Inhaltsverzeichnis
I. Hinführung mit Erörterung der Fragestellung 3
II. Entwicklung der Figurenprofile 4
1. Johannes Friedemann von der Kindheit bis zur Bege gnung mit Gerda von
Rinnlingen
1.1 Der „stiefmütterlich behandelte Mensch“ - Friedemanns phys ische 4
Gebrechen und die Reaktionen darauf
1.2 Der „vom Schicksal geschlagene“ - Friedemanns negative Erfah- 5
rungen mit Frauen
1.3 Die „friedlich-philosophische Art“ - Friedemanns Absage an die 6
Le idenschaft
2. Gerda von Rinnlingen tritt in Friedemanns Leben
2.1 Gerdas Auftreten und Äußeres 7
2.2 Ihre ersten Zusammentreffen mit Friedemann 8
2.3 Die Gemeinsamkeiten der beiden und Gerdas Verständnis für ihn 9
III. Sehnsucht und Motive in der Erzählung 10
1. Friedemanns Sehnsucht nach Ruhe 10
2. Das Zittern - Friedemanns Reaktion auf Katastrophen 10
IV. Das Ende Friedemanns 12
1. Spielt Gerda mit Friedemann? 12
2. Wer vernichtet Friedemann? 13
IV. Abschließende Bemerkung 14
IV. Quellen- und Literaturverzeichnis 16
1. Quellen 16
2. Literatur 16
2
I. Hinführung mit Erörterung der Fragestellung
Die Erzählung „Der kleine Herr Friedemann“ von Thomas Mann gehört heutzutage nicht gerade zu den bekanntesten und meistgelesenen Werken eines Autors, der mit Romanen wie „Die Buddenbrooks“, „Doktor Faustus“, „Der Zauberberg“ aber auch mit Erzählungen wie „Der Tod in Venedig“ oder „Tristan“ zu Weltruhm gelangte. Dennoch beinhaltet der Friedemann-Text schon einiges der künstlerischen Ästhetik, die das Schreiben Thomas Manns auszeichnet. Nach eigenen Angaben des Autors verhalf diese Erzählung erheblich zu seinem literarischen Durchbruch 1 , was natürlich allein schon als Grund vollends genügt, sie näher zu beleuchten. Es stellt sich nun die Frage, worin seine Besonderheiten liegen? Das markanteste Merkmal der Erzählung ist sicherlich die Figurendarstellung und -entwicklung der beiden Hauptakteure Johannes Friedemann und Gerda von Rinnlingen. Die Seminararbeit will die Figurenprofile dieser beiden Personen nachzeichnen. Hierbei soll insbesondere darauf Rücksicht genommen werden, inwiefern das Potenzial der Selbstzerstörung in Friedemann schon vor der Begegnung mit Gerda vo r-handen war und wodurch diese Frau es schaffte, in dem Mann die Begierde nach Liebe und Leidenschaft neu zu wecken.
Selbstverständlich wird sich diese Arbeit zunächst auf die Erzählung selbst stützen und die darin dargestellten Figurenprofile schildern. An entscheidenden, interpreta-torisch relevanten Stellen wird auch Literatur zum Thema herangezogen werden, unter der vor allem die Abhandlungen von Thomas Vaget, Fred Müller und Holger Rudloff von größerer Bedeutung sind.
1 Rudolf Hirsch, Dichter über ihre Dichtungen, S. 21.
3
II. Entwicklung der Figurenprofile
1. Johannes Friedemann von der Kindheit bis zur Begegnung mit Gerda von Rinnlingen
„Die Hauptgestalt ist ein von der Natur stiefmütterlich behandelter Mensch, der sich auf eine klug-sanfte, friedlich -philosophische Art mit seinem Schicksal abzufinden weiß und sein Leben ganz auf Ruhe, Kontemplation und Frieden abgestimmt hat.“ 2
Dieses Zitat, aus der Feder von Thomas Manns selbst stammend, charakterisiert in knappen Worten Johannes Friedemann für die Zeit bis zur Begegnung mit Gerda. Diese grobe Darstellung soll im Folgenden detaillierter betrachtet we rden.
1.1 Der „stiefmütterlich behandelte Mensch“ - Friedemanns physische
Gebrechen und die Reaktionen darauf
Die körperlichen Makel Friedemanns sind von Beginn an deutlich erkennbar. Schon der Arzt sieht sich bei seiner Untersuchung einem „gekrümmten und zuckenden kleinen Wesen“ 3 gegenüber, dessen Kopf durch den Sturz in Mitleidenschaft gezogen wo rden war, was zu diesem Zeitpunkt nicht abschätzbare Folgen hervorrufen könnte.
Als Kind bietet Friedemann einen seltsamen Anblick, da er durch seine spitze, hohe Brust, seinen weit ausladenden Rücken und seine zu langen Arme alles andere als schön zu nennen ist. Einzig und allein sein Gesicht und seine Hände und Füße lassen ein wenig Schönheit erkennen 4 . Man sieht in der Gestalt Friedemanns also, dass sie nicht gänzlich hässlich beschrieben ist und dass mit Bedacht darauf geachtet wurde, dass die Person Friedemanns im Äußerlichen nicht einheitlich konzipiert ist 5 .
2 Rudolf Hirsch, Dichter über ihre Dichtungen, S. 21.
3 Thomas Mann, Erzählungen, S. 73.
4 Vgl. Ebd., S. 75.
5 Vgl. Fred Müller, Interpretationen, S. 16.
4
Wenn er mit seiner „komisch wichtigen Gangart, die verwachsenen manchmal eigen ist“ 6 Kontakt mit anderen Menschen hat, behandeln die ihn stets mit „befangene[r] Zurückhaltung“ 7 , „mit jener mitleidig freundlichen Art“ 8 und mit „Nachsicht“ 9 .
1.2 Der „vom Schicksal geschlagene“ - Friedemanns negative Erfahrungen mit Fra uen
Durchweg negativ werden die Kontakte Friedemanns zur Frauenwelt beschrieben. Schon in seinen Kleinkindertagen hat „die Amme […] die Schuld“ 10 an dem schlimmen Sturz des Babys, da sie durch Alkoholgenuss nicht ihren fürsorglichen Pflichten nachkommt.
Wenn er als Kind im Garten spielt, trifft ihn oft der Blick seiner Mutter, „der mit wehmütiger Freundlichkeit zu dem Kinde“ 11 hinüber gleitet. Kaum vorstellbar, dass Johannes diese Wehmütigkeit in den Augen seiner Mutter nie wahrnimmt. Seine Schwestern sind für ihn nie wichtig, was wohl auch auf ihre für die Männerwelt abstoßend wirkende Hässlichkeit zurückzuführen ist 12 . Während seine Altersgenossen ihre ersten Kontakte mit Mädchen haben, fühlt er sich dazu nicht fähig. Dennoch geschieht es, dass er sich mit 16 in ein Mädchen ve rliebt, die diese Neigung ihrerseits jedoch nicht teilt 13 . Sie behandelt ihn mit einer künstlich freundlichen Art, die ihn „mit tiefer Traurigkeit“ 14 erfüllt.
6 Thomas Mann, Erzählungen, S. 75.
7 Ebd., S. 76.
8 Ebd., S. 78.
9 Ebd., S. 77.
10 Ebd., S. 73.
11 Ebd., S. 75.
12 Vgl. ebd., S. 75 und S.79.
13 Vgl. ebd., S. 76.
14 Ebd., S. 76.
5
Arbeit zitieren:
Hans-Peter Schneider, 2004, Figurendarstellung und Figurenentwicklung im "Kleinen Herr Friedemann" von Thomas Mann, München, GRIN Verlag GmbH
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