Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 4
2. Trennung und Scheidung als kritisches Lebensereignis 4
3. Wie erlebt das Kind die Trennung der Eltern? 6
3.1 Altersspezifische Wahrnehmung von Trennung und Scheidung. 10
3.1.1 Vorschulalter 10
3.1.2 Grundschulalter 12
3.1.3 Pubertät 13
4. Bewältigungsstrategien. 15
4.1 Defensive Bewältigungsstrategien. 15
4.2 Aktive Bewältigungsstrategien. 16
5. Zusammenfassung. 18
Literatur 19
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1. Einführung
Trennung und Scheidung sind keine Schande mehr. In unserer Gesellschaft ist die juristische Scheidung ein akzeptierter Weg zur Lösung von Ehekonflikten geworden. Sie gehören zur Normalität unseres Alltags. Die Scheidungsraten sind auf dem Gebiet der Bundesrepublik seit 1970 kontinuierlich gestiegen. (vgl. Witte 1992, S. 3) Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden ermittelt, werden 197498 Scheidungen im Jahr 2001 registriert. Es sind rund 3.090 e ingereichte Scheidungsanträge mehr als im Vorjahr (vgl. http://www.destatis.de/ basis/d/bevoe/bevoetab1.htm) Es bedeutet also, dass im Jahr 2001 197498 Ehepartner mit diesem plausiblen juristischen Akt das Beenden des Zusammenseins eingeleitet haben. Ein durchschnittliches Scheidungsverfahren nimmt in der Regel zwei Jahre in Anspruch.
Wie viele Jahre nimmt es allerdings in Anspruch, die Wunden der Kinder zu „heilen“, die sich in diesen zwei Scheidungsjahren in ihre zarten Seelen gebrannt haben? Welche Konsequenzen überhaupt hat eine Scheidung für ein Kind? In dieser Hausarbeit wird versucht, diese Folgen aufzudecken. Im Kapitel 2 wird vorerst ein Licht auf die Scheidung selbst geworfen und nach den Gründen von Scheidungen gesucht. Im dritten Kapitel wird dargestellt, wie Kinder im unterschiedlichen Alter Scheidung wahrnehmen und wie man den bestimmten Folgen entgegenwirken kann. Anschließend (4. Kapitel) werden zwei Arten von Bewältigungsstrategien vorgestellt, die sich Kinder zunütze machen, um sich vor Stress zu schützen.
2. Trennung und Scheidung als kritisches Lebensereignis
Nach Lehmkuhl ist die Scheidung der Eltern in einer Familie nicht ein punktuelles, an einem bestimmten Datum erfolgendes und dann in sich abgeschlossenes Ereignis, sondern stellt ein umfassendes Geschehen dar. Es gibt eine durch Enttäuschung, Auseinandersetzungen und heftige Ängste belastete Vorgeschichte mit einer zunehmenden familiären Dysfunktionen und Instabilität. Es folgt eine akute Krisensituation zum Zeitpunkt der definitiven Trennung und danach eine ebenso bedeutende und schmerzvolle Nachscheidungsphase mit dem Bemühen um
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Neuorientierung. Dabei werden Eltern sowie Kinder durch das Trennungsgeschehen zumindest vorübergehend in existentielle Lebenskrisen gestürzt. (vgl. Lehmkuhl 1997, S. 59)
Ganz generell gilt, dass noch immer die Ehe eine Lebensform darstellt, die mit äußerst hohen Erwartungen verknüpft wird. Die anfänglich romantische Beziehung soll erhalten bleiben, weil sie letztlich die als einzig wesentlich erachtete Bindungskraft darstellt. Gleichzeitig soll der konfliktreiche Alltag bewältigt und partnerschaftlich gestaltet werden, was folglich zu einem Widerspruch führt. Wie aus den Angaben des Statistischen Bundesamtes zu entnehmen ist, hält im Jahr 2001 jede zweite Ehe dieser Belastung nicht stand. (vgl. http://www.destatis.de/ basis/d/bevoe/bevoetab1.htm) Als Ausweg wird dann nur noch die Scheidung gesehen. Sie stellt die Form der Konfliktlösung dar, um damit die belastenden Umstände zu beseitigen. Dabei werden Scheidungsgründe in rationalisierender Weise vorgetragen und auf eine oder wenige Ursachen beschränkt. Eine Zusammenstellung dieser sieht nach Gaier (1987, S. 27f) folgendermaßen aus:
Ø Außereheliche Beziehungen bzw. Verlagerung des emotionalen und sexuellen Interesses auf Personen außerhalb der Ehe Ø Charakterliche Unverträglichkeit der Partner Ø Konfliktbewirkendes oder neurotisches Fehlverhalten eines Partners Ø Krankheitsverläufe, denen eine veränderte Einstellung zum Partner zugewiesen wird Ø Gewalttätigkeiten in der Paarbeziehung Ø Alkoholismus oder andere Formen von Sucht
Ø Unfähigkeit, emotionale Beziehungen über längere Zeit aufrechtzuerhalten (Bindungsunfähigkeit/ Bindungsangst)
Ø Überfordernde plötzliche Lebensereignisse (Totgeburten, u.ä.) Ø Selbstverwirklichungswünsche des Partners Ø Unterdurchschnittliche Belastbarkeit
Ø Kommunikationsstörungen zwischen den Partnern und die Unfähigkeit, auftretende Schwierigkeiten gemeinsam zu bearbeiten
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Witte befasst sich mit den Folgen, die eine Trennung und Scheidung nach sich ziehen. Als positive Konsequenzen einer Scheidung werden von den Betroffenen folgende genannt: a) man sei selbständiger geworden, b) die Kinder seien nicht mehr den Spannungen ausgesetzt, c) man habe eigene Freunde,
d) man fühle sich nach der Depression befreit. (vgl. Witte 1992, S. 10)
Die negativen Konsequenzen bestehen vor allem in Gefühlen der Einsamkeit und in finanziellen Nachteilen. (vgl. ebd., S. 10)
Wenn Gemüter der Eheleute in der über Monate hinweg andauernden Vorscheidungsphase gereizt sind, denken nur die wenigen darüber nach, was solch eine Trennung der Eltern für das Kind selbst bedeutet. Die Erschütterungen, denen Kinder bei Trennungen ausgesetzt sind, beeinträchtigen in vielen Fällen ihre psychische Gesundheit und ihren weiteren Lebensweg.
3. Wie erlebt das Kind die Trennung der Eltern?
Während die Vorscheidungsphase als eine Art „hoffnungsvoller Hoffnungslosigkeit“ (Gaier 1987, S.52) empfunden wird, erleben Kinder „unwiderrufliche Endgültigkeit“ (ebd., S.52) erst mit dem Auszug eines Elternteils. Selbstverständlich belastet schon die Trennung an sich die Kinder. Diese Last ist allerdings für viele Kinder leichter zu ertragen als der monatelange bzw. gar jahrelange Streit der Eltern. Die Trennung der Eltern ist vom Kind leichter zu verarbeiten, wenn es spüren kann, dass es beide Elternteile auch wirklich in gleicher Weise lieben darf. Dies wird dem Kind allerdings fast in jedem Trennungsprozess von den Eltern unmöglich gemacht, indem jeweils ein Elternteil vom Kind Bündnisschaft und Loyalität ausschließlich für sich erwartet.
Die Scheidungsreaktionen der Kinder sind äußerst vielfältig und stellen sich in den weitgespannten psychosozialen und psychosomatischen Auffälligkeiten und veränderten Entwicklungsabläufen dar. Zum Teil werden diese Auffälligkeiten und
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Arbeit zitieren:
Elena Rauch, 2003, Trennung und Scheidung der Eltern im Erleben des Kindes, München, GRIN Verlag GmbH
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