Inhalt
Eine Auswahl seiner Selbstbildnisse 2 3
2.2 Raffaels Bildnis des Baldassare Castiglione und sein
3.2 Selbstbildnisse als Muster für Rembrandts
3.3 Die Vermarktung der eigenen Person 13
4 Schlussbemerkung 14
Literatur 16
Bildbeispiele 17
Anmerkungen 23
2 Eine Auswahl seiner Selbstbildnisse
In der Geschichte des Selbstporträts spielt R eine Schlüssel- rolle. Er baute es durch eine völlig eigenständige Leistung zu einer wichtigen Bildgattung aus. 3
R malte über 70 Selbstbildnisse in mehr als 40 Jahren. Be-
trachtet man sie in zeitlich geordneter Reihenfolge, so ergibt sich eine regelrechte gemalte Autobiographie. 4 Ich habe hier eine Auswahl aus Anfang, Mitte und Ende seines Schaffens vor- genommen.
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Bevor ich zur Bildbeschreibung komme, möchte ich kurz noch das Problem des Rechts und Links beim Selbstbildnis klären. Norma- lerweise sehen wir auf der Leinwand links die rechte Seite der dargestellten Person. Da beim Selbstbildnis der Maler aber vor dem Spiegel sitzt, sehen wir seitenverkehrt auf der rechten Bildseite auch seine rechte Körperseite. Bei Radierung oder Holzschnitt kehrt sich das Ganze wieder um (rechte Seite auf dem Blatt = linke Körperseite).
2.1 Selbstbildnis als junger Mann
1629, Öl auf Holz, 15,5 x 12,7 cm, München, Alte Pinakothek Diese kleine Tafel, auf der der Künstler sich uns im Alter von
23 Jahren zeigt, ist das früheste gemalte und datierte Selbst-
bildnis des jungen Meisters.
Am auffälligsten ist die Komposition des Bildes. Der Maler scheint wie zufällig von links unten nach rechts oben diagonal ins Bild zu lugen und sich dabei selbst zu überraschen. Ver- blüfft von seinem eigenen Anblick zieht er die Augenbrauen hoch und reißt seine Augen weit auf. Sein Mund ist vor Erstau- nen leicht geöffnet. Das lockige Haar fällt wirr in seine Stirn und steht rings um den Kopf in alle Richtungen ab. Seine Kleidung ist schlicht, ein einfaches weißes Hemd mit einer schwarzen Jacke.
Es versteht sich von selbst, dass es nicht möglich ist, sich selbst dabei zu überraschen, sich selbst zu malen, und das auch noch über so lange Zeit, bis das Bild fertig ist. Wie kommt es also zu dieser ungewöhnlichen Pose? Leider wissen wir darüber nichts von Rembrandt selbst, da er nicht über seine Malweise geschrieben hat. Was aber bekannt ist, ist, dass zu R’s Zeit sogenannte „Tronies“ groß in Mode waren. Tronies sind Charakterköpfe, Ausdrucksstudien eines anonymen Modells. Sie dienten den Künstlern zu Übungszwecken, fanden aber auch am Kunstmarkt Käufer. Ein wichtiger Schüler R’s, Samuel van Hoogstraten, schrieb ein 1678 in Rotterdam erschienenes Male- reitraktat, „De hooge schoole der schilderkonst“. Dort be-
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schreibt er, wie ein Maler zu guten Ausdrucksstudien kommt: Da Emotionen sehr leicht am Gesicht abzulesen sind, ist der beste Weg, diese selbst darzustellen und dabei in den Spiegel zu schauen. Man geht davon aus, dass van Hoogstraten diese Vor- gehensweise bei R gelernt hat. Der Maler wird dabei quasi zum Schauspieler. 5 Auf unser Beispiel übertragen heißt das, dass R womöglich studieren wollte, wie jemand aussieht, der über- rascht wird. Er versetzte sich also in die Lage eines Men- schen, der gerade überrascht wird und schaute dabei in den Spiegel. Damit kann man sagen, dass sein Hauptinteresse hier nicht der Selbstdarstellung, sondern dem ganz bestimmten Af- fekt des Überrascht-Seins galt.
R’s Malweise ist schon hier in seinem Frühwerk pastos und skizzenhaft, locker und von künstlerischer Freiheit geprägt. Die krausen Haare sind zum Teil in die nasse Farbe gekratzt, so dass der rotbraune Malgrund zum Vorschein kommt. Auch in den verschatteten Gesichtspartien ist der Untergrund teilweise sichtbar geblieben und trägt so zur Farbgestaltung des Bildes bei. 6
R spielt hier mit starken Hell-Dunkel-Kontrasten. Er ist ein
Meister der Lichtgestaltung, die er bei den Utrechter Caravag- gisten studieren konnte. Caravaggio (italienischer Maler, 1573-1610, Hauptmeister des beginnenden Barocks) beeinflusste die niederländische Malerei nachhaltig. Seine von Hell-Dunkel- Kontrasten geprägte Malweise wurde von Gerard van Honthorst (1590-1656), der etwa von 1610-21 in Rom lebte, übernommen und an Utrechter Maler weitergegeben. Von Adam Elsheimer (deut- scher Maler, 1578-1610, lebte lange in Italien, bekannt für seine Nachtbilder) kannte R wahrscheinlich nur Stiche, Elshei- mers Farbgestaltung war ihm wohl unbekannt. 7 All diese Einflüsse wurden von R studiert und weiter entwi- ckelt. Das Licht wird bei ihm Teil der Bühnenregie, es ist „...Zeigelicht und Aktionserreger in einem. Bei Rembrandt ist die Handlung eine Tat des Lichtes...“. 8 Kurz gefasst kann man sagen, dass R nicht wie seine Vorgänger Dinge, an denen sich
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Anne-Barbara Knerr, 2003, Rembrandts Selbstporträts, Munich, GRIN Publishing GmbH
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