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INHALTSVERZEICHNIS
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1. EINLEITUNG 3
2. WILHELM MÜLLER: DER POET UND SEINE EPOCHE 3
2.1 Kurzbiographie 3
2.2 Romantik und Natur 4
3. „DIE WINTERREISE“ - WANDERUNG ZUM EIGENEN ICH 5
3.1 Entstehungsgeschichte und Grundthematik 5
3.2 Der Zyklus als sinnstiftendes Element 6
3.2.1 Formale Struktur 6
3.2.2 Themen und Motive 6
4. „DER LINDENBAUM“ UND DIE VERGÄNGLICHKEIT DES SEINS 8
4.1 Symbolik des Lindenbaums 8
4.2 Das Lindenbaum-Gedicht 9
4.2.1 Inhalt und äußere Form 9
4.2.2 Die Wahl der Motive 10
5. PROBLEMATIK DER GEDICHTANALYSE 12
5.1 Bisherige Deutungsansätze 12
5.2 Eigene Interpretationsvorschläge 13
6. SCHLUSSBEMERKUNG 16
7. BIBLIOGRAPHIE 16
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EINLEITUNG 1.
Es ist das Schicksal vieler Künstler, dass ihre Werke nicht den Ruhm ernten, den sie verdient haben. Vielen wird erst die gebührende Achtung zuteil, wenn der Künstler selbst bereits verstorben ist; andere wiederum kommen - trotz ihrer zweifelllosen Meisterhaftigkeit - nie in den Genuss einer derartigen Anerkennung. Einem dieser Künstler möchte ich diese Hausarbeit widmen: Wilhelm Müller. Sein komplexes Werk „Die Winterreise“ 1 stellt dabei die thematische und motivische Grundlage für die genaue Untersuchung des darin enthaltenen Gedichts „Der Lindenbaum“ 2 dar. Meine Analysen zielen darauf ab, nicht nur bereits gewonnene Erkenntnisse über den Winterreise-Zyklus zusammenzutragen, sondern neue Deutungsansätze zu finden. Besonderes Augenmerk möchte ich darauf legen, unter welchen Aspekten das Lindenbaumgedicht zu seiner Entstehungszeit in der Romantik - und heute im 21. Jahrhundert - zu betrachten ist. Ziel dieser Arbeit soll es sein, dem modernen Leser und seinem Verständnis von Lyrik, dieses Werk aus dem 18. Jahrhundert zugänglich zu machen.
WILHELM MÜLLER: DER POET UND SEINE EPOCHE 2.
2.1 Kurzbiographie
Da es viele Stationen im Leben Müllers gibt, die nur wenig Bedeutung für „Die Winterreise“ haben, beschränke ich mich auf eine überschaubare Anzahl von Lebensdaten, die ich als die wichtigsten empfinde. Neben dem Werk von Verena Leistner 3 , findet sich eine ausführliche Biographie Müllers mit Auflistung des Gesamtwerks in seinem literarischen Nachruf zum 200. Geburtstag 4 . Johann Ludwig Wilhelm Müller kam am 7. Oktober 1794 in Dessau als siebtes Kind in einem protestantischen Elternhaus zur Welt. Zur Vorbereitung auf die Universität besuchte er die Dessauer Hauptschule, bevor er 1812 nach Berlin ging um dort sein Studium in klassischer Philologie und Germanistik anzutreten. Bereits im Februar 1813 unterbrach er jedoch sein Studium, um am Befreiungskrieg gegen Napoleon mitzuwirken. Ein Jahr später wurde er zum Leutnant ernannt und führte seinen Dienst in Brüssel weiter.
1 Hatfield, James Taft (Hg): Gedichte von Wilhelm Müller. Vollständige kritische Ausgabe, in: Deutsche Literaturdenkmale
des 18. und 19. Jahrhunderts, No. 137/Dritte Folge No. 17, Berlin: Behrens Verlag, 1906.
2 Ebenda, S. 113/114.
3 Leistner, Maria-Verena (Hg): Wilhelm Müller. Werke, Tagebücher, Briefe. Mit einer Einleitung von Bernd Leistner, Gedichte
1/Band 1, Berlin: Gatza Verlag, 1994.
4 Michels, Norbert (Hg): Wilhelm Müller, eine Lebensreise. Zum 200. Geburtstag des Dichters. Mit Beiträgen von Gerd Brüne
u.a., Weimar: Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, 1994.
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1815 kehrte er nach Berlin zurück um sein Studium fortzusetzen. Zwischen 1816 und 1818 erschienen seine ersten Gedichte, außerdem wurde er Mitglied in der „Berlinischen Gesellschaft für Deutsche Sprache“. 1817 und 1818 unternahm Müller ausgedehnte Reisen nach Italien und Griechenland, die ihm Inspirationen für weitere Schriften lieferten. 1819 wurde Müller sesshafter: Er trat eine Hilfslehrerstelle in Dessau an, arbeitete gleichzeitig an der Errichtung der Herzoglichen Bibliothek und gab 1820 eine eigene Zeitschrift heraus. Am 21. Mai 1821 heiratete er Adelheid Basedow, mit der er in den darauffolgenden Jahren zwei Kinder bekam. Ansonsten war sein Alltag durch einen immensen schriftstellerischen Schöpfungsdrang bestimmt. Der Zyklus „Die Winterreise“ ist nur eines von vielen Werken, die in den letzten acht Jahren seines Lebens erschienen. Am 30. September 1827 verstarb Wilhelm Müller in seiner Dessauer Heimatstadt.
2.2 Romantik und Natur
Wenngleich Müller eine individuelle Persönlichkeit darstellte, war sein Leben geprägt durch das soziales Umfeld und durch die gesellschaftlichen und kulturellen Normen, die sein Zeitalter bestimmten. Zwar gibt es Aspekte in Müllers Biographie, die sich auf den ersten Blick kaum in seiner schriftstellerischen Tätigkeit abzeichnen, wie z.B. sein politisches Engagement. Gerade in seinem Wesen als Künstler lässt sich jedoch ein „roter Faden“ ausmachen, der sowohl Teile seines persönlichen Lebens wie auch seines künstlerischen Daseins einnimmt. Deshalb ist es mir an dieser Stelle meiner Arbeit wichtig, charakteristische Aspekte des romantischen Denkens auszumachen, die kennzeichnend für Müllers literarisches Schaffen sind und sich stellenweise in seinen Werken widerspiegeln. Die romantische Bewegung in Europa erstreckt sich von 1790 bis 1830, wobei die literarische Romantik mit ihren Hauptvertretern (z.B. August Wilhelm Schlegel.) erst um 1793 einsetzte. 5 Es ist unmöglich, eine allgemeingültige Aussage über den romantischen Gedanken zu treffen, der allen Vertretern dieser Bewegung gerecht werden könnte. Dennoch möchte ich einige wichtige und zentrale Themengebiete der Romantik zusammenzufassen. Neben dem Märchen und dem Mythos galt die Poesie als bevorzugtes Ausdrucksmittel der romantischen Literatur. Komplexe seelische Vorgänge im Leben des Menschen waren häufige poetische Themen. Diese jedoch wurden vom Dichter künstlerisch verschlüsselt und so benötigte der Leser die passende Leseweise bzw. ein hermeneutisches Vorverständnis, um das Niedergeschriebene wieder zu entschlüsseln. 6 Aspekte des Wanderns oder ausführliche Naturschilderungen stellten beliebte Inhalte der romantischen Poesie dar.
5 Meyers Taschenlexikon in 10 Bänden. Meyers Lexikonredaktion (Hg), Band 8, Augsburg: Weltbildverlag GmbH, 1999, S.
2888.
6 Metzler-Lexikon Literatur- und Kulturt heorie: Ansätze - Personen - Grundbegriffe. Ansgar Nünning (Hg), 2. überarbeitete
und erweiterte Auf., Stuttgart: Metzlersche Verlagsbuchhandlung und Poeschel Verlag, 2001, S. 563.
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So auch bei Wilhelm Müller, der nicht nur selbst gerne auf Reisen war, sondern für seine lyrischen Werken meist den Handlungsort der freien Natur wählte. In der romantischen Literatur wurde die Natur verherrlicht, während man zeitgleich mit der industriellen Ausbeutung derselben begann und die Natur durch künstlich angelegte Parkanlagen zähmte. Trotz der Vorliebe für die Naturschilderung ging es der romantischen Poesie nicht um deren Naturnachahmung, vielmehr versuchte sie sich an der „Erzeugung einer eigenen Wirklichkeit“ 7 . Diesem Riss zwischen dem künstlerischen Subjekt und der realen Welt versuchten viele Dichter mittels ihrer Poesie Herr zu werden. Bei Müller äußert sich dieser Versuch in der „Winterreise“ und ihrem „spezifischen Verhältnis zur Natur“ 8 .
„DIE WINTERREISE“ - WANDERUNG ZUM EIGENEN ICH 3.
3.1 Entstehungsgeschichte und Grundthematik
Der Zyklus „Die Winterreise“ besteht aus 24 Einzelgedichten, die etappenweise von Müller geschrieben und veröffentlicht wurden. Die ersten zwölf Gedichte der „Winterreise“ erschienen bereits in „Urania. Taschenbuch auf das Jahr 1823“, zehn weitere wurden im März 1823 in den „Deutschen Blättern für Poesie, Litteratur, Kunst und Theater“ abgedruckt. 9 Im zweiten Band der Müllerschen „Gedi chte aus den hinterlassenen Papieren eines reisenden Walhornisten“ von 1824 war der vollständigen Zyklus mitsamt den nachträglich eingefügten Gedichten „Die Post“ und „Täuschung“ enthalten. Interessant an der endgültigen Fassung der „Winterreise“ ist die Gedichtfolge, die Müller vor der Veröffentlichung in der „Urania“ veränderte. Die Reihenfolge der Gedichte ist nach Günther Baum unabdingbar für die Aufrecherhaltung des zyklischen Systems und für das Verstehen der Winterreise-Thematik im Allgemeinen, 10 was ich im weiteren Verlauf dieser Arbeit genauer erläutern werde.
Insgesamt lässt sich die Thematik der „Winterreise“ als „düster“ und „schauerlich“ bezeichnen. 11 Das lyrische Ich wird von einem Wanderer vertreten, der alleine durch eine Winterlandschaft reist. Anlass für die Wanderschaft bietet ihm eine enttäuschte Liebeserfahrung, was man aus dem ersten Gedicht „Gute Nacht“ herauslesen kann. Diese nicht erwiderte Liebe verliert im Laufe des Zyklus immer mehr an Bedeutung und wird schließlich abgelöst durch eine Reihe wiederkehrender Motive und psychischer Entwicklungsstufen, die der Wanderer auf seiner Reise zu durchleben hat.
7 Metzler-Lexikon, a.a.O., S. 563.
8 Michels, eine Lebensreise, a.a.O., S. 59.
9 Leistner, Wilhelm Müller, a.a.O., S. 303.
10 Zit. in Wittkop, Christiane: Polyphonie und Kohärenz. Wilhelm Müllers Gedichtzyklus „Die Winterreise“, Stuttgart: M&P
Verlag für Wissenschaft und Forschung, 1994, S. 29.
11 Michels, eine Lebensreise, a.a.O., S. 63.
Arbeit zitieren:
Amely Braunger, 2004, Der Lindenbaum von Wilhelm Müller und seine Bedeutung im Zyklus 'Die Winterreise', München, GRIN Verlag GmbH
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