Im Folgenden soll der Inhalt des oben genannten Aufsatzes wiedergegeben und besprochen werden. Aus sich selbst heraus ist er gar nicht so einfach verständlich. Dazu muss erst einmal Riemanns Terminologie geklärt, sowie der wissenschaftsgeschichtliche Problemzusammenhang herausgearbeitet werden, dem dieser Text zugehört. Außerdem muss etwas zu den zeitgenössischen Musiktheoretikern gesagt werden, auf die Riemann sich in seinem Aufsatz bezieht. Dies alles kann im Rahmen einer Seminararbeit wie der vorliegenden nur ansatzweise geschehen.
Zur Abkürzungs- und Zitierweise: Den im Zentrum meiner Ausführungen stehenden Aufsatz werde ich im folgenden mit „Ideen“ abkürzen. Bei allen Zitaten erfolgt die Quellenangabe direkt im Anschluss in Klammern; dabei verwende ich Siglen, die in der Literaturliste (unten, S.28 f.) den zugehörigen Literaturangaben zugeordnet sind. Für die „Ideen“ gilt hierbei die Abkürzung „Id“.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Der Problemzusammenhang – Riemanns These – Seine Zeitgenossen
1.2 Ziel und Vorgehensweise
2. Riemanns Modellansatz
2.1 Deduktive oder induktive Methode?
2.2 Tonvorstellung
2.3 Klangvertretung
2.3.1 Exkurs: Riemannns Herleitung der Durmolltonalität und des Konsonanzbegriffs
2.4 Ökonomie und Zentralisation: Riemanns Plädoyer für die gleichschwebende Temperatur
2.5 Anwendungsbeispiele
2.5.1 Das „Tonnetz der reinen Stimmung“
2.5.2 Wenn die Stimmführung entscheidet
2.6 Riemanns Stellung zur Frage, welche Bedeutung die Obertonreihe für das „musikalische Hören“ hat, und zur Verschmelzungstheorie von Stumpf
3. Fazit und Kritik
Nachwort: Bemerkungen zu Riemanns Einteilung (System) der Musikwissenschaft
Literaturliste mit Siglenverzeichnis
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Hugo Riemanns Aufsatz „Ideen zu einer ,Lehre von den Tonvorstellungen‘“ im Kontext der musiktheoretischen Debatten seiner Zeit. Das primäre Ziel besteht darin, Riemanns Hauptthese zu erarbeiten, nach der Musikhören eine logische Aktivität des menschlichen Geistes darstellt, die über die bloße passive Wahrnehmung akustischer Reize hinausgeht.
- Die Auseinandersetzung Riemanns mit Helmholtz’ physiologischer Konsonanztheorie.
- Die Begriffe „Tonvorstellung“ und „Klangvertretung“ als zentrale Konzepte des musikalischen Hörens.
- Die Rolle der „Ökonomie“ und „Zentralisation“ bei der harmonischen Deutung.
- Das Verhältnis von Theorie und Praxis im Kontext der gleichschwebenden Temperatur.
- Die kritische Rezeption von Carl Stumpfs Verschmelzungstheorie.
Auszug aus dem Buch
1.1 Der Problemzusammenhang – Riemanns These – Seine Zeitgenossen
Wie nehmen wir Musik wahr? Werden die musikalischen Informationen uns durch das Schallereignis mitgeteilt, oder deuten wir das klingende Ereignis durch ein in uns vorhandenes kategoriales Gerüst? Diese Fragen bewegten im Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert die Hauptvertreter der damals sich etablierenden universitätsgebundenen Musikwissenschaft.
„...daß nämlich gar nicht die wirklich erklingende Musik sondern vielmehr die in der Tonphantasie des schaffenden Künstlers vor der Aufzeichung in Noten lebende und wieder in der Tonphantasie des Hörers neu erstehende Vorstellung der Tonverhältnisse das Alpha und Omega der Tonkunst ist.“ (Id, 2). Mit diesen Worten formulierte Hugo Riemann (1849-1919) im Jahr 1914, gegen Ende eines produktiven Forscherlebens, seine Position in der damaligen musiktheoretischen Diskussion.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Klärung des wissenschaftsgeschichtlichen Hintergrunds und Einführung in die zentrale Fragestellung zur Rolle der Tonvorstellung beim Musikhören.
2. Riemanns Modellansatz: Detaillierte Analyse der von Riemann postulierten Konzepte wie Tonvorstellung, Klangvertretung sowie Ökonomie und Zentralisation.
3. Fazit und Kritik: Zusammenfassende Bewertung der Riemannschen Theorie unter Berücksichtigung ihrer historischen Begrenztheit und ihrer Bedeutung für die moderne Musikwissenschaft.
Nachwort: Bemerkungen zu Riemanns Einteilung (System) der Musikwissenschaft: Einordnung der „Lehre von den Tonvorstellungen“ in Riemanns systematisches Modell der fünf musikwissenschaftlichen Disziplinen.
Schlüsselwörter
Hugo Riemann, Tonvorstellung, Klangvertretung, Musikhören, Konsonanz, Dissonanz, Obertonreihe, Carl Stumpf, Hermann von Helmholtz, harmonischer Dualismus, Musikästhetik, Tonphysiologie, gleichschwebende Temperatur, Ökonomie, Zentralisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Hugo Riemanns Aufsatz „Ideen zu einer ,Lehre von den Tonvorstellungen‘“ und untersucht dessen Position innerhalb der musiktheoretischen Diskussion um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die Abgrenzung zum rein physiologischen Hören (Helmholtz), die kognitiven Prozesse bei der Wahrnehmung von Konsonanz und Dissonanz sowie die harmonischen Konzepte des „harmonischen Dualismus“.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, nachzuzeichnen, wie Riemann das Musikhören als bewusste, logische Aktivität des menschlichen Geistes definiert und begründet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit ist eine musiktheoretische Exegese, die Riemanns eigene Schriften, ergänzt durch historische Kontexte und zeitgenössische Musiktheoretiker, kritisch interpretiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Riemanns deduktivem Modellansatz, die spezifischen Begriffe der Klangvertretung sowie die Anwendung seiner Theorie auf das „Tonnetz der reinen Stimmung“ und die Stimmführungspraxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Tonvorstellung, musikalische Logik, harmonischer Dualismus und kognitive Musiktheorie beschreiben.
Inwieweit spielt die Auseinandersetzung mit Carl Stumpf eine Rolle?
Riemanns Auseinandersetzung mit Stumpf ist essentiell, da Stumpf eine Mittelposition einnimmt und Riemann dessen Verschmelzungstheorie zwar als Abkehr vom physikalischen Determinismus begrüßt, aber dennoch als unzureichend kritisiert.
Wie bewertet der Autor Riemanns Anspruch auf Deduktion?
Der Autor hinterfragt Riemanns Anspruch auf eine apriorische Letztbegründung kritisch und schließt sich der Einschätzung Peter Rummenhöllers an, dass Riemanns Theorie eher eine „Induktion höherer Stufe“ aus der Musikpraxis seiner Zeit darstellt.
- Arbeit zitieren
- Andreas Jakubczik (Autor:in), 2003, Musikhören als logische Aktivität des menschlichen Geistes. Hugo Riemanns Aufsatz "Ideen zu einer 'Lehre von den Tonvorstellungen' " im Kontext seiner Zeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33516