Technische Universität Braunschweig
Institut für Sozialwissenschaften
Proseminar:
Aktuelle Beiträge zur Theorie der Internationalen Beziehung
Wintersemester 1998/1999
Thema:
Interdependenztheorie
Verfasser:
Roderik Gross
1. Einleitung 2
1.1 Erläuterung des Begriffs „Interdependenz“ 2
1.2 Abgrenzung zwischen Interdependenz und Realismus 2
1.3 Fragestellung 2
2. Interdependenz-Debatte 3
2.1 Geschichte der Interdependenz-Debatte 3
2.2 Ideologische Einordnung der „Komplexen Interdependenz“ 4
3. Interdependenz gemäß Rohen Keohane und Joseph Nye 5
3.1 Komplexe Interdependenz 5
3.2 Interdependenz-,,Empfindlichkeit“ und -„Verwundbarkeit“ (Diagramm 1 + 2) 6
3.3 Vergleich zwischen Realismus und Komplexer Interdependenz (Tabelle 1) 8
3.4 Interdependenz als intervenierende Variable (Diagramm 3 + 4) 11
4. Symmetrische und asymmetrische Interdependenz (Diagramm 5) 13
5. Kritik am Interdependenzansatz 15
6. Kritik an der Komplexen Interdependenz gemäß Keohane und Nye 15
7. Fazit 17
8. Anmerkungen 18
9. Literaturverzeichnis 19
Anhang [siehe folgende Seiten] 19
1. Einleitung
1.1 Erläuterung des Begriffs „Interdependenz“
Interdependenz bedeutet gegenseitige Abhängigkeit. In der internationalen Politik wird Interdependenz häufig als („modischer“) Begriff gebraucht, um zwischenstaatliche Beziehungen in der Gegenwart zu beschreiben.
Allgemein läßt sich Interdependenz dadurch definieren, daß zwischen (mindestens zwei) Akteuren eine Interessengleichheit vorliegt, die nach einer globalen politischen Ordnung im Weltgeschehen strebt.
Interdependenz führt zu steigenden Verflechtung und wechselseitige Abhängigkeit von Akteuren im Staatensystem.
1.2 Abgrenzung zwischen Interdependenz und Realismus
Der Realismus stellt die Welt als ein dezentrales, anarchisches Staatensystem dar, in dem weder eine internationale Rechtsgrundlage noch eine übergeordnete Institution für Ordnung sorgt. Im Gegensatz dazu geht der Interdependenzansatz davon aus, daß die Welt aus einem Geflecht internationaler Transaktionen besteht, die wechselseitige Abhängigkeiten schafft und die Entstehung internationaler Organisationen unterstützt. Die Stabilität im Weltsystem wird nicht (wie im Realismus) durch einen übergeordneten Hegemon, sondern durch internationale Kooperation hergestellt.
1.3 Fragestellung
So stellt sich die Frage, welche neuen (zusätzlichen) Erkenntnisse der Interdependenzansatz im Allgemeinen und das Modell der Komplexen Interdependenz gemäß Robert Keohane und Joseph Nye im Speziellen aufgrund des neuen, vom Realismus abweichenden Ansatzes gewinnt. Ist das Interdependenzmodell universell auf alle Akteure im internationalen Staatensystem anwendbar, oder gibt es auch Ausnahmesituationen?
Zur Beantwortung dieser Frage wird zunächst auf die Geschichte der Interdependenz-Debatte eingegangen. Der nächste Abschnitt behandelt die Komplexe Interdependenz gemäß Robert Keohane und Joseph Nye, zwei der bedeutendsten Vertreter des Neoliberalismus. Hier sollen (mit Hilfe von Diagrammen und Tabelle) die (neuen) Wege des Erkenntnisgewinnes der Komplexen Interdependenz aufgezeigt werden und wie sie sich von denen des Realismus unterscheiden. Danach folgt die Differenzierung zwischen zwei divergierenden Verständnissen der Interdependenz (symmetrische und asymmetrische). Nach einer allgemeinen Kritik am Interdependenzansatzes wird speziell das Modell der Komplexen Interdependenz kritisiert. Abschließend soll das Fazit versuchen eine Antwort auf die Fragestellung zu geben und einen möglichen Lösungsweg anzubieten.
2. Interdependenz-Debatte
2.1 Geschichte der Interdependenz-Debatte
Vor dem Thematisieren in der Politologie findet der Begriff der Interdependenz, als Beschreibung für die wechselseitigen Beziehungen zwischen internationalen Akteuren und ihre Auswirkungen auf die Weltwirtschaft, Währungspolitik, und die Volkswirtschaften einzelner Staaten Eingang in die klassischen Lehre der Wirtschaftswissenschaften.
In der Politikwissenschaft setzte das „Interdependenzverständnis“ der Welt / des Welthandels erst später (in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts) ein. Während der ersten großen, traditionellen Debatte zwischen dem Realismus und dem Idealismus, bei der sich Ende der 40er Jahre die realistische Weitsicht durchsetzte, verlor der Begriff der Interdependenz an normativer, prägender Bedeutung und wurde zur simplen Beschreibung internationaler Aktivitäten. Gründe für das Durchsetzen des Realismus, als dominierende Sichtweise in den internationalen Beziehungen, lassen sich u.a. im Scheitern des (idealistisch geprägten) Völkerbundes (Ausbruch des Zweiten Weltkrieges) und in der starken Hegemonialstellung der USA in der Welt unmittelbar nach Kriegsende finden.
In den 60er Jahren findet der Interdependenzbegriff in der amerikanischen Außenpolitik eine neue Bedeutung. Hier beschrieb er aber nicht die steigende Vernetzung und gegenseitige Abhängigkeit, sondern das (amerikanische) Streben, die Welt (durch Interventionspolitik) zu verändern.
In den späten sechziger und frühen 70er Jahren wurde der Interdependenzansatz erstmals als wissenschaftliche Methode zum Erkenntnisgewinn über internationale Zusammenhänge benutzt. Drei wichtige Werke prägen das Interdependenzverständnis während der 70er und 80er Jahre.
Bei dem ersten Werk handelt es sich um „International Organization“ aus dem Jahre 1971/72 von Robert Keohane und Joseph Nye, das sich auf die transnationalen Beziehungen und auf die Weltpolitik bezieht. Es hinterfragt die Homogenität des Staates (wie aus realistischer Sicht) und behandelt die Wichtigkeit nicht-staatlicher Akteure, wie z.B. die Römisch- Katholische Kirche, die Ford Foundation und multinationale Firmen.
„Power and Interdependence“ (1977), ebenfalls von den beiden Autoren, stellt das zweite bedeutende Werk dieser Zeit dar. Hier diskutieren Keohane und Nye, in Abgrenzung wir Realismus, die Rolle von Akteuren und internationalen Organisationen in den internationalen Beziehungen, die Bedeutung von militärischer Macht und die Rangfolge bzgl. außenpolitischer Ziele.
Das dritte Werk „International Organization“ aus dem Jahre 1982 von Stephen D. Krasner bezieht sich auf internationale Regime, wobei realistische als auch liberale Sichtweisen behandelt werden.
Trotz des großen Einflusses dieser Werke konnte sich das Interdependenz-Modell nicht als dominierende Sichtweise durchsetzen.
Unter den Vertretern der Gegenrichtung, dem (Neo-)Realismus, befindet sich u.a. Joseph M. Grieco, Robert Gilpin und Kenneth Waltz. Sie sind es, an die sich die neoliberale Kritik adressiert.
[....]
Arbeit zitieren:
Roderik Gross, 1999, Interdependenztheorie, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Theorien Internationaler Politik
Politik - Internationale Politik - Allgemeines und Theorien
Essay, 8 Seiten
Politik - Internationale Politik - Thema: Int. Organisationen u. Verbände
Hausarbeit, 18 Seiten
Global Governance: Fallbeispiel UNO
Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit
Hauptseminararbeit, 17 Seiten
Die veränderte Rolle der Nationalstaaten vor dem Hintergrund der Globa...
Politik - Internationale Politik - Allgemeines und Theorien
Seminararbeit, 19 Seiten
Die konstruktivistische Perspektive der Weltpolitik
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hauptseminararbeit, 27 Seiten
Die Außen- und Sicherheitspolitik der Großen Koalition (2005-2009) - S...
Eine Untersuchung anhand von a...
Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit
Magisterarbeit, 171 Seiten
Politischer Liberalismus - Andrew Moravcsik auf dem Prüfstand
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 16 Seiten
Die bedrohte Tradition - Über den Begriff des Handelns bei Hannah Aren...
Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft
Hausarbeit, 40 Seiten
Wandel von Staatlichkeit: Internationalisierung des Staates & Mehr...
Politik - Internationale Politik - Allgemeines und Theorien
Seminararbeit, 18 Seiten
Die Theorien sozialen Handelns - Zur "Ökonomie der Praktiken"...
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Seminararbeit, 14 Seiten
Die Zukunftsperspektiven einer gemeinschaftlichen Europäischen Energie...
Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union
Seminararbeit, 33 Seiten
Der Konstruktivismus - eine Denkschule in der Wissenschaft von den Int...
Politik - Internationale Politik - Allgemeines und Theorien
Seminararbeit, 16 Seiten
Roderik Gross hat den Text Interdependenztheorie veröffentlicht
Roderik Gross hat einen neuen Text hochgeladen
carl hat den Text Interdependenztheorie kommentiert
Theorie internationaler Güter- und Faktorbewegungen
Eine nicht-monetäre Analyse in...
Günter Heiduk
Internationale Beziehungen aus der Perspektive nationaler Öffentlichke...
Beiträge zur Soziologie intern...
Paul Pachernegg, Christine Pichler, Christine Pilz, Dieter Reicher, Daniel Semper
carl
Interdepedenztheorie.
Habe mir die Arbeit Interdependenztheorie heruntergeladen, da ich mich im Rahmen meiner Magisterarbeit mit dem Thema befasse. Über die inhaltliche Qualität des Textes kann ich nicht viel sagen, da ich nach den ersten Seiten aufgehört habe zu lesen. Das große Manko für mich waren die fehlenden Literaturangaben. Weite Teile des Textes - darunter auch zentrale Textstellen z. B. zur Begriffserläuterung und zur Geschichte der Interdependenz-Debatte - werden überhaupt nicht belegt. Genau deshalb bringt diese Hausarbeit für eine wissenschaftliche Weiterverwertung keinen Nutzen. Ich hatte von einer Arbeit, die mit 1,3 benoteten ist, mehr erwartet.
am Thursday, June 12, 2008-