zu untersuchen, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt, das Leasinggeschäft im Accounting abzubilden. Und zweitens stellt sich die Frage, welche Auswirkungen eine einmal gewählte Verbuchungs-Methode dann auf das Ergebnis der Unternehmung hat. Hauptziel der Arbeit ist es denn auch herauszufinden, wie die Verbuchung von Leasinggeschäften seitens der Leasingnehmer in den verschiedenen nationalen und internationalen Rechnungslegungsstandards geregelt ist. Es soll gezeigt werden, wie ein Leasingvertrag zu Beginn klassiert wird, wie er daraufhin verbucht wird, und welche Auswirkungen dies auf die in der Finanzberichterstattung gezeigten Abschlüsse hat.
9 Vgl. Ertugrul (1998), S. I.
10 Vgl. Schallheim (1994), Umschlag.
11 Vgl. Mussler (2003a), S. 17.
12 Vgl. Andersons (1998), S. i.
1. Einleitung 3
1.2 Aufbau der Arbeit
Das erste Kapitel beinhaltet eine Einleitung samt Definition in die zu behandelnde Thematik. Im zweiten Kapitel wird das Leasing als Finanzierungsinstrument vorgestellt. Nach einer Übersicht über die Finanzierungsarten wird auf die Instrumente der Fremdkapitalbeschaffung im Generellen und auf die Finanzierungsalternative Leasing im Besonderen eingegangen. Dabei werden die beiden Grundformen „Operating Leasing“ und „Financial Leasing“ herausgearbeitet. In Kapitel drei wird die gesetzliche Regelung des Leasing in der Schweiz erläutert. Kapitel vier als Hauptteil der Arbeit befasst sich mit dem Leasing in der Finanzberichterstattung der Leasingnehmer. Am Anfang wird ein Überblick über die verschiedenen Rechnungslegungsstandards gegeben. Der Kern des Kapitels - und der gesamten Arbeit - besteht dann darin, aufzuzeigen, welche buchhalterische Behandlung des Leasing die verschiedenen nationalen und internationalen Rechnungslegungsstandards zulassen. Die Ausführungen und Berechnungen werden mit konkreten Zahlenbeispielen unterstützt. Anzumerken ist, dass die Bilanzierung seitens der Leasingnehmer behandelt wird. Die Verbuchungsmethoden beim Leasinggeber sind nicht Gegenstand dieser B etrachtung. Kapitel fünf zeigt anhand eines Beispiels, welche Auswirkungen auf die Unternehmensergebnisse entstehen können, je nachdem welchen Rechnungslegungsstandard und welche Verbuchungs-Methode das Unternehmen anwendet. Dargestellt werden die jeweiligen Auswirkungen auf die Bilanz, die Erfolgsrechnung und wichtige Finanzkennzahlen. Im sechsten und letzten Kapitel erfolgt in einer Schlussbetrachtung die Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse.
1.3 Definition von Leasing
Ursprünglich stammt der Begriff Leasing aus dem amerikanischen Sprachraum. Er ist vom Verb „to lease“ bzw. dem dazugehörigen Hauptwort „Lease“ abgeleitet, und kann mit „Miete, Pacht“ übersetzt werden. 13 Hinter dem Begriff verbergen sich jedoch eine Vielzahl rechtlicher und wirtschaftlicher Konstruktionen. 14 Trotz unzähliger Publikationen zum Thema wird weder in der Literatur, noch in der Wirtschaftspraxis der Begriff Leasing ein- 13 Vgl.Bögli (1984), S. 8.
14 Vgl. Tacke (1993), S. 1.
1. Einleitung 4
heitlich verwendet. Gewöhnliche Mietverträge werden oft aus Reklamegründen als Leasing angepriesen. Zudem werden immer wieder neue Begriffe geschöpft. 15 Den einheitlichen Leasingbegriff gibt es also nicht. Eine gesetzliche Definition existiert ebenfalls nicht. Deshalb wird die wirtschaftliche Betrachtungsweise herangezogen, um darüber Aufschluss zu geben, was unter Leasing eigentlich zu verstehen ist. 16 Will man den Begriff Leasing in diesem Sinne allgemein beschreiben, eignet sich folgende Definition am ehesten: „Beim Leasing handelt es sich um eine spezielle Vertragsform (Gebrauchsüberlassungsvertrag eigener Art), bei der die eine Partei (Leasinggeber) der anderen Partei (Leasingnehmer) auf bestimmte oder unbestimmte Zeit ein bewegliches oder unbewegliches, dauerhaftes Konsum- oder Investitionsgut beschafft und finanziert sowie zum freien Gebrauch und Nutzen gegen in Teilleistungen erbrachtes Entgelt überlässt.“ 17
Leasing kann demnach als ein Vorgang mit atypischem Mietcharakter zur Beschaffung von dauerhaften Konsum- und Investitionsgütern bezeichnet werden. Gegen ein periodisches Entgelt wird die wirtschaftliche Verfügungsgewalt erlangt. 18 Im Weiteren werden die Begriffe „Operating Leasing“ (operatives Leasing) und „Financial Leasing“ (Finanzierungs-Leasing) verwendet. 19 Diese zwei Begriffe sind sehr zentral, denn sie stellen, in Bezug auf die Rechnungslegung, die beiden Grundformen des Leasing dar. Je nach Ausgestaltung des Leasingvertrages, kann ein Leasinggeschäft der einen oder anderen Grundform zugeordnet werden. In Kapitel 2.3.3 „Operating Leasing und Financial Leasing“ und dann v.a. in Kapitel 4 „Leasing in der Finanzberichterstattung der Leasingnehmer“ wird vertieft darauf eingegangen. Daneben gibt es zahlreiche weitere Leasingbegriffe, welche aber für den weiteren Verlauf dieser Arbeit nicht relevant sind.
15 Vgl. Tacke (1999), S. 2.
16 Vgl. Meyer / Moosmann (Hrsg.) (1996), S. 144.
17 Meyer (2002a), S. 3.
18 Vgl. Carlen / Giannini / Riniker (1999), S. 46.
19 Vgl. Tacke (1999), S. 1.
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lic.oec.publ. Andrea Florinett, 2004, Leasing in der Finanzberichterstattung des Leasingnehmers, München, GRIN Verlag GmbH
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