Gliederung
A Einleitung
B Hauptteil
1. Teil 1
1.1. Harry Potter Das literarische Phänomen
A Die Autorin J K Rowling
B Publikationsgeschichte der ersten vier Harry Potter-Bücher
C Pottermania: Eine Leserschaft zwischen Euphorie und Hysterie
1.2. Harry Potter Gründe für den Erfolg
A Die Vermarktungsmaschinerie
a Die Presse
b Das Internet
c Der Film
d Von der Actionfigur bis zum Zauberkostüm
B Das kultursoziologische Phänomen
C Das kulturpsychologische Phänomen
1.3. Harry Potter und der Stein der Weisen (Band 1)
A Der Inhalt
B Die wichtigsten Charaktere
a Harry Potter
b Ronald Weasley
c Hermine Granger
d Draco Malfoy
e Lord Voldemort
f Albus Dumbledore
g Minerva McGonagall
h Severus Snape
i Rubeus Hagrid
j Familie Weasley
k Familie Dursley
C Die wichtigsten Schauplätze
a Ligusterweg 4
b Die Winkelgasse
c King s Cross
d Hogwarts
2
D. Die literarische Gattung
a. Märchen
b. Detektivroman c. Internatsroman d. Entwicklungsroman e. Fantastischer Roman f. Parallelen zu anderen literarischen Werken
E. Die sprachlichen Aspekte
a. Form
b. Spannungsaufbau c. Klingende und sprechende Namen d. Worterfindungen e. Humor f. Hintergründe einiger Wesen und Gegenstände
F. Motive und Symbole
a. Das „Besondere“ Kind
b. Der verbotene Wald c. Das Duell der Zauberer d. Der Prüfungsweg und der Gang in die Unterwelt e. Der Januskopf f. Orpheus g. Der Spiegel „Nerhegeb“
G. Themen
a. Entdeckung und Bewährung der eigenen Identität b. Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse c. Fantasie und Realität
1.4. Harry Potter, Magie und Religion
1.5. Harry Potter – Die Umfrage
A. Informationen
B. Die Fragebögen
C. Die Auswertung
2. Teil 2
2.1. Das Thema „Harry Potter“ in der Grundschule
2.1.1. Der Streit zw. Warner Brothers und dem Schulbuchverlag „Verlag an der Ruhr“
2.1.2. „Harry Potter“ aus pädagogischer Sicht
2.1.3. Didaktisch-methodische Gedanken, Ideen und Hinweise
2.1.4. Unterrichtsstunden über beziehungsweise mit Harry Potter
A. Unterrichtsstunde in einer ersten Klasse,
Grundschule an der …
a. Der Spiegel „Nerhegeb“
B. Projekt zum Thema „Harry Potter“ in einer dritten Klasse
a. „Das Geld der Zauberer“
b. „Ich als Zauberin beziehungsweise Zauberer“ c. „Wir nehmen gemeinsam ein Hörspiel auf / Die Boa constrictor – eine Riesenschlange“ d. Das „Harry Potter“-Quiz
C. Stationenarbeit zum Thema „Harry Potter“ in einer
vierten Klasse, Grundschule an der …
D. Ein Tag zum Thema „Harry Potter“ im Schullandheim … mit einer
vierten Klasse
a. Spiel: „Der verloren gegangene Zauberstab“ b. Rollenspiel zur Konfliktlösung c. Spiel: „Petrificus Totalus“ d. Kunst aus dem Wald e. Das Quidditch-Spiel f. Lesen am Lagerfeuer
E. Stundenübergreifendes Resümee
F. Ideen für weitere Unterrichtsstunden beziehungsweise
Projekte zum Thema „Harry Potter“
a. Ein Tag in der Schule für Hexerei und Zauberei b. Internet: „Harry Potter“ auf der Klassenhomepage und in E-Mails c. Schnitzeljagd durchs Zauberschulhaus d. Lesenacht e. Sonstige Ideen
C. Schluss D. Literaturliste E. Abbildungsverzeichnis
A. Einleitung „Er wird berühmt werden - eine Legende - [...] ganze Bücher wird man über Harry schreiben - jedes Kind auf der Welt wird seinen Namen kennen“ 1 . Wie schnell sich die Prognose von Prof. McGonagall, der Lehrerin für Verwandlung aus dem Buch „Harry Potter und der Stein der Weisen“ von der Autorin J.K. Rowling, bereits nach Erscheinen des ersten Bandes in eine kaum noch überschaubare Realität verwandelt hat, setzt sogar große Kenner der Kinder- und Jugendliteratur in Staunen. „Harry Potter“, ein Phänomen zwischen märchenhafter Imagination und verträumter Wirklichkeit, ist aber auch bei Erwachsenen aller Kontinente zum Begriff geworden. Er und seine Freunde, stets im nach Gerechtigkeit suchenden Kampf gegen das Böse aktiv, eroberten bisher Sinn und Gemüt von Jung und Alt. Selbst süffisante Rezensoren einschlägiger Literatur, ob kirchlich oder weltlich, konnten sich meist ihrer Begeisterung nicht enthalten, was sich in Windeseile auf viele Millionen Menschen übertrug.
Die überraschende Wirksamkeit Harry Potters liegt wohl in dessen verzaubertem, aber gleichzeitig menschlichem Verhalten. Die Leserinnen und Leser identifizieren sich schnell mit ihm und seinen spannenden Aktivitäten und vitalisieren damit ihre Wunschvorstellungen. Der Spuk wird symbolisch in die selbst durchlebte Wirklichkeit übertragen, fantasievoll erscheinen die von dem Zauberlehrling durchgemachten Taten und Erlebnisse als eigene Abenteuer. Die Kinder zaubern mit, steigen aus der oft harten eigenen Umwelt in das Reich von Illusionen und fiebern als große Gemeinschaft von Fans über alle Grenzen hinweg für Harry. Kaum eine andere literarische Figur hat Mädchen und Jungen in den vergangenen Jahren weltweit derart beschäftigt wie Harry. Hexerei und Zauberei gerieten international in aller Munde, wobei sogar die Frage auftauchte, ob die „Pottermania“ eine Zeiterscheinung der Esoterikwelle wiedergibt.
Trotz zunächst mäßigen Umsatzes löste die Kinderbuchreihe bereits nach dem Erscheinen des ersten Bandes, welcher Ende 2001 als Realverfilmung in die Kinos kam, in England Beifall aus. In kurzer Zeit wurde das Werk mit mehreren Preisen ausgezeichnet, die Übersetzungswelle rollte an und bei Kindern wie bei Erwachsenen entwickelte sich ein neuer Kult. Durch „Harry Potter“ wurde die junge Autorin zu einer der erfolgreichsten Schriftstellerinnen aller Zeiten. Das Potterfieber machte den literarischen Markt zum Schauplatz von Superlativen des Kultkommerzes, wie sie sonst nur beim Marketing für Filme, Popmusik oder Computerspiele zu erleben sind. Lange Zeit führte Harry die Bestsellerlisten des Buchhandels an - eine einmalige
Situation für ein Kinderbuch und ein Signal für Verleger und Autoren. Gar mancher sah sich bereits zu „Entfernungszauberwünschen“ animiert. 2 Aber das PR-Management wirkte sich erfolgreich auf den sensationellen Erfolg der Buchreihe aus. Virtuelle Händler im Internet wie in ganz realen Einkaufszentren beschworen Surfer wochenlang, sich ein Exemplar der Neuerscheinung reservieren zu lassen, sonst geschehe Unvorstellbares: Interessenten gingen leer aus und auf Partys und in Supermarktschlangen würde das Gesprächsthema zur Überbrückung peinlicher Pausen fehlen, wie Kirsten Boie in dem Buch „Harry Potter in der Schule“ anführt. 3 Für Popularität sorgten nicht zuletzt die Medien, vor allem das Internet und die Tageszeitungen, die in Lobeshymnen schwelgten: „Harry Potter“ sei in Großbritannien inzwischen bekannter als jede andere literarische Figur einschließlich Sherlock Holmes, James Bond und Miss Marple, hieß es im November 2001 in der „Süddeutschen Zeitung“. 4 Das „Königreich stand Kopf, wie zuletzt in Beatles-Zeiten“, schwärmte die „Welt am Sonntag“ über eine „Potter“-Nacht, in der Band vier der Romanserie veröffentlicht wurde und die in die Buchgeschichte eingehen werde. 5 In Berlin vergaßen schon vorher „hoch motivierte Angestellte“, aus der S-Bahn auszusteigen, um ein Kapitel zu Ende zu lesen. Potter-Bücher lagen in Chef-Etagen, selbst im Management häuften sich die Krankmeldungen, schilderte die „Berliner Zeitung“ über die Pottermanie. 6 Für die Autorin der Bestseller liegt die Erklärung für das immense Interesse an den Büchern in der Mischung aus Normalität und Magie, mit der sich viele Menschen identifizieren könnten. Harry Potter sei weder besonders klug noch schön und stark. „So fühlen sich viele, und vielleicht träumen sie alle davon, einmal […] eine Einladung zur Zauberschule zu bekommen.“ 7 Denn jeder würde gerne mal die Erfahrung machen, dass mehr in ihm steckt, als er ahnt, äußerte Rowling im „Spiegel online“. 8 Das Buch an sich war als Zeitvertreib für Kinder und Jugendliche schon längst weitgehend totgesagt, da erschien Harry Potter wie ein Geist in den Kinderzimmern und trat dort von Kontinent zu Kontinent seinen Siegeszug an. Eltern und Großeltern noch nicht lesefähiger Mädchen und Jungen lasen nicht nur vor, sondern wurden selbst zu Fans und schwelgten mit 2 Vgl. Mammel, Beißner, Zauberhafte Zeiten, in: Knobloch (Hrsg.), „Harry Potter“ in der Schule – Didaktische Annäherungen an ein Phänomen, S. 102 3 Vgl. Boie, Anmerkungen zum Phänomen „Harry Potter“, in: Knobloch (Hrsg.), „Harry Potter“ in der Schule – Didaktische Annäherungen an ein Phänomen, S. 83 4 Vgl. Internet: Anonymus, Pressestimmen – Süddeutsche Zeitung vom 11.7.2001, Carlsen Verlag Homepage 5 Vgl. Internet: Anonymus, Pressestimmen – Welt am Sonntag vom 9.7.2000, Carlsen Verlag Homepage 6 Vgl. Internet: Anonymus, Pressestimmen – Meike Bruhns, Süddeutsche Zeitung vom 24.3.2000, Carlsen Verlag Homepage 7 Internet: Dallach, „Ich komme mir vor wie ein Spice Girl“, Der Spiegel online 8 Vgl. Internet: Dallach, „Ich komme mir vor wie ein Spice Girl“, Der Spiegel online
ihnen in der ungewöhnlichen und vielschichtigen Erzählungsmixtur aus Märchen, sagenhafter Fantasie, Entwicklungsroman, Internatsgeschichten und spannendem Krimi mit unheimlichen Gestalten. Was vereinzelt Wissenschaftler auf den Plan rief. Sie bemängeln eine überzogene Popularität des länder- und generationsübergreifenden Leseereignisses und sahen in der massenhaft produzierten Unterhaltungsware eine anrüchige Trivialisierung der Kultur.
Dabei offenbaren sich die Charaktere der Hauptfiguren nicht als Schablonen und Abziehbilder. Ihre Individualität spielt bei ihrer pubertären Entwicklung eine tragende Rolle, ihr Verhalten und ihre Handlungen wie Eifersüchteleien, Streitigkeiten und Versöhnungen, aber auch Freudenfeste zeigen ungeheuere Dynamik und verlässliche Konstanz. Die Verwandtschaft der Aktionen in der Zauberburg mit Realitäten des täglichen Lebens ist unverkennbar. Die dargestellten Motive und die daraus resultierenden Vorkommnisse und gefährlichen Unterfangen in der Burg gehen mit magischen Ritualen und trockenem Humor Verbindungen ein, die zwar eine fremde Eigenart zeigen, aber immer wieder die reale Szene wiedergeben und deuten.
„Harry Potter“ erobert und bewegt mit seiner Vielfältigkeit die Interessen im privaten Bereich der Kinder und weckt Initiativen. Nicht zuletzt mit Blick auf die Aktualität des Gesprächsstoffes, den Anspruch auf Lebensnähe bei der Wahl von Themen und die Kreativität hat der vielseitige Roman sicherlich einen Platz im zeitgemäßen und gegenwartsorientierten Bildungsprogramm verschiedener Klassenstufen der Grundschulen. Die Erzählungen von dem kleinen Zauberer regen durch ihre Popularität und ihren Reichtum an Geschehnissen enorm viele Themen an, die im Unterricht ausgearbeitet, besprochen und umgesetzt werden können, womit sich den Kindern ein weiteres Spektrum an Animationen bietet. Ob man die Abenteuer in Form eines Theaterstücks nachspielt, ein Hörspiel aufnimmt, „Zaubertränke“ braut, magische Tiere im Wald sucht, Bilder zu einzelnen Szenen malt, Gegenstände wie Zauberhut oder -besen bastelt oder Konfliktsituationen aus den Büchern bespricht - die aus den Büchern resultierenden Motive für eine erfindungsreiche und handwerkliche Aus- oder Weitergestaltung der Welt Harry Potters erscheinen unüberschaubar. Dafür gibt es vielfältige Möglichkeiten eines praxis- und handlungsorientierten Unterrichts unter Einbeziehung der geforderten Inhalte des Lehrplans. Eine zusätzliche Bereicherung erfährt die Gestaltung des Unterrichts durch das Eindringen in Geheimnisse, die im Buch nicht geklärt werden. Was ist denn das für eine Frau, die das Ganze schreiben konnte, war sie selbst schon auf der Zauberburg oder kennt sie Harry? Wie und warum kam es zur „Pottermania“? Was ist dran an der Magie in „Harry Potter“, die von Vertretern der christlichen Kirchen vereinzelt sogar als gefährlich bezeichnet wurde? Mussten die Zirkus- und
Varietezauberer auch erst in das Internat, um dort ihre Künste zu lernen? Wie gut oder böse sind andere Schlangen im Gegensatz zur „Boa constrictor“ oder wo kommen denn die Besen her, mit denen auch Hexen fliegen können? Geistern Hexen und Zauberer an manchen Tagen auch durch unsere Wälder? Vor allem jungen Leser stellen sich solche und ähnliche Fragen, auf die sie dann interessante Antworten erwarten.
Die vorliegende Arbeit umfasst die Entwicklungen der Buchserie und deren Umlauf bis Mitte 2002. Sie beschäftigt sich mit der Geschichte, den Auswirkungen und den daraus folgenden Möglichkeiten des Phänomens „Harry Potter“ und ist in zwei Teile gegliedert. Im theoretischen Abschnitt sollen die Gründe für das außergewöhnliche Ereignis dargelegt und der erste Band „Harry Potter und der Stein des Weisen“ inhaltlich dargestellt, analysiert und interpretiert werden. Er umfasst weiter eine Darstellung der Autorin sowie die Vermarktung ihres „Potter“- Werks, schildert die Schauplätze des abenteuerlichen Geschehens und die daran beteiligten Figuren, ordnet die Geschichte unterschiedlichen literarischen Gattungen zu, sortiert Motive und Symbole und setzt sich mit den einzelnen Themen wie Identität, Gut und Böse sowie Fantasie und Realität auseinander. Zudem beinhaltet der erste Teil den Bereich Magie und Religion sowie eine Hinterfragung der Hexerei und Zauberei in „Harry Potter“ als Zeichen einer Esoterikwelle. Schließlich legt der Abschnitt die Auswertung einer eigenen Umfrage dar, an der insgesamt 1356 Kinder und Erwachsene beteiligt waren.
Der praktische Teil steht unter dem Motto „Harry Potter in der Grundschule“. Er berichtet über ein juristisches Verfahren, in dessen Verlauf eine Zeit lang Unterrichtsmaterialien über „Harry Potter“ verboten waren, und betrachtet „Harry Potter“, vor allem die Schule Hogwarts, aus pädagogischer Sicht. Dazu werden einschlägige didaktisch-methodische Hinweise für den Grundschulunterricht angeführt sowie hierfür gehaltene Stunden und durchgeführte Projekte in Grundschulklassen artikuliert und analysiert. Dies umfasst unter anderem das Spielen eines kleinen Quidditch-Tuniers, das Freie Schreiben einer Harry Potter-Geschichte, das Malen des persönlich größten Wunsches in den Zauberspiegel, das Rechnen mit dem Geld der Zauberer und das Aufnehmen einer eigenen Hörspielkassette.
Vor diesem Hintergrund werden die Leitfragen dieser Arbeit wie folgt formuliert
- Wer oder was ist „Harry Potter“?
- Aus welchen Gründen hat „Harry Potter“ solch einen Erfolg?
- Was ist das Faszinosum an „Harry Potter“?
- Was sagen Kritiker dazu?
- Wie kann man das Phänomen „Harry Potter“ aus dem pädagogischen Blickwinkel betrachten, deuten und nutzen?
- Wie ist es möglich, „Harry Potter“ im Grundschulunterricht zu thematisieren? Ferner möchte ich darauf aufmerksam machen, dass ich zugunsten einer besseren Lesbarkeit auf die Unterscheidung der gleichberechtigten, jedoch umständlichen femininen und maskulinen Personenbezeichnung verzichte. Ich folge damit der derzeit kürzesten und geläufigsten sprachlichen Darstellungsform. Dabei bin ich mir bewusst, dass Frauen und Männer bei der Erforschung wichtiger Fragen zusammenarbeiten.
B. Hauptteil 1. Teil 1
1.1. Harry Potter – Das literarische Phänomen
Joanne Kathleen Rowling, geboren am 31. Juli 1965 in Chipping Sodbury bei Bristol, verbrachte ihre Kindheit als ältere von zwei Töchtern des Rolls-Royce-Managers Peter und seiner Frau Anne, einer französisch-schottischen Laborantin 9 , im Südwesten Englands und im ländlichen Wales. 10 Rowling, die ursprünglich keinen zweiten Vornamen hatte und das „Kathleen“ beziehungsweise „K.“ erst aus Publicitygründen von ihrem Verlag erhielt, war ein eher introvertiertes Kind, interessierte sich von frühester Jugend an für Literatur und schrieb als Sechsjährige ihre erste eigene Geschichte „Rabbit der Hase“ 11 . 12 Nach dem Schulabschluss studierte sie Französisch und Altphilologie an der Exeter University und verbrachte während dieser Zeit ein Jahr als Englischlehrerin in Paris. 1987 machte sie in London eine Ausbildung zur Fremdsprachensekretärin und begann, für Amnesty International zu arbeiten. Ihre eigentliche Ambition war jedoch schon damals, Schriftstellerin zu werden. In ihrer Freizeit arbeitete sie an einem Roman für Erwachsene, der allerdings genauso wenig veröffentlicht wurde wie alles andere, was Joanne seit ihrer Kindheit verfasst hatte. Rowlings 9 Vgl. Internet: Anonymus, Joanne Kathleen Rowling, private Homepage 10 Vgl. CD-Rom: Der Brockhaus multimedial 2002 premium, „Harry Potter“ 11 Internet: Anonymus, Joanne Kathleen Rowling, private Homepage 12 Vgl. CD-Rom: Der Brockhaus multimedial 2002 premium, „Harry Potter“
damaliger Freund lebte in Manchester, weshalb sie oft von London aus mit dem Zug nach Norden fuhr.
Auf der Heimreise nach einem dieser Ausflüge 1990 „erschien“ ihr nach eigenen Aussagen die Figur des Harry Potter, und sie begann, in Gedanken seine Geschichte auszuarbeiten. Als der Zug im Londoner Bahnhof King's Cross einfuhr, hatte sie nicht nur die wichtigsten Figuren und Erzählstränge entwickelt; ihr war auch bereits klar, dass sie Harrys Geschicke in sieben Bänden erzählen wollte.
Überraschend starb ihre Mutter 1990 13 erst 45-jährig an Multipler Sklerose. 14 Vielleicht findet sich ein wenig von ihrer persönlichen Sehnsucht nach der eigenen Mutter in Harry Potter wieder, der ohne Mutter aufwachsen muss. 15 J.K. Rowlings Romane sind aber keine biographischen Erzählungen, selbst wenn ein paar Personen, Namen und, wie aus dem eben genannten Beispiel hervorgeht, Ereignisse aus dem Leben der Autorin in den Büchern ihren Niederschlag gefunden haben. 16 1991 verließ Rowling England und ging nach Porto in Portugal, wo sie Englischunterricht gab und an ihrer Geschichte des Jungen mit den Zauberkräften weiterarbeitete. 17 Sie heiratete 1992 den portugiesischen Journalisten Jorge Arantes 18 und brachte 1993, kurz vor ihrem 28. Geburtstag, die gemeinsame Tochter Jessica zur Welt. 19 Nachdem die Ehe gescheitert war, zog Rowling mit ihrem Kind zu Weihnachten 1993 nach Edinburgh, wo mittlerweile ihre Schwester Di wohnte. 20 Allein erziehend lebte Rowling von Sozialhilfe und schrieb ursprünglich nur für sich, angeblich um Heizkosten zu sparen im Nicolson`s Cafe ihres Schwagers, „Harry Potter und der Stein der Weisen“ 1996 21 zu Ende. 22 Bis Juli 2000 folgten drei weitere Bände. 23 Am 26. Dezember 2001 heiratete die mit einem Vermögen von geschätzt über 30 Millionen Euro 24 drittreichste Frau Großbritanniens 25 den schottischen Arzt Neil Murray. 26 13 Vgl. Internet: Anonymus, Joanne Kathleen Rowling, private Homepage 14 Vgl. CD-Rom: Der Brockhaus multimedial 2002 premium, „Harry Potter“ 15 Vgl. Nothdorf, Kopiervorlagen und Materialien zu „Harry Potter und der Stein der Weisen“: Deutsch 5.-7. Schuljahr, S. 2 16 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 127 17 Vgl. CD-Rom: Der Brockhaus multimedial 2002 premium, „Harry Potter“ 18 Vgl. Internet: Anonymus, Joanne Kathleen Rowling, private Homepage 19 Vgl. CD-Rom: Der Brockhaus multimedial 2002 premium, „Harry Potter“ 20 Vgl. CD-Rom: Der Brockhaus multimedial 2002 premium, „Harry Potter“ 21 Vgl. Nothdorf, Kopiervorlagen und Materialien zu „Harry Potter und der Stein der Weisen“: Deutsch 5.-7. Schuljahr, S. 2 22 Vgl. CD-Rom: Der Brockhaus multimedial 2002 premium, „Harry Potter“ 23 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 20 24 Vgl. Internet: Anonymus, Joanne Kathleen Rowling, private Homepage 25 Vgl. Internet: Anonymus, Goldrausch in Fantasia, Der Spiegel online
Im Laufe der Zeit, in der die vier bisher erschienen Harry-Potter-Bände auf dem Markt waren, wurde die Autorin mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet. Alleine für das erste Buch „Harry Potter und der Stein der Weisen“ erhielt sie unter anderem den „Anne Spencer Lindbergh Price in Children´s Literature“ 27 (1997/98), die „Carnegie Medal“ 28 (1997), den „British Book Award – Children´s Book of the Years“ 29 (1997) und den „The Guardian Children´s Fiction Award“ 30 (1997), für ihr jeweiliges Gesamtwerk den „Author of the Year Award“ 31 1999 und 2000. Außerdem wurde ihr die Ehrendoktorwürde und der Orden des British Empire von der englischen Königin verliehen. 32 Die Unterschrift von J.K. Rowling:
B. Publikationsgeschichte der ersten vier Harry Potter-Bücher Juli 1995: J.K. Rowling beendet „Harry Potter und der Stein der Weisen“ nach fünf Jahren Arbeit. 33 Juni 1997: „Harry Potter und der Stein der Weisen“ wird mit einer Startauflage von 500 Exemplaren vom Londoner Bloomsbury Verlag in Großbritannien veröffentlicht. 34 September 1997: Der amerikanische Verlag Scholastic Books kauft sich für eine Rekordsumme von $ 105.000 die US-Rechte für „Harry Potter und der Stein der Weisen“. 35 Anschließend erwerben Verlage aus anderen Ländern die jeweiligen Rechte, 36 in Deutschland der Hamburger Carlsen Verlag. 37 26 Vgl. Internet: Anonymus, Die Autorin – Joanne K. Rowling, Homepage vom Carlsen Verlag 27 Knobloch, Die Zauberwelt der J.K.Rowling – Hintergründe und Facts zu „Harry Potter“, S. 52 28 Knobloch, Die Zauberwelt der J.K.Rowling – Hintergründe und Facts zu „Harry Potter“, S. 52 29 Knobloch, Die Zauberwelt der J.K.Rowling – Hintergründe und Facts zu „Harry Potter“, S. 52 30 Knobloch, Die Zauberwelt der J.K.Rowling – Hintergründe und Facts zu „Harry Potter“, S. 52 31 Knobloch, Die Zauberwelt der J.K.Rowling – Hintergründe und Facts zu „Harry Potter“, S. 52 32 Vgl. Knobloch, Die Zauberwelt der J.K.Rowling – Hintergründe und Facts zu „Harry Potter“, S. 52-53 33 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 15 34 Vgl. Knobloch, Die Zauberwelt der J.K.Rowling – Hintergründe und Facts zu „Harry Potter“, S. 31 35 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 16 36 Vgl. Knobloch, Die Zauberwelt der J.K.Rowling – Hintergründe und Facts zu „Harry Potter“, S. 32 37 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 16-17
Juli 1998: Der zweite Band „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ wird in Großbritannien mit einer Startauflage von 10.150 Exemplaren veröffentlicht. 38 Oktober 1998: Scholastic Books verkauft mit einer Starauflage von 35.000 Exemplaren den ersten Band in Amerika. Die Medienfirma Time Warner aus Amerika erwirbt parallel dazu die Film- und Merchandisingrechte. 39 November 1998: Der Carlsen Verlag veröffentlicht „Harry Potter und der Stein der Weisen“ in Deutschland mit einer Startauflage von 25.000 Exemplaren. 40 Juni 1999: Scholastic Books bringt in Amerika „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ heraus. Nach einem Monat sind über 900.000 Exemplare verkauft. 41 Juli 1999: Der Bloomsbury Verlag publiziert in Großbritannien den dritten Band „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ mit der Startauflage von 240.000 Exemplaren. Es werden innerhalb der ersten drei Tage 64.000 Exemplare verkauft. Mittlerweile werden die Bücher in 115 Ländern und 25 Sprachen veröffentlicht. 42 September 1999: „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ wird in Amerika mit einer Startauflage von 900.000 Stück von Scholastic Books herausgebracht. Das bis dahin mäßige Interesse an Harry Potter in Deutschland steigt erheblich. 43 Juli 2000: Die weltweite Auflage der ersten drei Harry Potter-Bände beträgt 30 Millionen Exemplare und ist in 32 Sprachen erhältlich. 44 Am 8. Juli erscheint das vierte Buch „Harry Potter und der Feuerkelch“ in Großbritannien (Startauflage: 1,5 Millionen, Landesrekord) und Amerika (Startauflage: 3,8 Millionen, Weltrekord). 45 Oktober 2000: Bis zur Herausgabe des deutschsprachigen Bandes „Harry Potter und der Feuerkelch“ (Startauflage 1 Millionen, Landesrekord) gibt sich die deutsche Leserschaft vorläufig mit 50.000 englischen Exemplaren zufrieden. In China kommen die ersten drei Bände mit einer Startauflage von je 200.000 Stück auf den Markt. 46 38 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 17 39 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 17-18 40 Vgl. Internet: Gisela Reiners, Harry Potter bringt Kleinverlag nach vorn - Der kleine Zauberer macht den Hamburger Carlsen-Verlag zur Nummer zwei der deutschen Branche, Die Welt online 41 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 18 42 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 18-19 43 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 19 44 Vgl. Internet: Anonymus, Harry Potter – Autorin bekommt die Doktorwürde, Der Spiegel online 45 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 20 46 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 21-22
Februar 2001: In Deutschland stehen die ersten vier Bände mittlerweile seit 50 Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste. 47 März 2001: In über 150 Ländern sind die Harry Potter-Bücher erhältlich. 48 November 2001: Der Film „Harry Potter und der Stein der Weisen“ läuft weltweit an. 49 Dezember 2001: Mehr als 120 Millionen Buchexemplare der vier Teile sind weltweit verkauft worden. 50 März 2002: Der Film „Harry Potter und der Stein der Weisen“ wird zweiterfolgreichster Film aller Zeiten. 51 April 2002: Erstmals nach mehr als drei Jahren befindet sich nur noch ein Buch der Harry-Potter- Serie unter den zehn führenden Plätzen der britischen Bestsellerliste. Der zweite Band war 170 Wochen, der dritte 105 Wochen lang unter den besten zehn aufgeführt. 52 Mai 2002: Die Video- und DVD-Aufzeichnung des Films „Harry Potter und der Stein der Weisen“ ging an seinem ersten Verkaufstag in Großbritannien 1,25 Millionen Mal über den Ladentisch. Damit brach der junge Zauberlehrling den bisherigen Rekord des Films „Titanic“. 53
C. Pottermania: Eine Leserschaft zwischen Euphorie und Hysterie In der ganzen Welt hat Harry Potter einen Bekanntheitsgrad, wie er gewöhnlich nur inter- nationalen Popstars zuteil wird. 54 Sowohl er als auch seine Schöpferin J.K. Rowling sind mittlerweile nicht nur Berühmtheiten, sondern Idole. In einem Interview mit dem Nachrichten- magazin „Der Spiegel“ erzählte die Erfolgsautorin von ihren Erfahrungen während einer Werbereise in Amerika, auf der sie in Buchhandlungen Autogrammstunden und Lesungen hielt 55 : „Es war eine surreale Erfahrung. Wenn ich eine Buchhandlung betrat, fing der ganze Laden an zu schreien. Schreien - verstehen Sie? Ich schwöre es. Manchmal komme ich mir vor wie ein Spice Girl, nur ohne den Spaß. Ich wurde knallrot und wusste gar nicht, wo ich hinschauen sollte vor Scham. Ich rede mir dann ein, dass die Leute Harry meinen und nicht mich.“ 56 47 Vgl. Internet, Anonymus, Danas Liste – Entpottert, Die Welt online 48 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 23-24 49 Vgl. Internet: Anonymus, Rekordstart für Harry Potter, Der Spiegel online 50 Vgl. Internet: Kettlitz, Kritik: „Harry Potter und der Stein der Weisen“, Epilog 51 Vgl. Internet: Anonymus, „Herr“ und „Harry“ in der Hall of Fame, Der Spiegel online 52 Vgl. Internet: Anonymus, Harry-Potter-Bücher verschwinden aus britischer Bestsellerliste, Harry Potter- Newsletter Nr. 41 53 Vgl. Internet: Anonymus, Harry-Potter-Video bricht alle Verkaufsrekorde, Harry Potter-Newsletter Nr. 42 54 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 27 55 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 29 56 Internet: Dallach, Ich fühle mich wie ein Spice Girl, Der Spiegel online
In den 60er Jahren hatte man von „Beatlemania“ gesprochen, wenn die Begeisterung der Fans für die von ihnen verehrte Musikgruppe in Hysterie und Tumulte umgeschlagen war. Angesichts der Szenen, die sich in Zusammenhang mit „Harry Potter“ abgespielt haben, darf nun auch der Begriff „Pottermania“ verwendet werden. 57 Wie sehr die Reaktionen der „pottermanischen“ Leserschaft zwischen Euphorie und Hysterie wechseln, soll nun an ein paar Beispielen gezeigt werden:
- Als der dritte Band „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ in England erschien, hatten mehrere Buchhandlungen Bodyguards engagiert, da sie befürchteten, dem massiven Ansturm nicht gewachsen zu sein. Um die Schüler vom Schulschwänzen abzuhalten, durfte der Band erst nach 17:00 Uhr verkauft werden. 58 Am 08. Juli.2000 kam „Harry Potter und der Feuerkelch“ zeitgleich in den USA und in England heraus 59 . Wochen zuvor hatten Panzerwagen, die sonst nur zum Geldtransport bestimmt sind, die Läden mit den Büchern beliefert. „Harry Potter IV, not to be sold before July, 8.“, stand auf den Kisten zu lesen. Wie strikt die Maßnahmen waren, lässt sich auch daraus ersehen, dass der Carlsen Verlag als Herausgeber der deutschen Ausgabe jeder Buchhandlung strenge Strafen androhte, die den Band vor dem offiziellen Stichtag verkaufen sollte. Sie „bricht die Preisbindung sowie das Wettbewerbsgesetz und wird [...] von weiterer Belieferung ad hoc ausgeschlossen“ 60 , schreibt der Verlag in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen. 61
- In Deutschland wurden am Ersterscheinungstag von „Harry Potter und der Feuerkelch“ vielerorts die Ladenschlussgesetze außer Kraft gesetzt. 62
- Sowohl auf dem deutschen als auch auf dem englischsprachigen Buchmarkt existieren für jene Erwachsene, die nicht dabei ertappt werden wollen, ein Kinderbuch zu lesen, „Harry Potter“-Editionen mit „neutralem“ Umschlag. Schätzungen gehen nämlich davon aus, dass bis zu 40 Prozent der Leser Erwachsene sind. 63
- Die Tageszeitung „Die Welt“ berichtete im Oktober 2000, dass sich deutsche Zauber- und Magievereine vor Aufnahmeanträgen kaum noch retten können.
57 Vgl. Knobloch, Die Zauberwelt der J.K.Rowling – Hintergründe und Facts zu „Harry Potter“, S. 55 58 Vgl. Internet: Spliess, Pottermania - Der märchenhafte Erfolg der Harry-Potter-Reihe, Phantastik 59 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 20 60 Internet: Spliess, Pottermania - Der märchenhafte Erfolg der Harry-Potter-Reihe, Phantastik 61 Vgl. Internet: Spliess, Pottermania - Der märchenhafte Erfolg der Harry-Potter-Reihe, Phantastik 62 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 30 63 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 28-29
- Am 16. November 2001 lief in Amerika, Kanada und Großbritannien die erste Harry Potter-Verfilmung „Harry Potter und der Stein der Weisen“ in den Kinos an und brach am ersten Wochenende mehrere Rekorde. 64 Für manch kleinen Fan war die Aufregung zu groß: Nachdem sie Harry Potters Premiere bewundert hatten, konnten sie kein Auge zutun. In England waren nach ersten Spätvorstellungen viele Kinder so aufgedreht, dass sich erwachsene Anwohner hinterher über den Radau beschwerten. 65 Am Donnerstag, den 22.11.2001, startete der Film auch auf über tausend Leinwänden in Deutschland 66 . In Berlin veranstaltete der dortige „Harry Potter“-Fanclub aus diesem Anlass sogar eine Parade vom Alexanderplatz zum Zoo-Palast. Dort wurde im Foyer eine Party mit speziellen Zauber- und Hexen-Getränken gefeiert, ehe um Mitternacht der Vorhang für die lang erwartete erste Vorstellung hob. 67
- Das Nicolson´s Cafe in Edinburgh, in dem die damals verarmte J.K. Rowling mit ihrem Baby auf dem Schoß das erste Werk der Potter-Serie geschrieben haben soll, ist mittlerweile Ziel von „Pilgerreisen“. 68
- Um ihrem Idol Harry Potter nachzueifern, wünschten sich viele Kinder vor allem in Großbritannien zu Weihnachten 2001 eine Eule. 69 Um einen unüberlegten Kauf zu vermeiden, warnten Unterhaltungsmedien vor dem Erwerb eines solchen als Haustier ungeeigneten Vogels, der sicher nicht die Arbeit des Briefträgers wie Harrys Schneeeule Hedwig übernimmt.
- Den Wunsch, auszusehen wie Harry oder einer seiner Freunde beziehungsweise Gegner, erfüllten sich viele Menschen vor allem in der Faschingszeit der Jahre 2001/2002. Die Verkaufshäuser und Kostümverleiher meldeten zu dieser Zeit, dass besonders Artikel zum Thema „Zauberei“ verkauft wurden. 70,71 Sowohl auf Kinder- als auch auf Erwachsenenpartys kamen Online-Berichten verschiedener Veranstalter zu folge viele Narren, die sich als eine der Figuren aus „Harry Potter“ verkleideten. Es fanden sogar private und öffentliche Partys statt, die ausschließlich das Thema zum Motto hatten.
64
Vgl. Internet: Anonymus, Rekordstart für Harry, Der Spiegel online
65
Vgl. Internet: Anonymus, Randale im Kinderzimmer, Der Spiegel online
66
Vgl. Internet: Anonymus, Rekordstart für Harry, Der Spiegel online
67
Vgl. Internet: Anonymus, Die rennen uns die Bude ein, Der Spiegel online
68
Vgl. Internet: Anonymus, Harry Potter und die Drachen des Marketing, T-online
69
Vgl. Internet: Anonymus, Fans im Eulenfieber, Der Spiegel online
70
Vgl. Internet: Anonymus, Pressebericht vom Deutschen Verband der Spielwaren-Industrie e.V. - Harry Potter duelliert sich mit Billy The Kid!, Homepage vom Deutschen Verband der Spielwaren-Industrie e.V.
71
Vgl. Internet: Anonymus, Der Tag, als dutzende Harry Potter’s Gnas verzauberten, Homepage der österreichischen Regionalzeitung Bildpost
Teilweise reichten diese zeitlich bis über die Faschingszeit hinaus. Dabei wurde ein Kinderzimmer beziehungsweise eine Buch-handlung zum Zauberschloss Hogwarts und es wurden auf die Zauberwelt ausgerichtete Spiele gemacht. Der Phantasie, die Feiern zu organisieren und zu gestalten, waren keine Grenzen gesetzt. 72
- Rufus Beck hat die deutschen Bücher auf Kassette und CD gesprochen. Dabei beginnen die Figuren zu leben. Alle bekommen von ihm ihre eigene, unverwechselbare Stimme. Ich besuchte den 1957 in Worms geborenen Schauspieler im Mai 2002 bei einer seiner „Harry Potter“-Lesungen in München. Die Halle war ausverkauft, die Stimmung sehr gut. Als Herr Beck die Bühne betrat, schien es, den Reaktionen mancher junger Zuschauer nach zu urteilen, als würde ein Popstar auf der Bühne stehen. Der Schauspieler erzählte darüber, wie es dazu kam, mit ihm als Sprecher Harry Potter auf deutsch als Hörbuch aufzunehmen. Anschließend las er mit seiner unvergleichlichen Stimme gekonnt, das heißt spannend, lustig und einfühlsam Passagen aus allen vier bis dahin erschienen Bänden vor. Er teilte die Welt voller Hexen und Zauberer mit seinen kleinen und großen, begeisterten Zuhörern, die den Vortrag mit lautem Szenenapplaus bedachten. Es war ein großes und interessantes Erlebnis. Die Kinder und Jugendlichen schienen „ihrem“ Harry Potter ein Stück näher gekommen zu sein. Nicht umsonst schrieb „Die Zeit“ über Rufus Beck: „Man kann die Geschichte des kleinen Harry Potter in- und auswendig kennen: Wenn Rufus Beck vorliest und dabei jedem einzelnen der zahlreichen Charaktere eine individuelle Stimme gibt und alle bemerkenswert interpretiert, muss man es hören.” 73 Beck brachte es mit seinen Hörbüchern der vier Potter-Bände zum ersten Mal für Audiobooks durch die hohen Verkaufszahlen überhaupt zu Goldenen Schallplatten.
- Studenten einer Universität im australischen Adelaide können Studien über Magie betreiben, berichtete „Der Spiegel online“ am 16.2.2002. Die Leitung der Universität ließ sich von Fantasy-Welterfolgen wie „Harry Potter“ oder „Herr der Ringe“ von J.R.R. Tolkien inspirieren. Da entschloss sie sich, Studiengänge über Hexenwerk anzubieten. Um den Anspruch von Wissenschaftlichkeit zu wahren, sollen die Teilnehmer der
72
Vgl. Internet: Anonymus, Harry Ween XXL 2002 – Harry Potter Fest, Vangor-Homepage
73
Vgl. Internet: Anonymus, Zitate über Rufus Beck – Die Zeit, Alfredo Today-Homepage
Veranstaltungen diese Welten vor allem aus einem völkerkundlichen Blickwinkel untersuchen. 74
- Ein Riesen-Feuerwerk zum Jahreswechsel gab es am 1.1.2002 in Berlin: Bei der größten Open-Air-Party der Welt waren Anfangs im Himmel sprühende Funken zu sehen. Anschließend drehten sich „wie brennende Sonnen“ riesige Besen zu der Filmmusik von Harry Potter. 75
- Mitte 2002 wurde ein Brief an den Zauberschüler „Harry Potter“ auf einer Auktion in London für 1600 britische Pfund versteigert. Der Brief gehört zu den Requisiten des ersten Harry-Potter-Films „Harry Potter und der Stein der Weisen“. 76
- In einer im Sommer 2002 von Norbert Schramm präsentierten Eisshow im Freizeitpark „Europa Park Rust“ nahe Freiburg „flogen“ zur Filmmusik von „Harry Potter und der Stein der Weisen“ die Eiskunstläuferinnen und Eiskunstläufer auf Besen um die in der Mitte der Halle stehenden Schule Hogwarts auf dem Eis. Weiter traten als Voldemort und der dreiköpfige Hund Fluffy verkleidete Künstler auf, die gemeinsam eine Kür vorführten. Sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen zeigten große Begeisterung. 77 Man merkt, dass die Pottermania längst keine Grenzen mehr kennt, und es hat sich bewahrheitet, was ein Verantwortlicher bei Warner im Sommer 2001 prophezeite: Keinen Schritt mehr ohne den magischen Helden. Niemand kann sich ihm entziehen. Nirgendwo. 78
1.2. Harry Potter – Gründe für den Erfolg
A. Die Vermarktungsmaschinerie Ein Grund für die große Buchsensation ist sicherlich die Vermarktung. Die Presse, das Internet und der Film „Harry Potter und der Stein der Weisen“ mit dem damit verbundenen Merchandising erweckten in vielen das Interesse an den Abenteuern des kleinen Zauberers. 79 74 Vgl. Internet, Anonymus, Großes Hexen-Einmaleins für Studenten, Der Spiegel online 75 Vgl. Internet, Anonymus, Harry Potter zaubert den Euro, Die Welt online 76 Vgl. Internet: Anonymus, Brief an Harry Potter für 2500 Euro versteigert, Harry Potter-Newsletter Nr. 50 77 Anmerkung: Der Autor dieser Arbeit war selbst dort und hat sich die Show angesehen bzw. sich erkundigt 78 Vgl. Internet: Knür, Countdown der Muggles. Hamburg im Potter-Fieber, Die Welt online 79 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 171
Aus dem Helden in den Büchern und der (oft kostenlosen) Werbung wurde letztendlich eine Weltmarke, mit der sich ein Milliardencoup machen ließ. 80
a. Die Presse
Egal, ob es darum geht, wer die Hauptfigur im Film spielt 81 , auf welchem Platz der „Liste der 100 prominentesten Erdenbürgern“ die Autorin J.K. Rowling zu finden ist 82 , wie sehr die Hauptfigur die Brillenmode beeinflusst 83 oder wie viel Geld die Firmen für die Rechte an der Marke „Harry Potter“ zahlen 84 : Sobald es neue Informationen rund um Harry Potter gibt, greift sie die Presse auf. International wurden inzwischen unzählige Zeitungsartikel unter-schiedlichster Qualität publiziert. In Deutschland kam es um den Erscheinungstermin (14.10.2000) des vierten Bandes „Harry Potter und der Feuerkelch“ zum Höhepunkt. 85 Sämtliche Zeitungen machten mit Titeln wie „Verkaufsstart: Hymnen für Harry Potter“ 86 , „Warum Harry Potter große Literatur ist“ 87 , „Potter-Mania: Harry Potter und das Ladenschlussgesetz“ 88 und „Eine Stadt im Harry- Potter-Fieber“ 89 aus der Veröffentlichung ein großes Ereignis. In Amerika wurde in dieser Zeit Harry Potter sogar der erste Kinderbuchheld, der seinen Aufstieg bis zur Titelseite des „Time Magazine“ geschafft hat. 90
b. Internet
Am Beginn des „Harry Potter“-Booms scheint tatsächlich die Begeisterung für das Buch gestanden zu haben. Das Internet hat aber die Bildung einer weltweiten Fangemeinschaft ermöglicht und damit die Verbreitung des Buches erheblich gefördert. 91 So lieferte vielleicht das breitenwirksame Medium Internet den größten Beitrag zum Erfolg von Harry Potter. 92 Hier gibt es nicht nur professionelle Websites der Verlage oder Vertriebe wie zum 80 Vgl. Internet: Anonymus, Marke Potter, Der Spiegel online 81 Vgl. Internet: Anonymus, Harry Potter ist ein elfjähriger Brite, Der Spiegel online 82 Vgl. Internet: Anonymus, Die Promis der Promis?, Der Spiegel online 83 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 171 84 Vgl. Internet: Anonymus, Marke Potter, Der Spiegel online 85 Vgl. Knobloch, Die Zauberwelt der J.K.Rowling – Hintergründe und Facts zu „Harry Potter“, S. 51 86 Vgl. Internet: Anonymus, Verkaufsstart: Hymnen für Harry Potter, Der Spiegel online 87 Vgl. Internet: Kielinger, Warum Harry Potter große Literatur ist, Die Welt online 88 Vgl. Internet: Anonymus, Potter-Mania: Harry Potter und das Ladenschlussgesetz, Der Spiegel online 89 Vgl. Internet: Anonymus, Eine Stadt im Harry-Potter-Fieber, Die Welt online 90 Vgl. Internet: Spliess, Der märchenhafte Erfolg der Harry-Potter-Reihe, Phantastik 91 vgl. Zimmermann, Am Anfang war das Buch? – zur Bedeutung des Internets für den Erfolg von „Harry Potter“, in: Knobloch (Hg.), „Harry Potter“ in der Schule – Didaktische Annäherungen an ein Phänomen, S. 98 92 Vgl. CD-Rom: Der Brockhaus multimedial 2002 premium, „Harry Potter“
Beispiel die von Warner Brothers (www.harrypotter.warnerbros.com), vom deutschen Carlsen
Verlag (www.bloomsburymagazine.com/harrypotter), sondern auch in bislang kaum da gewesenem Ausmaß Websites von Hobbybetreibern, die zum Großteil sogar noch minderjährig sind.
93
Gegen die Kinder, die teils mit großer Kreativität selbst Harry Potter-Homepages gestalteten, ging Weihnachten 2000 allerdings der Medienkonzern Time Warner vor, indem er offiziell nicht kommerzielle Internetadressen mit dem Bestandteil „Harry Potter“ verbot.
94
Die Suchmaschine „Fireball“ listet dennoch über 10.000 deutsche Harry Potter-Websites auf, weltweit nennt Altavista über 200.000. Die äußerst leichte und schnelle Kommunikationsmöglichkeit durch das Internet, die sowohl das Wahrnehmen von Angeboten als auch Eigeninitiative zulässt, ist als der entscheidende Faktor bei der Gewinnung und Multiplikation der Fans einzuschätzen. Viele nutzen das Internet, um dort ihre eigene, zauberhafte „Harry Potter“-Welt zu entwerfen und mit Gleichgesinnten Kontakte zu knüpfen. Der Zauber der privaten Seiten ist oft weniger im Informationsgehalt zu sehen als in der Kreativität, die von den kleinen und großen Fans mit viel Liebe im Umgang mit „Harry Potter“ erstellt und gezeigt wird. Die Kinder erwerben sich beim Erstellen einer eigenen Homepage, der Einübung in vernetztes Denken durch Entwerfen von Hypermedia-Texten und dem experimentellen Produzieren in Hyperfiktion
95
eine enorme Methodenkompetenz. Es lohnt sich, die Seiten der teils noch sehr jungen Fans anzuschauen. Natürlich sind sie vom Layout her nicht gerade mit denen der großen, professionellen „Harry Potter“-Seiten zu vergleichen, dafür kennt die Kreativität keine Grenzen. Sie zeigt sich in ansprechenden grafischen Gestaltungen und in den interaktiven Elementen. Eine handlungs- und produktorientierte Tätigkeit zeigt sich beispielsweise auf den Homepages in Form von Inhaltsangaben, eigenen Fortsetzungen, Zeitungsartikeln und Bildern zum Text. Eine interessante und optisch beeindruckende Seite findet man unter der AdresseFehler!
Hyperlink- Referenz ungültig..
Die Schülerinnen Sarah und Saskia aus Berlin stellen sämtliche Figuren vor, beschreiben die Handlungsorte, bieten ein Potter-Lexikon und vieles mehr. Diskussionsforen, Spiele und Grußkarten runden diese gelungene Web-Site ab.
96
Ähnliche Informationen und die Kreativität fördernde Möglichkeiten findet man auch auf den Seiten
93
Vgl. CD-Rom: Der Brockhaus multimedial 2002 premium, „Harry Potter“
94
Vgl. Knobloch, Die Zauberwelt der J.K.Rowling – Hintergründe und Facts zu „Harry Potter“, S. 124
95
vgl. Kaiser und Antritter, Mit „Harry Potter“ ins Internet – „Harry Potter“ und die Multimedia-Schule, in: Knobloch (Hg.), „Harry Potter“ in der Schule – Didaktische Annäherungen an ein Phänomen, S. 185
96
Vgl. Knobloch, Die Zauberwelt der J.K.Rowling – Hintergründe und Facts zu „Harry Potter“, S. 126
www.geocities.com/mortipaul/, www.kenny-hoolt.de und www.evhermine.de. Recht
Harry Potter-Fangeschichte mitschreiben, sich an einigen Online-Spielen beteiligen, Bildschirmschoner herunterladen und sich Inhaltsangaben der bisher erschienen Bücher lesen.
97
Die Webmistress Juliane hat eine sehr übersichtliche Seite (www.hpfs.de/) aufgebaut, auf der die Besucher unter der Rubrik „Fan-Arbeiten“ selbst Geschichten, Gedichte, Songtexte oder Ähnliches einbringen können. Außerdem ist es möglich, zum einen im „Tagespropheten“ die neuesten News rund um die Welt des Harry Potter zu lesen, zum anderen aber auch eigene Zeitungsartikel hinzuzufügen.
98
Unter der Adresse www.zaubertrunk.de/ kann an fiktiven Bändern „Harry Potter 1 ½“ und „Harry Potter 5“ weiter geschrieben werden. Die 1987 geborene Schülerin Lea aus Neu-Anspach bietet dem Besucher auf ihrer Seite www.lea-becker.de ein Gästebuch, interessante Links und ein Quiz, dessen Gewinner einen Award gewinnt an. Eine der außergewöhnlichsten und sich von den anderen Seiten unterscheidenden Homepages ist die von Cornelia Rémi
99
, welche sich unter dem Namen „Viola Owlfeathers Harry-Potter-Kiste“ unter www.eulenfeder.de weniger durch optische Feinheiten, sondern durch einen enormen Informationsgehalt qualifiziert.
Aus Sicht der Besucher solcher WWW-Seiten bietet das Internet nach Kaiser und Antritter zum Thema „Harry Potter“ Möglichkeiten wie zum Beispiel Diskussionsübungen in Chat-Runden, Schreibanlässe durch Gästebücher und Fanbewertungen, Spiele, thematische Informations- recherche und Wettbewerbe an. Bei den Wettbewerben geht es meist um das schönste selbst gemalte Bild und die spannendste selbst geschriebene Fortsetzung der Geschichte über den jungen Zauberer. Dabei verstehen es die Mädchen und Jungen nach den Ergebnissen zu urteilen, sich einerseits an die Thematik, die Charaktere und Schauplätze des Originals zu orientieren, andererseits aber auch eigene Phantasien miteinzubringen. Gewinnerlisten und die besten Resultate ihrer Art werden dann Online auf der jeweiligen Homepage ausgestellt oder ausgeschrieben. Somit sind die Werke für jeden weltweit und zu jeder Zeit abrufbar. Ein Gedanke, der eine hohe Motivation auslösen kann. Bei Wettbewerben im Internet, die von Firmen ausgehen, sei jedoch Vorsicht geboten: Eltern sollten darauf achten, aus welchem 97 Vgl. Michels und Lempe, Space View – Internetguide – Harry Potter, S. 19 98 Vgl. Michels und Lempe, Space View – Internetguide – Harry Potter, S. 27 99 Vgl. Knobloch, Die Zauberwelt der J.K.Rowling – Hintergründe und Facts zu „Harry Potter“, S. 127
werbepsychologischen Zweck die Unternehmen Wettbewerbe für Kinder anbieten, wie der Wettbewerb aufgebaut ist, und ob er Verpflichtungen mit sich bringt.
Es folgen einige Bilder von Kindern zwischen sieben und zehn Jahren anlässlich verschiedener Malwettbewerbe im Internet:
Das Internet stellt für Anbieter und Nutzer der „Harry Potter“-Seiten, ob im Kindes- oder Erwachsenenalter eine medienerzieherische Möglichkeit dar, sich kreativ mit dem neuen Medium und natürlich auch den Abenteuern des kleinen Zauberers auseinanderzusetzen. Bleibt nochmals anzumerken, dass der Medienriese „Time Warner“ - trotz der damit verbundenen Werbung - diese moderne Art, kreativ aktiv zu sein, auf seinem Feldzug Ende 2000 unter anderem gegen die privaten und unkommerziellen Internetadressen mit dem Thema „Harry Potter“ verbieten wollte und es teilweise auch getan hat.
c. Der Film
Seit die Harry-Potter Bücher einen literarischen Siegeszug ohnegleichen antraten, war sicher, dass auch das Kino sich dieser Thematik annehmen würde. 100 Der Medienkonzern Time Warner kaufte 1998 unter anderem die Filmrechte für die ersten beiden Harry Potter-Bände. Rowlings Bedingungen für die filmische Adaptierung des Stoffes, ein Mitspracherecht bei der Drehbucherstellung und eine Realisierung als Spielfilm, nicht als Zeichentrickfilm, wurden akzeptiert. 101 Im September 2000 begannen in England die Dreharbeiten zum amerikanischen Kinofilm „Harry Potter und der Stein der Weisen“ unter der Regie von Christopher Columbus. 102 Entstanden ist ein 152 Minuten langer und 125 Millionen Dollar teurer Streifen. 103 Die Schauspieler sind auf Wunsch von Rowling alle Briten: Harry Potter wird von dem elfjährigen Daniel Radcliffe gespielt (er wurde aus über 40.000 Jungen ausgewählt), Ron Weasley von Rupert Grint, Hermine Granger von Emma Watson, Prof. Dumbledore von Richard Harris, Rubeus Hagrid von Robbie Colltrante und Prof. Snape von Alan Rickman, um die wichtigsten zu nennen. 104 Selten wurde ein Film mit so viel Spannung erwartet. Schon vor dem offiziellen Start war „Harry Potter“ im Radio, im Fernsehen und in den Zeitschriften eines der größten Themen, in den Kinos 100 Vgl. Internet: Kino Kino – Harry Potter und der Stein der Weisen, Bayern 3 online 101 Vgl. CD-Rom: Der Brockhaus multimedial 2002 premium, „Harry Potter“ 102 Vgl. Internet: Anonymus, Erste Zaubereien im Netz, Der Spiegel online 103 Vgl. Internet: Anonymus, Rekordstart für Harry, Der Spiegel online 104 Vgl. Internet: Ev-Hermine (Künstlername), Der HP-Film, private Homepage
waren die Eintrittskarten für die ersten Wochen ausverkauft und im Internet konnte man sich auf den Fanseiten alles über den Film (Besetzung, Handlungsorte, Trailer, Gerüchte, etc.) anschauen. Es sollte das Kinoereignis des Jahres werden.
Am 16. November 2001 lief „Harry Potter und der Stein der Weisen“ zeitgleich in den USA, Kanada und Großbritannien an. Bereits in den ersten drei Tagen nach dem Start erlebte der Film mit einem Umsatz von 131,4 Millionen Euro die bislang erfolgreichste Premiere der Kinogeschichte. 105 Auch in Deutschland, wo der „generationsübergreifende“ Film am 22. November mit einer Rekordzahl von 1226 Kopien startete, strömten allein in der ersten Nacht Zehntausende teils verkleidete Menschen in die Kinos. Cinema-Besitzer berichteten, dass es noch nie einen solchen Publikumsdruck auf einen Film gegeben hat. 106 „Harry Potter und der Stein der Weisen“ ist eine überraschungsfreie Romanadaption. Der Regisseur ist mit dem Film kein Wagnis eingegangen. 107 Die Schauspieler und die Ausstattung entsprechen bis auf wenige Ausnahmen exakt den Vorstellungen der Bestseller-Fans. 108 Angesichts der vielen kleinen Abenteuer, die Harry zu bestehen hat, leidet allerdings ein wenig das Profil der Figuren. 109 Kritiker kommen fast einstimmig zu dem Ergebnis: „Der Streifen ist, der gelungenen Umsetzung zum Trotz, letztendlich doch zu risikolos und kalkuliert“ 110 . Vier Monate nach der Premiere wurde „Harry Potter und der Stein der Weisen“ mit weltweiten Einnahmen von 1,08 Milliarden Euro zweiterfolgreichster Film in der Kinogeschichte. 111 Der Film-Trailer ist auf Englisch auf der beiliegenden CD-Rom!
d. Von der Actionfigur bis zum Zauberkostüm
Der Time Warner-Konzern erwarb, wie kurz erwähnt, 1998 die Merchandisingrechte, gleichzeitig ließ er sich Begriffe aus den Büchern wie zum Beispiel „Harry Potter“, „Hogwarts“, „Hedwig“ und „Hagrid“ als Marke beziehungsweise Warenzeichen schützen. Anderen Unternehmen ist es seitdem untersagt, ohne die Erlaubnis von Time Warner die Namen zu verwenden. 112,113 Ca. 300 105 Vgl. Internet: Anonymus, Rekordstart für Harry, Der Spiegel online 106 Vgl. Internet: Anonymus, Erwachsene in der Überzahl, Der Spiegel online 107 Vgl. Internet: Kino Kino – Harry Potter und der Stein der Weisen, Bayern 3 online 108 Vgl. Internet: Anonymus, Kritik zu „Harry Potter und der Stein der Weisen“, Yahoo-Kino 109 Vgl. Internet: Kino Kino – Harry Potter und der Stein der Weisen, Bayern 3 online 110 Internet: Kino Kino – Harry Potter und der Stein der Weisen, Bayern 3 online 111 Vgl. Internet: Anonymus, „Herr“ und „Harry“ in der Hall of Fame, Der Spiegel online 112 Vgl. Knobloch, Die Zauberwelt der J.K.Rowling – Hintergründe und Facts zu „Harry Potter“, S. 62, 64 113 Vgl. Knobloch, Die Zauberwelt der J.K.Rowling – Hintergründe und Facts zu „Harry Potter“, S. 61
Unternehmen weltweit kauften anschließend Time Warner wiederum für eine befristete Zeit die einzelnen Lizenzrechte ab (allein die Getränkefirma „Coca-Cola“ zahlte 150 Millionen Dollar, um sich als weltweiter Partner präsentieren zu dürfen 114 ). 115 Im Januar 2000 machte Time Warner klar, wo seine Ziele liegen: „Konsumenten mit seinen alle Medienbereiche abdeckenden Produkten einzukreisen und nicht mehr aus dieser geschlossenen Verwertungskette herauszulassen.“ 116 Einige Kritiker stellten sich allerdings berechtigt die Frage, ob der Potter- Hype bezüglich der Merchandisingprodukte vom Käufer überhaupt angenommen werden würde, da der eigentliche Erfolg noch immer „auf der Magie gedruckter Wörter“ basiert. 117 Im November 2001 schätzen die lizenzierten Vermarktungsunternehmen jedoch, dass sie allein rund eine Milliarde Dollar mit Potter-Merchandising umsetzen können. 118 Bereits während der Harry Potter-Film von November 2001 bis ungefähr März 2002 in den Kinos lief, aber ebenso danach lockten Artikel wie T-Shirts, Socken, Kappen, Brettspiele, Bausätze, Zauberkostüme, Federmäppchen, Schlüsselanhänger, Puzzles und Actionfiguren in Verkaufs- läden, 119 ergänzt mit Pflastern, Computerspielen, Tassen, Spielkarten, Bettwäsche 120 und Juniorzahnbürsten 121 (Colgate-Palmolive Marketing Manager Lars Fischer: „Potter zaubert Karies weg - das passt doch super“ 122 ). Bei allen Artikeln legte Time Warner großen Wert auf Einheitlichkeit. Ein Style Guide gab allen Herstellern vor, wie die Charaktere, Schauplätze und Logos auszusehen haben. 123 Somit wurde Harry Potter ein „handwerklich perfektes Produkt“ 124 .
B. Das kultursoziologische Phänomen Ein soziologischer Grund für den Erfolg Harry Potters ist die Suche des Menschen in der heutigen Massenkultur nach mehr Individualität. „Harry Potter“ scheint eine Antwort auf das gesellschaftliche Bedürfnis zu sein. 125 Da Harry zwar in einer fantastischen Welt lebt und sich in großen Abenteuern gegen das Böse wehrt, aber dennoch ein ganz „normaler“ Mensch mit 114 Vgl. Internet: Anonymus, Marke Potter, Der Spiegel online 115 Vgl. Internet: Andreas Borcholte, Monothematik unterm Weihnachtsbaum, Der Spiegel online 116 Internet: Schulz, Marke Potter, Der Spiegel online 117 Vgl. Internet: Andreas Borcholte, Monothematik unterm Weihnachtsbaum, Der Spiegel online 118 Vgl. Internet: Anonymus: Potter zaubert Milliardenumsatz, Der Spiegel online 119 Vgl. Internet: Anonymus, Marke Potter, Der Spiegel online 120 Vgl. Knobloch, Die Zauberwelt der J.K.Rowling – Hintergründe und Facts zu „Harry Potter“, S. 62 121 Vgl. Internet: Anonymus, Countdown der Muggels. Hamburg im Potter-Fieber, Die Welt online 122 Internet: Anonymus, Countdown der Muggels. Hamburg im Potter-Fieber, Die Welt online 123 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 179 124 Internet: Andreas Borcholte, Monothematik unterm Weihnachtsbaum, Der Spiegel online 125 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 180-181
Fehlern und Schwächen bleibt, wird er zu etwas ganz besonderem. 126 Man möchte als Leser so sein wie er und dadurch vom typisierten zum individuellen Menschen werden. 127 Außerdem stellt die Zauberwelt in Harry Potter eine interessante Alternative zur komplexen Welt in der Realität dar. Einerseits bringen dort Eulen die Briefe, zur Schule kommt man in einer alten Dampflok und das Schulhaus selbst gleicht einer Burg im Mittelalter, andererseits gibt es aber den hochtechnologisierten Besen „Nimbus 2000“, Bilder beziehungsweise Fotos, auf denen sich die abgebildeten Zauberer bewegen und ein fliegendes Motorrad. In der Welt der Zauberer wird eine Technologie beschrieben, die zwar alles kann, sich aber nicht verselbstständigt, ein Bündnis, das den „Muggel“ anspricht. 128 Ein weiterer Grund ist die vor allem in den westlichen Industrieländern aktuell gewordene Begeisterung für Spiritualismus. Mysteryserien wie „Akte X“ und „Buffy – Im Bann der Dämonen“ oder Kinofilme wie „The Sixth Sense“ 129 oder „The Blair Witch Project“ 130 behandeln unwahrscheinliche Geschichten, die eine verzerrte Wirklichkeit zeigen. 131 Das Zeitgeist- Phänomen „Mystery“ findet sicherlich auch bei Jugendlichen und Erwachsenen in Harry Potter seine Geltung. 132 Es gibt jedoch einiges empirisches Beweismaterial dafür, dass sich die massive fiktionale Magie im Fernsehen nicht in erhöhter Mitgliedschaft in okkulten Bewegungen niederschlägt. 133 Schließlich wirkt sich ein gewisser Gruppenzwang aus. Kinder orientieren sich stark an aktuellen Trends. Harry Potter ist in aller Munde, er ist „in“. Um beispielsweise den Erwartungen der Clique gerecht zu werden, um über die Abenteuer des jungen Zauberschülers mitreden zu können, muss man ein Buch gelesen oder den Film gesehen haben. Man muss mitziehen, sich mindestens ein Buch kaufen beziehungsweise ausleihen oder eine Eintrittskarte fürs Kino bezahlen, um nicht ausgeschlossen zu werden.
126 Vgl. Internet: Anonymus, Harry-Potter-Kiste: P-T, private Homepage 127 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 180 128 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 181 129 Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 182, Z. 14 130 Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 182; Z. 19 131 Vgl. CD-Rom: Der Brockhaus multimedial 2002 premium, Begriff „Mysteryserie“ 132 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 182 133 Vgl. Internet: Anonymus, Harry Potter – „Im Lager der Harry Potter-Gegner bahnt sich Fundamentalismus an, sagt Experte für neue Religionen - Interview mit Massimo Introvigne“, Homepage von Cesnur (Center for studies on new religions)
C. Das kulturpsychologische Phänomen Die Autorin J.K. Rowling sagte einmal treffend: „Besonders in der Kinderliteratur war das Magische stets von zentraler Bedeutung. Das hat einen simplen Grund: Es verleiht Kindern Macht, die sie sonst nicht haben.“ 134 Dieses Gefühl von Macht verleitet sicherlich auch zum Konsum und somit zum Erfolg der Bücher. Durch die Zauberei, die nach naturwissenschaftlicher Betrachtungsweise irrational erscheint, überträgt Harry seinen eigenen Willen auf die Umwelt und bestimmt das Tun, Wollen und Schicksal anderer Menschen. 135 Kinder sehen die Zauberwelt in den Büchern als Wunschebene, nutzen sie als Grundlage für Kreativität, wissen aber, dass sie nicht mit der Realität zu vergleichen ist.
Ein weiterer psychologischer Aspekt für den Erfolg ist das Aschenputtel-Motiv. 136 Der amerikanische Schriftsteller Steven King sagte dazu: „Harry ist das Kind, mit dem sich alle Kinder identifizieren - verloren in einer Welt voller verständnisloser Erwachsener. Harry ist ein männliches Aschenputtel, das darauf wartet, dass jemand es zum Ball einlädt.“ 137 Mit dem „Ball“ ist sicherlich Hogwarts gemeint und mit „verloren“ die Zeit bei den Dursleys. Somit könnte das Motiv beispielsweise für einige junge Leserinnen und Leser die Basis bieten, um vorhandene Geschwisterrivalitäten psychisch zu verarbeiten: 138 Wie Aschenputtel hat Harry schwer unter seinem Cousin Dudley, der den Status von Harrys Bruder hat, zu leiden. Harry schafft es jedoch in jedem seiner bisherigen Abenteuer den Dursleys und damit seinem Cousin zu entfliehen. 139 Nach Sigmund Freud (1856-1939) 140 muss Harry bei den Dursleys eine Zurücksetzung und Kränkung ertragen, da seine wahren Eltern sozial höher standen, und mit illegitimen sexuellen Neigungen gegenüber seinen Eltern fertig werden. Um seine Mutter und seinen Vater auf Distanz rücken und gleichzeitig weiter lieben zu können, sieht er die Dursleys als Menschen, die ihn aus dem eigentlichen Leben „entführt“ 141 haben. 142 Mit dem Brief aus Hogwarts schafft es Harry letztendlich, den Dursleys zu entkommen. 143 In der Schule findet Harry die Gemeinschaft, die „Millionen von Lesern und Kinogängern [...] suchen“ 144 . 145 Auch wenn die Geschichten nur 134 Knobloch, Die Zauberwelt der J.K.Rowling – Hintergründe und Facts zu „Harry Potter“, S. 98, Z. 19-23 135 Vgl. CD-Rom: PC-Bibliothek Express 2.04, „Magie“ 136 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 184 137 Internet: Carsten Volkery, Harry Potter ist ein männliches Aschenputtel, Der Spiegel online 138 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 184 139 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 184 140 Vgl. CD-Rom: 1999 Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG 141 Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 185, Z. 8 142 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 185 143 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 185 144 Knobloch, Die Zauberwelt der J.K.Rowling – Hintergründe und Facts zu „Harry Potter“, S. 54, Z. 66-68
fiktionalen Charakter haben, machen sie sicherlich vor allem jungen Leserinnen und Lesern Mut, die alleine sind oder psychisch oder/und physisch misshandelt werden. 146
1.3. „Harry Potter und der Stein der Weisen“ (Band 1)
A. Der Inhalt Kapitel 1: Ein Junge überlebt (S. 5-23) Die Magie liegt Harry Potter bereits mit in der Wiege, was er erst nach vielen Jahren erfahren wird. Denn seine Eltern, zwei berühmte Zauberer, wurden kurz nach seiner Geburt von Lord Voldemort, ein auf Alleinherrschaft ausgerichteter machtgieriger Herr der schwarzen Künste, trotz heftiger Gegenwehr umgebracht. An dem Baby scheiterte der Anschlag, wodurch die Macht von Lord Voldemort über der Zauberwelt zusammenbrach. Eine Narbe auf der Stirn in Form eines Blitzes wird Harry Zeit seines Lebens auch schmerzvoll an den Mordversuch erinnern. Kurz nach dem Attentat ereignet sich Geheimnisvolles in der Familie Dursley mit Harrys Onkel Vernon, Tante Petunia und Cousin Dudley, die gut bürgerlich leben und als Muggel nicht über magische Kräfte verfügen. Während Mr. Dursley zur Arbeit fährt, fällt ihm eine getigerte Katze auf. Seltsame Personen laufen aufgeregt durch die Straßen und immer wieder hörte er die Worte „Harry Potter“. Verärgert kehrt Mr. Dursley um. Vor seinem Wohnhaus sitzt immer noch die Katze. Da auch die Schwester seiner Frau Potter heißt und Zauberin ist, was in der Familie weitgehend verschwiegen wird, erzählt er nichts von den eigenartigen Vorkommnissen. Dagegen fragt er nach einem Radiobericht über mysteriöse Vorfälle seine Frau, ob sie irgendetwas von den Potters gehört habe. Sie reagiert nervös.
Nachts taucht auf der Straße ein Prof. Albus Dumbledore auf, setzt sich neben die Katze und spricht mit ihr. Als sich das Tier in eine Frau namens Prof. McGonagall verwandelt, knipst Dumbledore mit einem Feuerzeug eine Straßenlampe nach der anderen aus. Während ihrer kurzen Unterhaltung über die Schreckensherrschaft von Lord Voldemort landet auf einem fliegenden Motorrad Hagrid, später ein Lehrer Harrys. Bei Nacht und Nebel überreicht er Dumbledore ein kleines Bündel, das dieser zu den einzigen Verwandten Harrys bringen soll. Der 145 Vgl. Knobloch, Die Zauberwelt der J.K.Rowling – Hintergründe und Facts zu „Harry Potter“, S. 54 146 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 186
Professor steckt einen Brief dazu und legt es vor die Haustür der Dursleys, dann lässt er die zwölf Lampen am Ligusterweg wieder aufleuchten. Im Bündel liegt Harry Potter.
Kapitel 2: Ein Fenster verschwindet (S. 24-37) Zehn Jahre später ist Harry bei den Dursleys einem kargen Dasein unterworfen. Während sein übergewichtiger Cousin Dudley in Saus und Braus verzogen wird, fristet er, untergebracht im Schrank unter der Treppe, in abgetragener Kleidung ein kümmerliches und armseliges Leben. Zwischendurch wird er von Dudley und dessen Kumpels auch noch verprügelt. Als die Dursleys an einem Geburtstag ihres mit Geschenken überschütteten leiblichen Sohnes ihr Pflegekind nirgends unterbringen können, aber ein Tierparkbesuch auf dem Programm steht, müssen sie verärgert Harry mitnehmen. Dudleys ebenso widerwärtiger Freund Piers ist auch dabei. Doch um Harry herum passieren eigenartige Dinge.
Im Reptilienhaus des Zoos spricht er mit einer Boa constriktor. Als er von seinem bösartigen Cousin niedergeworfen wird, lässt er die Scheibe des Terrariums verschwinden. Die riesige Schlange entweicht in die Freiheit und kündigt für Harry eine Reise nach Brasilien an. Auf der Rückfahrt vom Tierpark erzählt Piers von dem Gespräch zwischen Harry und der Schlange. Zur Strafe muss Harry ohne Essen zurück in seinen Schrank.
Kapitel 3: Briefe von niemand (S. 38-53) Zu Beginn der Sommerferien endlich wieder in Freiheit wird Harry geradezu zum Freiwild: Dudley und seine Bande - Piers, Dennis, Malcolm und Gordon – machen sich die Jagd auf ihn zum Vergnügen. Als Tante Petunia Harrys aus alten Klamotten Dudleys zusammengetragene neue Schuluniform schwarz färben will, flattert ein Brief an den Buben ins Haus. Sofort wird er Harry entrissen und es beginnt eine heftige Auseinandersetzung unter den Verwandten. Alle sind äußerst scharf darauf, das Schreiben zu lesen, was Onkel Vernon letztendlich gelingt und ihn erbleichen lässt. Bereits am nächsten Tag kommt erneut ein Brief an, was den Onkel veranlasst, den Türschlitz zuzunageln. Der unbekannte Absender umgeht das spielend: Dutzende von Briefen für Harry überfluten während der folgenden Tage in Milchflaschen und durch den Schornstein die Wohnung. In Panik fliehen die Dursleys mit Harry in ein Hotel, an dessen Rezeption tags darauf mehrere hundert Briefe an H. Potter liegen. Mit den Umschlägen setzen die Dursleys die Reise im Auto fort, mieten ein Boot und gelangen auf eine unbewohnte Insel.
Kapitel 4: Der Hüter der Schlüssel (S. 54-69) Während die Dursleys in einem zerfallenen Haus Ruhe suchen, klopft es von außen. Die Tür zersplittert, ein riesiger Mann namens Hagrid steht im Raum und überreicht Harry den Brief sowie eine Torte zum 11. Geburtstag. Entsetzt und wütend über das Schweigen der Dursleys gegenüber Harry über dessen Vorgeschichte - die Dursleys hatten ihrem Neffen einen tödlichen Verkehrsunfall von Vater und Mutter vorgegaukelt - erzählt Hagrid, Hüter der Schlüssel und Ländereien von Hogwarts, die wahre Vergangenheit. Der Bub hört zum ersten Mal von Lord Voldemort, wie der bösartige Magier an die Macht gekommen ist und dem Fluch, mit dem der „Du-weißt-schon-wer“-Zauberer seine Eltern umgebracht hat. Als Harry auch noch erfährt, dass er als geborener Zauberer künftig Hogwarts, das Internat für Hexerei und Zauberei, besuchen soll, ist er hingerissen. Die Dursleys reagieren auf die Worte Hagrids mit Empörung, beschimpfen ihn, ihren Neffen sowie die gesamte Zauberwelt und ziehen sich zitternd in eine Ecke zurück. Da Mr. Dursley gegen Harrys Besuch der Zauberschule protestiert und auch noch Albus Dumbledore, den Direktor von Hogwarts, beleidigt, hängt Hagrid mit einem Zaubertrick Dudley einen Schweineschwanz an.
Kapitel 5: In der Winkelgasse (S. 70-98) Am nächsten Tag machen sich Harry und Hagrid auf den Weg nach London, um sich für Hogwarts einzudecken. Nach freundlicher Begrüßung durch zahlreiche Zauberer in der düsteren Wirtschaft „Zum tropfenden Kessel“ tippt Hagrid im Hinterhof mit seinem Schirm gegen eine Backsteinwand, die sich als Schleuse in die Magische Welt öffnet. Erstes Ziel in der Winkelgasse ist die von Gnomen geführte Zaubererbank Gringotts, wo der Riese einen Brief von Dumbledore und einen Schlüssel zu Harrys Safe übergibt. In einem Karren rasen sie dann auf verwirrenden Gleissträngen zu einer Tür, hinter der ein kleines Vermögen aus „Knuts“, „Silbersickel“ und „Galleonen“ auf Harry wartet. In einem anderen Verlies, zu dem beide anschließend fahren, liegt nur ein Bündel. Hagrid nimmt es mit.
Mit voller Kasse staffiert sich Harry in verschiedensten Geschäften der Winkelgasse mit Zauberartikeln aus: Ausgestattet mit einer Schuluniform besorgt er sich Pergament und Feder, Bücher, einen Kessel, eine Waage und ein Teleskop, aber auch Zaubertrankzutaten dürfen nicht fehlen. Hagrid schenkt ihm eine schneeweiße Eule. Nun geht es nur noch um den Zauberstab, der als handliche und geschmeidige Utensilie aus Stechpalme und Phönixfeder ausgewählt wird.
Kapitel 6: Abreise vom Gleis neundreiviertel (S. 99-125) Bis zum 1. September, an dem Harry mit dem Hogwarts-Express zur Schule fahren soll, wird er von den Dursleys völlig übergangen. Schließlich erklärt sich sein Onkel missmutig bereit, ihn mit seiner Eule Hedwig zum Bahnhof King`s Cross zu bringen. Aus seiner Ratlosigkeit bei der Suche nach dem unauffindbaren Abreisegleis neundreiviertel kann ihm erst eine Mutter mit rothaarigen Kindern helfen, die ebenfalls nach Hogwarts wollen. Auf ihren Rat geht er blindlings auf eine Mauer zu und durchquert sie, ohne etwas davon zu spüren. Hinter der Mauer, am Gleis neundreiviertel, drängeln sich außer Harry zahlreiche andere Leute in den Zug. Auf der Fahrt im Hogwarts-Express lernt Harry seine künftigen Freunde Ron und Hermine sowie seine späteren Feinde Draco, Crabbe und Goyle kennen. Auf der Endstation ruft Hagrid die Neulinge zu sich und begleitet sie in Booten zu einem riesigen Schloss, dessen Eingang sich nach dreimaligem Klopfen öffnet.
Kapitel 7: Der Sprechende Hut (S. 126-144) In der Schule hat ein Hut die Entscheidung darüber, in welchem der vier Häuser von Hogwarts die Schüler untergebracht werden. Schon in einem Warteraum waren mehrere von ihnen auf Geister getroffen. Dann führt Prof. McGonagall die Erstklässler in einen Saal, in dem ein auf einem Stuhl liegender Hut zu singen beginnt. Nacheinander setzen die Neulinge den sprechenden Hut auf, der in kurzer Stille den Charakter des Trägers ausforscht und dann eines der vier Häuser verkündet, die traditionsgemäß auf Schüler ähnlichen Gemüts zugeschnitten sind. Ron, Hermine, Neville und Harry ziehen nach Gryffindor, wo Tapferkeit und Mut zählen, Crabbe, Goyle und Draco nach Slytherin. Aus diesem Haus stammen bisher die meisten Schwarzen Magier. Nach der Entscheidung schlemmen die Jungzauberer in einer bezaubernden Wunderwelt. Auf den Tischen stehen im Handumdrehen fürstliche Gedecke, Harry unterhält sich mit einem Hausgeist. Anschließend macht Prof. Dumbledore auf Verhaltensregeln aufmerksam und erwähnt einen Korridor, dessen Zutritt streng verboten ist. Durch ein zur Seite schwingendes Bild einer dicken Frau gelangt Harry über den Gemeinschaftsraum in den Schlafsaal.
Kapitel 8: Der Meister der Zaubertränke (S. 145-157) Die ersten Wochen verlaufen für Harry nicht störungsfrei. Schon die Wege zu den 142 Klassenzimmern bereiten Schwierigkeiten: Manche sind nur an bestimmten Tagen, andere nur zu
besonderen Stunden oder gar nicht sichtbar. Als Wegweiser kann er sich nur auf den fast kopflosen Nick verlassen. Hausmeister Argus Filch versteht sich nur mit seiner scheinheiligen Katze Mrs. Norris und übergeht die Schüler. Die Unterrichtsfächer wie Astronomie, Kräuterkunde, Geschichte der Zauberei, Zauberkunst, Verwandlung sowie Verteidigung gegen die dunklen Künste und die unterschiedlichen Lehrer stoßen nicht immer auf Harrys Interesse. Am schlimmsten findet er Prof. Snape, den Meister der Zaubertränke, der Harry bereits in der ersten Stunde vor der gesamten Klasse lächerlich macht und blamiert. Der Schüler ist überzeugt, dass Snape ihn hasst.
Hagrid betrachten Harry und Ron dagegen als Freund. Bei einem Besuch berichten sie dem Riesen von ihren Unannehmlichkeiten und stoßen auf Verständnis. Von Hagrid wiederum erfahren sie, dass in Gringotts, der Zauberbank, eingebrochen wurde. Das Verlies, auf das es die Räuber abgesehen hatten, war aber bereits leer. Einzelheiten teilt Hagrid nicht mit.
Kapitel 9: Duell um Mitternacht (S. 158-179) Harry freut sich bereits auf die erste Besen-Flugstunde von Gryffindor und Slytherin bei Madam Hooch. Beim Frühstück bringen Eulen dem tollpatschigen Buben Neville aus dem Haus der Gryffindors ein kugelähnliches „Erinnermich“, das ihm seine Großmutter gegen seine Vergesslichkeit geschickt hat. Auf dem Übungsplatz verliert Neville kurz nach dem Start die Kontrolle über seinen Besen, der fast senkrecht in die Luft stieg. Der Flieger stürzt ab. Madam Hooch bringt den verletzten Neville in den Krankenflügel, nachdem sie allen anderen Schülern streng verboten hatte, weiterzufliegen. Kurz darauf findet Draco das Erinnermich und schwingt sich auf einen Besen, um es auf einem Baum zu verstecken. Harry setzt sich auf seinen Besen und nimmt die Verfolgung auf. Durch seine Flugkünste irritiert er Draco derart, dass dieser die Kugel fallen lässt. Harry gelingt es, sie kurz vor dem Aufprall am Boden abzufangen. Prof. McGonagall, die Harrys Luftsprünge gesehen hat, zeigt sich zwar erbost über sein Verhalten, doch statt ihn zu bestrafen will sie ihn in der Quidditch-Mannschaft (Sport auf fliegenden Besen) als Sucher einsetzen.
Draco kann die Niederlage gegen Harry nicht verkraften und fordert ihn um Mitternacht im Pokalzimmer zu einem Duell heraus. Trotz Verbots schleichen sich Harry, Ron, Hermine und Neville zum Treffpunkt. Doch niemand ist da. Auf ihrem weiteren Weg erreichen sie im verbotenen Korridor eine verschlossene Tür. Hermine öffnet sie mit einem Zaubertrick - und sie stehen vor einem riesigen Hund mit drei Köpfen, der eine Falltür bewacht. Voller Angst ergreifen
alle vier die Flucht. Am nächsten Tag schenkt Prof. McGonagall dem Kunstflieger Harry einen nagelneuen Superbesen aus Mahagoni. Oliver Wood erklärt ihm als Kapitän der Gryffindor- Mannschaft die Quidditch-Regeln.
Kapitel 10: Halloween (S. 180-197) Hermine entwickelt sich immer mehr zu einer übereifrigen Streberin, worauf sogar Harry und Ron unfreundlich reagieren. Als sie eines Tages beleidigende Bemerkungen mitgehört hat, schließt sie sich heulend in die Mädchentoilette ein. Bei der Halloween-Feier mit Festessen platzt plötzlich völlig verstört Prof. Quirrell herein. Er bringt kaum über die Lippen, dass sich im Schloss ein Troll aufhält. Zur Sicherheit schickt Dumbledore die Schüler in ihre Schlafsäle, geplagt von der Angst um Hermine scheren Harry und Ron jedoch aus und laufen in Richtung Toilette. Den Bergtroll, der ihnen auf dem Weg gegenübersteht, drängen sie in einen nahen Raum und sperren ab. Erst durch einen entsetzten Schrei von Hermine merken sie, dass sie das Ungeheuer im Mädchenklo eingeschlossen haben. In rasender Wut stürzen sie sich auf das Ungetüm. Erst nach einem heftigen Kampf gelingt es ihnen, Hermine zu retten. Kaum ist die Befreiung geglückt, missbilligen durch den Lärm aufmerksam gewordene Lehrer die Aktion. Doch Hermine setzt sich für die Buben ein und lügt Prof. McGonagall vor, sie habe allein gegen die Bestie kämpfen wollen. Harry und Ron erhalten dafür je fünf Punkte für Gryffindor, Hermine muss fünf Punkte abgeben. Mit dem Ereignis beginnt eine tiefe Dauerfreundschaft zwischen den Dreien.
Kapitel 11: Quidditch (S. 198-211)
Bereits in der Vorbereitungszeit ist das Quidditch-Spiel Gryffindor gegen Slytherin von Prof. Snape überschattet. Er hat Harry untersagt, das Unterrichtsbuch „Quidditch im Wandel der Zeiten“ außerhalb der Bibliothek zu studieren. Als er ihn vor der Tür bei der Lektüre erwischt, beschlagnahmt er es und droht mit fünf Punkten Abzug. Entschlossen, sein Studium weiter zu führen, klopft Harry abends am Eingang zu Snapes Zimmer. Da niemand öffnet, drückt er sie einen Spalt weit auf. Die Überraschung ist groß: In dem Raum verbindet Hausmeister Filch ein heftig blutendes Bein Snapes. Dabei sprechen sie über den dreiköpfigen Hund, der den Professor gebissen hat. Harry saust zu Ron. Fast ebenso schnell sind sie sich darüber einig, dass Snape das von dem Monster bewachte Geheimnis lüften will.
Ihr Verdacht verdichtet sich während des Quidditch-Mannschaftsspiels. Mittendrin gerät der Besen Harrys außer Kontrolle. Gleichzeitig fällt Hermine als Zuschauerin auf, dass Snape ständig vor sich hinmurmelt und Harry mit scharfem Blick anvisiert. Erst mit einem Ablenkungsmanöver gelingt es ihr, den Besen wieder unter die Funktion Harrys zu bringen. Harry fängt den Schnatz, einen goldenen Ball, und gewinnt dadurch mit 170 zu 60 Punkten für die Gryffindors. Nach dem Sieg erzählen Harry, Ron und Hermine dem Riesen Hagrid von den Vorkommnissen und ihrem Verdacht. Zum eigenen Bedauern geht Hagrid beim Gespräch über das von seinem dreiköpfigen Hund Fluffy bewachte Geheimnis zu weit. Er sagt, dass außer Dumbledore ein Nicolas Flamel damit in Zusammenhang steht.
Kapitel 12: Der Spiegel Nerhegeb (S. 212-234)
Der Name Nicolas Flamel geht den drei Freunden auch in der Vorweihnachtszeit nicht aus dem Kopf. Immer wieder durchstöbern sie die Bibliothek, um Einzelheiten über ihn ausfindig zu machen - ohne Erfolg. Die Feiertage verbringt Hermine zu Hause, Harry und Ron treffen sich während der Ferien am Kamin oder spielen Zauberschach. Von den unerwarteten Weihnachtsgeschenken, die er erhält, fällt Harry vor allem ein kleines Päckchen auf. In ihm liegt der Zauberumhang seines Vaters, der den Träger unsichtbar macht. Gleich setzt Harry diese Möglichkeiten in Taten um. Kaum schlafen alle, geistert er durch Korridore zur verbotenen Abteilung der Bibliothek, um in Büchern der schwarzen Magie Informationen über Flamel zu finden. Plötzlich taucht Argus Filch auf. Harry zieht sich schleunigst in einen Raum mit einem großen Spiegel zurück. Sein Staunen ist überwältigend: Aus dem Nerhegeb, wie der Spiegel heißt, blickt seine Familie und winkt ihm zu. In der folgenden Nacht will Harry seinem Freund Ron seine Eltern im Wunderspiegel zeigen. Doch Ron erblickt nur sich selbst als Quidditchmeister und Vertrauensschüler. In der dritten Nacht, in der Harry erneut seine Eltern sehen will, steht überraschend Prof. Dumbledore hinter ihm. Er lässt ihn wissen, dass Nerhegeb zwar innigste Herzenswünsche wiedergibt, bittet ihn aber, künftig den Spiegel nicht mehr aufzusuchen.
Kapitel 13: Nicolas Flamel (S. 235-248)
Bei der ergebnislosen Suche nach Informationen über Nicolas Flamel kommt ein Zufall zu Hilfe. Neville schenkt Harry einen Schokofrosch, auf dessen beigelegter Sammelkarte über berühmte Zauberer der Name des Unbekannten steht. Eilig besorgt Hermine ein Buch, aus dem hervorgeht,
dass Flamel den Stein des Weisen hergestellt hat. Er verleiht das ewige Leben und verwandelt einfache Metalle in Gold. Hart verläuft das Training für das Spiel gegen die Hufflepuffs mit Snape als Schiedsrichter, dem Harry wenige Stunden nach dem Sieg seiner Mannschaft auf ganz anderem Weg erneut begegnet. Der Professor verschwindet, in ein Tuch gehüllt, zu einem geheimen Treffen mit Prof. Quirrell im verbotenen Wald. Harry folgt ihm unsichtbar. Er hat sich den Tarnmantel übergeworfen. Aus Gesprächfragmenten zieht Harry den Schluss, dass Snape sich den Stein des Weisen aneignen möchte. Quirrell soll ihm dazu verraten, mit welchen magischen Mitteln er den Stein schützt und wie der Hund als dessen Hüter ausgeschaltet werden kann.
Kapitel 14: Norbert, der Norwegische Stachelbuckel (S. 249-263)
In den nächsten Wochen bereiten sich Harry, Ron und Hermine auf Prüfungen vor, sind aber hinter der Lösung weiterer Aufgaben her. Sie wollen endlich in Erfahrung bringen, welche Lehrer außer Dumbledore den Stein der Weisen sichern. Während sie Hagrid besuchen, ergreifen sie die Initiative. Auf ihr Drängen nannte er die Professoren Sprout, Flitwick, McGonagall, Quirrell und Snape als die Personen, von denen jede ihren eigenen Schutzbann über den Stein gelegt hat. Etwa gleichzeitig kommen sie dahinter, dass Hagrid trotz Verbots mit großer Begeisterung insgeheim den aus einem schwarzen Ei geschlüpften Norwegischen Stachelbuckel Norbert hochpäppelt. Die Zucht des nach einer Woche bereits drei Mal so großen Drachenbabys war Draco Malfoy jedoch nicht entgangen. Um Gefahren abzuwenden, schalten Harry, Hermine und Ron dessen Bruder Charlie ein, der als Drachenforscher und –züchter in Bulgarien lebt. Schnell wartet er mit einer Lösung des Problems auf: Freunde von ihm sollen in einer Nacht- und Nebelaktion den kleinen Drachen vom höchsten Turm Hogwarts aus in Sicherheit bringen. Aber auch das bekam Malfoy mit. Nun kann nur der Tarnumhang helfen. Durch ihn unsichtbar gelang Harry, Hermine und Ron die Übergabe Norberts an Charlies Freunde. Auf dem Rückweg laufen sie Filch in die Arme, der sie zu Prof. McGonagall führt. Den Tarnumhang haben sie auf dem Turm vergessen.
Kapitel 15: Der verbotene Wald (S. 264-284)
Der unerlaubten Aktion folgen Strafen auf den Fuß. Prof. McGonagall streicht Gryffindor 150 Punkte, Harry, Hermine, Draco und Neville, der bei der Aktion warnen wollte, belegt sie mit Strafarbeiten. Besonders Harry sieht sich bösen Anfeindungen der Gryffindors ausgesetzt, die nun auf den letzten Platz der Punkteskala abgerutscht sind. Eines Tages begleiten die vier bei Dunkelheit Filch zu Hagrid, mit dem sie im verbotenen Wald ein verwundetes Einhorn ausfindig
machen sollen. Nach Schwierigkeiten mit Draco teilen sich auf Anweisung Hagrids die Wege der Gruppe. Harry, Draco und Hagrids Saurüde Fang dringen getrennt von den anderen in den Wald mit Zentauren, Werwölfen und anderen Ungeheuern vor. Beim Verfolgen roter Spuren finden sie das tote Eichhorn, wobei ihnen eine eigenartige Gestalt auffällt, die Blut des Tieres trinkt. Kaum wirft das seltsame Wesen einen Blick auf Harry, schmerzt dessen Narbe so sehr, dass er sich nur noch schwankend aufrecht halten kann. Die vermummte Gestalt nähert sich Harry, nur ein junger Zentaur rettet ihm in letzter Sekunde durch einen mutigen Sprung auf die seltsame Kreatur das Leben. Der Zentaur schildert Harry die Wirkung getrunkenen Einhornblutes: Es erhält das Leben, verflucht es aber. Seine bereits weitgehend geschwundene Existenz kann sich nur Lord Voldemort erhalten wollen, überlegt Harry.
Kapitel 16: Durch die Falltür (S. 285-312)
Die Schmerzen der Narbe an Harrys Stirn lassen auch während der Prüfungsarbeiten kaum nach. Zudem bestätigt Hagrid die Befürchtung, das Drachenei in einer Wirtschaft von einem getarnten Mann bekommen zu haben. Nach mehreren Getränken verriet Hagrid dem Vermummten auch das Geheimnis um Fluffy. Der Hund verfällt in tiefen Schlaf, sobald er Musik hört. Für Harry steht fest, dass es sich bei der unheimlichen Person nur um Snape handeln kann. Er will Dumbledore verständigen, muss aber erschrocken feststellen, dass der Professor aus Hogwarts weggelockt worden ist. Für Harry, Ron und Hermine ist nun klar, den Stein der Weisen selbst retten zu müssen.
Nachts schleichen sie, ausgerüstet mit Zauberumhang und Flöte, zur Falltür. Entsetzt bemerken sie, dass bereits vor ihnen jemand da war. Flötend schläfert Harry den Hund ein, zu dritt klettern sie in die Tiefe und nehmen die Verfolgung auf. Hermine schafft es gerade noch, ihre Freunde aus einer Teufelsschlinge schlangenartiger Pflanzen zu befreien, Ron rettet die anderen vor überdimensionalen Schachfiguren. Mit der Lösung mehrerer Rätseln und mit raffinierten Zaubertricks dringt das Trio immer weiter im Höhlensystem vor. Konfrontiert mit dem Feuer vor der letzten Tür leert Harry ein kleines Fläschchen, dann durchquert er die Flammen. Er muss allein in die Gruft.
Kapitel 17: Der Mann mit den zwei Gesichtern (S. 313-335)
Die Überraschung ist groß. Nicht der von Harry erwartetet Snape, sondern Quirrell steht vor ihm. Und der gesteht, dass er Lord Voldemort helfen wollte, Harry beim Qidditch-Spiel zu töten. Als
letztes Hindernis, an den Stein der Weisen zu gelangen, trennt Quirrell nur noch der in der Gruft befindliche Spiegel Nerhegeb. Aber er weiß nicht, damit umzugehen. Beim Blick in den Spiegel gleitet Harry der Stein in seine Hosentasche. Beim Versuch Harrys, seinen Gegner zu überlisten, lüpft dieser seinen Turban. Doch nicht Quirrells Hinterkopf, sondern die Fratze von Lord Voldemort taucht auf. Wie gelähmt schaut Harry in das Gesicht des Mörders seiner Eltern, der nun in Gestalt Quirrells auch Harry umbringen will. Prof. Dumbledore verhindert das Verbrechen, Harry kommt erst nach drei Tagen im Krankenflügel Hogwarts wieder zu sich. Dort erklärt ihm Prof. Dumbledore, dass er den Stein der Weisen im Spiegel finden konnte, weil er ihn nicht benutzen wollte. Beim Jahresabschlussfest gewinnt Gryffindor knapp vor den Slytherins nicht nur den Hauspokal, wegen ihrer besonderen Leistungen erhalten Harry, Ron und Hermine auch 170 Punkte. Mit dem Zeugnis in der Hand wird Harry zu den Dursleys fahren, um dort die Ferien zu verbringen.
B. Die wichtigsten Charaktere a. Harry Potter Harry Potter ist nicht nur als berühmter Zauberer, sondern ebenso durch seine menschlichen Eigenschaften zu einer Identifikations-figur junger Leute geworden. 147 Dazu trägt die ständige Benachteiligung des schmächtigen Vollwaisen mit pechschwarzem Haar, grünen Augen und einer blitzförmigen Narbe auf der Stirn bei. 148 Mit Mut und Tapferkeit setzt sich der Elfjährige in der fantastischen und bösartigen Welt aus Magiern, Hexen und Fabelwesen 149 zuverlässig und wirkungsvoll für die Schwächeren ein, schätzt sie als Freunde und bringt selbst seinen Feinden Fairness entgegen. Seine Bescheidenheit lässt ihn Arroganz ablehnen, spontan, entschlossen und mit Gerechtigkeitsgefühl überwindet er - auch ohne magische Tricks - eigenes Angstempfinden gegenüber dem Bösen, selbst wenn dabei vorgegebene Regeln und Gesetze durchbrochen werden müssen. 150 147 Vgl. Internet: Seyfahrt, Harry Potters Erfolgsgeheimnis; Erklärungsversuche für ein Bestseller – Phänomen am Beispiel „Harry Potter und der Stein der Weisen“, Hausarbeiten.de 148 Vgl. Internet: Ev-Hermine (Künstlername), Eine Übersicht zu den wichtigsten Personen, private Homepage 149 Vgl. Internet: Owlfeather (Künstlername), Harry-Potter-Kiste P-T, private Homepage 150 Vgl. Internet: Seyfahrt, Harry Potters Erfolgsgeheimnis; Erklärungsversuche für ein Bestseller – Phänomen am Beispiel „Harry Potter und der Stein der Weisen“, Hausarbeiten.de
b. Ronald Weasley Ronald Weasley stammt aus einer armen, aber kinderreichen Zaubererfamilie. Als jüngster von sechs Rotschöpfen ist er auf deren ausrangierte Kleidung und andere Gegenstände angewiesen, wie Harry auf ausgetragene Hemden und Hosen seines verwöhnten Vetters Dudley. 151 Trotzdem zählt er, außer im Schachspielen, nicht zu den Fleißigsten, wendet sich aber gegen jede Art von Überheblichkeit. Nicht zuletzt durch seine Zuverlässigkeit erobert Ron Harrys engste Freundschaft und größtes Vertrauen, selbst wenn er, ausgesprochen ehrlich, eine gegenteilige Meinung darlegt. 152 Herausragend ist seine Fähigkeit, „zu gönnen“, ohne neidisch zu werden. 153 So freut er sich herzlich über den Sieg Harrys beim Quidditch und das Geschenk des besten Rennbesens an seinen Freund.
c. Hermine Granger Als Muggel erscheint Hermine Granger Zauberern hin und wieder als Problemfall, als unsympathische Streberin und penetrante Besserwisserin ist sie zunächst auch bei Mitschülern unbeliebt 154 , gewinnt jedoch bald die Sympathie von Harry und Ron. Nicht zuletzt durch den auch bei ihr ausgeprägten Gerechtigkeitssinn 155 , ihren Verstand, ihre Courage und ihre Hilfsbereitschaft auch in schwierigen Situationen wird sie schnell zum intellektuellen Kopf des aus ihr, Harry und Ron bestehenden Trios. 156 Widerborstigkeit und Trotz 157 , die hin und wieder auftauchen, spielen dabei eine untergeordnete Rolle. Tatkräftig und schlau stellt Hermine hohe moralische Ansprüche, ohne als Prinzipienreiterin in den Vordergrund treten zu wollen. 158 Sie beweist, dass Strebsamkeit in der Schule auch im alltäglichen Leben von Nutzen sein kann. 159 151 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 106 152 Vgl. Internet: Seyfahrt, Harry Potters Erfolgsgeheimnis; Erklärungsversuche für ein Bestseller – Phänomen am Beispiel „Harry Potter und der Stein der Weisen“, Hausarbeiten.de 153 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 76 154 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 77 155 Vgl. Internet: Ev-Hermine (Künstlername), Eine Übersicht zu den wichtigsten Personen, private Homepage 156 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 77 157 Vgl. Internet: Owlfeather (Künstlername), Harry-Potter-Kiste F-J, private Homepage 158 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 77 159 Vgl. Internet: Seyfahrt, Harry Potters Erfolgsgeheimnis; Erklärungsversuche für ein Bestseller – Phänomen am Beispiel „Harry Potter und der Stein der Weisen“, Hausarbeiten.de
d. Draco Malfoy Draco Malfoy intrigiert als hochnäsiger, mit Harry und dessen Freunden tief verfeindeter Widerling aus einer reichen Zaubererfamilie, die Muggels hasst. 160 Als arroganter Spötter ist Draco jedes Mittel recht, Harry Unannehmlichkeiten zu bereiten. Er hänselt, provoziert und verpetzt ihn, ist aber zu feige, ihm alleine entgegen zu treten. 161 Er schikaniert Ron mit dessen Herkunft aus einem armen Elternhaus und beschimpft Hermine, deren Eltern wie sie Menschen sind, als „Schlammblut“. Dazu verbreitet er die hasserfüllte Propaganda, dass nur „reinrassige“ Zauberer (keine Muggels) Hogwarts besuchen dürfen. 162
e. Lord Voldemort Der gefährlichste Magier seiner Zeit und Mörder von Harrys Eltern versetzte viele Jahre die Zauberwelt in Angst und Schrecken. 163 Nur Harry konnte ihn entmachten, indem er als Baby seinem Todesfluch standhielt. Seitdem versucht der dadurch entkörperte Voldemort mit Hinterlist, Tücke und unersättlicher Gier 164 seine Funktion als tyrannischer Diktator 165 zurück zu erobern, wobei sein endloser Hass Harry gilt. Er erscheint als schreckliche, schlangenähnliche Fratze, mit roten Augen und überlebt in Körpern anderer Menschen. Auf der Suche nach neuen Kräften versetzt Voldemort sogar die meisten Zauberer derart in Panik, dass sie seinen Namen nicht mehr auszusprechen wagen und ihn mit "Du-weißt-schon-wer" umschreiben. 166 Voldemort wird im ersten Harry-Potter-Band zum Symbol der bösen Vergeblichkeit. Das Ziel aller seiner Aktionen ist es, den Tod mit dem Stein der Weisen zu besiegen. Er sucht eine Überlegenheit, er will alle überleben und damit die Macht erlangen, die keine zeitliche Schranke mehr vor sich hat. 167
f. Albus Dumbledore Nach außen gleicht Albus Dumbledore, Direktor von Hogwarts, dem Fantasiebild eines Zauberers: Ein sehr alter, weiser Magier mit weißem Bart und einer Halbmondbrille auf der 160 Vgl. Internet: Ev-Hermine (Künstlername), Eine Übersicht zu den wichtigsten Personen, private Homepage 161 Vgl. Zollner, Mentor Interpretationshilfe zu J.K. Rowling „Harry Potter und der Stein der Weisen“, S. 11 162 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 80 163 Vgl. Internet: Ev-Hermine (Künstlername), Eine Übersicht zu den wichtigsten Personen, private Homepage 164 Vgl. Internet: Owlfeather (Künstlername), Harry-Potter-Kiste U-Z, private Homepage 165 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 69 166 Vgl. Internet: Owlfeather (Künstlername), Harry-Potter-Kiste U-Z, private Homepage 167 Vgl. Bachl, Gefährliche Magie? Religiöse Parabel? Gute Unterhaltung, in: Spinner, Kaspar H. (Hg.): Im Bann des Zauberlehrlings? – Zur Faszination von Harry Potter, S. 44
Nase. Seine zauberhafte Freundlichkeit schränkt jedoch in keiner Weise den nimmermüden Einsatz eines der größten Zauberer aller Zeiten im Kampf gegen das Böse ein. Dumbledore ist der einzige, den Voldemort fürchtet. 168 In anderen Bereichen prägen salomonische und sokratische Weisheit und erstaunliches Einfühlungsvermögen, ergänzt durch Humor und Güte, seine Entscheidungen wie bei Wettbewerben im Internat, bei denen er sich als kluger Mathematiker und einfühlsamer Pädagoge auszeichnet. 169 Harry schenkt er zu dessen Schutz sogar den Tarnumhang, den er zur Verwahrung vom Vater des Schülers erhalten hatte. Die Hobbies des großen Zauberers sind jedoch recht muggelhaft: Er nascht leidenschaftlich Süßigkeiten, hört gern Kammermusik und freut sich aufs Bowlen. 170
g. Minerva McGonagall Die Leiterin von Gryffindor und Lehrerin für Verwandlung kennzeichnet Härte, verbunden mit Gerechtigkeit und Fairness. Als eine Grundvoraussetzung in der Zielsetzung von McGonagall auch gegenüber ihren Schülern zählt wissenschaftliche Genauigkeit. Gleichzeitig imponiert sie als Verwandlungskünstlerin, die sich beispielsweise aus dem Nichts in eine Katze umfunktioniert, allerdings ohne deren Manieren anzunehmen. 171 Der schwarze Haarknoten und ein uralter viereckiger Kneifer symbolisieren zwar ihre Härte bei der Bestrafung von Regelverstößen 172 , nicht aber eines ihrer kleinen Laster: Die kluge Professorin ist fanatischer Quidditch-Fan. 173
h. Severus Snape Snape verkörpert einen recht undurchsichtigen und düstern Typ. In der grauenvollen Herrschaftszeit Voldemorts stand er auf der Seite des dunklen Lords, was er später bereut 174 und sich auf Zaubertränke spezialisiert 175 . Zaundürr, mit fettigem, schulterlangem Haar und einer riesigen Hakennase hasst er alle Hogwarts-Häuser mit Ausnahme von Slytherin, wo er Hausvorstand ist und nebenbei für Dumbledore spioniert. Er soll sogar auf das Fach Verteidigung 168 Vgl. Zollner, Mentor Interpretationshilfe zu J.K. Rowling „Harry Potter und der Stein der Weisen“, S. 12 169 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 89 170 Vgl. Internet: Ev-Hermine (Künstlername), Eine Übersicht zu den wichtigsten Personen, private Homepage 171 Vgl. Internet: Ev-Hermine (Künstlername), Eine Übersicht zu den wichtigsten Personen, private Homepage 172 Vgl. Zollner, Mentor Interpretationshilfe zu J.K. Rowling „Harry Potter und der Stein der Weisen“, S. 12 173 Vgl. Internet: Owlfeather (Künstlername), Harry-Potter-Kiste K-O, private Homepage 174 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 88 175 Vgl. Zollner, Mentor Interpretationshilfe zu J.K. Rowling „Harry Potter und der Stein der Weisen“, S. 12
gegen die Dunklen Künste schielen. 176 Fies, ungerecht und mürrisch behandelt er die Schüler, die in ihm den schlimmsten Spielverderber sehen. 177 Bei jeder Gelegenheit streicht Snape den Gryffindor-Bewohnern Punkte und schikaniert Harry, wo es nur geht. Der wiederum verdächtigt den Zaubertrank-Lehrer, den Stein des Weisen stehlen zu wollen. 178
i. Rubeus Hagrid Hünenhaft und bärenstark will Rubeus Hagrid, Bewahrer des Schlüssels von Hogwarts, Wildhüter im Verbotenen Wald und Liebhaber von Magischen Wesen 179 , für das Gute kämpfen 180 . Der Riese mit furchterregender Gestalt und strähnigen, sein ganzes Gesicht verdeckenden Haaren befreit Harry von den Ungerechtigkeiten der Dursleys und offenbart dem Buben die Wahrheit über dessen eigene Vergangenheit und die seiner Eltern. Auch das Geheimnis des Zauberbanns auf dem Stein des Weisen kann er gegenüber Harry und seinen zwei Freunden nicht verschweigen. Durch sein raues, gewalttätiges Wesen wirkt Hagrid gefährlich, sein gutmütiger und harmloser Kern macht ihn jedoch liebenswert. 181 Der nach außen tollpatschige Trottel entpuppt sich als sympathischer Helfer, der Harry den Übergang von der Muggel- in die Zauberwelt erleichtert, wobei er ihn durch naive Unbedachtheit allerdings in Lebensgefahr bringt. 182
j. Familie Weasley Die Haare aller neun Familienmitglieder - mit Ausnahme der Mutter – sind zwar einheitlich rot, sonst dominiert im Haus der Weasleys jedoch Freizügigkeit. Unnormales ist normal, lautet das Prinzip. Im Garten wächst Unkraut, die Kleidung entspricht nicht immer akkuraten Vorstellungen. Für Harry, von den finanziell nicht gerade im Wohlstand schwelgenden Weasleys immer herzlich aufgenommen, wurden sie zur Wahlfamilie. Während der Vater etwas realitätsfremd und verträumt, aber zufrieden im Zaubererministerium arbeitet, kümmert sich die Mutter liebe- und humorvoll um die Kinder. 183 Dem karrieresüchtigen Percy stehen wie Gaukler 176 Vgl. Internet: Ev-Hermine (Künstlername), Eine Übersicht zu den wichtigsten Personen, private Homepage 177 Vgl. Internet: Owlfeather (Künstlername), Harry-Potter-Kiste P-T, private Homepage 178 Vgl. Zollner, Mentor Interpretationshilfe zu J.K. Rowling „Harry Potter und der Stein der Weisen“, S. 12 179 Vgl. Internet: Ev-Hermine (Künstlername), Eine Übersicht zu den wichtigsten Personen, private Homepage 180 Vgl. Internet: Owlfeather (Künstlername), Harry-Potter-Kiste F-J, private Homepage 181 Vgl. Internet: Seyfahrt, Harry Potters Erfolgsgeheimnis; Erklärungsversuche für ein Bestseller – Phänomen am Beispiel „Harry Potter und der Stein der Weisen“, Hausarbeiten.de 182 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 85-86 183 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 73-74
die Zwillinge Fred und George als Erfinder von Scherzartikeln gegenüber. Sie wollen in der Winkelgasse einen Juxladen aufmachen. Bill arbeitet in Ägypten für Gringotts als Fluchtbrecher, Charly erforscht in Rumänien Drachen. Ron wurde Harrys bester Freund und auch das Nesthäkchen Ginny, die einzige Tochter, hat sich Potter verschrieben. 184
k. Familie Dursley Die ausgesprochen spießige Muggel-Familie Dursley zählt sich zum normalen Mittelstand, ist mit einem Häuschen, einem Auto und genügend Geld ausstaffiert und fühlt sich in einem Punkt miteinander verbunden 185 : Sie hasst Zauberer, vor allem Harry, der nach der Ermordung seiner Eltern durch Lord Voldemort bei ihr als Neffe aufwächst, aber nicht der auf absolute Unauffälligkeit ausgerichteten Norm seines Onkels entspricht. Der Choleriker Vernon Dursley fühlt sich als Herr im Haus, seine Durchsetzungskraft beschränkt sich aber meistens auf Bemerkungen im Flüsterton oder als Schreianfälle. Wie seine langhalsige Frau ignoriert er Harry als lästiges Übel und verabscheut ihn. 186 Als jähzorniger, gewalttätiger und egoistischer Elterntyrann beherrscht der von Vater und Mutter geradezu vergötterte fette Sohn Dudley das Familienleben. 187 Zu seinen Hobbys zählen stures Fernsehen, das Verprügeln von Kleineren durch seine Schülerbande und, zur eigenen Genugtuung, die Quälerei Harrys. 188
C. Die wichtigsten Schauplätze a. Ligusterweg 4 Sauber und mit bürokratisch-spießiger Akribie hat es am Ligusterweg 4 im fiktiver Londoner Stadtteil Whinging zuzugehen. 189 Auch das öffentliche Erscheinungsbild der „normalen“ Familie Dursley richtet sich, den Vorstellungen der Eltern entsprechend, stets nach einer vorgetäuschten Harmonie. Die penible Akkuratesse gilt ebenso für den durch eine Mauer und von Hecken geschützten Vorgarten des Hauses, in dem Harry bei seinem Onkel, seiner Tante und seinem Cousin nach der Ermordung seiner Eltern als verachtetes Pflegekind aufgewachsen ist. 190 Nachts sperrten ihn seine Stiefeltern in einen Schrank unter der Treppe, tags war er ihrer hasserfüllten 184 Vgl. Internet: Ev-Hermine (Künstlername), Eine Übersicht zu den wichtigsten Personen, private Homepage 185 Vgl. Zollner, Mentor Interpretationshilfe zu J.K. Rowling „Harry Potter und der Stein der Weisen“, S. 8 186 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 69-72 187 Vgl. Zollner, Mentor Interpretationshilfe zu J.K. Rowling „Harry Potter und der Stein der Weisen“, S. 8 188 Vgl. Internet: Ev-Hermine (Künstlername), Eine Übersicht zu den wichtigsten Personen, private Homepage 189 Vgl. Knobloch, Die Zauberwelt der J.K.Rowling – Hintergründe und Facts zu „Harry Potter“, S. 116 190 Vgl. Bürvenich, Der Zauber des Harry Potter – Analyse eines literarischen Welterfolgs, S. 70
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Sam Körber, 2003, Harry Potter - Betrachtung eines literarischen Phänomens und Analysen zu den erfahrungsdokumentierten Dimensionen zur pädagogischen Relevanz dieses Bestsellers, Munich, GRIN Publishing GmbH
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