Einleitung
Australien - Kontinent der Extreme. Im Jahre 2002 hatte ich die Möglichkeit, diesen Kontinent im Rahmen eines Praktikums für Deutsch als Fremdsprache 3 Monate zu besuchen. Mich hat dieser Aufenthalt sehr fasziniert und noch heute denke ich oft an dieses Land zurück. Meine fantastische Gastfamilie hat es mir ermöglicht, im Rahmen der vorhandenen Zeit, sehr viel von diesem Land kennen zulernen. Dieses Land trägt nicht zu Unrecht den Namen Kontinent der Extreme. Auf der einen Seite stand ich mitten in der Wüste, umgeben vom Nichts, wo man jegliches Raum - und Zeit- gefühl vergaß, nur ein heißer Wind erinnerte mich daran, dass ich nicht träumte.
Auf der anderen Seite, mitten in der Zivilisation. 15000 Kilometer von der Heimat entfernt und doch spürt man den europäischen Einfluss. Kommt man dann noch in ein „deutsches Dorf“, wo es Sauerkraut und Bratwurst zu essen gibt, versteht man die Welt nicht mehr. Mich hat dieses Land sehr beeindruckt, und ich kann verstehen, warum es Tausende von Menschen dort hin zog. In dieser Arbeit möchte ich mich im Rahmen des Hauptseminars Wissenschaftsgeschichte des Faches Deutsch als Fremdsprache mit der deutschen Sprache in Australien beschäftigen. Als erstes werde ich mich den Hauptperioden der Einwanderung in Australien widmen. Dabei gibt es, die Koloniale Attraktion, die Imperiale Aversion und die multiethnische Situation. Des weiteren werde ich die Gegenwart und Zukunft der deutschen Sprache in Australien näher betrachten. Als vo rletzten Punkt möchte ich die Situation des Faches Deutsch als Fremdsprache an australischen Universitäten beschreiben. Zum Schluss möchte ich meine eigene Meinung darstellen und den Forschungsge-genstand etwas heraus kristallisieren.
Die Auswanderung der Deutschen wurde durch die Herkunftsgebiete, als auch durch die Zielländer, in diesem falle Australien beeinflusst. „Die deutsche Ein-wanderung in die australischen Kolonien Großbritanniens“...“ ist zeitlich und regional sehr unterschiedlich verlaufen.“ 1
1 Baade, Klaus: Migration und Geschichte in der Gegenwart S. 215
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Die deutsche Einwanderung nach Australien war neben der britischen Einwa n-
derung bis zum 1. Weltkrieg die Umfangreichste. Deutsche waren also von An-
fang an dabei, als Beamte, als freie Einwa nderer, als Sträflinge.
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1. Koloniale Attraktion 1788-1914 in New South Wales
Die erste Kolonie auf australischem Boden war New South Wales, sie wurde 1788 von einem britischen Kapitän Arthur Phillip gegründet und sollte zur Abschiebung britischer Sträflinge dienen. „Auf die Ureinwohner, die Aborigines, wurde dabei keinerlei Rücksicht genommen.“ 2
August Alt wurde von Gouverneur Phillip als erster Landvermesser bestellt und 1790 traf der aus Hessen stammende Philip Schaeffer in Sydney ein. Er war der erste Einwanderer und bemühte sich vergeblich um Weinanbau. Es folgten auch Astronomen und Forschungsreisende, wie Christian Carl Ludwig Rümker oder Ludwig Leichhardt.
Nicht alle Deutschen kamen freiwillig nach Australien, sondern als "convicts" Strafgefangene. Eine genaue Zahl lässt sich dabei nicht entdecken oder nachvollziehen.
„Zwei kleine Gruppen wurden zur Auswanderung nach NSW angeworben: 6 Winzerfamilien aus Hattenheim und die Gossnerschen Brüder, die als Missionare unter den Aborigines wirken sollten.“ (nach Baade, Klaus: Migration und Geschichte in der Gegenwart S. 216)
„Sydney, die Hauptstadt von NSW, war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein attraktiver Ort für Handeltreibende, aber auch für Handwerker und Industriearbeiter.“ 3 Darunter zählen z.B. Zigarrenarbeiter oder politisch orientierte Vereine, wie der 1883 gegründete Verein „Concordia“. 1883 wurde ebenfalls in Sydney eine evangelische Kirche gegründet, die aber von ihrer Zugehörigkeit zur evangelischen Kirche Deutschlands zählte. „Im Jahre 1981 wurden in NSW 9565 aus Deutschland stammende Einwohner gezählt.“ 4
2 Baade, Klaus: Migration und Geschichte in der Gegenwart S. 215
3 Ebd. S.216
4 Ebd. S.216
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2. Koloniale Attraktion 1788-1914 in Südaustralien
In NSW wurde zu Weidezwecken sehr viel Land verschleudert und es entsta nden große Probleme. Um diesen Problemen in der 1836 gegründeten Kolonie South Australia entgegenzuwirken, sollte nach Vorstellung von Edward Gibbon Wakefield dieses Land systematisch kolonisiert werden. Aus diesem Grund sollte das Land durch eine Gesellschaft mit Namen South Australia Company an kapitalkräftige Einwanderer verkauft werden. Aus dem entstandenen Erlös sollten dann freie Landarbeiter in die Kolonie gebracht werden. Die Kolonie war für deutsche Einwanderer sehr offen. Durch Zufall begegneten sich der Direktor der Company George Fife Angas und der südbrandenburgische Pastor August Ludwig Christian Kavel. Dieser wollte mit seiner altlutherischen Gemeinde vor der Vereinigung mit der Reformierten Kirche aus Klemzig fliehen. Durch eine Auswanderung nach Südaustralien wurde eine völlige religiöse Unabhä ngigkeit garantiert. Natürlich kamen auch wirtschaftliche Faktoren hinzu. Diese Gemeinde siedelte sich in der Nähe von Ade-
schen Ortsnamen übersät. Es gab 69 deutsche Ortsnamen.
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Das fruchtbare Barossa Tal wurde von dem Naturforscher Johannes Menge entdeckt und wurde dann langsam besiedelt. Erst am Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich dieses Gebiet zu einem bedeutenden Weinanbaugebiet. Zwischen 1848 und 1854 übersiedelten 1100 Personen aus Clausthal- Zellerfeld in dieses Gebiet.
Die Aufnahmebereitschaft für Einwanderer in Südaustralien war sehr groß, und so blieb es nicht aus, dass auch viele Intellektuelle und Revolutionäre nach der gescheiterten Revolution 1848/49 nach Südaustralien kamen. Es entstand unter anderem die „Tandunda Zeitung“, die später „Australische Zeitung“ hieß. Somit wurden die Einwanderer mit Meldungen aus der alten und neuen Heimat ver-sorgt.
Auch kirchlich interessierte Menschen wurden mit der „ Kirchen und Missionszeitung“ oder mit dem „Kirchboten“ versorgt. „Auch in den Gruppensiedlungen... war die fortschreitende Assimilation der deutschen Einwanderer nicht aufzuha lten: Sonnabendschule, Gottesdienst und deutscher Gesang konnten die vollständige Anglisierung allenfalls hinauszögern.“ 5 Am meisten Deutsch wurde noch in den lutherischen Kirchen gesprochen, denn es war ja die Sprache Martin Luthers. Aber auch dort war dann die deutsche Sprache rückläufig, weil die deutschen Pastoren in Ruhestand gingen und von englisch sprechenden Pastoren ersetzt wurden. Außerdem ebbte die Einwanderung am Ende des 19. Jahr-hunderts ab.
Natürlich gab es auch Einwanderungen in den anderen Bundesstaaten, wie Victoria, Queensland, Tasmanien, Western Australia und Nothern Territory. Aber für die Verbreitung der deutschen Sprache in Australien ist eher Südaustralien ein wichtiger Standort, und deshalb möchte ich auf die anderen Bundesstaaten nicht näher eingehen.
5 Baade, Klaus: Migration und Geschichte in der Gegenwart S. 218
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Arbeit zitieren:
Juliane Richter, 2004, Deutsche Sprache in Australien, München, GRIN Verlag GmbH
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