INHALTSVERZEICHNIS
1. GEORG SIMMEL 4
1.1 Die soziale Position des Fremden 4
1.2 Das spezifische Verhältnis von Ferne und Nähe zwischen Fremden und
Einheimischen. 4
2 NORBERT ELIAS und JOHN L. SCOTSON. 5
2.1 Das Verhältnis zwischen Etablierten und Außenseitern 5
2.2 Figuration im Sinne von Elias 6
3 ZYGMUNT BAUMAN. 7
3.1 Die Ambivalenz des Fremden 7
3.2 Das Dilemma der Assimilation. 8
4 RUTH WODAK und BERND MATOUSCHEK 9
4.1 Der Diskurs der Differenz. 9
4.2 Wie kommt es zu einer nationalen Identität? 10
4.3 Die österreichische Identität 11
4.4 Die „österreichische Seele“: Fremd- und Selbstbild der Österreicher 12
5 ROLAND GIRTLER. 17
5.1 Was sind Randgruppen? 17
5.2 Die Randkultur von Obdachlosen. 18
5.3 Randkultur, Randgruppen und Subkultur 19
6 LITERATURVERZEICHNIS 22
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1. GEORG SIMMEL
1.1 Die soziale Position des Fremden
In einem nur siebenseitigen Artikel mit dem Titel „Exkurs über den Fremden“ prägte Georg Simmel im Jahr 1908 die soziologischen Untersuchungen zum Thema „Fremde in der Gesellschaft“ entscheidend.
Die soziale Position des Fremden bestimmt sich dadurch, dass er ein Element der Gruppe ist, in der er sich aufhält. Er steht innerhalb der Gesellschaft und wird von dieser als „fremd“ wahrgenommen, so wird er Teil dieser Gesellschaft. Laut Simmel trat der Fremde früher meist als Händler auf, der aber nach einer gewissen Zeit im Normalfall weiterzog. Doch irgendwann ließen sich auch diese Handlungsreisenden innerhalb einer Gesellschaft nieder, welche sie als „fremd“ identifizierten, als „Überzählige“, als einen „Supernumerarius“ (Simmel 1992: 766). Ein weiteres Charakteristikum des Fremden ist, dass er keinen Boden besitzt und dass er in einem gewissen Ausmaß die Eigenschaft der Objektivität mitbringt, da er mehrere Kulturen und Kulturkreise kennt. Er ist durch keinerlei Geschehnisse in der neuen Gruppe „vorbelastet“ und diese Tatsache kann unter Umständen zu einer dominierenden Stellung des Fremden führen. Andererseits kann der Fremde, laut Simmel, durchaus auch als „Hetzer“ oder „Aufwiegler“ gesehen werden.
1.2 Das spezifische Verhältnis von Ferne und Nähe zwischen Fremden und Einheimischen
Besonders nachdrücklich behandelt Simmel in seinem Exkurs die Problematik der Nähe und Entferntheit.
Laut Simmel verkörpert der Fremde jemanden, „der heute kommt und morgen bleibt - sozusagen der potenziell Wandernde“ (Simmel 1992: 764). Er ist nicht an einen Ort gebunden, andererseits aber hat er sich an einem bestimmten Platz niedergelassen und ist nicht einfach weitergezogen. Beziehungen zu einem Fremden vereinen somit quasi gleichzeitig Nähe (er ist hier geblieben) und Ferne (er kommt von wo anders her, bringt eventuell fremde Eigenschaften mit und könnte möglicher Weise wieder weiterziehen).
„… die Distanz innerhalb des Verhältnisses bedeutet, daß der Nahe fern ist, das Fremdsein aber, daß der Ferne nah ist.“ (Simmel 1992: 765)
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Der Fremde ist nah, da die räumliche Entfernung zwischen ihm und den Einheimischen sehr gering ist, und er ist fern, da er gewisse Eigenschaften besitzt, die ihn fremd erscheinen lassen. Er ist körperlich nah, aber kulturell fern. Simmel versteht „das Verhältnis zum Raum “ auch als „Symbol der Verhältnisse zu Menschen“ (Simmel 1992: 764). Durch diese zwei unterschiedlichen Auffassungen des Begriffes „Raum“ versteht man die Bedeutung von dem, was Simmel als „sozialen Raum“ auffasst, nämlich der soziale Zustand, im dem emotionale Nähe bzw. Ferne symbolisiert werden.
2 NORBERT ELIAS und JOHN L. SCOTSON
2.1 Das Verhältnis zwischen Etablierten und Außenseitern
Elias und sein Schüler Scotson führten in der Zeit zwischen 1958 und 1960 eine empirische Fallstudie in einer englischen Vorstadt durch. In ihrem Buch „Etablierte und Außenseiter“ wird diese Vorstadt als „Winston Parva“ betitelt. Wichtigster Inhalt der Untersuchung ist das Beziehungsgeflecht von Alteingesessenen und Neusiedlern in diesem Vorort. Als ein neuer Ortsteil für Arbeiter aus anderen Teilen Englands geschaffen wurde, schlossen sich die alteingesessenen Bewohner von Winston Parva extrem kohärent zusammen und bauten quasi eine Mauer gegen die Neuankömmlinge. Interessanter Weise solidarisieren sich somit zwei unterschiedliche Schichten, nämlich alteingesessene Arbeitgeber und
alteingesessene Arbeiter gegen die neuankommenden Arbeiter. Die „alten Familien“ sind gut organisiert, jeder hat seine bestimmte Position in der Gesellschaft inne, und der Zusammenhalt ist im Vergleich zu den neuen Familien, die sich untereinander nicht besonders gut kennen, ein viel größerer. Diese Neusiedler bleiben die Außenseiter, stigmatisiert und fremd. Obwohl weder die Nationalität noch das Aussehen, die Religion oder der soziale Rang diese beiden Gruppen unterscheiden, ist die Trennung zwischen Außenseitern und Etablierten eine sehr scharfe, eine absolute. Sie wird bestimmt durch ungleiche Machbalancen und daraus resultieren Spannungen, die zu einer immer größeren Stigmatisierung der Außenseiter führt. „Die anderen selbst schienen nach einer Weile mit einer Art verwirrter Resignation hinzunehmen, dass sie zu einer minderwertigen, weniger
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respektablen Gruppe zählten (was von ihrem faktischen Verhalten her, wie sich zeigte, nur für eine kleine Minorität berechtigt war).“ (Elias/Scotson 1990: 9)
Durch die Zurückweisung und das Abblocken der alteingesessenen Familien entsteht die Auffassung der eigenen Gruppe als „Wir“ und die anderen als „Sie“. Die Ankunft der neuen Arbeiterfamilien wird von den Etablierten als Störung und Bedrohung wahrgenommen.
„Ob zu Recht oder zu Unrecht, sie fühlten sich - wie viele andere Etabliertengruppen - einem dreifachen Angriff ausgesetzt: gegen ihre monopolisierten Machtquellen, gegen ihr Gruppencharisma und gegen ihre Gruppennormen. Und sie wehrten sich, indem sie ihre Reihen gegen die Außenseiter schlossen, indem sie die letzteren ausgrenzten und demütigten. Den Außenseitern selbst lag es fern, die Alteingesessenen anzugreifen; aber sie waren in einer unglücklichen und oft e rniedrigenden Position.“ (Elias/Scotson 1990: 55f)
2.2 Figuration im Sinne von Elias
Elias und Scotson prägten ganz entscheidend den Begriff der „Figuration“. Damit wird das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft beschrieben. (vgl. Treibel 1993: 185). Der Figurationsbegriff soll erklären, wie aus den Handlungen der Individuen gesellschaftliche Strukturen erwachsen und langfristige gesellschaftliche Entwicklungsprozesse vorangetrieben werden.
In ihrer Untersuchung beschäftigen sich Elias und Scotson meist mit Etablierten-Außenseiter-Figurationen. Als besonders wichtig erachten die beiden
Wissenschaftler hier den starken Zusammenhalt der Etablierten sowie deren ungleich größeres Machtpotential und die daraus resultierenden Spannungen. Doch man darf diesen Zus tand nicht als statisch ansehen, vielmehr unterliegen diese Figurationen eigenen Strukturen und einer gewissen Dynamik. Es entsteht e in Spannungsgefüge, in dessen Zentrum die Figuration durch eine Machtbalance zwischen den Individuen und den Gruppen aufrechterhalten wird. Ändert sich diese Machtbalance, ändert sich auch die Figuration.
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„Figurationen sind Beziehungsgeflechte von Menschen, die mit der wachsenden gegenseitigen Abhängigkeit der Menschen untereinander immer komplexer werden. Die Mitglieder einer Figuration sind durch viele solcher gegenseitiger Abhängigkeiten (Interpendenzketten) aneinander gebunden. Figurationen sind soziale Prozessmodelle.“ (Treibel 1993: 186)
Grundlegend im menschlichen (Zusammen)Leben sind für Elias die Prägung und die Position des Einzelnen in einer Figuration, die Struktur der Figuration und ihre Beziehung zur Natur.
Als weiteres Beispiel für eine soziale Figuration wären „Macht“ und „Gewalt“ zu nennen. Diese sozialen „Zustände“ sind nicht per se vorhanden, sondern entstehe n immer erst durch soziale Interaktion. Kernelemente wären hier die Autorität, die Hierarchie und der Organisationsgrad. Als Beispiel wäre das Militär zu nennen. Ein weiteres Beispiel für eine s oziale Figuration ist auch ein Büro. Die dort arbeitenden Menschen bilden durch ihre Anwesenheit, ihre Äußerungen, ihr Verhalten, durch all ihre sozialen Aktivitäten eine Figuration, die durch gewisse Organisationsformen und Machtverhältnisse gekennzeichnet ist.
3 ZYGMUNT BAUMAN
3.1 Die Ambivalenz des Fremden
Die soziale Position des Fremden ist nach Zygmunt Bauman dadurch bestimmt, dass er die auf eindeutige Zuordenbarkeit aufbauende soziale Matrix von Freunden und Feinden in der modernen Ordnung durch sein Unzuordenbarkeit, seine Abbivalenz „stört“. Doch diese Ambivalenz wir d in der sozialen Ordnung der Moderne als störend empfunden. „Ambivalenz“ bedeutet Doppelwertigkeit. Der Fremde ist die personifizierte Ambivalenz, er ist weder Feind noch Freund und er ist gleichzeitig sowohl Feind als auch Freund. Diese Ambivalenz passt nicht in das Schwarz-Weiß-Schema von „innen und außen“.
Während sich laut Bauman Feind und Freund durch eine gegenseitige Ausschließung definieren, passt der Fremde nicht in diese einfache Matrix.
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Arbeit zitieren:
Mag. Susanne Bortolotti, 2003, Literaturanalyse: 'Fremde in modernen Gesellschaften' in der modernen deutschsprachigen Soziologie, München, GRIN Verlag GmbH
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Susanne Bortolotti hat den Text Literaturanalyse: 'Fremde in modernen Gesellschaften' in der modernen deutschsprachigen Soziologie veröffentlicht
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