Jugend und Musik
von: Osman Manyas
Inhalt
1. Einleitung
2. Nationalisierung durch Musik
3. Jugend und Jugendkulturen in den letzten Jahrzehnten
4. Identitätsbildung durch Musik von Jugendlichen
5. Einfluss der Musik am Beispiel bestimmter Jugendkulturen
6. Schlussfolgerung
Einleitung
Da es nahezu unmöglich ist, alle Jugendlichen einer einzigen bestimmten Jugendkultur zuzuordnen, werden wir auf den nun folgenden Seiten nur einzelne Musikstile oder Jugendkultur herausgreifen, die nach unserer Meinung einen großen Teil der Jugend abdecken. Diese Stile stehen stellvertretend für unzählige andere Stile und Kulturen. Diese Darstellung geht im Kurzen der geschichtliche Hintergrund der Jugendkulturen voraus. Auch wenn man von einer bestimmten Kultur nicht auf eine beliebige andere schließen kann, werden wir dennoch unsere Analyse auf die gesamte Jugend ausweiten und in gewisser Weise verallgemeinern, da jedem Beitritt zu einer Kultur und jedem Musikkonsum die gleiche Ursache zugrunde liegt, nämlich die Identitätsfindung.
Nationalisierung durch Musik
Neue deutsche Härte lautet die Etikette, unter der Bands wie Rammstein, Lacrimosa, Witt oder In Extremo gehandelt werden. Ihre Musik lässt sich als eine Mischung aus Metal, Hardcore, mittelalterlicher Folklore und martialischen EBM-Rhythmen, manchmal auch Gothic und Dark Wave (bei Witt) beschreiben, gerne also als Mix aus sowohl brachialen wie sentimentalen Elementen.
Allerdings versteht sich keine dieser Bands explizit als rechts. Und doch haben zwei Videoclips nicht ohne Grund eine Diskussion darüber entfacht, inwieweit mit diesen Band eine rechte Ästhetik auf symbolischer Ebene wieder hoffähig gemacht wird. „Stripped“, ein Video von Rammstein, bestand aus einer Montage von Filmsequenzen aus Leni Riefenstahls propagandistischem Olympiade-Film, unkommentiert und ohne genaue Hinweise auf den historischen Kontext inszeniert; das Video von Joachim Witts Die Flut zeigte einen in weiss gekleideten Herrenmenschen, der über auf dem Boden durch den Schlamm kriechende Massen von Untermenschen zu einem Boot schritt und die grosse, allen Schlamm wegspülende Flut besingt. Assoziationen zum Das Boot ist voll – Slogan der Volksparteien sind hier ebenso naheliegend wie zu antisemitischer Nazipropaganda, etwa der Darstellung von Juden als Rattenplage.
Um zu verstehen, wie eine solche Ästhetik mit all ihren politischen Implikationen in den Pop-Mainstream hat Einzug finden können, ist eine kurze Vorgeschichte notwendig. Mitte der 1990er Jahre, zu einer Zeit, als hierzulande vor allem eine Jugendkultur die Medien beherrschte, nämlich die brandmordenden Neonazis, fiel einigen Vertretern des Musikgeschäfts nichts besseres ein, als sich für eine Neubewertung deutschsprachiger Musik im Sinne „deutscher Pop-Identität“ auszusprechen. Es würde hier zu weit führen, die Ursachen für eine so geballte Renationalisierungs-Attacke in der Popbranche zu analysieren, bei der mehr oder minder verhaltener Chauvinismus mit Profitinteressen Hand in Hand ging. Interessant ist jedoch, dass genau diese Debatte den Nährboden für das Aufkommen der „Neuen deutschen Härte“ bildete, also für eine Popästhetik, die ein ganz neues (und andererseits auch nur allzu bekanntes) Bild von Deutschsein, von „deutscher Pop-Identität“ in den Charts und Videokanälen etablierte.
Es macht wenig Sinn, explizit rechte Inhalte aus Texten von Bands wie „Rammstein“ lesen zu wollen; Reaktionäres und Faschistisches drückt sich bei ihnen vielmehr auf der Ebene neuer Körperbilder aus, wo Männlichkeit und athletische Körper als Wert im Sinne des „Survival of the Fittest“ heroisiert werden. Die „Neue deutsche Härte“ spielt in mehrfacher Hinsicht mit dem Feuer und versucht zugleich, sich jeglicher politischer Verantwortung zu entziehen. Es passt jedoch zum neu erstarkten Nationalismus, Feuer, Muskeln und Trommelwirbel so zu betrachten, als ließe sich diese Ästhetik völlig von den mit ihr verbundenen politischen Traditionen und Ritualen loskoppeln. Dies unterscheidet die „Neue deutsche Härte“ vom Rechtsrock: Sie benutzt nicht rechte Ideologie, sondern „nur“ rechte Bilder im naiven Glauben, dass deren Faszination ohne ideologischen Überbau ungefährlich, am Ende gar unpolitisch sei.
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Arbeit zitieren:
Osman Manyas, 2004, Jugend und Musik, München, GRIN Verlag GmbH
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